Ausgabe 
9.2.1918
 
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Zoll- und Steuerpapiere. Deckenfrachtbriefe usw.) beizn» geben sind, müssen die Frachtbriefe der Breite nach ge- falz werden. Die Beilagen sind so dauerhaft wie mög­lich mit dem Frachtbrief zu verbinden.

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Es muß als eine allgemeine vaterländische

Pflicht gelten Geldsache und Edelsteine nicht mehr zu tragen, sondern der Reichsbank zuzuführen. Jeder soll das auf der Straße, im Theater, im Conzert, auf der Reise usw. Trägern und Trägerinnen von Gold und Edelsteinen unablässig zu^Gemüte führen.

An» dem Großherzogtum Hessen. Das groß- herzogliche Denkmalarchiv in Darmstadt hat von seiner Tätigkeit in den drei Kciegsjahren in einer Ausstellung berichtet, die Nachbildung mittelalterlicher Wandgemälde vereinigt. Diese Nachbildungen sind an Ort und Stelle ausgenommene Pausen in wirklicher Größe nach An­weisung der zuständigen Denkmalpfleger Es waren Endeckerfreuden für den Maler und für den Denkmal­pfleger. Für später ist eine Veröffentlichung der Bilder reihen geplant. Von den äußerst vielseitigen Darstel lungen seien erwähnt: Die Begebenheiten aus der Ge­schichte des EliaS an den Wänden des ehemaligen Re. fektociums im Karmeliterkloster in Hirschhorn; die Stadtkirche in Wimpfen birgt in ihrer Sakristei ein eigenartiges Madonnenbild in reichem architektonisch- perspektivischen Rahmen; in der Etnhartsbasilika aus der Zeit Karls des Großen hat sich leider ergeben, daß die Reste von Malereien aus verschiedenen Zeiten leider nicht zu erhalten sind. Es sind Darstellungen von der Zeit um 1060 bis ins 16. Jahrhundert festgestellt. In Oberhessen birgt die Kirche in Fraurombach Höcht merk­würdige Darstellung aus der wenig bekannten Legende des heiligen Heraklius aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

* Gießen» 9. Febr. Gestern Abend brach in dem Anwesen des Landwirts Heinrich Noll ein größeres Feuer aus, das eine große Scheuer und die darinnen aufgespeicherten Ernteerzeugnisse und vielerlei andere Gegenstände vernichtete. Die Feuerwehr hatte, lange zu tun, bis sie das Feuer auf seinen Herd beschränkte.

* Gießen. In der Bohnhofstcaße wurde ein Herr aus Köln beim Ueberschretten der Geleise von einem Straßenbahnwagen überfahren und getötet. Die Frau und das Kind des Getöteten konnten sich durch einen Sprung zur Seite retten,

Küdingen. Nicht weniger als 210 Kceiseinwohner aus 60 Orten bestrafte das hiesige Kreisamt in einer einzigen Veröffentlichung wegen verweigerter Spcckab gäbe mit Geldbußen in Höhe von 5 bis 100 Mark. Die gesamte Geldstrafe beläuft sich auf 4520 Mark, ^n einigen Dörfern, wie Wenings nnd Bingenheim, verfiel fast jede Haushalt der kceisamtlichen Bestrafung. Mit den früher schon verhänkten Strafen hat die Zahl der Spccksunder aus dem Kreise Büdingen die stattliche Hohe von 341 erreicht.

Aieder-Ohmen. 6. Febr. Beim Reinigen einer Brownlngpistole entlud sich die Waffe, und das Geschoß o ^£6 1 dem auf Urlaub bei den Eltern weilenden -fahrigen Soldaten August Volk in die Brust. Der lunge Mann erlag nach kurzer Zeit den Verletzungen.

.. m Rheirchrsse». 6. Febr. Mit Rücksicht auf die Versorgung ihrer Bewohner mit Wild haben m hrere Gemeinden Rheinhessens ihre am 31 Januar d. I. ab. gelaufenen ^agden nicht mehr an auswärtige, son­dern an ortseingesessene Jäger verpachtet.

m» fj '..Zu schweren Exzessen kam cs

dieser Tage bel der Revision von Hamsterern aus dem Lg°u ,m hiesigen Lahnhofe. Der Polizei wurde ^' ib / r ? nb geleistet. Da noch von anderen hessischen Bahnhüfen ähnliche Vorkommnisse gemeldet werden, hat die Aufsichtsbehörde verschärfte Kontcoll- Maßnahmen angeordnet.

