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vierteljährlich 2,40 Mk., vorauszahltmr, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig, ausgabestellen vierteljährlich 1,80 Mk. Erscheint Dienstag, Donnerstag u. SamLtag. Nedaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrmrg oder Rücksen­dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. »Verlag derGießcner Zeitung", Gietze».

Rr. 1Ä3. Telephon Nr. 362.

Expedition: Südanlage 21.

Samstag, den 9. November 1918.

Anzeigenpreis 24 Psg.

die 44 mm breite P elitzeile, für Auswärts 36 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 100 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Große berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung desZahlungL- Zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBerbindlichkeir.

Druck der Gicßener VerlagHdruckerei, Albin Klein.

Telephon Sir. 383. 31. Jühtg.

Ruhe uns Ordnung für Sie neue Regierung.

Dcr Kaiser hat sich, nach einer amtlichen Nach­richt aus Berlin, entschlossen dem Thron zn ent­sagen. Auch der Kronprinz habe ans die Thron­folge verzichtet.

Der Keichslrauzler Prinz Mae von Kaden bleibt noch eine Zeit lang im Amte

Im ganzen Reich sind Bestrebungen im Gange die monarchischen Regierungen durch Lolksregierungen aus­zulösen.

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Ruhe und Ordnung halten!

Der Aufruf der neuen deutschen Volkscegiecung um- reißt in schlichten, sachlichen Worten den ganzen Umkreis der feit dem 30. September geleisteten Arbeit und die ganze furchtbare Größe der gemeinsamen und nur gemein­sam unter Einsetzung aller Volkskräste zu leistenden Arbeit. Kein Pathos, kein Schlagwort, keine Zukunftsmusik hallt aus diesem Aufruf, um so wirkungsvoller und eindring­licher ist daher seine ernste Sprache der furchtlosen Wahr­heit. Unser Ziel ist der Friede; die hatte Aufgabe der Gegenwart ist zwar auch der Kamps, der diesen Frieden schleunigst hiibeiführen soll, aber nur der Kamps, der geführt werden muß, solange der Gegner seine Bereit­willigkeit zur Durchführung der von uns anerkannten, von seinem eigenen Lundessührec Wii.on aufgestellten Kriegs- und Friedenszielen noch nicht ausgesprochen hat. Mit glanzvoller Opfecwilligkttt und Pflichttreue der le- drohten .Heimat gegenüber leistet die Front draußen uner­hört Großes; sie wehrt dle Greuel des Krieges vom sciedltchcn

Boden des Vaterlandes ov. Mit eisernen Nerven und blutenden Leibern hält sie stand. Da darf das Volk daheim auch nicht die Nerven verlieren und der erfolg­verheißenden Arbeit der Bolkscegierung zur Herbei­führung des Friedens in den Arm fallen uno den .letzten Heldenkampf draußen lähmen. Augenblicklich, in den Tagen der stärksten militärischen und politischen Span­nung, in denen über das Schicksal des ganzen deutschen Volkes entschuden wird, in denen der Bestand des Reiches und die geordnete wirtschaftliche Lebensbürgschaft auch für den letzten Arbeiter sichergestellt werden muß, dürfen nicht impulsive Eingebungen, nicht unsachliche, der Not der Stunde nicht gerecht werdende Erörterungen, nicht ver­antwortungslose Demonstrationen die innere Einheit d»c Nationen geführten und den Blick für das große Ziel: Deutschlands Zukunst, trüben. Wir alle müssen nns restlos klanv-rden, daß Deutschlands Zukunft auch unsere eigene Zukunft ist, deren Grundlagen wir jetzt erkämpfen, deren Ausbau nach unseren eigenen Wünschen und unserer erprobten Arbcstskcaft und Arbeitsleistung uns selbst Vorbehalten ist.

