Ausgabe 
3.12.1918
 
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Druck der Gießencr Verlagsdruckcrei, Albiu Latein.

Rr. 11V. Telephon Nr. 382. Dienstag, den 3. Dezember 1918.

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Telephon Nr. 362. 31. Jkhrg.

Ui

Me Keimkehr

Auch der nur allzuverständliche Triumphgesang der Feinde, auch die beispiellose Schwere der Waffenstillstandsbedingungen kann uns in unserem Stolz auf unser Heer nicht irre machen. Was Deutschlands Söhne in diesen vier Jahren beispiellosen Ringens und harter Entbehrungen geleistet und gelitten haben, das allein würde das deutsche Volk für alle Zeiten unter die ersten der Geschichte stellen. Wir sind heute nicht unbefangen genug, um ruhig und gelassen die große Schicksalsfrage nachzuprüsen, wie alles kam und ob es kommen mußte. Der Brief des Prinzen Max gibt einige Fingerzeige, wenn auch sein Inhalt iloch nicht unumstritten ist. Wir können jedoch das endgültige Urteil vertrauensvoll den späteren Geschlechtern überlassen, die aus dem Widersprechenden, Verwirrenden das Bleibende heraus­zuschälen haben. Nur eine Tatsache dürfen wir schon jetzt als eine feststehende, unverrückbare dem Urteil der Zukunft voraus­nehmen: Das Heer blieb unbesiegt. Wenn jetzt die Millionen in die Heimat zurückfluten) dann darf kein Gefühl der Beschäm­ung in ihnen mächtig werden. Stolz und erhobenen Hauptes kehren sie heim. Wenn wir Deutschland, wie es in. diesen vier Jahren bestand, als eine belagerte Festung betrachten, dann können wir den Ausdruck des alten Militärsystems gebrauchen: Wir ziehen mit klingendem Spiele ab.

Stunden nur trennen uns von dem Augenblick, wo unser herrliches 116er Regiment zu uns zurückkehrt. Wir haben nicht nur ein Recht, sondern eilte Pflicht, unsere Häuser mit Flaggen zu schmücken und dabei sollen ivir ilicht kleinlich und parteipolitisch engherzig sein. Ob wir noch die Fahnen in den Farben ver­gangener Tage die schwarzweißen Preußens, die rot-lveißen Hessens, die blau-weißen Bayerns oder tzie 'schwarz-weiß-rote hinaushängen, für die unsere Truppen doch gekämpft haben, oder die schwarz-rot-goldene der. Demokratie von 1848, bleibt sich gleich. Die Hauptsache ist, daß die Heimkehrenden enkpfinden, wie stolz tvir auf sie siitd, wie froh wir sie grüßen. In vielen von uns regt sich der Schmerz, daß die Millionen umsonst gestorben sind, daß deutsches Heldentum die Fremdherrschaft von deutschem Lande nicht abwehrcn konnte. Stolz und freudig gehen wir unseren Truppen entgegen und für jeden Soldaten, der die Heimat schirmte, gilt das Wort des Schillerschen Siegesfestes.

Krönt den Sieger größ're Ehre,

Ehret ihn das höh're Ziel.

locü für die lonserzung des Weges.

Nach Mitteilungen, die für durchaus zuverlässig gehalten werden können, besieht kaum noch ein Zweifel, daß Marschall Foch alles daran gelegen ist, einen Vorwand zu sibden, um den Waffenstillstand zu kündigen, den Krieg fortzusetzen und so die Lage der gänzlichen Wehr­losigkeit in der sich Deutschland befindet, im Sinne der französischen Rache und Erobcrungspolitiker auszubeuten.

Air die Sozialen von den Tranzofen behandelt werden.

(Aus der Reichskonferenz)

Aus dem Verlauf der am Dienstag in Berlin statt- gefundcn.n R e i ch s k o n f e r e n z ist bemerkenswert:

Die weitaus größte Mehrheit der Redner ist für eine baldigste Einberufung der Nationalversammlung. Staatssekretär Erzberger führte an: Wenn Eisner über Clemenceaus Liebe zum Sozialismus Klarheit gewinnen wolle, brauche ec sich nur anzusehen, wie Clemeuceau die Sozialisten beider Richtungen behandele. Beim Betreten des Okkupationsgebietes löste ec dort sämtliche Arbeiter- und Soldatenräte auf, deren Mit­glieder eiligst gc flüchtet seien, weil sie fürchten mußten, erschossen zu werden. Admicul Beatty empfing die Ver- treter der Matrosen!äte überhaubt nicht. Der englische Delegierte des Roten Kreuzes erklärte noch gestern hier iu Berlin gegenüber Ledebour und Oskar Cohn, Eng­land werde nie m i t Arbeiter- und S o l d a t e n - raten verhandeln. Als das dtiugendstc Gebot der Stunde bczcichncte Erzberger: 1. Die Einigkcitserklücung aller deutschen Stämme; 2. die Nationalversammlung und 3. den Präliminarfrieden.

