Unmmer 389 (Einjfljttfifl d.-RüL Montag, den 9. Dezemver 1918 _ 11. Iahrqattg.
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Aufruf!
Der Arbeiter- und Soldatenrat erließ einen Aufruf. der deswegen veröffentlicht wurde, unr Ruhe, Ordnung und Sicherheit der Bürger Friedbergs sicherzustellen. Es besteht gar kein Zweifel darüber, daß die Einquartierungslast die Einwohnerschaft Friedbergs schwer drückt. Die Leute kommen zum Teil verlaust aus dem Felde zurück, sodaß alles getan werden mutz, um Ansteckung, Epidemie und Seuchen zu vermeiden. Eigenmächtigkeiten der Truppen müssen vermieden werden. Wir sind überzeugt, datz die Bürger Friedbergs alles tun, damit die schwierigen Aufgaben gelöst werden. Der Ausruf wendet sich namentlich an die Truppen, damit ihnen volles Verständnis für die schweren Ausgaben der Heimat wird.
Es lautet:
Kameraden!
1. Die deutsche Revolution hat den Willen frei gemacht zum Frieden, zu Freiheit und Recht für alle. Es sind aber auch Minderheiten am Werke, die mit ihren unreifen Experimenten Deutschland ins Herz treffen und an den Abgrund des jähen Falles und Verfalles führen.
Kameraden! In dieser Zeit — wo das Vaterland aufs schwerste gefährdet ist — will der Arbeiter- und Soldatenrat für Ruhe und Ordnung, für Sicherheit und Schutz des persönlichen Eigentums sorgen. Rur so gelangen wir zu Frieden, Recht und gesetzmäßigen Zuständen.
Kameraden! Wer Euch etwas anderes über den Zweck und die Haltung der Soldatenräte sagt, der belügt Euch! Ersüllt also die Anordnung Hinden- burgs, der enges Hand in Handarbeiten Eurer Sol- datenräte mit denen der Heimat fordert. Schickt Eure Führer sofort nach Eintreffen zu uns, damit alle Fragen allglmeiner und lokaler Art nach bestem Wissen und Gewissen geregelt werden!
2. Für die Heimat ist die Grußpflicht abgeschafft. Mißbräuche waren bei Untergebenen und Vorgesetzten unvermeidlich. Störungen und Belästigungen wärest an der Tagesordnung. Um die zu vermeiden, in Euch der Grutz außer Dienst frcigestellt, aber nicht Zwang.
3. Kameraden! Große Aufgaben stellte uns die Ein- quartierungslast. Massenquartiere sind unvermeidlich,' Entlausung und die Wohltat des Bades wild nicht immer möglich sein, trotz' unserer Arbeit und unseres Willens. Kameraden! Versteht die Schwierigkeiten der deutsti en Heimat. Begeht keine Eigenmächtigkeiten! Ihr dürft Euch nicht aus eigene Faust einquartieren!
Kameraden! Wir haben die Helden der Vorzeit geehrt. Aber sie haben nicht in stinkigen, mit Gas erfüllten Löchern ausgehallen und haben nicht Tage und Wochen im schwersten Trommelfeuer Rot und Tod ausgehalten. Wir, die wir als lebendige Maurr von Leibern die Heimat geschützt haben, wrr werden auch jetzt Ruhe und Ordnung halten!
Arbeiter- und Soldatenrat Friedberg i. H.
Heidenreich. M eurer. Repp.
5or!gkjcht KlintülSc PfiitiiljlanH
Ein deutscher Protest.
Berlin. 6. Dez. (WV.) Marscholl Foch t>ai gestern der deutschen Wassenstillstandslommission folgende Entscheidung übergeben:
Der Lebensmittelverkehr von der von den alliierten Armeen besetzten Zone nach der neutralen Zone, ferner die Eisenbahn- und Straffenbahnverbinbungen zwischen diesen Zonen sind nicht zulässig in Airbetrecht der Notwerrdigkeit der Ausrechterhaltung der Blockade Deutschlands, die in dem Waffenstillstandsabkommen Deutschlands vorgesehen ist. Den Ar« meen sind Instruktionen gegeben worden bezüglich der über die Post-, Telegraphen- und Televhonverbindungen im Rheinland auszuübenden Kontrolle.
