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Druck der Gicßcner Verlagödruckcrei, Albin Li lein.
9?^. 188. Telephon Nr. 362.
Sonntag, t) n 3. November 1918. r°ieph°n ^m 31. Jahrg.
vir finanziellen und wirifchafni«en Uerweriung$° msgiicdireilen der KriegsanleiheftiicRe.
Die deutsche Kriegsanleihe wicd nach dem Kriege nicht wie die früheren Reichs- und Staatsanleihen ein Papier sein, das durchweg ruhig im Geldschcanke auf- bewahrt und nur bet den Zinszahltagen herausgehvlt wird, um die fälligen Zinsfcheine in Bargeld umzuwandeln — es wird vielmehr, da rin wesentlicher Be standteil des deutschen VolkSvecmogens in deutschen Kriegsanleihen festgelcgt ist, gewisser maßen eine Art Geldumlausrmittel darstellen, das fei ne guten Dienste wie jedes andere Geld auch tut. Da ist zunächst die Bestimmung, die zugleich — namentlich für die ländlichen Schichten — einen besonderen Anreiz zur Zeichnung aus die neunte Kriegsanleihe ausüben dürfte, daß nämlich bei den späteren Verläufen und Versteigerungen aus den Beständen der Heeres und Macinevecwaltung die Kciegsanleihestücke zum Nennwert in Zahlung genommen werden und daß solche Käufer vorzugsweise be- rücksichtigt werden, die damit zahlen. Eine kurze Uebec> legung sagt uns, welche Vorteile demnach mit dem Besitz der Kriegsanleihe verknüpft sind.
Für das erste ist der Kreis der späterhin und zum Teil auch schon jetzt freiwerdenden Heeccsvestände, die für Kriegszwecke nicht mehr gebraucht werden, ganz ungeheuer groß. Außerdem glhort darunter manches, was von anderer Seite kaum oder nur unter ganz erheblich höheren Kosten zu beschaffen sein wird, also insbesondere Pferde, Magen und Fahrzeuge aller Art sowie Geschirre mit allem Zubehör; Feldbahngerät, Motvilokomotrvm, Automobile und Kraftfahrzeuge; landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, sowie Werkzeug; Fabrikeinrichtungen mit den zugehörigen Maschinen und Geräten; Eisen, Stahl und andere Metalle; Holz und sonstiges Baumaterial, Webstoffe und Rohstoffe von allen Sorten, Futtermittel und sonstige Äocräte — alles Dinge, die der Landwirt, Gewerbetreibende und Unternehmer jetzt und später so dringend braucht.
Es wird also bei den staatlichen Verkäufen vorzugsweise derjenige berücksichtigt, der Kriegsanleihe an Zah- lungsslatt geben kann, und er erzielt dazu sofort einen greifbaren Gewinn, weil er die Differenz zwischen Nennwert und Ausgabekurs zu seinen Gunsten verrechnen lassen darf. Bei allen Verkäufen und Zuschlägen werden Knegsunleihestücke bis zur vollen Höhen des Kauf- und Zuschlagspreises in Zahlung genommen. Als Kriegsanleihe in diesem Sinn gelten sämtliche fünsprozentigen Schultverschr.eibungen des Reiches ohne Unterschieb sowie die fett der. sechsten Anleihe ausgegebenen 4^/,proz. auslösbaren Schatzanweisungcn.
Da der Andrang von Kaufangeboten und - Gesuchen aus frei werdende Heecresbestände, wie zu erwarten, überaus groß sein wird, so dürfte es außerhalb jeden Zweifels sein, daß nur die Inhaber von Kriegsanleihesiücken
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Mittwoch 1 ü /r ist Schluß der Achnung^frist für die 9ie Kriegsanleihe!
Darum zeichne unverzüglich, wer noch nicht gezeichnet hat!
für den Bzug der übelzähiigen Heecesmaierialien in Frage kommen.
Liegt in diesen Fällen das Erfordernis des Kciegs- anlethebesitzes-vor, so wird in zahllosen andern das Verwenden der Kriegsanleihe an Zahlungsstatt gern gesehen und von Vorteil sein. So wird beim Kauf und Verkauf von landwirtschaftlichen Grundstücken und von Häusern, bffoudelS ln solchen Fällen, bei denen sich der Vocbcsitzer zur Ruhe setzen will, die Kriegsanleihe wohl durchweg als gern gesehenes Zahlungsmittel angenommen, da kein Papier, eine solche Sicherheit bietet und da aus diese Weise die Schwierigkeiten der Unterbringung des Rentenkapitals vermieden werden. Es ist ferner mit Sicherheit anzuneh men, daß die deutschen Kriegsanleihen nach Kciegsbeen- digung an der Börse ein gern gehandeltes Papier darstellen, da das Reich bekanntlich alle Vorkehrungen trifft, die einen Rückgang des Kurses zur Unmöglichkeit machen und die daher auch im Auslande die Nachfrage nach den deutschen Anleihen Hervorrufen werden. Unter diesen Umständen, die als gegeben angenommen werden dürfen, wird auch im sostigcn geschäftlichen Verkehr das Kriegsanleihe^ stück jederzeit zu einem normalen Kurse gern kr Zahlung genommen.