* Marburg Eine Beleidigungsklage von allge- mctner Bedeutung beschäftigte in zweiter Instanz das

MAr lag eine Eingabe zu Grunde, b ^ "" ^Eschäftsinhaber, dessen sämtliche Söhne, Schwte- gersöhne und sonstige Angehörige im Felde stehen, an ^^°rabKommando gerichtet hatte, in der er mit teilte es falle allgemein auf, daß mehrere junge Män- " C 5; bie -r namentlich auffühlte, nichr eingezogen £ tn ; , ® lKer von ihnen ein Zigarrenhändler, solle ^ n f£ l ne «. n ^"ungspflichtigen Gehilfen den Rat M^n haben, Moiphiumetnspritzung zu machen. Die letztere Sache war ihm von einer Geschäftsfrau, die es Stäufetn rougte, mitgcteiit worden. Die die darauf angestellt wurden, ergaben, Dinner. bec Zurückstellung der Männer mit rechten Dingen zuging, der Zigarrenhändlec erstattete sedoch

ge wegen Beleidigung. Das Schöffengericht billiate

u m u e S i M ii? fl! l Et .^u^ung berechtigter Interessen x ^ n seel, die Frau wurde jedoch zu 20 Mk. Geldstrafe und das Mädchen zu 8 Tagen Gesäna» n s verurteil. Die von den Letzteren eingelegte Bem'

Freisprechung, weil die Ab­sicht der Beleidigung nicht anzunehmen sei und im übrsi gen ebenfalls der § 19s ihnen zur Seite stehe.

Marburg. Der ordentliche Prostssor Geheime Mcdlz'nalrat Dr. Jo res in Marburg ist in gleicher Eigenschaft in die medizinische Fakultät der Universität Kiel versetzt worden.

* DiU-nburg Unsere Stadt ist der nassauischen S i e d e l u n g s-G e s e 11 s ch a f t mit 5000 Mack Stamm-

Einlage beigctreten. Dillenburg hat jetzt 5412 Ein­wohner.

* Kaua«. Auf gräßliche Weise ist der Silber-

warenfabcikant Adolf Sinsheimer verunglückt Ec geriet in seiner Fabrik in die Transmission, die ihn oftmals herumschleuderte, sodaß er alsbald eine Leiche war. w

* Höchst it M Wenn vor dem Kriege hier nur dann und wann einmal eine Theater-Vorstellung statt- sund und die Spiel Leitung regelmäßig über gähnende Lucken und dementsprechende Einnahmen zu klagen hatte

hat der f c [ ea ^erin g-ündltch Wandel geschaffen. Wöchentlich finden gegenwärtig mindestens vier Vor­stellungen statt. Obwohl man die größten Säle nimmt, der Zudrang ist so gewaltig, daß besonders an den Sonntagen, wo zugleich zwei Vorstellungen über die Bretter gehen, ungezählte Leute umkehren müssen, weilausverkauft" ist. Wie in den Theatern so ist eS auch in den beide» Lichtspielen der Stadt, lieber, all herrscht ein nie dagewesener Massenbesuch.

"Kassel. Die Obsternte in den 48 Gemein­den des Landkreises Kassel brachte im Jahre 1917 einen Ertrag in Höhe von 108176 Mark, gegen 36469 Mark im Jahre 1916 und 19 499 Mark im Jahre

