Der Götzendienst des Geldes.
Die „Frankfurter Zeitung" und mit ihr das gesimumgs- *>erwandte „Berliner Tageblatt" sind unzufrieden mit dem deutschen Kaiser und geben ihren allerhöchsten Mißfallen in unzweideutiger Weise Ausdruck. Die Rede, die der Kaiser anläßlich der Feier seines 30jährigcn Regierungsjubiläums ge- halten hat. hat's den beiden Organen der Geldfacksdemokratis angetan. Der Kaiser hat gesagt:
„6s handle sich nicht um einen sttategischen Feldzug, es handelte sich um den Kampf von zwei Weltanschauungen. Entweder soll die preußisch-deutsch-germanische Weltanschauung über Recht. Freiheit. Ehre und Sitte in Ehre bleiben oder die angelsächsische, das bedeutet, dem Götzendienste des Geldes verfallen und die Völker der Welt arbeiten als Sklaven für die angelsächsische Herrenrasse, die sie unterjocht. Diese beiden Anschauungen ringen miteinander, und da muß die eine unbedingt überwunden werden, und tas geht nicht in Tagen und Wochen und auch nicht in einem Jahre."
Die ..Frankfurter Zeitung" gibt zu. daß diese Gedanken starken Kurs gewonnen hätten — wie echt börsenmäßig ausgedrückt! — und in einem gewissen Sinne populär seien, sie er. hebt aber dennoch entschieden Widerspruch dagegen. Wir kön- nen's ja der verehrten Frankfurierin nachfühlen. Sie selbst kämpft ja seit ihrem Bestehen..unentwegt" für den Götzendienst des Geldes und wir begreifen, daß es ihr mehr als peinlich ist. wenn der Kaiser dieser Weltanschauung laut und vernehmlich den Krieg ansagt. Die ..Frankfurter Zeitung" behauptet deshalb, es sei etwas mißliches, wenn man ganze große Völker auf eine bestimmte Weltanschauung festlegen wolle. „Wir bestreiten. sagt sie, daß es bei so nahe verwandten und nahe beieinander wohnenden Völkern hinreichend große Unterschiede der Weltanschauung gibt, um dem Volke das grenzenlose Elend dieses Krieges damit begreiflich zu machen. Der Kaiser spricht von der englischen Denkweise: denn Amerika konnte er ja im Anfänge des Krieges, als er die angelsächsische Weltanschauung zur unbedingten llebcrwindung ausersah, noch nicht wohl im Auge haben, da er noch viel später alles tat, um mit den Vereinigten Staaten im Frieden zu bleiben. Im Grunde ist es ettvas erstaunlich» daß der Kaiser unter allen Feinden gerade den englischen für der Nationalidee nach besonders verabscheu- ungswürdig erklärt. Er ist oft genug in England gewesen und hat seiner Sympathie für dortiges Leben nicht selten so freien Ausdruck gegeben, daß sich gerade die Kreise, welche aus der Vernichtung der englischen Weltanschauung einen Lebensberuf machen, geärgert fühlten."
Wir können in eingeschrarrktem Maße der „Frankfurter Zeitung" recht geben. Ganze Völker huldigen nicht einer gestimmten Weltanschauung, in jedem Volke werden beide Weltanschauungen vertreten sein. Das ist auch in Deutschland ,der Fall und gerade das Dasein der „Frankfurter Zeitung" und ihres „demokratischen" Anhangs ist ja der Beweis daiür. Aber darauf kommt es ja gar nicht an, sondern darauf, wer .die Herrschaft in einen: Staate führt. Es gab eine Zeit, wo sich die Staatsmänner Englands und Amerikas durch „Recht. Freiheit, Ehre und Sitte" ausgezeichnet haben, wir nennen nur die Namen Pitt und Washington. Aber diese Zeiten sind vorbei, unter Lord George und Wilson ist die brutalste Celdherrschaft an die Stelle jener edelen Tugenden getreten und. wie das ja in aller Demokratie üblich ist. so muß sich das .Volk denen fügen, die es selbst an seine Spitze gestellt hat. und ist für deren Handlungen verantwortlich. Deshalb hat der 'Kaiser ein Recht zu behaupten, daß die beiden Weltanschauungen die beiden Gegner scheide.
