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Nr. 38 Telephon: Nr. 362. _ Mittwoch, den 13. Mai 1014. _ r-l-phon Rr. && 26. Jahlij.
Politifcbe Rundfcbau.
Deutschland.
• Die Brcnmschweiger Festtage smd nun vorüber, und der Kaiser ist am Sonntag abend noch ans der allen Weifenresidenz ab,gereift, um am Montag in Metz einzutressen. Gestern wohnte der Kaiser einer Gefechts - Übung bei imd dann begab er sich nach Diedenhosen, um die alte Moselfestung, das einstige Thionville, in Augenschein zu nehmen. Ueber die Gefechtsübung bei Metz, der der Kaiser beiwohnte, wird uns gemeldet :
Metz, 12. Moi. Heute vormittag wurde im Osten von Metz eine größere militärische Hebung abgehalten. Es handelte sich mn einen Angriff der verstärken 34. Division (Blau) aus der, Gegend von Pange in der Richtung aus Lolomhey gegen die 33. Division (Rot), also auf einem Gelände, das schon von. den Augusttagen des Jahres 1870 berühmt ist. Beteiligt waren dieTrup- pcn des Standortes Metz, einschlietzlich der 8. bayeck- schen Infanterie-Brigade, sowie der Truppen der Stand- crte Saarlouis, Diedenhosen, St. Avold und Mörchin- gen. Beiden Parteien waren Truppen aller Waffengattungen und Flugzeuge zugeteilt. Der Kaiser war um 6.32 Uhr früh im Auto vom Generalkonnnando in Metz aus auf der Straße Metz — Borny — Colombey bis zu dem Punkt gefahren, wo die Totenallee einmündet, und dort zu Pferde gestiegen. Zugegen waren bei der Hebung der kommandierende General des 16. Armeekorps, General der Infanterie v. Mndra, der Gouverneur von Metz, Geireralleutnant v. Winterfeldt, und der Generalinfpektcur der Festungen, General der Infanterie von Clacr. Die blaue Partei entwickelte sich langsam. Die rote Partei lag in festen Stellungen in einer Linie von Montoy Ars-Laquenery mit vorgeschobenen Schützenlinien.
• M etz, 12. Mai. Der Kaiser ist um 11 llhr nach Wiesbaden abgefahren. Zur Verabschiedung waren ans dem Bahnhof anwesend der Statthalter von Dallwitz, der Staatssekretär v. Rödern, der Bezirksprä- sidcnt, der kommandierende General v. Mudra und der Polizeipräsident.
• In Anwesenheit des Kaisers sand in den Vogesen zwischen Urbeis Und dem Höhenlnstkurort Drei
'Aehrcn eine Gebirgsübung statt, die General v. Deim- ! ling leitete. Sie endete nach einem anstrengenden mehr- i ständigen Gefecht in teilweise glacisattigem Gcbirgsge - lande mit einem Sturm auf das mächtige Vogesenmafiv la Röchelte. Große Bewunderung «riegle ein Flieger
der Straßburger Fliegerstation, der von Colmar aus trotz der Regenböen die feindliche Stellung in kriegs - mäßiger Höhe erkundigte.
* Das Kronprtnzenpaar hat seine Ueber- siedelung nach Potsdam verschoben. Es wird Mitte Mai zu kurzem Aufenthalt nach dem Jagdschloß Klein-Ell- guth reisen.
* In den politischen Kreisen, die über wichtige politische Vorgänge zu allererst informiert werden, geht das Gerücht von Mund zü Mund, daß Herr von B et h- mann Hollweg das traurige Ereignis des am Samstag erfolgten Hinscheidens seiner Gattin zum Anlaß nehme» werde, um das bürdevolle Amt des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten demnächst niederzulegen.
* Uebereinstimmenden Meldungen verschiedener Blätter zufolge, wird der Reichskanzler, beim Etat des Auswärtigen Amtes durch den Staatssekretär von I a g o w sich vertreten lassen und persönlich erst an der dritter Lesung teilnehmen, die Anfang der nächsten Woche beginnen dürfte.
* Der sächsische Kriegs mini st er Frhr. | Mar Clemens Lothar v. Hausen tritt demnächst von seinem Posten zurück. Zu seinem Rachsolger ist nach amtlicher Meldung Generalmajor v. C a r 1 o w i tz ausersehen.
* In Berliner diplomatischen Kreisen sieht man den Stand der türkischen Jnselsrage für sehr bedenklich an, da Italien die von ihm besetzten Inseln ohne Entschädigung auf keinen Fall herausgeben will, während die Tücke! dabei verbleibt, daß Chios u. Mytilene gegen andere Inseln ausgetauscht werden.