So sind alle Bürgschaften vorhanden, daß die Kriegsanleihe nicht nux die beste und zugleich eine hochverzinsliche Geldanlage ist, daß ferner ihr ^Kurs gesichert ist, sondern daß auch ihrer finanziellen und wirtschaftlichen Verwertung im täglichen Leben ein breiter Spielraum eingeräumt sein wird. So bietet heute die Zeichnung auf die neunte Kriegsanleihe in vielen Fällen greifbare Vorteile, in allen andern aber ist und bleibt sie die beste und sicherste Geldanlage, die später jederzeit die Möglichkeit bietet, Bargeld ohne Verlust dafür wiederzuechalten.
Aus Stadt und Land.
Kriegssparkarten. He.bst- und Grippe-Ferien haben den Schulen einen bösen Streich durch ihren Wetteifer für die 9. Kriegsanleihe gemacht. Nun gilt es, wenn mit Beginn nächster Woche der Unterricht wieder beginnt, alsbald die Zeichnnngen auf die neunte Kriegssparkarten vorxunetzmen. Wir hoffen und wünschen, daß unsere Jugend noch vor Schluß der Zeichnungsfcist (6. November) so gut sie es irgend kann, ihr Scherflein für die wichtigste der deutschen Anleihen darb'cingt.
Darnrstadt Die Zweite Kammer der Stände ist zu ihren 67. Sitzung zujammengetceten. Die Tages' ordnung lautet: 1. Mitteilungen; 2. Regierungsvorlage, Entwurf eines Gesetzes, die Wahlen zum 37. Landtag betreffend; 3. Teuerungszulagen der Staatsbeamten usw. betreffen. Bet Punkt 2 werden auch zur Beratung kommen ote Anträgen Ulrich, betc. das allgemeine, direkte, gleiche Wahlrecht, sowie die Anträge Reh und Henrich, die zunächst die einzelnen Ausschüsse passieren müssen.
Literarisedez.
Was muß ich zum eigenen Vorteil von der Besitzftcncr wissen? In leichtverständlicher Fassung und mit praktischen Beispielen bearbeitet vpn Rechnnngsrat Waas, Stuttgart. Stuttg. Bilderbogen Nr. 25/p6. Preis 30 Pfg. Franckh sche Berlagshand- lung, Stuttgart.
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag den 3. November, (23. nach Trinitatis.)
Nefyrmationsfest.
Kollekte für den Gustav-Adolf -Verein.
Gottesdienst.
In der Stadtkirche. Vormittags 9V 2 Uhr: Pfarrer Mahr. — Klnderkirche fällt aus. — Abends 5 Uhr: Pfarraffistent Liz. Reuning. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Matthäus- und Markus- gcmelnde. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
In der Johanneskirche. Vormittags 9 1 /,, lt^c Pfarrer Bechtolsheimer. — Kinderkirche fällt aus. — Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas und Johannesgemeinde. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde exbeten. 1 — Mittwoch den 6. November, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Ausfeld.
Im Konfirmandensaal (Licbigstraße 56). Nachmittags 2 Uhr: TaubstummengotleSdienst. Pfarrer Bechtolsheimer.
Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Das deutsche Volk hart sein Schicksal in der Haud!
Noch nie ist unser Volk vor folgenschwerere En - Müsse und Entscheidungen gestellt worden als in diesen Tagen. Noch nie hat dem Vaterlande die Hilfe jedes einzelnen mit allem, was er ist und hat, so bitter not getan. Die Macht über unser aller Wohl und Wehe ist in Wahrheit jedem einzelnen von «ns ««vertraut.
Macht verpflichtet —
Jetzt ist die Zeit der vaterländischen Tat! Die 9 KriegSa ileihe muß sine Volks- a? leihe im wahrsten Zinne des Wortes werden. Sonntag, der 3. November, sei der
Bolkszeichuungstag.
Alle Zeichnungsstellen werden nach der Kirchzeit geöffnet sein.
Wer sein Vaterland nd sich selbst erhalten will, der zet ne so viel er irgend kan«.
Wer schon gezeichnet hat, der zeichne mehr.


