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Verlag der ..Gießen er Zeitung", (Siesten.
■Hx. 117, Telephon Nr. 3M, Dienstag, di'N 24. Dezember 118 Telephon Nr. M 2 . 3l. Jahrg.
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Der Achtstundemag.
Don berufener Seite wird uns darüber geschrieben :
In Nummer 114 der Gießener Zeitung steht ein interessanter Artikel über die Einwirkung des achtstündige" Arbeitstages auf die verschiedenen Berussstände. Die tatsächlichen Folgen für den Lohnarbeiter selbst, für das Gewerbe und das Volksganze werden sich erst allmählich greifbarer ergeben. Es werfen sich bei der Beurteilung eines solchen staatlichen Zwangseingriffes in die persönliche Freiheit des Einzelnen ganz von selbst die verschiedensten Fragen auf. Kann z V. ein verarmtes Volk, wie wir es sonder Zweifel geworden sind, mit einer Arbeitsdauer von nur acht Stunden am Tag sich selbst ernähren, kann es noch gar darüber hinaus durch Verkauf von Erzeugnissen an das Ausland seine wirtschaftliche Lage über die eigentliche Bedarfsgrenze vermehren? Am Ende des 30 jährigen Krieges, der vor nunmehr 300 Jahren anfing, lebten im deutschen Reich nur 7 Millionen Menschen, sie hatten Land und Bodenschätze zur Genüge, konnten alle wieder arbeiten, sich alle wieder ernähren. Heuer, am Ende des Weltkrieges, suchen 70 Millionen Menschen nach Arbeit und Brot. Wohl haben wir andere Wirtschaftsmittel wie ehemals, allein auch anspruchsvollere Menschen. Ernste, weitschauende Männer rufen uns zu, daß zur Aufbau Arbeit nur iinmer wieder Arbeit in Verbindung mit Einschränkung und Einfachheit unerläßlich sei und nun diktiert die Revolutionsregierung ohne vorherige Prüfung der Möglichkeit für das gesamte Gewerbe die achtstündige tägliche Arbeit für alle gegen Lohn beschäftigten Arbeiter, diktiert dazu einen bestimmten Lohnsatz, der unter Berücksichtigung des auf die Hälfte gesunkenen Geldwertes mindestens um 7 3 höher steht als die früheren Friedenslöhne bei durchschnittlich 10 ständiger Arbeit.
Ein solches Gebühren muß als Selbstmord gegeißelt werden. Die Lohnarbeiter schaffen also acht Stunden, die übrigen Berufsklassen müssen diese Arbeit mit unnormalen Preisen bezahlen. Sie müssen für sich 10 bis 14 Stunden schaffen und der Lohnarbeiter sieht ihnen feiernd mit zu. Fühlt dieser wirklich nicht das Unnatürliche und Frevelhafte seines Beginnens? Kann die Allgemeinheit den Ausfall eines Arbeitstages in der Woche, den die Einführung des Achtstündentages zur Folge hat, ohne Schaden ertragen?
Ich höre den Einwand, daß bei achtstündiger Arbeitszeit das Gleiche geleistet werden könne wie in IO Stunden. Das ist nicht wahr, die Tatsachen widerlegen es. Wohl kann in etwa einem drittel der Industriezweige eine ein- stündige Mehrleistung erzielt werden, aber in der Hauptsache nur auf Kosten angestrengterer körperlicher und geistiger Tätigkeit der Lohnarbeiter^ zum Schaden ihrer* Gesundheit. Was man zu erreichen glaubt, Schonung der Arbeitskraft, wird ins gerade Gegenteil verkehrt. Darüber aber, was „die neuen Barone", so wurden kürzlich die Lohnarbeiter in einer Zeitung genannt, und besonders diejenigen der großen Städte, in ihrer 16 Stunden Mußezeit tun und tr-eiben, wollen wir keine weiteren Betrachtungen anstellen. Nur soviel sei dazu gesagt, daß Niemand zwei Herren dienen kann. Es ist eine von Aerzten und Dolkswirtschaftlern bestätigte Erfahrungstatsache, daß nach angestrengter körperlicher Arbeit die geistige Arbeit keine Erholung bildet und umgekehrt, daß sogar der Sport (Turnen, Spiele, Märsche) als Ruhe und Erquickung kein Gegengewicht bildet, es gibt ferner aber auch ein altes wahres Sprichwort, daß da heißt: „Müßiggang ist aller Laster Anfang".