Rur Ruhe und Ordnung im Lande können decBolks- regierung den geregelten Gang auch des wirtschaftlichen Lebens, der schwierigen Versorgung aller mit allen Bedürf­nissen des Leibes und der Nahrung und die Stützung der draußen noch kämpfenden Brüder ermöglichen. Von Ruhe und Ordnung im Lande hängt die Gestaltung der Zukunft ab. Denn worauf lauern jene Kriegstreiber jenseits der Schützengräben, die mit ihren uferlosen Annexions- und Demütigungsabsich'en äuch jetzt der Be­endigung des Krieges entgegenwirken? Sie yoffen auf den inneren Zerfall des Reiches, der nur ihren Plänen dienlich sein und die wehr- und machtlosen vereinzelten deutschen Brüderstämme zum Spielball und Ausbeu­tungsobjekt der wlstlichen Großstaaten machen würde. Wie es nach dem Zerfall der Herrlichkeit des alten Reiches jahrhundertelang der Fall wa^.

Das Reich muß nns doch bleiben!" Dieser Leitsatz unserer gemeinsamen Zukunft muß uns als Leitstern all unseres Handelns und Denkens vorschweben. Unter die­sem Gesichtswinkel müssen, unbeschadet ihrer Bedeutung, alle übrigen Fragen und Forderungen zurücktreten. Der Friede und das einige Reich sind unsere gemeinsame, die deutsche Zukunft, der das deutsche Bolk tcoß allenr, gestützt auf die unvergleichlichen Leistungen einer mehr als vier­jährigen Kciegszeit, mit Verträum und Selbstvertrauen entgegenblicken kann.

Aber zerstören wir nicht wenige Augenblicke vor der Beendigung der Weltkatastrophe, durch eigenes Verschul­den, durch unzeitgemäße Nervosität unsere Zukunft, von der für Millionen deutscher Brüder Heimat und Herd, Dasein und Arbeit abhängt!

vir RegUrungsrefortn in Hessen.

In der 2. Hessischen Kammer, die vorgestern tagte, fand eine Debatte über die Negierungsresocm statt. Abg. kllrich erklärte, daß man über die Mitteilungen des Ministers vom 20. Oktober, insbesondere über die Tat­sache, dgß der Großheczog und das Ministerium bereit ist, sich auf de.i Boden des Parlamentarismus zu stellen, überrascht gewesen sei. Run gelte es, die Umwandlung des Obrigkeitsstaates in einen Volksstaat so rasch wie möglich vornehmen, doch gehe dies nicht so glatt, wenn auch alle Parteien grundsätzlich damit einverstanden sind. Die Anschauungen über die Form Umwandlung seien innerhalb des Ausschusses sehr verschieden und müsse deshalb nochmals eine eingehende Besprechung des Ausschusses erfolgen. Vieles sei freilich von der bishe­rigen Regierung ungeregelt gablteben, so die Frage der Amnestie, wozu ein Antrag des Abg. Dc. Schmitt vor- liege. Auch die Organisation der Kammer selbst müsse neu erfolgen. Die Fragen der Regierungssocm, der 1. Kammer, die Wahlordnung u. a. seien alle nicht geklärt und bedürften rascher und eingehender Ecöttcrung, ebenso, wie die Vorrechte der Fideikommisse, das Fcauenstimm recht u. a. Er beantrage deshalb die Vertagung der Kammer aus Freitag und hofft, daß bis dahin bei ernster Arbeit die Hauptsache geklärt w rde. Staatsminister Dr. Ewald weist den Vorwurf des Vorredners, daß in der Frage der Amnestie nichts geschehen sei, zurück, mit dem Hinweis, daß schon vor einiger Zeit von Amts wegen die Gerichte und Sraotsanwaltschasten zur Ein­reichung der Velzeichnisse der wegen politischer und ähn­licher Vergehen Verurteilten aufgefocdert worden seien, Alle diese Personen seien alsbald begnadigt worden. Sollte jemand vergessen worden sein, so bitte ec um ent­sprechende Mitteilung. Abg. Dr. Osann kann vor dem Lande konstatieren, daß im Ausschüsse fleißig gear­beitet wurde, die Schwierigkeit liege ober in der Per- sonenfrogc, es müssen auch allgemeine Unterlagen für die Unlwandlung geschaffen werden. Im Interesse des Volkes und der Volksvertretung müsse eine sehe gründ­liche Beleuchtung aller in Betracht kommenden Fragen erfolgen und die Oeffentlichkeit habe großes Interesse an dieser Entwicklung, lvelche uns in die neue Zeit hinübec- geleitet. In allen Parlamentskceisen herrscht der feste Wille, eine volle Einigkeit zu schaffen, hierzu sei aber noch eine kurze Frist nötig, denn bestehe die Hoffnung, diese Meinungsverschiedenheit zu übecbcücken.