r * 740000 Mk. für Kletnwohnungsbauten

sind in Kassel aus den Kreisen der Industrie gezeichnet worden, um auf diese Weise die Möglichkeit zu haben, alsbald nach dem Kriege in großem Maßslabe an der Durchführung der Wohnungsfrage arbeiten zu können. Ao biner im Rathause abgehaltenen Sitzung, an der Oberprastdcnt Staatsminister a. D. Dr. v. Trott zu Solch Regierungspräsident Graf v. Bernstorff, Geheim- ^°t Dr. Schroedec als Vertreter der Landesversicherungs- Anstalt Hessen-Nassau und die Leiter der hiesigen ge- meinnutzigen Baugenossenschaften teilnahmen, wurde beschlossen, unverzüglich mit der Aufstellung von Plänen stc die Besiedlung vor den Toren der Stadt bclegener Gelände zum Zwecke der Errichtung von Kleinwohn- hausstedlungen vorzugehen und mit Hilfe der weiter­hin noch einkommenden Mittel, die man wobl auf 1000000 Mk. beziffern dürfte, schon jetzt dem Bau von Kleinwohnungen auf der Grundlage der Gemeinnützig­keit näher zu treten, damit bei der Demobilisierung so­fort Wohnungen in genügender Menge zur Verfügung stehen. In gleicher Weise soll auch mit der Beschaffung von Möbeln vorgegangen werden.

"Kassel. Der Jnnungsausschuß beschäftigte sich am Montag Abend mit verschiedenen wichtigen Hand­werkerfragen. Insbesondere wurde über den Wieder­aufbau des Handwerks verhandelt. Herr Ober- meister Kniest referierte über diesen Punkt und vertrat die Ansicht, daß der Handwerkerstand sich nicht auf die Staatshilfe allein verlassen dürfe, sondern daß er zu tatkräftiger Selbsth lfe schreiten müsse. Insbesondere mußten Kredit und Rohstoffgenossenschaften gebildet werden. Weiter sei die Sicherstellung eines geeigneten Nachwuchses im Handwerkerstand anzustceben. Es ent­spann sich über diese Fragen ein lebhafter Gedanken­austausch. Schließlich wurde beschlossen, die Begründung eines besonderen Handwerkersekretariates in die Wege zu leiten.

Die neuen Fahrpreise des Reiseverkehrs

Die neuen Fahiprerfe des Reiseverkehrs treten voraus­sichtlich am 1. April dieses Jahres in Kraft. ' Der zugunsten des Reiches zu erhebende Zuschlag ist nach Wagcnklassen gestoffelt, ec beträgt für die bisher gänz­lich steuerfreie vierte Klasse 10 Prozent drs Fahrpreises, für die übrigen Klassen 12 bis 16 Prozent des Fahr­preises (12 Prozent in der dritten, 14 Prozent in der zweiten, 16 Prozent in der ersten Klasse). Zugunsten der Staatseisenbahnverwaltungen wird ein Zuschlag von 10 Prozent erhoben Infolgedessen erhöhen sich die krlometrischen Einheitssätze in der vierten Klasse von 2 auf 2,2 Pfennig, in der dritten Klasse von 3 auf 3,3 Pfennig, in der zweiten Klasse von 4.5 auf 4,95 Pfennig, in der ersten Klasse von 7 auf 7,7 Pfennig. Diese erhöhten Sätze erhöhen sich weiter um die Staf­felsätze der Reichsvcrkehrssteuer, nämlich in der vierten Klasse um 10 Prozent von 2,2 auf 2,4, in der dritten

Klasse um 12 Prozent von 3,3 auf 3,7, in der zweiten

Klasse um 14 Prozent von 4,95 auf 5,7, in der crsten

Klasse um 16 Prozent von 7,7 auf 9 Pfennig.

Bei einer Gegenüberstellung der alten und der neuen Fahrpreise muß aber auch die gleichfalls ab 1. April 1918 in Aussicht genommenen Erhöhung der festen Schnellzugzuschläge in Rechnung gestellt werden. Die gegenwärtigen Schnellzugzuschläge werden bet Entfernungen über 350 Kilometer verdoppelt, be­tragen also in 1. und 2. Klasse 4 Mark, in 3. Klasse 2 Mark gegen bisher 2 Mark bzw 1 Mark. Für Ent-

um 50 Prozent ein, also in 1. und 2 Klasse bon"2 Mark auf 3 Mark, in 3 Klasse von 1 Mark auf 1 50 Mark^ Bei den Entfernungen bis 150 Kilometer sollen N n «chnellzugzuschläge. um zu verhindernbaß Aisenden auch auf kurze Entfernungen zahlreich d e

"n»Zuge benutzen und diese überfüllen gleichfalls verdoppelt werden, so dast die Rulrfil« 1 * tragen: bis 75 Kilometer 1 Mark und 50 Pflnnia L

mTterÄn 0 * , 25 T / ,f f fnni B l von 76 bis 150^Kt,w 50 Pfenn^ ^ nb 1 K ° rf fleflCn 6i8 ^ ec 1 Mark bezw.