Wird schließlich, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht der Lohnarbeiter die Rechnung ohne den Wirt, das Publikum machen? Der Achtstundentag verteuert die Waren. Die Kaufkraft des Volkes wird durch den verspielten Krieg ganz gewaltig zurückgehen. Was nutzen die Waren, wenn der Absatz fehlt! Es entsteht Ueberproduktion, es folgen Betriebsstockungen und Entlassungen von Lohnarbeitern. Das Wort wird wahr, daß wir nicht Waren, sondern Menschen ausführen, unsere Lohnarbeiter aus- wandern und die Knechte Sklaven und Heloten unserer Feinde werden.
Jur Zeit befindet sich der größere Teil unserer Lohn- arbeiterschast noch in einem starken Rausch. Er schwört blind auf die Verheißungen der sozialdemokratischen Führer^ Er will trotz allen Elendes sich nicht von seinen Wahngebilden freimachen, Lehre annehmen. Der Rausch aber findet sicherlich sein Ende und dann mögen sich die Betörten bei denen bedanken, die sie ins Unglück gestürzt haben.
Zur Einführung des tfcbtffundenarbeüsfags.
Das ReichsernähtUngSamt hat im Einverständn s mit dem Reichst bettsamt über dir Einführung des ! Achtstundentags in Bitrstben, dir: der E nahrung und j Versorgung der Bevölkerung mit dringenden Bedarfs' gegenständen dienen, folgende Anordnungen erlassen:
1. Bei den Betrieben, die der Ernah.ung und Versorgung der Bevölkerung mit d'ingcnd.n Bedarfsgegenstände' di-nen. soll -ine Urtubiechung der Arbeit und eine Minderung der P oduktion vermieden werden. Der Achtstundentag soll daher in diesen Betrieben erst zur Einführung gelangen, w nn die hierzu nöt'ge Zahl von Arbeitern b.schafft ist.
2. Für die Einführung des Achtstundentags ist als Termin der 1. Januar 1919 vorgesih n. B'.s dahin müssen sich die Bi triebe auf den Achtstundentag einrichten; sie müssen doh<r bet den Alb ItSnachweisen und Aus' kunftSsttllen unverzüglich den Bedarf an Arbeitern an- n'.elden. Es rwpfichlt sich, auch mit den örtlichen Drmo- bilmachungskommissar.n diesclhalb in Verbindung zu treten.
3. Da durch fcie Demobilmachung fortgesitz' Ar. bcitsk äste fcet wer du, so ist zu erwarten, daß genügend Arbeiter rrchtzertig zu -rhelt^n sind; sollte dies trotz aller Bemühungen nicht getingen, io müssen die Betriebe rechtzeitig bei ih-cn LandeSbchöcdcn (Gewerbeinsp-ktoi) oder beim ö tllch-.n Dnnobilmachungslomm'ssar wegen der Bewilligung von Ausnahmen vorstellig werden. Es ist h'-rbei ab:r an dem Giundjatz sistzuhall'n, daß auch die Ca VolkSeinahrung und Vollsvtrforgung dienenden Bet '.ebe eine AusnahmcsK llur'g nur da unb nur für die Zeit erhaten können wo die Volks rnährung gesäM- tut erscheint und der Meh.beda.f an 2Utu.tc-feäften sich nicht beschaff.n läßt. Auf die Anordnung des Demobtl mochunosamtü rom 23 November 1918 (Reichs Gesetz!)!. 8. 1334) nehme ich B-zug. Die Einlegung w'-chselnder Schichten zu je 8 Stunden ist durch die E nsührung des Achtstundentags nicht ausgeschlossen.
