schärfte Ill-Bootkrieg diente Amerika nur als Mittel zum Zweck, Deutschland aus Grund einer Tatsache den Krieg erklären zu können. Die O-Vootblockade gegen England und Frankreich bleibt trotz der Kriegserklärung Amerikas, trotz der Wut- und Racheschreie der Gegner em wirksames, berechtigtes Abwehr- und Vekämpfungs- rnittel des englischen Hungerkrieges gegen Deutschland. Auch hinsichtlich des verschärften U-Bootkrieges brachte es unser Reichstag und unsere Presse fertig, den Gegnern die Waffen gegen unsere Negierung zu schmieden. Blind gegen alles, ganz so als gebe es gar keinen Krieg, keinen Gegner mehr, bekämpften sich die Parteien gegenseitig in Wort und Schrift, den Gegnern den Nucken stärkend, Mißstimmung und Ausregung in dem eignen Volke verbreitend.
Die Stärke der deutschen Verufsparlamentarier, Parteipolitil'er und Zeitungsschreiber liegt ja von jeher in der Kritik. Mag es sein, daß unser deutsches Volk in feiner Eigenart weniger der Anregung, der Initiative bedarf und mehr Wert auf Kcitik legt, so ist es doch bis zum äußersten bedauerlich, wenn unsere Intelligenz diese Charaktereigenschaft noch fördert und nicht zu bekämpfen sucht. An Kritik alles dessen, was die Regierung tat und tun ließ, was in Heimat und Heer vorging, ließ es Reichstag und Presse wirklich nie und auch während dieses Krieges nicht fehlen.
Vielleicht ist heute nichts notwendiger als eine Kritik der Kritiker, denn nicht zuletzt an einer lleber- produklion von Kritikern und einem Mangel an Besser- machern ijfc unstr Volk zugrunde gegangen.
Die alte Regierung wurde anfangs des Krieges abgeschoben durch die Kritik, der äußersten Rechten und der Linken. Erzbergers Tätigkeit ließ die Wogen der Kritik über die inner- und außerpolitische Tätigkeit der Negierung sehr l/ost gehen. Es ist mit Bestimmtheit anzunetunen, daß das Friedensangebot vom 12. 12. 1216 eine Konzession der Negierung von der -Linken im Reill.-:lage darftellle. *') Der Sturz Velhmann- Hollwegs ist ein Produkt der Tätigkeit der äußersten Reu ten und der Sozialdemokratie, unterstützt durch Erzberg er.
Das Aufrollen der preußischen Wahlrechtsfrage wirkte zersetzend auf Heimat und Front, um omehr als die Rechte im Rei ästag und Landtag den Zeitgeist nicht erfaßten und die Regierung sich schwach zeigte. Immer erregter befehdeten sich die Parteien und trugen Unpl- sriedenheit in das Volk. Immer größer wurden die Foroennrgen der Linken, immer schärfer spiegelte sich dieser Kamps in der Presse wieder. Zentrum und Sozialdemokraten, unterstützt durch die Demokratie, bildeten dann die neue Reichs'agsmehrheit. s Jhm begann die systematische Unterordnung der Negierung unter den Wi. en der Herren Erzberger und Scheidemann, man nannte diesDemokratisierung und Parlamentarisierung der Regierung, politische Neuorientierung. Daß die äußer e Rechte und Linke aus diesen innerpolitischen Kämp.en sür sich Voneile zu gewinnen suchte, läßt sich denken. Rechts kam es zur Gründung der Vaterlands- partei, Links überschwemmte man die Großstädte, Fabriken, die Bevölkerung. Heer und Marine mit Flugschriften und erzeugte neue Unzufriedenheit und Erbitterung. Die bekannte Mehrheitsresolution, keine An- neküon und keine Kriegsentschädigung, fand praktische Anwendung in dem Frieden von Vrest-Litowsk und Bukarest, letzterer brachte uns den Zusammenbruch des bulgarischen Heeres und Volkes.
Parteigezün e, Prinzipienreiterei, politische Kurz- stchtigken beherrschten Reichstag und Presse, ließen die Herren Verufsparlamentarier, Parteiführer und Redakteure vergessen, daß draußen seit Jahren Millionen von deutschen Brüdern die Köpfe Hinhalten müssen, daß eine Mauer aus Fleisch und Blut die Heimat schützt.
