Derfernt.
Roman von Anny Wothe.
10) Nachdruck verboten
In den dunklen Augen Holgers zitterte etwas wie Furcht ror der Antwort.
Mirena senkte das Antlitz. Eine heiße Röte flog wie Morgensonnenlicht darüber hin, dann hob sie die märchenschimmernden Augen voll zu ihn auf und sagte:
„Ja, Holger Thoresen, Sie waren es. der mir die Äugen geöffnet über den Sumpf und Morast, in dem ich watete. Sie waren es, der den Glauben in meine Seele pflanzte, nur die Liebe dürfe binden, sonst nichts. Nur die Liebe ist heilig."
Thoresen hatte seine breite Hand über beide Augen gelegt. Nur nicht sehen brauchen Vor ihm saß ja in Fletsch gewovde- >ner Gestalt die Sünde, die er Hatzte, die er durch seine Schriften bannen wollte. Und wie sie lockte und schillerte diese Sünde. Mit süßem Lächeln saß sie da und sagte harmlos wie ein Kind:
„Sieh, du hast gesagt, das Leben an der Seite eines ungeliebten Mannes mache jede Frau zur Dirne Nun bin ich deinem Rate gefolgt und bin von dem Ungeliebten gegangen. Ich habe getan nach deinem Mort, und du verwirfft mich dennoch? Mas ist Wahrheit?"
„Nur die Liebe ist heilig," sagte Holger langsam und ließ Lke Hand wie müde von seinen Augen sinken. „Rein, Gräfin, nicht immer, es gibt auch noch eine Pflicht, die offenbar noch Heiliger als die Liebe ist. Sie haben merne Schriften nicht ganz verstanden, Frau Gräfin. Fragen Sie Aga, die wird Ihnen sagen, daß die Liebe nicht immer heilig ist, und daß die heilige Liebe nur zu oft der Deckmantel für die schmutzigsten Gefühle sein muß."
„Ich habe oft mit Aga darüber geredet, welch böse Leidenschaften die Liebe weckt. Wie sie Führerin zu allem Guten, Großen, Erhabenen ist, so ist sie auch die Anstifterin zu allem Dösen. Alle verderblichen Leidenschaften im Menschen entfacht sie. und nur die Auserwählten genießen die Liebe im reinsten Licht. Sie, Gräfin, werden diese hohe, heilige, reine Liebe nie kennen lernen, denn zwischen „Lipp' und Kelchesrand" steht bei Ihnen — verzeihen Sie nochmals, Gräfin, meine Kühnheit — die Schuld?"
Mirena war aufgesprungen. „Sie gehen zu weit, mein Herr," sagte sie, Holoer mit blitzenden Augen messend. „Sie verkennen meine Beweggründe. Es liegt mtr aber auch ganz fern, sie Ihnen klar zu legen, in erster Reihe bin ich mir doch wohl selber für meine Tat verantwortlich."
„Natürlich." lachte jetzt Holger mit einem leisen, weichen Lachen. „Das ist es ja eben, was mir so leid tut. Liebe, kleine, schöne Frau." sagte er warm, ihre schmalen Hände mit warmem Druck in die seinen nehmend. „Sie können Ihre Tat eben nicht verantworten. Wären Sie eine Frau, wie es ein-
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zelne gibt, deren Innerliche Persönlichkeit das Opfer verlangt, so wäre ich der erste, der Ihnen beide Hände zur Hilfe reichte, Sie aber, meine Gnädigste, sind nur ein Rohr im Winde, und solche Frauen gehören in das Haus ihres Mannes, der sie leiten und führen muß, wenn sie nicht selber gehen können."
„Und wenn der Mann dazu nicht imstande ist?"
Mirena sagte es mit fast heiserer Stimme. v '
„So muß sie aushalten, wenn sie zur Selbstbefteiung ZU schwach ist. Sie trägt dann eben nur die wohlverdiente Strafe dafür, daß sie so leichtfertig eine Ehe schloß, die nur Unheil für sie bot. Je leichtfertiger eine Ehe geschloffen ist, umso schwerer ist sie zu lösen. Wenn das jede Frau, jedes Mädchen bedenken wollte, so hätten wir ein gut Teil Glück mehr in der Welt."
„Sie sind ein Sittenrichter," sagte Mirena, das feine Naschen leicht rümpfend, „und ich glaubte, Sie wären ein Feuergeist, so einer, der mit flammendem Schwert für die geistige und körperliche Freiheit kämoft. Verzeihen Sie, mein verehrter Schriftfreund, daß ich allerdings kaum reff für das Leben bin."
„Für das Leben wohl, Gnädigste," gab Holzer ohne jede Empfindlichkeit zurück, „aber nicht für den Kampf des Lebens. Vielleicht müßten Sie dazu erst den Weg des Leidens gehen, ich wünsche Ihnen, daß er möglichst leicht für Sie sein möchte."
