Ausgabe 
7.12.1918
 
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(K-etzcncr Tageblatt)

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Druck der Gießcncr Berlagödruckerei, Albin Mein.

Rr. 112.

Telephon Nr. 362.

Samstag, dm 7. Dezember 1918.

Telephon Nr. 362.

31. Jahrg.

von uns für Sie Wahlen.

Bei der Neichstagswuhl 1912 hatte Deutschland 65,4 Millionen Einwohner darunter 14,4 Millionen Wahlberechtigte. Nach etwaiger Abtrennung Elsaß- Lothringens und polnischer Gebietsteile dürste die Wähler- Zahl j tzt einschl. der weiblichen Stimmen 38 Mill. be tragen, davon (nach dem Tode von l 3 /* Million Soldaten) 20 Millionen weibliche Stimmen.

Im Jahre 1912 erhielten Stimmen:

Konservative' Parteien Nattvnalliberale Zentrum (mit bahr. Bb.) Fortschr. Volkspartei Sozialdemokratie Elsässer, Polen usw.

oder

oder

15,4

14,1

1 895000

1 723000

2 039000 oder 16,7 1 506000 oder 12,3 4 250000 oder

804000 oder

24,9

6.6

Pioz.

Proz.

Proz.

Proz.

Proz.

Proz

12 207000 100,0 Pcoz

Die Frage, ob die Sozialdemokratie allein die Mehr­heit erhält, möchten wir verneinen. Begeht sie aber noch Regiecungstorhttten im Sinne der Linkssoztalisten, ver­hindert sie dadurch namentlich den heibttgfflhnttn Frie- den, dann werden sich Millionen von ihr abwenden, die sitzt noch sozialdemokratisch wählen würden, um dadurch ihrer Abneigung gegen das bisherige Regierungs­system Ausdruck zu geben.

Die Landwirtschaft mar im Reichstag gut vertreten, jedoch fast ausschließlich durch große Besitzer, nämlich 34 Rittergutsbesitzer, 17 Gutsbesitzer, ferner durch Majoratsherrn und Fidcikommißbisitzer, verschiedene andere bezeichneten sich als Standeshercn, Ritterguts- Pächter, Klostergutspächter, nur 10 alsLandwirte", jedenfalls sind aber auch das nur größere. Insgesamt waren 88 Vertreter der Landwirtschaft im Reichstag. Weiter waren stark vertreten die Schriftsteller mit 58, Rechtsanwälte 39, Richter.24, Schulmänner 22, Geist­liche 21, öffentliche Beamte 21, Rentner 13. Auf das Kleingewerbe bihften recht wenig entfallen, insgesamt gehö'.en zum Gewerbe 21, wieviel davon zum Kleinge­werbe ist nicht sestzusiellen. Sicher ist, daß die Klein­gewerbetreibenden und die kleinen und mittleren Land ' wirte nur unwesentlich vertreten waren. Die A'beitec- schaft war insofern besser vertreten, als zahlreiche frühere Arbeiter in ihrer Eigenschaft als Redakteure soz. Blätter, als Gewerkschaftsbeumte usw. im Reichstag saßen. Unseres Erachtens mußte das einfache Bürgertum, die schaffenden Stände, btssir vertreten sein. Zwar ist richtig, daß diese nicht sehr viele Volkstribunen stellen können, an solchen würde cs aber auch bau« gewiß nicht fehlen, wenn weniger Schriftstelle, usw. gewählt würden. In ein Parlament gehören mehr Angehörige der Erwerbs' stände. Erstens verstehen auch diese etwas von Politck, und zweitens handelt es sich nicht immer um Politik, sondern auch um g-wcxdlkche und berufliche Fragen.

Zeitweilige garnisonvellegnngen.

Das vom F inde zu besetzende und neutrale Gebiet muß von den deutschen Truppen schnellstens geräumt werden. Es werden nachstehende Ecsatzformationen verlegt bezw. muß deren Verletzung spätestens am 7. Dezember durchgesührt sein:

von nach

80 Wiesbaden Bcaunfels

81 Franks, a. M. Wetzlar

97 Mainz Tx. Urb. Ps. O:b

88 Mainz Tc.-Ueb.-Ps. O.b

115 Darmstadt Erbach t Odw.

117 Mainz

118 Wurm?

168 Offenbach

6 Mainz

23 Dacmstadt

24 Darmstadl Wiesbaden

3 Mainz

1. Ers.-FÜs. Reg. 1. Ecs.-Jnf.-Reg. 1.

1.

