Alle öffentlichen und nichtöffentlichen lnnaen gestattet. Eine Beschränkung findet statt für Me, die d e Kriegführung, den FrredenSschlu ß be- treffcn oder die Aufrechterhaltung der öuertttrchen Sicherheit gefährden.
:: Lachfentz neues Ministerium. Ter Königs hat die Landtagsabgeordneten Fräßdors, Günther, Helot und Nitzschke, die den verschiedensten Parteien de„ Landtags angehvrcn, zu Staatsministern ernannt.
:: Innere Reformen in Weimar. Tie Großherzogliche Staatsregrerung hat an den Landtag ein Terret aericdtet, wonach sie sich bereit erklärt, mit einem Aus» fchnh des Landtages sofort in Beratungen über die Abänderung des Wahlrechts einzutreten.
Tic Gres,Herzogin oon Luxemburg an den RerchHtanzlcr. Tie Grotzherzogin von Luxemburg wendet slch nunmehr auch persönlich an den deutschen Reichskanzler, um die Rücklehr der m Deutschland internierten Luxemburger zu erwirken.
:: Tic n. re Tagung des Abgeordnetenhauses Im Abe'vrdnerenhau.e fand eine Bespreuung der Partet- iükrer Natt Wie wir hören, wurde darüber ge- vrochcn ob es ratsam sei, die auf den 15. November festgesetzte nächste Vollsitzung des Abgeordnettnhau- ses schon vorher ein uberufen. Dre heutige Bespre- chung über diese Anattegenheit hat ledoch noch zu keinem Ergebnis geführt. Wic varlautet, soll rn den ersten Tagen der nächsten Woche der Aeltestenrat
zusammentreten. . ,
Gegen Abtretung ttvrdfchlcsiv raschen Hodens.
Ter Provinzialausschuß der Provinz Sch.eswlg-Hott stein hat an die Staatsregiernng folgende. Eingabe gerichtet: Schleswig-Holstein ist in reinem ganzen bl-- Bestand- seit ^°h. Hunderte.. eine unteilbar«
£>inhcit ? iii seine Freih.il von Frenidherrschast und ungeteilte Zugehörigkeit, für die Erhaltung deutseger ?lrt und Eilte haben Schleswig-Holstein jahrelang un- gezählte Opfer gebracht und mit anderen deutschen Stämmen in heißen Kämpfen ihr Blut vergoren.
Holland: Fliegernnglück.
- » Ueber dem holländischen Flugplatz Soesteros sind zwei in 100 Meter Höhe fliegende MrNta. r- fluazeuge zusammengestoßen und abgestürzt. Dre Insassen, zwei Leutnants, und zwei Unteroffrzrere srnd
tot.
Australien: Mas die Verbrecher stämmlinge oon uns
wollen.
* der aesetzaebenden Versammlung in Sidney gab Menning der Ansicht Ausdruck, daß kein Friede für Australien ausreichend ist, der nicht bestimmt, daß Deutschland dem australischen Staat alles auvge-
gebtzne Geld ersetzt. e ^
Also: Tie Nachkommen der aus England alv gemeingefährlich deportierten englischen Verbrecher und der ihnen als Frauen nachgesandten altgewordenen Dirnen greifen gegen uns in den Krieg ein, ohne dag wir ihnen jemals etwas zu leide getan hätten. Uno dann verlangen sie auch noch das Geld zuruck, das sie dafür ausqegeben haben. Armer Wilson, was wird dein Gerechtigkeitssinn noch für Proben auszuhalten
haben. . ^ .
Waffenstillstand und innerer Krieg.
* China hat sich an dem Kriege gegen uns nur , offiziel" beteiligt, nicht aktiv. Es hatte im .^nnern selber genug zu tun. Die Londoner Mornrngpost meldet 'aus der südchinesischen Hafenstadt Schanghai, daß auf unmittelbare Bitte der Regierung in Peking oie Regierung Südchinas einen Waffenstillstand gewährt hat zur Anbahnung von Friedensverhandlungen.
Von dm Kampfsronien
Valenciennes in Flammen.
Balenciennes und die umliegenden Ortschaften stehen, von englischer Artillerie in Brand geschossen, m Flammen.