* Eine neue Reichstagsersatzwahl wird durch die Ernennung des Abg. Dr. O u a r ck - K o b ü r g zum Chef der koburgischen Ministerialab- teilüng notwendig. Dr. Quarck war bisher vockragen- der Rat im herzoglichen Ministerium und stehtim 41. j Lebensjahre. Dem Reichstage gehört er seit 1912 als ! Abgeordneter des Wahlkreises Kcbnrg an, den von 1907 bis 1909 sein verstorbener Vater vertreten hatte. 1912 erhielt Dr. Quärck junior (Lib.) 4740, Zietsch (Soz.) 6199 und Sandner (Fockschr. Volkspackei) 3540 St. In der Stichwahl siegte Dr. Ouarck mit 7960 Stimmen über Zietsch, auf den nur 6998 entsielen.
' Berufungen gegen Wehrbeitrags- Ver,anlagungen. Um die Berufungen auf die Veranlagungen zum einmaligen Wehrbeitrag, die jetzt bald den Steuerpflichtigen zugehen werden, schleunigst zu erledigen, sind in allen Bundesstaaten besondere j Anweisungen ergangen.
Rußland.
' ..Am Zarenhos steht ein intcressaittcr Besuch bevor. Ko mg Düfolaus von Montenegro wird mit dem Kronprinzen dem Zaren seine Aufwackung machen.
Bulgarien.
* Sofia. Der Kammer ist ein neuer Gesetzentwurf zur Reorganisation der bulgarischen Armee zugegangen. Danach soll die Infanterie um 40 Bataillone v e r, m e h r I werden. Jedes Kavallerie-Regiment soll eine weitere Eskadron erhalten. Außerdem sollen zwei neue Artillerie-Regimenter mit Festungsgeschlltzen gebildet werden.
Griechenland.
' In Athen verlautet, daß der F ii r st von Albanien den Epirotcn die Anerkennung der Freiheit der Schule, der Religion und der Autonomie der bestehenden Rechte gewähren wird. Ebenso hat er die Einreihung von Epirotcn in die Gendarmerie genehmigt und einen christlichen Gouverneur von EpiruS ernannt. Die Forderung nach Schaffung eines epiroti- schcn Landtages und Einsetzung eines Epiroten als Gouverneur für den Epirus, sowie Einstellung epiroti- scher Offiziere in die Gendarmerie wurde abgelehnt.
Schweden.
' Es besteht in Schweden die Absicht, dem jetzt zusammentretenden Reichstage vorzuschlagen, zwecks einer Telephonverbindung zwischen Schweden Und Deutschland mit Änschlußleitungen in Stockholm und Gothenburg 900 000 Kronen anzuwei- sen.
-litt Zkädl und Eaitd.
* Der Groß Herzog hat am 9. Mal dem Pfarrverwalter Julius Happel zu Herbstein die ev. Pfarrstelle daselbst übertragen und den Finanzre- serendar Rudolf Wenzel aus Gießen zum Finanz - affeffor ernannt.
* Dem hessischen Städtetag liegt ein Antrag vor, im Jahre 1915 zusammen mit dem nas- sauischen Städtetag in Marburg zu tagen.
* Abänderung des Feldstrafgesetzes vom 13. Juli 1 9 0 4. Die Regierung hat der Zweiten Kammer einen Entwurf eines Gesetzes, die Abänderung des Feldstrafgesehes vom 13. Juli 1904 betr., nebst Begründung zur verfassungsmäßigen Beratung u. Beschlußfassung vorgelegt.
Frei! — Frei?
Novelle von Eugen Werner.
(Foylsetzung.)
Schweigend schritten sie in das Hotel hinauf. Keiles sprach ein Wock. Margaretha kämpfte noch mit sich elbst und der Gras wollte ihr den Sieg über sich selbst ücht noch schwerer machen, als er ohnehin war.
Vor dem Vestibül reichte sie ihm die Hand. „Haben wch Sie Dank für Ihre treu« Freundschaft und Ihren i nifrichtigen Rat, mit dessen Hilfe ich endlich Wahrheit ind durch sie den Fckeden wieder zu ftnden hoff«. Le- !>en Sie wohl! Mögen Sie Ihr Glück trotz allem Vor- ! lesallenen noch finden!“
Von Bissingen drückte einen langen heißen Kuß I tuf ihre Rechte, dann blickte er ihr nach, wie sie langsam die teppichbelegten Stufen hinaufstieg.