4. D e Betrübe sollen sich über diese Fragen nicht mit den Arbeitern- und Soldat- nräten, sondern mit den zuständiger, gewerkschaftlichen Organisationen und ihren örtlichen Vertatern auseinandasetzen; da, wo die Ar' Dtiter und Soldaten'äte Anforderungen stellen, ist unverzüglich die Mitwirkung der genannten Organisationen nachzusuchcn.
Di- Neichsrcgietung hat sich mit diesen Grundsätzen, die den Bcretnbarungcn zwischen den großen Arbcttgl- berva bänden und den Grwakschostcn vom 15. November 1918 cntspechen, ausdrücklich einverstanden erklärt.
Dem Abgrund entgegen.
Den „Berl. Pol. Nachr." wird über die durch die sinnlosen Lohnforderungen herausbeschworene Gefahr eines unmiltelbarcn Zusammenbruchs unserer gesamten Industrie und Fmanzwutschast von zuständiger Stelle geschrieben: „Bet den gegenwärtigen Lohnforderung»«, oenen säst ketne produktive Arbeit mehr gegenübersteht, muß eö in ganz kurzer Zeit in längstens drei Monaten, zum Zusammenbruch der Banken und der gesamten Finanzbasis drs Reiches kommen."
Das ist keineswegs zu schwarz gesehen. Die wahn- sinnigen Lohnforderungen der Arbeiter in Berlin, wo dis Müllkutschcr jetzt glücklich das Etnkommen von Gymnasialdirektoren sich erstreickt haben, werden wohl noch eher die Gewinne und Rücklagen der großen lln- ürnchmungen weggezehrt haben wie die Sonne den Schnee. Und dann? Der Zusammenbruch ist unaus- öletblich, wenn nicht endlich Einhalt geboten wird. Wer aber hat dazu den Mut? D-e jetzige Regierung ist ein.' sozialipische. Auch sie rauft sicher über die Entwicklung der Dinge sich die Haare, aber sie hat nicht den Mut und nicht die Kruft, sich dem Strudel entgegen zu werfen. Sie weiß ganz genau, daß nunmehr. nachdem ihr die Dinge über den Kopf gewachsen sind, sie sich garnicht erfolgreich zur Wehr setzen kann. Wenn den sozialtstischen Massen zuG-müte g-führt lverdcn soll, daß Lohnsmde- rungen jetzt unzeitgemäß sind, dann pfeifen sie auf die ganze Revolutlou. Man hat eS ja erlebt, daß ein Sturm der Entrüstung sich erhob, als cm sozialistischer Minister in eurer Brrliner Versammlung den Arbeitern klar zu machen suchte, daß sie j.tzt genau so wie bisher, ja noch m hc als vordem arbeiten und alle übertriebenen Forderungen zurückstellen rnüßten. Ein unendliches Kapital, materiell und moralisch genommen, ist bereits verspielt. * Der Zusammenbruch aber, der unweigerlich kommen muß, >
w nn nicht in l.tztrr Sekunde noch die Bewnnen-n si gen, Wird alles mit in d,n Strud l ziehen und er wird gerade die arbeit'ndtn Schichten am verheerendsten treffen.
JSus Stadt und Land.
Einteilung
der Stadt Güsten in Abstimmungsbezi, ke für die Wahlen zur vcrfajfrirrgogrkcnden Nationalversammlung:
1. Wahlbezitk: Auf der Bach, Burggraben, Damm-
stlaße, Hundsgasse, Kt'chenplatz, Ktrchstraß.', Llndargasse, Lindenplatz, Ma üpletz. Walltorstraße, W-.tzstcingasse und Straße, Zozctsgasse.
2. Wahlb znk: Am Rodberg, Bücking: raste, Edec-
straße, Marburgec Straße, Stewüraß, Weserstraße, Wies cf et Weg.
3. Wahlbezirk: Asterweg, Brandgaff-, Bcandp'otz,
, Braugassf, Drnhäuselgasse, Kaplonetgasse, Landgraf
Phtlippsplatz (ohne Zcuehauskaserne), Landgrafenstcaße, Nordonlage, Schloßgossi, Schillerst^aße, Schottstraße, Schulvraste, Sonnenstraße.