1.

1. -Ers.-Jns.-Reg.

l.

1.

Ers. Drag. Reg.

Ers. Pferdedcpot Ers. Fußart. Reg

2. E Feldark. Reg. 25 Durmstudt

Friedbecg Bensheim Butzbach Hanau a. M. Laubach Lau reib ach Hanau a. M. Gelnhausen Nrdda-Ortenbtrg

2. Ert.Fcldart.rReg. 2- 2.

Train Ecs.-Abt.

2. Pion.-Jn!p.

Ers. Pion -Bat.

Flieger Ecs.-Abt. Lustsch. Ers.-Abt. Rachr. Ecs -Abt. Flak-Ers. Abt. Unteroffz.-Vocschule

27 Gonsenheim Weilburg

61 Darmfwdt Babenhausen

63 Franks, a. M. Schlücht.'Stttnau 18 Darmstadt Dtebg.-GrUmst.

Mainz Seligenstadt

21 Mainz Kaste! Seligenstadt 25 Mainz Kaste! Seligenstadt 9 Darmstadt Alsfeld 2 Darmstadt Heppenheim 18 Dacmstadt Gießen 1 Franks, a M. Neuhof Biebrich Weilburg

kmialsungspaplere.

Die Waffenstillstandskommlssion tei r t mit: Die Fran­zosen erkennen im besetzten Gebiet mit Brückenköpfen bei entlassenen Militärpersonen Entlaffungspapiere nur an, wenn sie von einem Truppenteil oder einer mili­tärischen Behörde ordentlich ausgestellt und gestempelt sind. Diejenigen Militärpersonen, die Entlaffungspapiere von Soldatenräten unterzeichnet vorzetgen, werden nach den Meldungen der Armeen und nach den sonstigen Nachrichten bisher nicht anerkannt und rücksichtslos in- tecni-tt. Drc französische General Rudant hat mündlich erklärt, daß die von Soldatenräten gestempelten Entlas­sungspapiere, wenn sie nachträglich vock deutschen Lokal- behörden (Bürgermeister-, Polizei-, Kretsämter usw.) an­erkannt würden. Gültigkeit haben sollen. Aus 'diesem Grunde ist es zweckmäßig, daß alle Militälpersonen, die Entlaffungspapiere vom Soldatenrat haben, sich von der nächsten deutschen Lokalbehöcde diese Entlassungs- papi-re bescheinigen lassen.

flUÜÖfäülS

des stellv. QeiteralKomsnandss.

Der Kommandierende General des aktiven 18. Armee­korps v. Etzel gibt folgendes bekannt:

Das stellvertretende Gtncralkommando des 18. Armeekorps wird mit dem 9. Dezeyrber 1918 aufgelöst. An seine Stelle tritt mit diesem Tage wieder das aktive Generalkommando des 18. Armeekorps in Nauheim

Bon da ab sind sämtliche Eingaben betreffend mili­tärische Angeleg-nh.iten nicht , mehr an das stellv. Gene­ralkommando Frankfurt a. M., sondern an das Gene­ralkommando des 18. Armeekorps in Nauheim zu richten.

In den Räumen des bisherigen stellv. General- Kommandos (Frankfurt a. M, Taunus-Anlage 9) wird ein

Divil-Departemerrt für den Bereich des 18. Armeekorps

rrnchtet.

Die Leitung diesesZivil-Departements" liegt in den Händen des Generalmajors v L-tudnitz. der mit der Auflösung des stellv. Generalkommandos aus seinem Militä:vcrhältnis ausgeschieden ist.

Die Kriegsamtstelle Frankfurt a. M. ist am

2 Dezember 1918 aufgelöst worden.

Die deutsclMlisnale öslkspattel.

Berlin, 3. Dez. Die neue aus allen Gruppen der bisherigen Rechten (Konservative, Fceikonservatlve, Christlichsoziale und Reformer) zusammengesetzte deutsch­nationale Volkspartei wird sich in den nächsten Tagen konstituieren. Den Vorsitz wird voranssichtsich der Abgc- ordnet' Dietrich (Konseevativ) übernehmen. Auch Graf Westarp wird der Parteileitung angehöcen.