Als die Glocke zum zweiten Male läutete, war der j fllatz an denr reserviecken Tischchen neben dem - Grasen frei.
Margaretha war im Zimmer aus die Chaiselongue j nedergesunken. Warum ging sie eigentlich nicht hinab? chr war doch sonst ganz wohl, bis aus diese grenzen- I ose Müdigkeit und jene seltsame brennende Leere in ihrer I Zrust, für die sie keine Erklärung finden konnte. Heim- ! oeh hatte der Gras gemeint wäre es ! Ihr Körper bebte I eicht. Wenn es wirklich Heimweh war, Heimweh nach Ihm, nach der Heimat, das sie so elend machte, warum mg sie denn nicht? Warum folterte sie sich selbst?"
Von dem Saale klang's plötzlich ganz leise herauf. ! lufschluchzend preßt Margaretha ihr tränenüberströmtes j Intlitz in das Kiffen und hielt sich die Augen zu. Um
sonst ! Die Weise dauerte fort und bannte ihren Schmerz. Die salzige Flut versiegelte. Sie lauschte mit veckläckem Antlitz ! ' Ja ! Eine Stimme rief sie und dieser Stimme wollte sie folgen. Zurückkohren wollte sie wieder in die alte Knechtschaft!
Schwebend trat sie zum Fenster und lauschte in die sttlle Pracht. Schön waren die Tage gewesen, märchenhaft schön, aber---
Margaretha klingelte.
Das Mädchen erschien. „Gnädige Frau?"
Sie wandte sich vom Fenster. „Ich reise sofock ab. Packen Sie meine Sachen und bestellen Sie vorher einen Wagen!"
Das Mädchen ging, den Auftrag zu bestellen. Bevor eine halbe Stunde um war, war alles gepackt und Margaretha reiseseckig. Rasch schrieb sie noch einige Zeilen und roarj die Adresse flüchtig aus ein Kuveck. Sie gab es nebst einem ansehnlichen Tcknkgeld dem Zimmermädchen zur Besorgung.
Graf von Bissingen hatte aber schon das Vorjahren des Wagens gehöck und war ausgestanden. Im Flur traf er mit dem Mädchen zusammen. Dankend steckte er das Bittet ein Und schallte dem abführenden Wagen nach, der sich noch einmal umschauenden Insassin herzlich zuwinkend.
Endlich hielt der Wagen. Sie sprang ab, ließ sich ihr Gepäck aufgeben und suchte sich dann ein behagliches Eckplätzchen in einem Abteil erster Klaffe, wo sie in seligem Glücke still vor sich hinträumte. Mild senkte sich die allerbarmende Nacht aus ihre Gedanken und sie schlief einen tiefen traumlosen Schlaf.
Dämmernd zog der, Morgen herauf. Mehr und mehr näherte man sich der Grenze der schönen Schweiz. Endlich! Schaffhausen!
Die Zollbeamten revidierten. Dock hielten ja schon die badischen Wagen! — Und wieder flog der Zug durch die stille Landschaft, immer weiter zurück blieben die frühr,oten Alpen. Näher und näher rückte die Heimat — die tannenrauschenden Berge des geliebten badischen Schwarzwaldes. Der Zug raste durch den Bahnhof des alten Zähringerstädtchens Villingen, man passierte St. Georgen, Sommerau, Triberg. — Weiter in rasender Fahrt, Hornberg, und hielt nun in dem kleinen Hausach. Noch ein Stündchen und: „Baden-Oos!" verkündeten die Schaffner.
Mit trunkenem Auge hing ihr Blick an dem alten Schlosse und dem Merkur, an die sich so viele Erinner- ungen für sie knüpften und leichtfüßig eilte sie auf den Wagen zu, um nun vollends das Endziel der Reise zu erreichen. Nur nock 8 Minuten dauerte die Fahck, dann war sie — — — daheim!
„Baden-Baden! Alles aussteigen!"
Jetzt erst empfand Margarethe wie recht Gras von Vissingen hatte. —
„Ja! Krank war sie gewesen — schwer krank. — Aber hier, in diesen engen Straßen und den Jim so größeren Wäldern wollte sie wieder genesen. Sie hatte sich für das Hotel „Kaiser Elisabeth" entschieden, ganz droben im Wcttde und ließ sich nun samt ihrem Gepäck dahin bringen. Wenigstens so lange bis sie wußte--
(Fortsetzung folgt.)