Der getroffene Hund bellt und so darf es nicht Wunder nehmen, daß sich auch das „Berliner Tageblatt", jener etwas östlicher frisierte Zw'llingsbruder der „Frankfurter Zeitung", in seinen heiligsten Empfindungen durch die »Kaiserrede getroffen fühlt. Das „Berliner Tageblatt" erlaubt sich daher in „Wahrung, berechtigter Interessen" die kaiserlichen Worte zurückzuweisen mit der Bemerkung: „Es ist leider zu konstatieren, daß dieser Götzendienst auch bei uns, und gerade während des Krieges, nur allzu viele Anhänger gefunden hat." Also, soll der Les-5r offenbar schließen, ist es nicht richttg, daß Deutschland für die Ehre, die Angelsachsen aber um schnöden Geldes willen kämpfen, und überhaupt ist es unzulässig, dem Angel« sachsentum, dessen „Demokratie" von der „Verl. Tagebl."-Rich- tung doch den Kulturvölkern als die vorbildliche Staats- und Regierungsform angepriesen wird, eine derart materielle Weltanschauung nachzusagen. Vielleicht war dies sogar der Hauptzweck des „Verl. Tagebl."°Einspruches: die Freunde drüben an der Londoner. Rewyorker usw. Börse wissen zu lassen, daß es in Deutschland doch noch eine fühlende Brust gibt, welche sie besser versteht und richtiger würdigt, als der deutsche Kaiser.
Es ist bezeichnend, daß gerade die führenden Blätter der „Deutschen Demokratie" in dieselbe Kerbe schlagen und sich betroffen fühlen, weil der Kaiser*denKampf gegen denGötzendienst des Geldes eröffnet hat. ' Kxin Wunder! schon Plato hat seine Zeitgenossen auf eine Erscheinung aufmerksam gemacht, die wir jeden Tag am englischen, amerikanischen und italienischen Wesen, kurz überall da beobachten, wo die Demokratie die politische Gewalt in Händen hat, daß nämlich jede Demokratie mit Notwendigkeit eine Oligarchie wird, eine Herrschaft von Wenigen oder gar nur von Einzelnen (Loyd George, Wilson, Clemenceau, Sonnipo und daß jede Oligarchie eine Plutokratie, also eine reine Geldherr- Schaft wird
Ist also die scharfe Kennzeichnung des unversöhnlichen Gegensatzes zwischen der deutschen u. der angelsächsischen Weltanschauung durch den Kaiser nicht in jeder Richtung zutreffend und berechtigt? Freilich, gerade die oben geschilderte Demo, tratie der Westmächte ist es ja, die man uns auf den Hals hetzen will, z. T. schon auf den Hals gebracht hat. Sz mußte das kaiserliche Wort mehr als peinvolle Empfindungen bei denjenigen wachrufen, die das monarchische Prinzip der Ehre mit bem demokratischen Prinzip des Er.verts vertauscht haben. Bis .wett in die Arbeiterkreise, hinein aber nibt unser Volk im
Gegensatz zu den internationale« Borsenkreisen unserem Kaiser recht, wenn er sagt, eine der beiden Weltanschauungen müsse unbedingt überwunden werden: Jeder von uns draußen und daheim weiß, wofür er kämpft! Den Sieg der deutschen Weltanschauung gllt eek
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Dom Felde
der G?jre.
Melbach. Herr Friedrich Knoche, Leutnant der Reserve in einem preuß. Feld-Art.-Regt, wurde mit dem hessischen Kriegsehrenzeichen in Eisen und Herr Ernst Knoche, Einjähriger-Unteroffizii>er in einem sächsischen Feld-Art.'Regt., wurde mit der König-Friedrich-August- Medaille in Silber ausgezeichnet. Beide Ausgezeichnete sind Enkel des verstorbenen Großh. Hess. Obersteigers Friedrich Knoche von der Grube Ludwigshoffnung in Melbach.
Petterweil. Dem Schützen Adolf Heß bei einer MascH.- Gewehr-Komp, im Westen, wurde wegen Tapferkeit vor dem Feinde, das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen, die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt er schon früher. Mir gratulieren!
Aus der Heimat.
Die Centralgenossenschaft der Hess, landw. Consumvereine
gibt ihren Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1917 heraus. Der Mitgliederbestand betrug Ende 1917 191 Genossenschaften und 14 Einzelpersonen, gegen 161 bezw. 13 im Vorjahre. Der Zuwachs an Genossenschaften entfällt fast nur auf Oberhessen. Es wurden an Düngemitteln vermittelt 328600, an Futtermitteln 447709, an Saatgut 71203, an Kohlen 129500. an Getreide und sonstige Landesprodukten 339650, an Obst 1200000, verfch. Artikel 3397 Zentner, außerdem für 80871 Mark landw. Maschinen und 25431 Stück Vieh. Der Gesamtja>hresumsatz betrug 2 619 528 Zentner im Werte von 46 521 634 Mark. Der Reingewinn beträgt 306 35219 Mark. Dem Geschäftsbericht ist weiter zu entnehmen, daß die Centralgenossenschaft von der Oberhessischen Kornhausgenossenschaft in Alsfeld, die neuzeitlich eingerichteten Getreidelagerhäufer in Alsfeld und Riedergemünden und die Lagerhäuser in Kirdorf, Arnsheim und Stumpertenrod gekauft und in Friedberg das Geschäft des Herrn Jul. Philippi mitsamt Lagerhaus nebst 9300 qm. Baugelände mit Gleisanschluß erworben hat.