•) Äon diesem Fttedensan gebot schrieb ein Schweizer Diplomat, ver sich tangere Zeit rn ^'aris auchietl und einige Tage nach Eintreffen des Angebots bei der sran;. Negierung eine Unterredung mit einem ficm'.. Diplomaten hatte, in der Züricher Zei-ung'". „Man mar in franz. Regrerungstrelien überra chl und erfreut. Ein delannter Diplomat ,agle mir ungefähr folgendes: Deutschland hat uns eine E^älligteit get«:, wie sie uns besser unser bester Freund nicht tun .onnle. Kein Motel wollte sich finden. um die Stimmung im Heer und Volk wieder zu heben, da kam im rechten 'Augenblick das deutsche Friedensangebot. Jetzt ist alles gereuet."
Entbricht diese Angabe des Schweizer Diplomaten den Tatsachen. dann war dieses Friedensangebot der größte diplomatische Fehler dee gemacht werden tonnte und ein Schrat näher zu unserem Uetergange.
Die llddiebtitmiii der A.- lüiti A.-Rä!e
fanb am Freilag ihr Ende. Am letzten Tage stand die Soziali ierung zur Sprache. Die meisten Redner betonten, daß diese Frage sehr schwierig zu behandeln sei und es wurde vor der Annahme gewarnt, als ob mit der Sozialisierung nun sofort auch eine Besserung in der Lage der Arbeiter verbunden sei. Die erste Voraussetzung, eine vermehrte Gütererzeugimg treffe hur Deutschland augenblicklich nicht zu, deshalb werde Lnter Umständen die Sozialisierung für die Arbeiter Im Opfer bedeuten.
- .. f n . PEr Abstimmung gelangt ein Antrag der Mel Hettssozialisten Zur.'Annahme, wonach der Reichskongr j i^; s U !; D den Rat der Volksbeauftragt
ersucht, mck der Sozialisierung aller hierzu reisen 2 dustrien, insbesondere dem Bergbau, unverzüglich beginnen. Ein Antrag der Unanhängigen, derlei etwas schärfere Fassung empfiehlt, war dadurch, erlebt. Angenommen wurde eine Entschließung der Uno aus Festsetzung von M'.ndestlöhnen und d jgen Arbeitstages für die Bergarbeiter. Glei
falls Annahme fand ein Antrag der Soldatenfraktion auf baldigen Erlaß eines Heimstättengesetzes und auf Förderung der Heimstättenbewegung durch eine Verordnung noch vor der Nationalversammlung.
Ein Antrag, daß die beiden sozialistischen Gruppen bei den Wahlen Zusammengehen sollten, entfesselte stürmische Tumultszenen. Ledebour entfesselte seinen ganzen Haß, den er gegen Ebett und Scheidemann angesammelt hatte, nannte ste Verräter an der Revolution.
Als Sckeidemann zum Wort kam, brachen die Radikalen in unaufhörliche Beschimpfungen aus wie Kriegshetzer, Volksverräter, Lump, Schuft und dergleichen mehr. Ihre Gesinnungsgenossen auf den Tribünen überbieten sie durch wahre Exzesse von pöbelhaftem Geist. Es wird gepfiffen und zwar nicht nur auf dein Munde, sondern auch auf Hausschlüsseln und wie deutlich herauszuhören ist auf mitgebrachten Gassenbubenpfeifen. Die Mehrheit antwortet aus diesen wüsten Lärm, indem sie Scheidemann mit starkem Beifall und anhaltendem Händeklatschen begrüßt. Schließlich ruft Scheideman, die Wahlen am 19. Januar würden die Antwort geben und verzichtet auf's Wort. Bald darauf schloß der Vorsitzende die Tagung.
Deutsche Encheic.
Muttersprache, Riesin mit döm seelenstarken Mund, willst du dich nicht wehren? Leib und Leben gitt'sl Weh, was tun dir deine Kinder an!
Eine Hand schon ist dir abgehauen:
alemannische Männer lassen's geschehen,
daß welsche Herren in Straßburgs Münster — Bannkreis
Frevel treiben mit deinen entrissenen Hngeul.
Friesisches, rheinisches, bayrisches Volt
spielt mit dem irren Gedanken,
Glied um'Glied dir auszurenken, bis dein vor Schmerz erstarrter Mund der einst jo zaubermächtige, vielleicht zum letzten Mal sich rührt und mit dem Rest der zersetzten Zunge verröchelnd lallt:
Reißt mir auch noch die Seele aus! —
Mutter Riefin. o wehre doch deinen Kindern, sie tun dir nur vor Verzweiflung weh. sie tun sich selbst ja so weh wie dir!