Ruthe,renerhebung in Dstgalizien.
In Ostgalizien, das den Anschluß an die Ukraine erstrebt, sind die Geigjensätze zwischen den Polen und Rüthenen zum Aufslammen gekommen. , r . ,
Tie Städte Lemberg und Przemhsl sind in den Händen der Rüthenen, deren Macht durch das Militär gestärkt wird.
Tie neue Regierung in Ungarn.
Ministerpräsident Graf Karolyi hat das Amt als Vorsitzender des Nationalrates niedergelegt, wett dies für unvereinbar mit der Stellung eines Ministerpräsidenten gehalten wurde. An seiner Stelle wurde der Abig. Stadtpfarrer Johann Hock, eingesetzt. Graf Ka'rolyl leitet vorläufig auch das Ministerium des Aeußeren Tie Pressezensur ist abgeschasst.
KÄs Md LMWi
4 Ter große Umwälzer Krieg bringt auch das unmöglichste zu Wege. Papiere, auf die seit IHN keine Zinsen mehr gezahlt worden sind, wer gibt etwa.' dafür? Die mittelamerikanische Räuberrepublik Honduras aber will sie nicht verkaufen. Tie Kriegserklärung von Honduras gegen Deutschland hat eine rasche Kurssteigerung der Schuld von Hunduras zur Folge gehabt. 1914 bewegte sich der Kurs zwischen 7 und 10,5, im Juni zwischen 6 und 7, und jetzt hat er 12 erreicht. Die Regelung der Staatsschuld, die rn den Fahren 1909—1911 geplant war. wurde durch Me
Ankündigung vereitelt, daß die amerikanische Regierung den Eingang der für eine amerikanische Anleihe verpfändeten Zolleinnahmen beaufsichtigen würde: da--. Haus Morgan, das sich erboten hatte, die Schuldverschreibungen, auf die seit 1873 ohne Unterbrechung keine Zinsen mehr gezahlt worden sind, zu 15 v. H. zu kaufen, mußte sein Anerbieten zurückziehen: das Anleiheabkommen wurde vom Kongreß von Honduras verworfen, und die paar Abgeordneten, die dafür ein* getreten waren, werden von der Bevölkerung der Hauptstadt mit Schmutz beworfen. Und jetzt hat der Krieg das Wunder vollbracht, die schon arg vergilbten steigen von selber. ^ ^ ,, 1#
= Sicherheit der Bankguthaben. Im Publikum soll der Glaube verbreitet sein, daß bei den Banken, »pgrkassen und Genossenschaften eines Tages die
Guthaben der Kunden beschlagnLchmt werden können. Wie ein solch unsinniges Gerücht auskommen kann, ist nicht zu erklären. Jeder, der die tatsächlichen Verhältnisse kennt, wird ohne weiteres zugeben, da« ei,re derartige Beschlagnahme praktisch unmöglich ist. Tie Gelder der Kunden sind doch, abgesehen von dem nötigen Kassenbestand, gar nicht in dar vorhanden, sondern in .Hypotheken, Darlehen und Wertpapieren angelegt Was will man denn da beschlagnahmen? Jedermann muß sich bei ruhiger Ueberlegung doch sagen, daß gerade nr gegenwärtiger Zeit die Barmittel oei ven öffentlichen Kassen und Banken am besten untergebracyt sind, um der Gefahr des Diebstahls oder Verlustes zu entgehen. Es ist dringend zu raten, ln KrtegSzeiten nur die allernotwendigsten Barmittel im Hause zu halten und solche nur nach Bedarf von den Kassen und Banken abzuheben.
-- Schuhversorguug der Landwirtschaft. Ter Kriegsausschuß der deutschen Landwirtschaft ist Mitte September in dieser wichtigen Frage an die Reichs- stelle für Schuhversorgung herangetreten und hat damit einen gewissen Erfolg erzielt. Es sind nach dem Bescheide der Reichsstelle Lieferungen von Schuhen und Leder an die Kommunalverbände im Gange. So groß die angeführten Zahlen auch erscheinen, so sind sie im Verhältnis zum Bedarf doch nur mäßig.