„Morgen, meine gnädigste Frau, Morgen, Fräulein Aga. na, nicht mehr zu fleißig, und grüßen Sie mir die Hansi."
Holger n>ar fort.
Mirena saß noch immer auf die bunten Seidenpolster des römischen Lagers gestützt und starrte mit weit geöffneten Augen vor sich hin.
Agas Pinsel glitt gleichmäßig über die Leinwand — kein Laut war zwischen den beiden Frauen vernehmbar.
Plötzlich kam ein schrilles, hartes Auftachen von Mirenas Lippen, und die kleinen, weißen Zähne preßten sich knirschend aufeinander.
„Er soll es büßen, bitter büßen," kam es endlich stoßweise von ihren Lippen.
„Was hast du denn, Mirena?"
„Er ist ein elender Schwätzer, dein Holger Thoresen. Er wollte mich nur kränken und demütigen, aber das sage ich dir, das ertrage ich nicht. Mitleidig sieht er auf mich herab. Zu schwach zum Bösen und zu schwach zum Guten, und dabei weiß er nicht, wie schwach er selbst ist, und wie unsicher er auf seiner stolzen Höhe steht. Er ist ein Schwächling, sage ich dir, und er bat nicht das Recht, hochmütig auf mich herabzusehen, der nur Worte und keine Taten kennt. Ich aber, ich werde ihm beweisen. daß ich stärker Lin als er. Warum siehst du nicht auf, Aga, und warum bist du blaß wie Milchsuppe? Fürchtest du für deinen Freund? O. der „Ritter ohne Furcht und Tadel"
Ihre Kriegstrauung beehren sich anzuzeigen
Kgf. Regierungsbauführer u. Leutn. d. Re«.
Dipi.-ing. Wilhelm Knöll und Frau Gustel
g«b. Welth.
Nieder-Wöllstadt, den 14. August 1918.
Bekanntmachung.
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Hell klang Mirenas Lachen durch das Atelier, dann war sie hinausgehuscht, und Aga stand einsam und still vor ihrer Staffelet. Der Pinsel sank zu Boden, und zwei graue müde Augensterne starrten auf die bemalte Leinwandsläche. —
Die Frühlingssonne draußen war hinter Wolken verschwunden, und dunkelschwer lag das müde Tageslicht über dem sonst so sonn-cnlichten Arbeitsraum des stillen Mädchens, das sich jetzt hochaufrichtend. die Augen wie in weite Fernen blickend, s-agte:
„Nun zog das Unheil in dies Haus." Draußen aber klang Hansis herzfrohes Kinderlochen.
7. Kapitel
„Graf Nordkirch," meldete einige Stunden später die alte Dörte mit einer Stimme, die vor Respekt gleichsam erschauerte.
„Ich bitte." Agas Stimme klang seltsam hart und in ihrem weißen, fast durchsichtigen Antlitz bewegte sich kein Muskel.
Horst von Nordkirch trat in den großen, weiten Raum deo Ateliers. Obgleich noch draußen das Tageslicht feine Herr, fchaft behauptete, brannten doch die Fackeln des römischen Lagers in hellauflodernden Flammen und die mattverhänaten Lampen warfen einen magischen Schein. Aga stand im Licht der Fackeln. Ein schwarzes, langschleppeudes, loses Gewand umhüllte ihre schlanke Gestalt. Dunkellockig bäumte sich in wuchtigen Massen das schwarze Haar über der weißen Stirn. Die Augen waren tief von den dunklen Wimpern beschattet. Jetzt hoben sie sich langsam zu deni Eintretenden empor, und zwei Augenpaare wurzelten tief ineinander.
. Seltsam, die blauen Augen Nordkirchs trugen fast dieselbe Zeichnung, wie die grauen Augen Agas, die langen, dunklen Wimpern und die tief über der Nase zusammengewachsenen Brauen.
Der Blick des grauen Augsnpaares erschien ihm aber höchst unbequem. Graf Nordkirch senkte den Blick vor diesen großen, kühlen Mädchenaugen zu Boden. Doch mir einen Moments dann hatte er seine Fassung wieder gefunden, und Agas Fingerspitzen, ehe sie es hindern konnte, galant an seine Lippen führend, ffagte er mit dem Tone verhaltener Leidenschaft in der Stimme:
„Ich bin glücklich, mein gnädiges Fräulein, daß es mir vergönnt fft, Ihnen endlich gegenüber zu stehen und Ihnen zu sagen, wie sehr ich es bedauere, daß ich nicht ehe Gelegenheit hotte, Ihnen meine Verehrung zu Füßen zu legen."
Ein eisigkalter Blick ans Agas Augen hätte ihn beinahe zum zweiten Male um seine Faffung gebracht, aber er mußte ftst bleiben, hier durfte er nicht unterliegen. Sie war eine nicht zu unterschätzende Gegnerin, das Pfarverstöchterlein von einst.
Fortsetzung folgt.
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