Diese Entscheidung steht mit dem Wortlaut des Waffenstitt- pandsabkommens (Art. 6 und Art. 26) in Widerspruch. Die deutsche Regierung wird auf diplomatischem Wege und durch die Waffenstillstandstommission Protest hiergegen einlegen.
Nie llullingkriuig dts WaifcnßiUküüSsvtriiaßkS
Berlin, 7. Dez. Die Entente ist, wie wir zuverlässig Horen, izur Verlängerung des Waffenftillstandsverlrages bereit. Da^ I französische Oberkommando hat die deutsche Oberste Seeresleb chrng um Rennung von Bevollmächtigten zur Aerlängerung des ^Waffenstillstandsvertrages ersucht. Die Zusammenkunft könnte am 12. oder 13. Dezember, vormittags, in Trier nach Ansicht des jfranKöstschen Obeklomni andos ftattfinven. •' v
Die Mllckeilstll-Arintt Wen SgWwMUS eil Miainr.
Budapest. 4. Dez. Generalseldmarschall von Mackensen traf Dienstag nachmittag in Arad ein. Genercllstabsmojor von Kloepsel erklärte. Mackensen bleibe bis Mittwoch mittag in Arad, wo er Weisungen von der deutschen und der ungarischen Regierung ebwartet. und von wo er nach Nagyoarad reisen will. Der Präsident der Zentrale der Soldatenräte der Macken- senschen Armee, Unteroffizier Braury teilte einem Korespondenten des Pestsr Lloyd mit, datz die Armee fast seit vier Wochen ohne jede Nachricht aus der Heimat gewesen sei; als dann spärliche Nachrichten über die Ereignisse in Deutschland eintrafen, wurden auch in der Armee Mackensen Solda'enräte gewählt, die zu dem Oberkommando in vorzüglichem Verhältnis stehen. Die Soldatenräte politisieren nicht und betrachten als ihre wichtigste Aufgabe eine möglichst glatte Zurückbeförderung der Truppen. An die deutsche Reichsregierung habe der Zentralrat ein Telegramm gerichtet, wonach sich die Soldaten der Armee Mackensen keinesfalls einer Diktatur fügen, woher sie auch kommen möge; sie wünschen baldigste Einberufung der Nationalversammlung. Weiter erklärte Braun, die Soldaten der Armee Mackensen wollten von Bolschewismus nichts wissen und verurteilen auch den Ultraradikalismus. Der französischen Forderung nach Internierung müßten sie sich fügen, hauptsächlich aus dem Grunde um den Franzosen keine Gelegenheit zu geben, ganz Deutschland zu besetzen. Es diene den deutschen Soldaten zur Beruhigung, datz die Internierung auf ungarischem Boden durch die früheren Verbündeten vollstreckt würde.
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Budapest, 4. Dez. Das Ungarische Tek.-Korr.-Bureau meldet aus Erotzwardein: Mittwoch nachmittag ist Generalfeld
marschall Mackensen mit seinem engeren Gefolge hier eingetroff sen und in der bischöflichen Residenz abgestiegen. Mackensens Adjutant hat mitgetcilt, datz das Oberkommando der 11. Arme?, deren Generalslabschef der General Scholtz ist. in Grotzwardein eintrifft. Mackensen entsendet den Generalstabschef Schavarzkopf nach Budapest zur ungarischen Regierung, um in Eisenbahn-, Post- und Berpfleguugsangelegenheiten Verhandlunaen zu pflegen. Auch über eine etwaige Internierung und Entwaffnung werde der Generalstabschcf verhandeln. In Großwardein und Umgebung verbleiben vorläufig größere deutsche Abteilungen. Die gegenwärtigen Anordnungen bezwecken die Zufammen- ziehung der 170 000 Mann zählenden Mackensen-Armee von den durch die Entente zu besetzenden Gebieten diesseits der Demarkationslinie.