Schrei ihnen ins O r — noch ist's nicht zu spat — alle Wohltat, womit du ihren Streit, ihr Leid, ihre Rot. dein Leid deine Rot jahrtausendelang gelindert hast!
Ruf ihnen zu: O meine Kinder.
kommt, hört mein Herz, mein erschüttertes, klopfen!
Mit meinen verstümmelten Armen umschlinge ich euch, meine gramvolle Srirne neige ich über euch, alle Erinnerungen an unser Leben.
Habe ich euch nicht groß gezogen, größer, als meine Seele ahnte!
Wurdet ihr nicht ein Volk durch mich, das der Menschheit göttliche Ziele dichtet!
Bin ich nicht selbst gewachsen mit euch, wurden wir nicht ein Fleisch, ein Geist,
Ein Gemüt, Ein Mut, Ein Wille, Ein Werk, durch keine andere Gewalt als des Wortes, das am Anfang war und am Ende sein wird:
Liebe! —
0 Kinder, zerreißt nicht diesen Bund, ihr hört zu leben auf, wenn ich -sterbe!
Kein Volk, keine Menschheit lauscht euch mehr, wenn eure Muttersprache zerfleischt wird!
O zerstückelt nicht ihren lieben Leib, macht wieder heil die verstümmelten Glieder!
Vei unsrer Zukunft beschwöre ich euch, bei keiner andern Macht als der Freiheit, die sich selbst ein göttliches Weltgesetz dichtet: seid menschlich, werdet endlich einig, seid göttlich! —
Richard Dehmel.
Ans der -Vtmnf.
Friedberg, 23. Dezbr. Ab Sonntag, den 22. 12. fallen ab Station Friedberg folgende Züge aus: Richtung Gießen'. 5-20 Vkn., 11.26 Vm., 8.15 Rm. Richtung Frankfurt: 3.38 Rm. Ab Dienstag, den 24. 12. fallen aus: Richtung Gießen: 10.15 Vm., 11.16 Rm. und 11.46 Rm. Richtung Frankfurt: 11.31 9km., 11.46 Rm. Ab Dienstag, den 24. Dezbr. verkehren dafür: Richtung Giezen: 6.00 Vm., 5.52 Rm., 6.37 Rm. Richtung Frankfurt: 2 35 Vm., 1.09 Rm., 2.40 Rm.
Friedberg. Auf der Vergkäferne ereignete sich am Samstag ein schwerer Unglücksfall. Ein Ilnterofftzier- Fahnenjunker reinigte seinen Revolver. In der Meinung er sei entladen, hielt er die Waffe zum Fenster hinaus und drückte ab.- Da krähte ein Schuß und durch den Kopf getroffen stürzte im Hof der Kaserne ein Soldat tot zusammen.
* Rach einer Bekanntmachung des Landeserpäh- ruwgsamts, ergänzt durch eine solche des Starkenburger Viehhandelsoerbandes, wird von Anfang Januar 1919 ab das in der Provinz Starkenburg aufzubringende Schlachtvieh auf die einzelnen Gemeinden auf Grund der letzten Viehzählung unter Berücksichtigung besonderer Verhältnisse umgelegt. Die Gemeinden sind verpflichtet, die hiemach wöchentlich aus sie entfallene Viehumlage regelmäßig und vollständig dem Vieh- handelsverband zur Verfügung zu stellen und haben zu diesem Zweck durch - eine örtliche Kommission das vorhandene Schlachtvieh (Rinder, Kälber, Schweine und Schafe) festitellen und bezeichnen m lassen. Die
Wochenumlage.jeder Gemeinde wird in Rindern feck. gesetzt und ihr mitgeteilt, doch können in. bestiknmtem Verhältnis für Rinder auch Kälber, Schweine M.d Schafe geliefert werden.' Die Gemeinden haben es daher selbst in der Hand, ihren Rinderbestand .zu schonen, indem sie die vorhandenen und entbehrlichen Kälbey Schweine und Schafe, die jetzt vielfach durch unbereH tigien Verkauf und heimliche S hlachtung der AllgS Meinheit entzogen werden, vollständig erfassen und stj anstatt der Rinder zur Ablieferung bringen. Kommet die Gemeinden ihrer Ablieferungspflicht nickt na -, jV w'i.d der gesamte vorhandene Bestand an S -lachtviel (Rinder, Kälber, Schweine und Schäfer von .einen Oberkommission ausgenommen und alsbald abaenommen evtl, im Wege der Enteignung. Diese Oberkommis ior entscheidet auch über Einsprüche gegen die Aushebung der Ortskommifsionen.
