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Cafe bir »omSpott der ganzcnwclt nicht rauben Den Rest von Kindersinn und Kinderglauben! Gar manches, das die Klugen nur verlachen, Kann dich imkcrzen reich und glücklich machen.
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Das Reich der rau.
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.DlcIuacnd'.fagt man „hat ja keine Tugend!' Ivarum denn nicht? Viel wahrer jag ich dir: Die Tugend blühet ja in cw'gcr Jugend Und ist drum auch der Jugend schönste Zeit!
13, XXIV.
Die Puppe und ihre Bekleidung.
Das moderne Kunstgewerbe hat, wie mit so manchem, so auch mit den Puppen aufgeräumt, deren Köpfe alle nach einer Schablone gemodelt waren und die mit ihrem stereotypen Cächeln und nichtssagenden Augen, eine wie die andere, stets denselben Puppentypus repräsentierten. Nachdem aber Käthe Kruse uns mit ihren, dem Ceben abgelauschten Puppengestalten sozusagen ein- neue Puppenwelt geschaffen, folgten bald andere, wie Marion Kaulitz und Lotte pritzel, die sich daran machten, die Puppen zu reformieren, und jede in ihrer Art hat es verstanden, dieses Kinder- spielzeug so zu idealisieren, dafe es tatsächlich wie ein Kunstwerk auf uns wirkt. Da nun die Kugel einmal ins Nöllen geraten war, regte es sich bald in den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes im Interesse der Puppe, und Nachahmungen von Käthe-KruK - Puppen, alle möglichen Trachtenpuppen, sowie Charakter-Typen wurden auf den Markt gebracht. Unter anderem bildete sich m der «Eifel in dem Dorfe Kyllburg eine Trachtenpuppe» - Industrie au-, die als keimarbeit den Sraue» dort eine gute Tinnahme verschafft. Unter der teitung der Srau des dortigen Gemeindevorstehers verlertigen die fleifeigen Heimarbeiterinnen in ihren MufeestunLen ihre ebenfalls dem Leben abgelauschten Puppen, gewisjermafeen als naturgetreue Nachbildungen der Meiifchen ihrer nächsten ingebung. Die sorglos lachende und spielende ugenS in ihrer malerischen Eifeltrocht, muntere Arbeiter, ehrsame Kirchgänger, tanzlustige Burschen und Mädel, ernste Männer und Srauen reiferen ölliers, alle in ihrer hübschen Volkstracht ge- ! leidet, geben uns ein wunderbar farbenprächtiges Bild von dem Leben und Treiben in jenem traulichen Dör'chen,
kinter all diesen Bestrebungen konnte di« Massenlndustrie natürlich nicht zurückblLiben, und unter den mantiigfachen, aus den verschiedensten Sabriben herrorgegangenen Tharakterpuppen — über die man allerdings sebr verschiedener Meinung sein kann fallen neuerdings Sie Köpfe mit den lusti-en Schelmenangen und Typen aus dem voiksteben, ja sogar Nachbildungen bekanit- ter „Kinotypen' auf, wie Map und INoritz,
Käufe! und Gretel, der kleine Sritz in seinen Kino-Kinderrollen , ein pfeifender Schiister- jnnge, dessen charakteristisch zugespitztem Mund ein richtiges pfeifen entströmt, sobald man ihn drückt, nach der neucsten Mode gekleidete Lackfischpuppe» u, a.
Da gibt cs also zum Lhristfest eine reiche Auswahl f>ir unsere kleinen Puppenmüiter, und um so schiverer wird cs mancken Litern iverdc», das Nichtige hcrauszunnden, 2?ei diesem Spielzeug sollte man aufeerdci» nicht versäumen, das Nützliche mit »cm Auge- „ nehmen zu verbinden, und den Mädchen nicht immer fertig angekleidcte Puppen kaufen, sondern es ihnen selber überlassen, ihre Lieblinge zu bekleiden. Man wende da nicht ein, dafe eine solche Puppe den Mädchen kein Vergnügen machen würde: denn gibt es »>ohi ctivas Reizenderes, als so ein „Käthe vriilesches' kenidenmätzchen nur mit einem gestrickten Mollniulichcn auf dem lieblichen Köpfchen und Bastschuhen an den Süfechen?