Wi dir neu Mchsbürckrote zu 50 M. aussieht.
Tie neue Reichsbanknvte ist auf einem Papier her- gefteilt, welches ein natürliches Wasserzeichen enthält. Tie Größe beträgt 14'-»: 13'/» Zentimeter. Die Vorderseite gliedert sich in zwei deutlich geschiedene Teile,
! einen'Hauptteil rechts und einen Nebenteil links. Beide Teile tragen einen erdbraunen Unterdrück, welcher im Hauptteil die ganze Fläche einnimmt und einen Reichsadler enthält, in dem linksseitigen Anhang dagegen nicht die ganze Flüche bedeckt, sondern durch eine bewegt verlaufene Linie abgeschlossen ist. Ter Hauptteil wird nahezu quadratisch von drei Linien, einer starken und zwei schwächeren, umgrenzt, innerhalb deren der Tert angeordnet ist. Rand und Text sind in braunschwarzer Farbe gedruckt. Ter Text hat folgenden Wortlaut tu nachstehender Anordnung:
Reichsbanknote.
Fünfzig
Mark
Der Graf zeigte seiner Braut einen Kontoauszug einer Berliner Bank, ans dem hervorging, daß er dort ein Guthaben von 100 000 Kronen habe. 50 000 Kr. wollte er sich übersenden lassen, das Geld müsse jeden Tag ankommen. Einstweilen mußte die Braut mit 1000 Mark aushelfen. Tann bekam der Herr Graf eines Tages die Idee, seiner Braut seine Güter zu zeigen. Sie mußte ihm ihre Schmucksachen in recht erheblichem Werte ausliesern, worauf das Paar nach Oesterreich fuhr. Im Hotel Imperial in Wien streg das Brautpaar ab. Ter Herr Graf mußte zu erner Besprechung ins Kriegsmiinisterium und kam nicht wieder. Kurz vor der Abreise hatte der Bräutigam alle Sachen der Braut einpacken lassen, da sein Treuer sie abholen und auf das Rittergut bringen sollte. Als die Schauspielerin den ganzen Tag auf dre Rückkehr gewartet hatte, ging ne ins Kriegsministerium, wo sie erfuhr, daß man einen Grafen Kovacz gav nicht kenne. Nachdem die Betrogene sich überzeugt hatte, daß sie einem Hochstapler zum Opfer gefallen war, kam sie in ihre Wohnung und erfuhr, datzl inzwischen der Diener die eingepackten Sachen abgeholt hatte.
* Mord au einer Schrankenwärterin Jii Schneidemühl wurde die 29 jährige Schrankenwärterin Sumnik auf dem Bahngleise ermordet aufgefunden. Sie hatte noch bis 11 Uhr nachts Dienst verrichtet; morgens ö Uhr fand man ihre Leiche. Ter Tod rst durch! Messerstiche im Genick und Nacken herbergefuhrt; von dem Tater fehlt jede Spur.
zahlt die Reichsbankhauptkasse in Berlin gegen diese Banknote dem Einvieferer.
Vom 1. März 1919 ab kann diese Banknote aufperufen und unter Umtausch gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel erngezogen werden.
Berlin, den 20. Oktober 1918.
Reichsbankdirektorium
Havenstein v. GlasenapP Schmiedicke Korn Maron v. Lumm v. Grimm Kauffmann Schneider Budczres.
Ter auf dem Unken Teil angebrachte Text ist quer zum Truck des Hauptkerls gestellt. D-rt steht längs der Umrandungslinie des Hauptletts in der Farbe des Haupttextes zunächst die Strafandrohung: „Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht oder naai- gemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwör Jahren bestraft." Außerdem ist auf dem Anhang über dem miterflniio etn aus sein verschlungenen Linien gebildetes Zierstück in grüner Farbe gedruckt, dessen Mitte die Nummer der Banknote in roter Farbe trägt. Tarüber rechts öden steht in der Farbe des Haupttextes eine Reihennummer, die sich aus einem Buchstaben und einer d :*; :.Ilgen Zahl zusammensetzt.