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Berlin. Der Ausschuß des Deutschen Bauern­bundes beschloß den Abschluß eines Wahlbündnisses mit der deutschen demokratischen Prrtei, da nur eine bür­gerliche Partei, die entschieden demokratisch gerichtet sei. bei der heutigen Bolkssttömung Aussicht habe, sodiele Stimmen auf sich zu vereinigen, saß sie von ausschlag­gebender Bedeutung im Parlament wild.

Va5 besslscbe Waftlgesm.

Darm sta dt, 3. Dez. Nach dem nunmehr l schloffenen Wahlgesetz besteht die hessische Bolkskamw a s 58 Abgeordneten, die unmittelbar und geheim ; wählt werden. Wahlberechtigt sind Männer und Frau über 20 Jahren. Militärpersonen wählen au ihu Standort. Ausgeschlossen sino entmündigte Persom solche unter vorläufiger Vormundschaft, fecnec die I fassen der Zuchthäuser, wer durch rechtskräftiges Uri die bürgerlichen Ehrenrechte verloren hat oder uni Polizeiaufsicht steht. Die Abgeordneten werden j 3 Jahre auf Grund der Verhältniswahl gewählt u zwar bildet das ganze Land einen Wahlbezirk, t Wahltag ist der 19. Iannar und für die Ecöffnu der Kamm c der 27. Januar in Aussicht genomm- Die Regierung darf nur solange im Amte sein, als das Vertrauen der Kammer besitzt.

«

* Darmstadt. 3. Dez. Das Wahlgesetz für dle s setzgebende heffi'che Volkskammer ist nunmehr beschloss Die Volkskammer wird aus 58 Abgeordneten geblld Die Abgeordneten werden nach den Grundsätzen der V hältniswaht auf oie Dauer von drei Jahren gewäl Das ganze Land bildet einen Wahlkreis. Die Vertetlu der abgegebenen Stimmen erfolgt nach dem D'Hon schen System, also Teilung der gesamten Stimmen jee Partei durch 1, 2, 3, 4, 5 usw. Die Einzelbestimmung sind im übrigen analog dem Rttchswahlgesetz.

Die Volkskammer tritt am 8. Tage nach der an lichen Ermittlung des Wahlergebnisses in Daimstc im StändehauS vormittags 11 Uhr unter dem vr läufigen Vorsitz des ältesten Mitgliedes zusammen u> wählt die Leitung. Die Geschäftsordnung gibt sich i Kammer selbst. Die provisorische Regierung, die alU die Volksgewalt in Hessen ausübt, ist nach dem Z sammentceten der Volkskammer ausschließlich die, verantwortlich. Sie bleibt so lange im Amt, als , das Vertrauen der Vslkskammer genießt. Entzieht 1 Volkskammer der Negierung das Vertrauen, so ist o der Volkskammer eine neue Regierung zu bilden. A Wahltag ist der 19. Januar 1919 in Aussicht genomm

Hessen als Wahlkreis. Die Republik Hess wird für die Wahlen zur Nationalversammlung ein Wahlkreis bilden und 9 Abgco.dntte zu wählen Hab.

Es wird dann wohl jede Partei 9 Kandidaten ai stellen und es werden diejenigen als gewählt zu gelt haben, deren Namen tn erster Linie aufgeführl sind.

Lokales.

** GLsffkrrr, 7. Dezbr Das Karrdwehr-Irrfn lerie Regiment Ur 116 zog heute Mittag */ 2 2 U unter Glockengeläute und mit klingendem Spiel hur ei Die Bevölkerung begrüßte die httmkehcenden Krieg recht herzlich. Seitens der Stadt wurde das Regime besonders willkommen geheißen

Rlrcblicbe Anzeigen.

Sonntag den 8. Dezember (2. Advent).

Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Vormittags 9 1 /* Uh Pfarrasststent Liz. Reuning. Nachmittags 2 Uhr: Ku deikicche für die Markusgcmeinde. Pfarrasststent L Reuning Abends 5Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte u Feier des heiligen Abendmahlsfür dieMatthäusgemttm Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer die' Gemeinde erbeten.

In der Johanneskirche. Vormittags 9 x / 2 Pfarrer Aufeld. Nachmittags 2 Uhr: Kinderktrche s di. Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Abends Uhr: Pfarrer Bcchtolsheimer. Beichte und Feier des h kigen Abendmahls fite die Lukasgemttnde. Anmeldung werden vorher btt dem Pfarrer dieser Gemeinde erbet.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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