Ls mufe eine ivahre Srcude für jedes Mädchen sein, diese Babys mit den lichten, reine» „K-nderblicken" selber anzuziehen.
Zumal uns die Schule da in rechter Iveise 1 >» gegenkoiiimt und die Tinführung der Pu-penbek'e düng für den kandarbeitsunter. richt grostc Soitfchritte macht.
So ist z, 23. in der Luisenschule in Lergcdorf bei kamburg die Puppcn- schneiderci seit mehreren Jahren im kand- > rbcitsuntcrricht obligatorisch, und es ist dort mit dem von der .Internationalen . Schnittmanufaktur >n Dresden" hcrausge. gcbcnen, kilfsmittcl für die Puppenschnciderei gute Erfolge erzielt worden. Auch in dem , vorzüglichen Luch von Margot Grupc über lladelarbeit wird großes Gewicht auf die sachgemäfec Anfertigung von Puppcnzeug im kandarbeitsunterricht gelegt, der darin be- sonders für höhere Mädchen- und Mittelschulen empfohlen wird.
Selbstverständlich darf dieser Unterricht nicht wieder in schablonenhaften Klassen- '' unterricht ausarten , sondern die Lehrerin hat ihn als individuelle Arbeit zu gestalten > und die Erlernung der dabei nötigen Tehnik .. nur als Mittel zum Zweck zu betrachten, um dadurch eine wahrhaft denkende und ge- staltende Tätigkeit bei den Schülerinnen zu erzielen, — Das obengenannte kilfsmittel für die .Puppcnschneiderei" könnte ,edoch auch in jedem kaufe, in dem die Mutter ihre Töchter zu nutzbringender Arbeit anzu- Hallen versteht, gute Dienste leiste» und selbst Erwachsenen die Mittel und lvege zur erfolgreichen Puppenschneiderei an die kand geben, — Lei den Kindern achte man aber darauf, dafe sie anfangs nicht mit dem kenid, sondern mit dem Leibchen beginnen, -
dann den Aock folgen lassen und darauf erst das kemd, dann das Nachthemd mit den Aermeln anfangend, da es das am ,
schwierigsten auszuführende Wäschestück ist.
(Siche Abbildungen über die Puppenbe- t
Kleidung ) So nach und nach vom Leichten zum Schweren fortschreitend, wird das Mädchen bald dahin gelangen, sein« Puppen selber
2-««tt. Lut. Lode-kiU.
.mustergültig" zu bekleiden und dadurch unmcrklich zur kausschnciderei geführt werden, die in unserer Zeit der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage von nicht zu unterschätzendem Einflufe für den Samilicnivohlstand sein dürfte, denn dafe die Srau auch heute noch mit der Nadel viel erhalten kann, wird selbst die modernste, allen Neuerungen der Ictzlzeit huldigende Srau nicht bestreiten können,
wie vorigen Ivcihnachlcn über die Schablonen- malerci, so bin ich auch in diesem Jahr gern bereit, jeder, die noch etwas Näheres über die Puppenschnciderei wissen möchte, genaue Auskunft darüber zu übermitteln.
kclcne Grube, Dresden-N„ pricfenitzstr, 62,
Im Reilhe der Bausfrau und Mutter.