Tie Rückseite besteht aus einem m brauner Farbe her estettien Truck. Die Zeichnung ist dreiteilig. Das rechte und linke Seitenfeld bilden gleichmäßig gestellte Fianren, die aus sein verschlungenen Linienzügen ge- bi.'det sind. Tas Mittelfeld ist aus einer vollen Ton- 11 r " o aebildet, aus welcher, weiß in braune.n Grunde, in ' 'i~ Mitte eine große 50. darüber und darunter Fcderzüge au'gespart sind.
Aus Mer Arli
Wieder AwereS Gisenbahnungmü.
20 Tote, 30 Schwervcrwunvete.
Tie Zeit der Herbstnebel mit ihren regelmäßigen Eisenbahnunglücken naht; in diesem Jahre ist es wegen der mangelhaften Beschaffenheit der Eisenbahnwagen und wegen der Personalfrage besonders gefährlich.
Tonnerstag vormittag 3,50 Uhr fuhr ein Militärurlauberzug vor Bahnhof Briefen (Mark) auf den abgerissenen und stehengebliebenen Schlußteil eines Güterzuges auf. 19 Militärpersonen und der Schluß- bremser des Gülerzuges sind tot, 30 Militärpersonen schwer, 13 Militärpersonen und zwei Mann vom Zugpersonal leicht verletzt. Ten Verletzten leistete ein im Ür lau Verzüge befindlicher Militärarzt die erste Hilfe. Tie Schuldfrage ist noch nicht geklärt.
* Winter im Riesengebirge. Seit einigen Tagen *eiat im Riesengebirge auch nn Tale das Thermometer in der Nacht schon Kältegrade. Auf dem Kamm war die Temperatur auf — 5 Grad gesunken. Seit Sonnabend hat es auch wiederholt geschneit und der Schnee blieb bis in die Gebirgsdörfer herab liegen. Allerdings beträgt bis jetzt die Schneedecke nur wenige Zentimeter. Der Verkehr nach dem Gebirge hat fast völlig aufgehört.
* 38 806 Nahrungsmittclkarten gestohlen. In einer Neuköllner Brotkommission sind 38 866 Nahrungsmittelkarten gestohlen worden. Es handelt sich um 34 3o() Brotkarten, 3400 Kartoffelkarten, 758 Vollmilchkarten, 240 Magermilchkarten und je 59 Speisefettkarten und Eierkarten.
* Ter „Herr Gras" und die Schauspielerin. Eine Schauspielerin lernte in Hamburg einen angeblichen österreichischen Oberleutnant, den Grasen Arthur Kovacz kennen, der sich ihr als Landsmann vorstellte und erzählte, daß er große Heereslieferungen zu machen habe und auch selbst in der Lage sei, Lebensmittel zu liefern. Nach kurzer Zeit verlobte sich das Paar, und es wurde Kriegstrauung beschlossen. Tie Dame versuchte ihren Vertrag mit dem Theater zu lösen.
* Beim Obftbicbstahl erschossen svurde auf Rattajer Gebiet ein 14 jähriger Schuljunge aus Zegrce durch den dortigen Gendarmen Prretzel. Letzterer überraschte eine Anzahl von Erwachsenen und Schuljungen bernr Obstdiebstahl, die sich bei seiner Ankunft aus dem Staube machten. Als sie auf sein wiederholtes Haltrufen nicht standen, gab er aus seinem Tienstrevolver einen Schutz aus die Fliehenden ab, der einen 14 jährigen Jungen tödlich verletzte.
* Schwer bestrafte Leichtsinnigkeit. In Walternien
burg war der Sohn des Händlers Kneuert spät vom Felde aekomlnen und wollte schnell mit der Fahrradlaterne Heu holen. Dabei stolperte er über ernen Sack und setzte das Haus in Brand, sodaß der Statt in Flammen aufging. .