Friedberg. (T h e a t e r i m S a a l b a u.) In der am Sonntag Abend von der Frankfurter Volksbühne zur Aufführung gelangenden Operette: „Husarenliebe" sind in der Haupt, rolle beschäftigt: Pep: Issel, welcher mit seiner prächtigen Va- ritonstimme das Publikum entzücken wird, ebenso Hella Vetter, die 1. Opern- und Opereltensängerin mit ihrer reizenden So« pransttmme, dann die Soubrette Trudel Schoppers und vor allem Herr und Frau Direktor Henß in den komischen Rollen, sowie Esther Holen. Die Operette, welche voll echtem, köstlichem Wiener Humor und mit prächtigen Gesängen ausgestattet ist, wird gewiß auch hier das Interesse der Theaterbesucher erregen. Ebenso wird das nachmittags 4 Uhr zur Aufführung gelangende neue vaterländische Kinderstück aus heutiger Zeit: „Hänschen in Feindesland" Jung und Alt viel Freude bereiten. Alles Nähere ist noch aus der heutigen Anzeige Zu ersehen.
FC. Vom Main, 20. Juni. „Willst du einmal Schnaps trinken?" mit diesen Worten reichte dem zehnjährigen Sohn des Landwirts Schütz in Kleinlangheim ein gleichaltriger Spielgefährte eine mit Lysol gefüllte Flasche. Der Knabe trank voy dem gefährlichen Inhalt. Der Junge verstarb unter schrecklichen Schmerzen.
Aus Starkenburg. V
FC. Groß-Gerau, 20 Juni. Wegen Milchsälschung und Betrug verurteilte das Schöffengericht die Witwe Wilhelm Kreinz 2 von Büttelborn zu einer Geldstrafe von 160 Mark bez. 30 Tage Gefängnis.
FC. Vom Odenwald, 20. Juni. Die neugegründete Odenwälder Verwertungs-Genossenschaft für Obst und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse hat nunmehr in Michelstadt ihren Geschäftsbetrieb ausgenommen. Die Organisation soll vor allem das Verhältnis zwischen Produzent und Konsument zu einem geregelten gestatten.
Von der Bergstraße, 18. Juni. Infolge des Obstausfuhrverbotes wurde an den Bahnhöfen der Bergsttaße eine verschärfte polizeiliche Kontrolle angeordnet. Auf dem Bahnhöfe der Nebenbahn in Weinheim wurden am Sonntage aus dem ' Packwagen der elektrischen Straßenbahn 32 Körbe Beerenobst, für Mannheim bestimmt, beschlagnahmt, auf dem Hauptbahnhofe daselbst mehr als 1 Zentner derselben Frucht, die eine Händlerin nach Frankfurt bringen wollte. Die beschlagnahmten Beeren wurden der Badischen Obstverso rgungsstelle Weinheim zugeführt
Aus Nheinhessen. __ __ ^
FC. Mainz, 20. Juni. Ein bis jetzt noch unbekannter Feldgrauer hatte einem Landwirt in Gonsenheim gestern vom Acker weg ein Pferd mitgehen heißen, das er einem hiesigen Metzger für 450 Mark verkaufte. Die Polizei nahm es noch rechtzeitig in Verwahr.
FC. Finthen, 20. Juni. Die hiesige Spar- und Darlehnskasse hat im Geschäftsjahr 1917 einen glänzenden Ge- schäftsumsatz erzielt. Er beziffert sich auf 3 650 198 Mark. Die Spareinlagen erreichten die vorher niegeahnte Höhe von 1071344 Mark gegenüber 890 086 Mark in 1916. Die Steigpreise und Hypotheken wurden fast restlos zurückgezahlt.