So nannte sich die neueste Ausstellung, die von dem 25cv.ii er kausfraucnierein und der Grts- gruppe Groß-Berlin des Deutschen Srauenbundcs >-, > t Auistelliingshallc am Zoologischen Garle I veranstaltet wurde, und die neben mancherlei bereit: oft Geschautem doch auch recht viel Neues besonders für die Srauenwclt Interessantes bot So trat z. L, die „vercinignng für Iraucn- v„-oh:->li-gen' an dieser Stelle zum erstenmal mit praktischem Anschauungsmaterial vor die Geffent- lichkcit, INan sah eine lvohnung, d, h. ein hübsch und gemütlich eingerichtetes Zimmer, mit dem ein Raum für das Lctt, ein zweiter für die wafch- toilette und Schrank, ein dritter für Gasherd und Küchencinrichtung verbunden war und die mit keizung für monatlich 35 Mark zu haben sein soll Dann sah man Küchen der verschiedensten Art: in einzelnen, wie in der .Kückc des Lerliner kausfrauenvercins", wurde die Koch- und Lack- kunst gleich praktisch vorgeführt: wie denn auch der Deutsche Seefischerei.Verein, der mit seinen Kochkursen aufklärend wirken möchte, ein Lehrkochcn veranstaltete, an dem man teil- nehmen konnte, um sich selbst zu überzeuge», dafe der Seefisch in der bürgerlichen Küche viel mehr gewürdigt werden mufete. Die kausfrauen der Gartenstadt Srohnau, jener erst feit drei Jahren >m märkischen Kiefern- walde neu entstandenen Kolonie, hatte» die «Erzeugnisse ihrer Gärten ausgestellt und lieferten den Beweis, wie Steife und Mühe schlicfelich doch belohnt wird, Gemüse, Gbst ufw, zeigte sich in wundervoller Gröfee und Schönheit dein Beschauer, auch kühner, Tauben, Enten und Gänse tummelten sich i» ihren Gehegen,
In den verschiedenen Kojen für Kinder- und Säuglingspflege sahen wir alle Mittel moderner kygiene. Die ersten Srauenvereine waren in diesem Teil der Ausstellung vcr- treten, der unter der Leitung ärztlicher Kapazitäten stand, Sreilich ist es fraglich, ob jede Samilie in der Lage fein wird, sich so herrlich eingerichtete wochenstubcn leisten zu könne». Das Zimmer, „wie es nicht J sein soll", das dem „guten Neuen" gegen- übergestellt war, kann doch nur dann verschwinden, wenn cs keine Armut mehr gibt.
Das „Zcllerhaus" (Rettungsheim für verlassene Trinkerkindcr) war in der Ausstellung mit feiner vegetarischen Küche vertreten: zuweilen sah man dort die Pfleglinge in ihrer kleidsamen Matrosentracht ^ auch allerlei kilfsleistungen verrichten,
. ' Aus Palästina waren Spitzen geschickt,
die jüdische Sranen aller Stände gearbeitet haben: die „Keimarbeiterinnen" Deutsch
lands, die einfache kandarbciten nähe» und verkaufen, waren ebenso auf der Ausstellung vertreten, wie der „Srauenverein Bienenkorb, der von der einfachsten Wäschenäherei bis zu den elegantesten kandarbeiten Auswahl bot und Damen gebildeten Standes die Verwertung ihrer keimarbeit zu ermöglichen bestrebt ist, Server fehlte auch die schlesische keim- arbeit nicht, und schlesische Kunsthandweberei wurde gleichfalls vor den Augen des Publikums ausgeführt.
Sehr mustergültig waren die Einrichtungen einzelner Jugcndhorte und die der Kinder- volksküche.
i In der großen Bücherei waren Lüche« von Srauen und für Srauen, sowie Kinder, bücher aller Art, In der Abteilung für Musik sahen wir Wiegenlieder und Kinder- liedcr weiblicher Komponisten, In ihren kleidsamen Kostümen durchschritten die - jugendlichen Mitglieder des deutschen pfad- finderbundes die Räume, um für ihre in sietem wachsen begriffene Vereinigung zu interessieren-
Dafe neben allen diesen Vereinen auch bekannte Sirmen ausstellten, und man entzückende Laby-Ausstattungen und Kinderspieb zeug neben Kostümen, Schuhen und Stiefeln, küten, Parfüms und Schmucksachcn sah, ist eigentlich nicht zu verwundern, gehört doch auch ein gewiffer Lupus heutzutage zu dem .Reiche der kausfrau und Mutter".
A. M. w.
Briefpapiere. Briefumschläge. Korrespondenzkarten, Siegellacke
in allen färben und Qualitäten empfiehlt
fllbin Klein, Papierhandlung, Giessen. Seitenweg sr.