Die Vorgänge in Derttn
werden immer beunruhigender. Die Anarchisten, wie man die Spartakusleute getrost nennen kann, scheuen vor keiner Gewalttat zurück, um die Herrschaft völlig an sich zu reißen. Nachdem es am Freitag schon zu Schießereien gekommen war, bei denen es neben 10 Toten viele Schwervcrwundete gegeben hat, wurden am Samstag neue Unruhen gemeldet. Unter den Linden kam ein großer Zug Demonstranten mit einem Auto mit Maschinengewehren und Liebknecht an der Spitze. Vor jeden: öffentlichen Gebäude hielt der Zug und Liebknecht hielt Reden gegen die Scheidemänner. Vor der Bibliothek sah cs einen Augenblick aus, als wollte die Menge das Gebäude stürmen. Erst als die Maschinen schußbereit gemacht wurden, stob die Menge auseinander. Kurz darauf ordnete sich der Zug wieder und zog weiter. Kritisch gestaltete sich die Lage vor der Kommandantur. Dort staute sich die nach tausenden zählende Menge. Liebknecht brach in Verwünschungen gegen den Kommandanten Wels aus. Ein anderer Redner forderte die Menge auf, sich zu bewaffnen und Wels und die Scheidemänner zu verhaften. Das Auto der Demonstranten fuhr dann nach der Schlotzbrücke und blieb dort mit den auf die Kommandantur gerichteten Maschinengewehren stehen. Zu einem Angriff kam es jedoch nicht.
Dazu kommen die Bemühungen Liebknechts, die Arbeiter in einen Generalstreik hineiirzuhetzen und leider sind diese Versuche nicht erfolglos, so daß in einer großen Anzahl von Betrieben die Weiterarbeit in Frage steht. Lange können solche Zustände nicht mehr dauern. Der Bolschewismus erhebt immer drohender sein Haupt und bereits trägt man sich mit dem Gedanken, Liebknecht zum Vorsitzenden der deutschen Republik auszu rufen.
Das Beginnen der Kommunisten ist geradezu frevelhaft. Die Mehrheitssozialdemokraten haben sich an das Bürgertum gewandt mit der Aufforderung, die Regierung in ihrem Bemühen zu unterstützen. Diesem Verlangen ist allgemein und aufrichtig entsprochen worden. Das deutsche Volk hat aber auch ein Recht, von der Sozialdemokratie das gleiche Recht zu verlangen. Was würde geschehen sein, wenn solche Putsche, wie sie tagtäglich in Berlin und in den anderen Wasserköpfen, so beispielsweise in München, Vorkommen, von Seiten der Rechten versucht würden. Ohne Zweifel werden diese Versuche rücksichtslos unterdrückt werden. Dasselbe muß aber auch gegen die Anarchisten verlangt werden, die mit ihrer blindwütigen Raserei das Vaterland in die größte Gefahren stürzen. **'
Was uns not tut. ist die Herbeiführung geordneter Verhält- wisse, daß die tausend Wunden, an denen unser Reich blutet, wieder gehellt werden und wir uns dem Wiederaufbau widmen tonnen. Die Spartakusleute reißen aber die Wunden steT von neuem auf, sie geben der Entente den Vorwand, den Frieden zu verzögern und schließlich unser Land zu besetzen, sie zerreißen Deutschland, denn auf die Dauer läßt sich das deutsche Volk nicht von Berlin bevormunden Es ist bezeichnend, daß selbst eine so weit links stehende Zeitung, wie das „Berlrner Tageblatt", folgenden Warnungsruf ertönen läßt:
„Die Gefahr droht von links, von jenen unverantwortlichen Elementen, die den Willen des mündigen Volkes terrorisieren und auf den Trümmern des deutschen Reiches ihre Diktatur errichten wollen. An sich handelt es sich dabei um eine kleine Minderheit entfchlossener Lärmmacher. Aber diese unter der Spartakussahne vereinte Minderh-eit hat sich durch alle Mittel des Terrors und durch den Appell an die schlechten Instinkte einen gewissen Einfluß zu schaffen verstanden, der als zerstörendes Ferment der Volksgesamtheit wirkt. Die Arbeitslosen, die. auch nicht arbeiten wollten, als es Ueberfluß an Arbeit gab. und die jetzt die Arbeitslosigkeit als einen neuen Beruf anerkannt sehen möchten, die Deserteure, die ihre Kameraden im Stiche ließen, gewisse Elemente aus den Etappen, die Hals über Kopf ihre Posten räumten: solche und ähnliche Leute haben sich um Liebknecht geschart und vergewaltigen nick.t bloß dos Buraer- tum. sondern auch die Arbeiterschaft einer Millionenstadt. Daß ihnen das mö-glich ist, ergibt sich schon aus der Tatsache, d^ß bereits vor eineinhalb Jahren etwa 80 000 Deserteure gezählt wurden, die in der Zwischenzeit um das Dorpelte. wenn nicht Dreifache angewachsen sein durften. Dazu kommt leider noch, daß auch ein großer Teil der Unabbänaigen mit Liebknecht und Genossen liebäugeln und züm mindesten nicht die Kraft zu einem entschlossenen Trennungsstrich findet.