Gernsheim, 18. Juni. Einen schrecklichen Tod fand ein junger Arbeiter von hier in der hiesigen Zuckerfabrik. Er geriet mit dem Arm in das Getriebe einer Mischvorrichtmig und wurde dabei vollständig eingeklemmt, so daß es schwer war, den Körper des Verunglückten aus demGetriebe heraus- zubrmgen. ^Der^ Tod, trat auß der Stelle ein.
v FC. Aus Rheinhessen, 19. Junk. Der Gesamtertrag 'tef"
! diesjährigen befriedigenden Spargelernte in der Provinz wird auf 6—8 Millionen Mark geschätzt.
Ans Hessen.Nassau.
FC. Wiesbaden, 20. Juni. Zahlreiche Montierungsstücktz kamen vor einiger Zeit auf dem Bekleidungsamt Mainz« Kastel abhanden. Nachforschungen danach hatten guten Er», folg. So wurde auch eines Tages bei dem Weichenwärter August Birk in Mebrich nachgeforscht und bei ihm ein Militärmantel, ein Beinkleid, Unterbeinkleider, Decken, drei Paar Schuhe und Stiefel, alles Gegenstände die dem Militärfiskus gehörten und dem Bekleidungsamt gestibitzt waren, vorgesunden. Birk erhielt vom Schöffengericht heute wegen Hehlerei eine Gefängnisstrafe von einer Woche.
Schwabenheim. Ein tödlicher Unglücksfall ereignet^ sich in^der Fabrik von Müller und Schneider. Der 16 Jahre alte Arbeiter Karl Gräff kam während der Arbeit einem Motor zu nahe, sodaß er von diesem erfaßt und so schwer verletzt wurde, daß er bald darauf starb.
Kelsterbach. Ein schweres Bauunglück ereignete sich dahier. Auf einem Bauplatze gab das Baugerüst nach, sodaß zwei Arbeiter in die Tiefe stürzten. Außer Arm- und Beinbrüchen erlitten beide auch schwere innere Verletzungen. Sie wurden nach dem Mainzer Krankenhaus übergeführt.
Aus Kurhessen.
FC. Marburg, 20. Juni. Der ehemalige Führer der nationalliberalen Partei, der Senior der hiesigen Universität, Geheimrat Professor Dr. Enneccerus begeht am 23, Juni sein 60jähriges Doktor-Jubiläum.
FC. Aus Kurhsssen, 17. Juni. Der Kreisausfchuß-Vor- l sitzende des Landkreises Kassel ersucht die Ortsbchörden im l Interesse der Erhaltung der ohnehin geringen Obsternte unverzüglich dafür zu sorgen, daß die im Bezirk befindliche« Obstbäume auf das Vorkommen von Raupen und Blutlaus hi« nachgesehen werden und daß, nötigenfalls mit Hilfe der Schulz kinder, das Erforderliche zur Vertilgung des Ungeziefers Weht.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
4. Sonntag nach Trin., 23. Juni 1918.
Gottesdien st in der Stadtkirche. Voinnittags 9% Uhr: Herr Pfarrer Die hl.
Abends 8*4 Uhr: Herr Pfarrer Ritter.
Gottesdienst in der Burgkirche.
Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrei
Ritter. . ^
Nachm. 2 Uhr: KatechiSmuslehre für die weibliche Jugend. Herr Pfarrer Ritter.
Gottesdien st im Stadtteil! Fauerbach.
10 Uhr: Gottesdienst. Anschließend Katechismusle^re
für die Mädchen.
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~ Katholische Gemeinde. _^
Sonntag, den 23. Juni 1918. 6. Sonntag nach Pfingsten.
Beichtgelegenheit am Samstag von 6 Uhr an und Sonntag früh von 6 Uhr ar ^7 Uhr Frühmesse.
8 Uhr Militärgottesdien'st ^Singmesse mit Predig^. Gemeinsame hl. Kommunion der Jünglinge und Jungfrauen (3. Llloisian. Sonntag.)
ch^10 Uhr Hochamt mit Segen und Predigt.
Nachmittags 2*4 Uhr Armenseelen-Andacht.
Um 4 Uhr Versammlung des Jünglingsvereins.
Abends %9 Uhr: Aloisius-Andacht mit Predigt. Während der Woche um y£l und 7 Uhr hl. Messe. Freitag, abends 8 Uhr: Kriegs-Andacht.
Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus Borromäus-Bücherei. >
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otts Hirsche!. Friedberg: stir den Anzeigenteil: N. § eyner.' Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*,» A. G.. Friedberg i. H. tL
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nirgends bester, nirgends billiger wie bei
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Telefon Kp. 450.
Größtes Kager am Platze!
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Tapeten- und LInoleomhans
lean Kogler, K F ÄH
Nähe de« Rathaases.


