Hochansehnliche Versammlung! Meine verehrten Herren Kollegen!
Kommilitonen!
In einer Niederschrift aus dem Jahre 1537 findet sich die Sage vom Kyffhäuser in folgender Fassung:
„Dargegen wollen elliche sprechen, daß ein Berg bei HVyancleenhausen in Düringen liegt, darin soll Naiser Friedrich auch seine Wohnung haben und vielmal da gesehen worden sein. Ind fürnemlich hat uff ein Jeit ein Schaffhirt der schaf, bei dem Berg gehutl, und als er auch gehört, daß Kaiser Friedrich in dem Berg wonel, hal er auf der suchepfeiffen gepfiffen.“ Darauf— ich zitiere abkürzend— wird er in den Berg ge- ruken, den er„durch ein eisirn Tür, die alsbald von selbst auf- gangen“, betritt.„Da sei ein schöner, großer Saal gewest, da- innen viel Herren und viel dapfere Diener, die dem(in ihrer Mille thronenden) Huiser ehr erseigten.“ Dort wird der Schäfer kür sein Spiel mit Gold beschenkt.)
Einige Jahre später(1546) wird berichtet, daß in den Trümmern der Burg jemand erschienen sei und sich für den Kaiser ausgegeben habe. Es scheint, daß es sich um einen Irren gehandelt hat. Aber sowohl der Kurfürst von Sachsen wie Herzog Albrecht von Preußen nahmen die Sache so ernst, daß sie ihr nachforschen lieben. Und Martin Luther soll damals geäußert haben:„Ich weiß nicht, was ich davon soll halten. Der Teufel hat vormals mehr den Leuten eine Vase gemacht.“ 2) Man sieht, wie ernst der Glaube an das Verborgensein und damit an die Wiederkehr des Kaisers Friedrich damals im deutschen Volke gelebt hat.
Wir feiern, hochansehnliche Versammlung, diesen Tag als den Gründungstag des geeinten Deutschland. Die einzelnen