Bei der Mehrheitssozialdemokratie liegt es. den heutigen Zuständen rückfichtslos ein Ende zu machen; sie bat die aus dem Felde heimkehrenden Truppen hinter sich, sie kann sich auf die große Masse der Berliner Arbeiter stützen, und sie wird auch alle andern Schichten der ordnungsliebenden Bevölkerung an ihrer Seite finden, wenn sie dem Terrorismus und den Dikta-' turbeftrebungen der Spartakusleute ein Ende zu machen entschlossen ist. Rur eines ist nötig, wenn die Tat gelingen soll. Was heute geschehen muß, darf nicht auf morgen verschoben werden. Herr Ebert, wir warten nach soviel trefflichen Reden auf die Tat!" \
Uta* deutsche Pepublik u.
Köln, 6. Tezbr. .Vier Republiken statt 26. Bund?? floaten" tränt das rheinische Zentrumsblatt, die „Kölnische Volkszeitung" an. indem es ausführt: Eine natürliche und gesunde Entwicklung drängt darauf hin, daß sich aus dem bisherigen Staatengewinrmel vier große leistungsfähige Republiken bilden und sich als künftiges Deutschland zn- sammenichüeßeu. Im einzelnen könnten diese vier Repw bliken wie folgt sich gestalten:
1. Rheim'ckewestfälische Republik: Rheinprovinz. West» saleu, Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen, Baden, Rhein- Pfalz.
2. Donouländer'Revublik: Württemberg, Bayern.
Deutsch-Oestecrtzich (Tirol bis Bozen, Salzburg, Kärnten Steiermark,* Ober- und Niederösterreich).
3. Nordostfee-Republik: Oldenburg, Hannover, Hansa' städte, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Pommern, West* Preußen, Ostpreußen.
4. Mitteldeutsche Republik: Alle übrigen mitteldeutscher Bundesstaaten, Königreich Sachsen, die Provinzen Sachsen Brandenburg, Schlesien und Polen.
Die Gruppierung bildet selbstverständlich nichts entK gültiges, sondern stellt nur einen Vorschlag dar, der hiermit der Oeffentlichkeit zur Besprechung unterbreitet wird. Wir haben die Auffassung, daß, nachdem am 4. Dezember hiev im Westen der erste entschlossene Schritt unter zündender Ve< geisterung getan worden ist, nun auch in den anderen Landesteilen möglichst ein Gleick)es geschehen sollte.
(Tin Ausruf der Eulcnte in 5'üi>rußluni».
Berlin, 6. Dezbr. Die in Berdjask am Asowischen Meei für die dsutschen Truppen erscheinende Zeitung „Neue Nach« richten" veröffentlicht folgenden Aufruf der zum Eingreifen in Rußland entschlossenen Entente:
„Hiermit bringen wir zur Kenntnis der Dewvhnei Odessas und feiner Umgebung, daß wir auf dein Gebiet Ruß; lands eingetroffen sind, unr die Ordnung herzustellen, sowie zur Befreiung von deir bolschewisüsck-en Usurpatoren, weS- l>a!b auch die Nachrichten der provokatorisckvn Bolsck>ewiki, die verbündeten Heere feien nach Südrußland cingerückt, unr. die Deuts chm hina-uszuschlagen, durchaus unwahr sind. Tier Deutfchm sowohl, wie arrck) wir. sind nickst als Eroberer hicr-- tzer gekommen, sondern als Verteidiger des Rechtes. Desbai