Abg. v. Brentano unterstützt die Vorredner und betont, daß die vielen vorgeschlagenen Aenderungen nicht nicht überstürzt beraten werden dürften. Seit Tagen wird im Ausschuß von früh bis spät gearbeitet, um die großen Schwierigkeiten zu über/winden und Grundsätze zu entwerfen, denen sich alle Parteien unterwerfen. Die gestern erfolgte einstimmige Annahme des Initiativ­antrages bewiese, daß es mit der Neuregelung ernst sei, und hoffe man ein großzügiges Programm vorlegen zu können. Abg. Ko rel l - Angenrod erklärt im Namen des Bauernbundes, daß sie dem Vertagungsanirag zu stimmen. Bisher seien seine Freunde den Anträgen der Linken am weitesten entgegengekommen. Man dürfe aber nicht mit verbundenen Augen marschieren, sondern müsse die Entwicklung mit Ruhe durchaxbetten, man werde auch ferner, soweit, wie es irgend möglich sei, zum Wohle des Volkes .und des Vaterlandes Mitarbeiten.

Abg. Grünewald führt aus, daß ec mit den Anträgen seiner freisinnigen Freunde in viel..i Punkten nicht ganz einverstanden sei. Der hält das Vorgehen der Minister für bedenklich; es he.rscbe die Auffassung, daß die Schwerigkeiten durch den Rücktritt der Minister noch größer werden, zudem.große Aenderungen in Aus­sicht genommen sind. Die Personenscage komme erst in zweiter Linie. Ec will das Zweikammersystem erhalten wissen. Auch ist ec gegen Auslösung der Fideikommisse; dagegen ist er. gegen das Fcauenstimmenrecht im Staate. Die Minister sollen bleiben, bis alles geregelt ist. Staatsminister Dr. Ewald erklärt, daß durch die Rück üttserklärung kein Vakuum entstehe, da der Groß- Herzog sich ja Zeit über den Rücktritt selbst Vorbehalten habe. Sie würden ihre Posten solange versehen, bis alle Fragen geregelt sind.

Abg. Ulrich stellt fest, daß ihn die Differenzen des Abgeordneten Grünewald mit seinen Fraktions- genossen nicht interessieren. Bet den jetzt im Ausschuß

erfolgten Beratungen wolle man keine einzelnen Gesetze, sondern nur eine Grundlage schaffen, dam t man erfahre, wie cs im Bo'ke peht, und auf der man werter bauen kann. An die Personenscage hübe ec im Ecust noch nicht gedacht. Da man schon in jeder Verta ung eine gewisse Verschleppung sehe, ist ec für eine möglichst rasche Ent­scheidung. Ec kann zu.ächft auch in dem Verhalten keine Fahnenflucht sehen, doch müsse die Pecwnenscage auch bald erledigt werden.