Auch der Volksbeaustragte H a a s e hob scharf her­vor, daß die Ent' Ute mit einem Staate nicht verhandeln werde, wo ein Chaos herrschte. Besonders bemerkens­wert waren seine Ausführungen über die Arbeiter- und Soldatenräte. Ec vcionte die Notwendigkeit der Zu- sommcnfassung der Arbeiter- und Soldatenräte über ganz Deutschland, d nu es sei ein Mißstand, daß der Berliner Rat für alle sprechen müsse.

Am Mittwoch fand eine weitere Sitzung der Reichs­konferenz unter Zuziehung der Staatssekretäre statt, worin das Reichswahlgesctz für die konstituierende Nationalversammlung das bereits im Entwurf vorliegt und durchberaten wurde. Das Gesetz soll in möglichster Eile verkündet werden.

Die neuen Parteien.

Soweit die Umgruppierung der bürgerlichen Par­teien sich zur Stunde übersehen läßt, kann fcstgestellt werden, daß sämtliche bisherigen bürgerlichen Partei' namen verschwunden sind. Es gibt jetzt folgende bür­gerliche Parteien:

1. Deutsche demokratische Partei (linker Flügel und Mitte der Fortschrittlichen Bolkspariei, linker Flügel der Nationallibercrlen, parteilose Demokraten usw.)

2. Deutsche Volkspartei (rechter Flügel der Fort- schcittlichen Lolkspartet, Mitte und rechter Flügel der Nationallibecalen)

3. Christlich-demokratische Volkspartei (das frühere Zentrum.)

Deutschnationale Volkspartei (in der Zusammen- sassnng der früher rechtsstehenden Parteien bei stärkerem Hervoctreten der Christlich. Sozialisten).

Während des Krieges haben sich ferner aus Absplit­terungen der Sozialdemokratie neugcbildet:

1. Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei.

2. Der Spartakusbund.

Erst- Kundgebung der Deutschen demokratischen

Partei.

Die erste große öffentliche Kundgebung der Deut­schen demokratischen Partei fand am Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 10 1 / 2 Uhr im Zirkus Busch in Berlin statt. Als Redner über des Thema:Die Deut­sche demokeatische Partei und die neue Zeit" sprachen: 1. Fischbeck, Handelsminister; 2. Professor Alfred Weber- Heidelberg ; 3. Freiherr Hartmann v. Nichthofen ; 4. Unter- staatssekrrtäc v. Gcrlach; 5. Fräulein Else Lüdecs.

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Anschluß der volkspartcttichert Organisationen

Der geschäftsfühcenbe Ausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei erläßt folgende Aufforderung:-Nachdem die Deutsche Demokratische Partei unter Zustimmung der Fortschrittlich.n Volkspartei gegründet lst, fordern'wir unserer Organisation auf, den Anschluß an die Partei ungesäumt zu vollziehen."

* Wiesbaden Die hiesige Fortschrittliche Volks- Partei hat einstimmig den Beitritt zur neuen demokratischen Partei beschlossen.

* Karlsruhe Die Landesorganisation der Fort» schrittltchen Volkspartei Badens ist mit ihren 123 Orts­vereinen geschlossen der neuen deutschen demokratischen Partei beigetceten.

* Dresden Der Vorstand der Fortschrittlichen Volkspartei Sachsens beschloß einstimmig, sich der Deut­schen Demokratischen Partei anzuschlicßen.

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Prinz Schönaich (Lnrolath bei der demokratischen Partei.

In derGubener Zeitung" veröffentlicht der Reichstags- abgeordnete für Guben, Prinz Schönaich-Carolath, folgende Er­klärung:Seit länger als 25 Jahre arbeite ich an dem Zu­sammenschluß der liberalen Parteien. Es hieße deshalb mein eigenes Werk verleugnen, wollte ich der Gubener lokalen Organi­sation der beiden liberalen Parteien, die sich als Ortsgruppe in der deutschen demokratischen Partei zusammengefunden haben, fernbleiben. Ich trete daher der lokalen Organisation der deutschen demokratischen Partei bei und hoffe zuversichtlich, daß sich in ab­sehbarer nicht zu ferner Zeit der Zusammenschluß aller Liberalen erreichen lassen wird. Das Vaterland über der Partei!

Wie man hört, hat auch Prinz Friedrich Leopold und der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Keinath seinen Bei­tritt zur deutschen demokratischen Partei erklärt.

POÜWClKS.