NuS Rhtinhkssen.
Mainz, 18. Dez. Wir lesen in den „Fran"f. Rach.."- Nun sind die Franzosen schon über ze n Tage hier, und sie sind den meisten Mainzern noch so sremd, als wäre heute der Tag ihres Einzuges. Zwar wimmelt es in der ganzen Stadt ftüh bis spät von ihren hechtgrauen, ins Auge stechenden Uniformen, und namentlich vor den Papierläden, Kinos und Kaffees stehen sie zu Häuf, indessen angefreundet hat si b isse Mainzer Bevölkerung mit ihnen noch in keiner Weife. Beim Aussuchen der Quartiere gehen die Herren ziemlich rücksichtslos vor, die schönsten und besten-Wohnungen sind ihnen gerade gut genug. In den Hotels müssen die Gäste aus ihren Zimmern im ersten Stock hinaus in die hohen Stockwerke wandern. Der neue Justizpalast, das* Haus des SektfabrikaKten Henkel auf, der Kai er- straße u a. sind von ihnen in Büros umgewandelt worden. Aber trotz alledem bemüht man sich auf besten Seiten, gutes Einvernehmen zu erzielen. Interessant war m dieser Hinsicht eine Stadtverordnetensitzung die auf Wunsch des kommandierenden Generals Mangln stattfand. Einzelne Stadtverordnete erhielten das Wort, um Wünsche vorzutragen. Man brachte Ernährungs- sragen zur Sprache und bat darum, den Verkehr zwischen den beiden Rheinufern zu erleichtern. Auch wurde auf die Mißhetligkeiten hinaewiesen, die durch ^ die Unterbrechung des Postverkehrs mit dem übrigen Deutschland entstehen. Beispielsweise seien die Berufs- genossenschasten dadurch nicht in der Lage, Renten aus- zuzahien, und gerieten in die größte Verlegenheit. Ein sozialdemokratischer Stadtverordneter fragte wegen Anerkennung bezw. Nichtanerkennung der Arbeiter- u. Soldatenräte. General Manain erwiderte, die Be- satzungssührer hätten mit den Ä.- und S.-Räten nichts zu tun. solange man nickt wisse, von wem sie ihre Gewalt hätten. Der Beigeordnete Adelung fragte wegen der bevorstehenden Wahlen. Man möge den Parteien die Vorarbeiten erleichtern und die Frage beantwotten, ob in Hessen Kandidaturen ausgestellt und Wahlen stattfinden könnten. General Mangin sagte, dies stehe nickt in seiner Macht, solange die Blokade aufrecht erhalten werden müsse; das sei Sache des Marschalls Fach. Er würde aber die Frage in wohlwollende Erwägung ziehen und gegebenenfalls dahin wirken, daß die Wahlen glatt von statten gehen könnten- Auf eine weitere Anfrage erwiderte der General, daß er dem Wasserbauamt die ungehinderte Tätigkeit gewährleiste, auch stellte er eine Ermöglichung, des ungehinderten Postscheckoerkechrs in Aussicht.
Verontwortlick für dev pcnitricken und lokalen 7eil ^tto Hirsche!, Friedberg: für den Anzeigenteil: C. Schmidt, iZnedberg. Truck und Vertag der „Neuen TageLzettune*, A G.. Friedberg i tz
JDie Jugend soll nicht unter dem schweren Druck, unter dem die Erwachsenen alle stehen, zu leiden haben. Es ist ihr Recht, sich auf Weihnachten zu freuen. Das beliebteste Weihnachtsgeschenk bleiben auch in diesem Jahr ,
MsWfttt.üMelWk
Buchhandlung
Friedr.. Streckfuß, Friedberg.
r
~x
Geschäfts-Eröffnung.
Mache der verehrl. Einwohnerschaft von Friedberg: und Umgegend bekannt, dass ich eine
Fferd©-Metzgerei
eröffnet habe, und bitte um geneigten Zuspruch.
Adolf Kölseia, Frleöfearg in Hessen.
Kaiserstasse 137, Telefon 234.
J
Landhaus
mit 8—10 Zimmern, grotzem Garten, zu kaufen gejucht durch
Agent Butzbach, Friedberg.
Ein schwerer Simmentaler zug») fester
Fahrochse
zu verkaufen. .
Wilhelm Raver.Fauerbach v.d.»