: Eine Verwechslung Verstorbener, veranlaßte rn der Friedhofshalle in Potsdam peinliches Befremden. Tie Leidtragenden waren um den Sarg versammelt, der vermeintlich die sterbliche Hülle ihrer Verstorbenem barg, als plötzlich festgestellt werden konnte, daß man vor einem fremden Sarge stand. dreier barg in Wirklichkeit die irdischen Ueberreste emer Frau die schon tags vorher vermeintlich bestattet war. In Wirklichkeit hatte man eine fremde Tote zur Ruhe gebettet. Man mußte nun den Sarg mrt der tags vorher bestatteten Toten in die Leichenhalle zurückholen, damit die Feier ordnungsmäßig erfolgen konnte. Andererseits muß die Leichenfeier für dre nur scheinbar schon vorher begrabene Frau wiederholt werden.
* Selbstmordversuch eines verhafteten Schleichhändlers. Einen Selbstmordversuch verübte ein „Arbeiter" Emil .Heß aus Schwedenhöhe. Ein Gendar- 'meriewachtmeister verhaftete ihn auf der Bahn, wert er zwei tote Schweine im Rucksack hatte. Während der Beamte die Türglocke zum Polizeigesängnis zog, schoß sich Heß eine Revolverkugel in den Kopf.^
** Tie neuen Berliner Stadtkaisenscheine. und zwar die zu 20 Mark und die zu 50 Pfennigen werden wahrscheinlich schon im Laufe des Sonnabend zur Ausgabe gelangen. Tie Ausgabe der 5 Mark-Scheine er- folgt in den allernächsten Tagen. !
*
* In Berlin wurde ein zweispänniger Brotwagen
mit 600 Broten gestohlen. ^ , _ A
* Für 20 000 Mark Geflügel wurde der Fernkost
handlung Rollenhagen in der Potsdamer Straße in Berlin entwendet. ^ r
* In Waldenburg wurde der Brldhauer Paul Schiller vom hereinbrechenden Gestern getötet.
Berlin. Einbrecher entwendeten aus der Ta- bakgroßhandlung von Karl Röcker in der Lichten- berger Straße für 30 000 Mark Zigarren.
Waldenburg. Ter Berghauer Paul Schiller wurde von hereinbrechendem Gestein verschüttet und sofort getötet.
B o l k e n h a i n. Ter Streckenarbeiter Manch und seine Ehefrau wurden durch Kohlenoxydgase, die während der Rächt dem Ofen entströmten, vergiftet auf- gefunden.
Gerichiiich§s.
(D Gericht gegen Gericht. Tie neben den ordentlichen Gerichten wegen deren früher so sehr langsamen Arbeitsweise errichteten Ersatzgerichte, Fachgerichte scheinen zum Teil einer flarccen Aufsicht zu bedürfen. Ein bei einem Berliner Friseur eingetretener Lehrling hatte wegen schlechter Behandlung die Lehre verlassen und wurde bald darauf zum Jnnungsvorstand hinbestellt. Tort fand eine „Verhandlung" statt. Als später die Eltern die Klage beim Berliner Gewerbegericht einreichten, erfuhren sie von einem Urteil des Jnnungsschiedsgerichts, nach welchem die Auflösung der Lehre für unberechtigt angesehen wurde. Tas Gewerbegericht „forderte" aber von der Innung eine Abschrift dieses Urteils ein, und da stellte es sich heraus, daß als Richter in diesem Schiedsgericht der Jnnungsvorsitzende und der Rendant fungierten. Ter verklagte Meister berief sich auf diesen Schiedsspruch, das Gewerbegericht belehrte ihn jedoch, daß der Spruch in ungesetzlicher Weise zustande gekommen sei.
Hier liegt also der Fall vor, daß der Vorsitzende eines dieser Ersatzgerichte das andere Ersatzgericht „belehrt", daß es „ungesetzliche" Sprüche fälle. Ter o-all lag ja zweifellos vor, aber wohin soll es mit dem Rechtsbewutztsein des Volkes kommen, wenn das eine Gericht über dem anderen zu Gericht sitzt? Tas Ge- wervegertcht hatte hier gar nichts zu sagen, die Instanz gegen den Spruch jenes sonderbaren Jnnungsschleos- gerichts war das zuständige ordentliche Gericht alv Beschwerde-Instanz. Auf diese Werse kann es schlretz- lich dahin kommen, daß beide Konkurrenz-Gerichte entgegengesetzte Urteile in derselben Sache fällen und pfändbar machen!