Abg. K o r e l l - Ingelheim teilt im Nam n seiner freisinnige Freunde dem Hause m t, daß dcr Abgeordnete Grüne Wald nicht im Auf. rag dr i Fraktion gesprochen habe. Grüne Wald sei nicht mehr Mitglied der Fraktion. Ec ist Über dcssen Verhalten um so erstaunter, als G. gestern noch anderer Anschauung war. Des Redners Part i wird sie.") für das aktive und passive Stimm­recht dcr Frauen eintcetcn. Ec hoffe, daß dec Minister- Wechsel recht bald erfolge, nicht aus persönlicher Ab­neigung, er habe auch keine ehrgeizigen Wünsche, ihm sei jede Person auf dem Mmifterstuhl recht, welche das Vertrauen des Volkes und der Kammer besitze. Im Interesse unseres Hessenvolkes sei eine ruhige' und sach. Uche Entwicklung der. Lage absolut notwendig und er hofft ec in diesem Sinne eine allgemeine Verständigung.

Abg. Gcünewald führt aus, daß d.c Vorredner dec Erste sei, der nun siinen voc vier Jahr n erfolgten Austritt aus der Freisinnigen Partei an die Oeffentiich- kcit bringe. Dieser Austritt sei aus Gründen seiner (des R dners) Ehre erfolgt und wolle er nur mitteiien, daß d r Abgeordnete Korell-J. nicht ganz unschuldig an dieser Tc t ache sei.

Damit werden die Verhandlungen abgebrochen und Freitag früh 10 l /2 Uhr vertagt.

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Wie wir noch erfahren, wurde bei dec Weckeröe- ratung des Sonderausschusses, dec aus je zwei Mit­gliedern dec einzelnen F aktlonen extra gebildet worden ist, nach wttt-rer eingehender ernster Beratung eine Reihe von Leitsätzen aufgestellt, welche die Zustimmung aller Parteien gefunden haben.

- .. . . I ' -nuran «! -

Landeskonferenz der Sozialdemokraten Hessens.

Der Landescocstand dec hessischen sozialdemokcu' tischen Parteiorganisation hatte die Funktionäre der einzelnen Wahlkreise zu einer außerordentlichen Tagung nach Darmstadt berufen. Zweck dieser Konferenz war zu den pal,tischen Behältnissen im Reiche, sowie im Heffenlande Stellung zu nehmen. Dem Eintritt von Sozialdemokraten in die Rcichscegierung wurde zum- stimmt. Bezüglich H ssins war man allgemein dcr Meinung, daß man ein Zusammengehen mit anderen Parteien versuchen müsse, um auf d m schnellsten Weg die Demokratisierung Hessens zu erreichen. Die Konferenz stimmte schließlich einem Aufrufe zu, der an das hessische Volk gerichtet werden soll und in dem es heißt:

Noch zu keiner Zeit seit dem Bestehen dec Sozial­demokratie hat die sozialdemokratische Partei vor so großen und verantwortungsvollen Aufgaben gestanden wie jetzt. Es gilt die Volkscegierung, die parlamentarische Herr­schaft zu schützen und zu rrwettern. Bis jetzt ist nur dec Anfang zur Bolkscegterung gemacht, die geschlagene Bresche muß erweitert werden. Das nächste Ziel des Kampfes muß sein,- die parlamentarische Herrschaft auch in den Bundesstaaten zur Ewsühcung zu bringen. Unsere Forderung auf Beseitigung des Pluralwahlrechts zum Landtag mit seinen Kanteten muß von neuem mit allem Nachdruck erhoben werden.

Wic fordern Beseitigung des mittelalterlichen Stände­wesens, das noch in der. ersten Kammer ein längst, über­lebtes Dasein fristet.

Wir fordern die Beseitigung aller Vorrechte dec Geburt und des Standes.

Wir fordern das allgemeine und gleiche Propvr- tionalwahlrecht für alle volljährigen Hessen Männer und Frauen.

Die Wahl des verantwortlichen Ministeriums durch die Volksvertretung.

Wic fordern die freiheitliche Ausgestaltung unseres - gesamten Verwaltungswejens.

Zur Regelung der Arbeiter- und sozialpalitischen Fragen fordern wir die Errichtung eines Landesarbttts- amts.