* Drrüdrn Bet den Wahlen zum Arbeiterrat Großdresden haben die Mehrheitssozialtsten einen großen Sieg errungen. Sie erhielten 117 000 Stimmen, die Unabhängigen 7625,

des^ Feldheeres. ® t0 & eS H°upt-Quartier, im Non, 1918.

An das Feldheer!

Soldaten, die Ihr mehr als vier Jahre lang treu in Feindesland ausgehalten habt, denkt daran, wie un­endlich wichtig es für Heer und Heimat ist, daß sich Rück­führung der Armeen und Entlassung ihrer Verbände m voller Ruhe und Ordnung vollziehen. Nur wenn jeder einzelne von Euch treu auf seinem Posten bleibt, bis die Stunde der Entlassung aus den Reihen des Heeres für ihn gekommen ist, wird es gelingen, die mannigfachen Reibungen zu überwinden, welche die Rückführung so ge­waltiger Heeresmassen mit sich bringt.

Wie Ihr oft in Zeiten des Kampfes selbstlos Euer eigenes Ich dem Wohle des Ganzen untergeordnet habt, so vergeßt auch jetzt nicht, daß die Heimat in letzter Stunde von Euch Opfer fordert. Sie sind gering gegenüber all dem, was Ihr in den vier langen Jahren des Krieges

g^^^Alles außer den Jahrgängen 1896 bis 1899, die zunächst bei den Fahnen bleiben, soll so schnell wie mög­lich entlassen werden. Laßt Euch nicht verführen, vor­zeitig und eigenmächtig Euern Truppenteil zu verlassen, vergegenwärtigt Euch stets, zu weichen Schwierigkeiten bei Unterbringung und Verpflegung sowie im Abtransport es kommen muß, wenn jeder einzelne von ,Euch regellos nach Hause strebt. Ordnung und Zusammenhalt ist jetzt wichtiger denn je. Nur so wird glatte Rück­führung des Feldheeres nach den östlich des Rheins zu­nächst vorgesehenen Unterbringungsräumen möglich sein. Von dort ist Leitung der Verbände mit Eisenbahn oder Fußmarsch zu den Ersatztruppenteilen vorgesehen. Mit Rücksicht auf die große Anhäufung von Truppen und die beschränkten Transportmöglichkeiten kann dies nur all­mählich erfolgen. Längere oder kürzere Wartezeiten bei oft beschränkter Unterkunft werden sich für manche For­mationen nicht vermeiden lassen. Auch hier habt Geduld und Vertrauen; es wird jeder von Euch so frühzeitig zu seinem Ersatztruppenteil befördert werden, als die Um­stände es gestatten. Keiner voii Euch wird vergessen! Seid versichert, daß die Oberste Heeresleitung in Verbin- düng mit den Heimatsstellen alles aufbietet, um Euch so bald wie möglich Euern Angehörigen zuzuführen.

Doch eins tut not hierbei:

Rübe und Ordnung.

von Bindenburg.

Cruppenmärfcbe durch den is KorpsbezirK.

Der Bezirk des 18. Ameckorps wird in der Nicht»,ig von Westen nach Osten von 7 Armeen durchschritten und zwar von Norden nach Süden gerechnet.

Von der 17. Armee nördlich der Linie Siegburg

Winterschetd Eckenbogen Hilchenbach Winte» becg Corbach.

Von der 18. Armee nördlich der vorgenannten und nördlich der Linie Köntgswinter Siegen Biedenkopf

Gcmünden.

Von der 7. Armee südlich der vorgenannten und nördlich der Linie Herschbach Stein Neukuch Helborn Homberg.

Von der 1. Armee südlich der vorgenanuten und nördlich der Linie Bendorf WesterburgWetzlar

Gießen Ulrich st ein Marbach.

Von der 3. Armee südlich der vorgenannten und nördlich der Linie Ems Hirjchberg Westbucg Westmünster Klceberg Lutz bach Be rpadt bet Nid da Freiensteinau F-lteden Gersfeld.

Von der 5. Armee südlich der vorgenannten und nördlich der Linie Kreuznach Spccndling-n Hochen- heim Großgcra» Obecroden Mainflingen.

Von der Armeeabteilung 8 südlich der vorgenann-

te " Di/Marschstroßcn sind noch nicht festgelegt; cs muß damit gerechnet werden, daß ln den betreffenden Gebiete» während der Durchmarschdauer sämtliche Straße» von den Truppen benutzt werden. Die Durchmarschdauer wird sich auf 810 Tage belaufen.

Die auf den Trennungslinicn gelegenen Städte und Ortschaften liegen teilweise im Bereiche der nördlich und teilweise im Bereiche der südlich marschierenden Armeen.

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