4. Wah b.z'.tk: Äabe!sbergerstraste. Grabenslcaße, Hammstraße, Kaplansgass", Katharinengasse, Kceuzplatz, Löwcngosse, Schanzcnstraße, W-st-Anlag^, S:Inter der Wcst'Anlage, Wolkengaffe.
5. Wahckezilk: An d.r Hardt, Kornblumen-affe,
Krofdotf.c Straß-', Lahnstraße, In Löbers Hof, Mühl- stroße, kleine Mühlgass , Neustadt, Rodhumeo Straße, Sandgass.', Schütz-nstraße, Tiefenweg.
6. Wahlbezirk: Iohanncsüraße, Kanzleiberg, Mäus- burg, Ma'.gasse,Ma ktstcaße. Ncuenweg,Plockstcaße, R,t- tergass, Seltersweg, Wagengasse, W<ttergasse.
7. Wahlbezirk: An den Bahnhöfen. Am Steg,
Bahnhofitraße, Buchnerllraße, Crcdnerstroße, Friedrich- straße,Glaubrechtstruße,Hillebcandstraße,Hosmannstraße, Mittelweg, Wetzlarer Weg.
8. Wohlbezirk: Diezftraße, Erl-ngasse, Gartenstraße, Goeth str aße, Gutestberguraße, Löberstraße, Neuen Bäu-, Süd Anlage, Teuselslustgärtchcn, Weidengasse.
9. Wahlb:zt!k: Buddestraße, Frankfurter Straße,
Klinikstraße.
10. Wahlbezirk: Alicesttaßc, Bismorckstraße, K^p-
lerstraße, HIsenstraße, Ludwigstraße, Am Riegelpfad, Schiffenbergec Weg, Gemarkung Schiffenberg.
11. Wahlbezirk: Ebelstea'e, Ecdkauterweg, Leih-
gesterner Weg mit Bergwerk. Lrebigstraße, Wilhelmsiruße, Wilsonftraße.
12. Wahlbezirk: Bruchstraße, Mollkestcaße. Ost Anlage, Roonstratze, Srnckenbargsteaße. Gr. Steinweg, Stephanstraße, Wtesenstraße und Zeughauskaserne. Land, graf Philippsplatz 4
13. Wahlbezitk. Bleichstraße, Henselstroße, Land- mannstroße, Ltcher Straße mit Kaserne 1, Lonystroße, Nahrungsberg.
14. Wahlbezirk. Bergstraße, Etchgäxten, Eichweg, Georg Philipp.Gail-Straße, Kalsec-Allee mit Kaserne ll und städtische Kaserne, von Ltcher Straße 65, Ludwigs- platz, Wolfstraße
Gießen Ernannt wurden: Grh. Kommerzienrat Siegm. Hrichetheim, Kommerzienrat Gustav Mueller, Kommerzienrat Heinrich Schirmer, Kaufmann Johann Josef Sauer, sämtlich in Gießen, zu Handelsrichtern, Kommerzienrat Adolf Klingspor und Kaufmann Fr. Heimer, beide in Gießen, zu Ecgänzungscichtern bet der Kammer für Handelssachen init dem Sitz in Gießen; der Lehrer an der Volksschule in Gonterskirchen, Kreis Schotten, Karl H^yd, zum Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Groß^Bleberau, Kreis Dieburg.
* Einen anßerocd ntlichen AUgemeinen Deutschen Innnugs und gandwerkertag b--rust dec Zentralaus- jchuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands auf Sonntag, den 29. Dezember 1918, vormittags 10 Uhr in die „Erholung" zu Weimar. — Die Tagesordnung beschränkt sich auf die für das Handwerk aktuellsten Gegenwultsfragcn: 1. Stellungnahme des Deutschen Handlvelks zu der gegenwärtigen Lage und 2. Stellungnahme des Deutschen Handwerks zu den Wahlen für die Deutsche Nationalversammlung.
Verantwortlich: Al bin Klein, Gießen.