Der Frieden mit der Ukraine abgeschlossen.

Vrest-titowskr, 9. Februar. Heute am 9. Fe­bruar, 2 Uhr morgens ist der grlcöc zwischen dem

vierbunde und der Ukrainischen Volksrepublik

abgeschlossen worden.

Nach 41 Krtegsmonaten ist heute nacht der erste Friede mit der Ukraine zustande gekommen. Worauf die Menschheit so sehnsüchtig wartete, wovon sie träumte was unaushöclich das Ziel heißester Wünsche war, es ist zum ersten Male zur Tatsache geworden. Ec ist nur ein Tetlfctede, aber trotzdem haben wir alle Ur­sache uns darüber zu freuen.

HircDlichc Anzeigen.

Sonntag den 10. Februar.

I" der Stadtkirche. Vormittags 9*/: Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. - Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr.

In der Johanneskirche. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vormittags it Uhr: Kinder, kirche für die Johannesgcmeinde. Pfarrer Ausfeld. Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolshetmer-

Citerarifcbes.

Helden. Gedichte von Lucie Viörna. Wien, Oester- reichische Druck- und Verlagsgesellschaft in. b. H. 1917. Preis Mk..80. Die bekannte dramatische Schriftstellerin hat durch den Krieg eine große Anzahl Freunde und Verwandte verloren. Die Erinnerung an die für das Vaterland gefallenen Helden sind diese poetischen Gedenkblätter gewidmet. Der Ziklus war ursprünglich wohl mir für einen engeren Kreis von Lesern be­stimmt) warmherziges, patriotisches und dichterisches Empfinden wird den Versen auch über diesen Kreis hinaus lebhaftes Inter­esse sichorn. Wie bei allen früheren Werken der Autorin ist auch der Ertrag dieses Bändchen für die Kriegsfürsorge bestimmt. Lucie Vierna wurde vor kurzem in Anerkennung ihrer hu- manischen Bestrebungen und Verdienste zu dem Ehrenzeichen 2. Klasse vom österreichischen Roten Kreuz auch noch das bayerische König Ludwig-Kreuz verliehen.

* Die Wirksamkeit des U-Boot-Krieges: Todeslauf zwischen Schiffsneubau und Schiffsversenkung. Unter diesem Titel ist soeben eine von Oberleutnant zur See Ruprecht her- gestellte graphische Darstellung der seitherigen Wirksamkeit des U-Boot-Krieges in Ludwig Ravensteins Verlag, Frankfurt a. M. erschienen. Die in 3 Farben gedruckte, 1 Meter lange, 20 cm hohe Tafel gibt ein außerordentlich klares Bild von allen bis jetzt versenkten feindlichen und neutralenauf England fahrenden" Schiffsraumes in genauer Anlehnung an die amtlich veröffent­lichten Zahlen nach Monatsergebnis angeordnet in Blau. Daran anschließend ist hellrot der unseren Feinden noch zur Verfügung stehende Schiffsraum derart dargestellt, daß der monatliche Neu­bau mit Hülfe eines aufgedruckten Quadratnetzes ohne zeichnerische Vorkenntnisse am rechten Ende der farbigen Fläche zugesetzt werden kann. Auf der linken Seite trägt man durch Ueber- malen mit Bleistift monatlich nach Bekanntgabe der amtlichen U-Bootserfolge die Menge des versenkten Schiffraumes auf. Immer kleiner wird der unseren Feinden zur Verfügung stehende Schiffsraum, bis der nicht zu ferne Tag gekommen sein wird, wo unsere Feinde zugeben müssen, daß der U-Boot- Krieg ihren Widerstand gebrochen und Deutschland Sieger ist. Besonders ist das Anschwellen der U-Bootserfolge seit 1. Febr. 1917, dem Jahrestag des uneingeschränkten U-Boots-Krieges, in die Augen fallend. Eine auch nur annähernd klare und leicht verständliche Darstellung der Tätigkeit unserer U-Boote ist noch nicht erschienen. Durch alle Buchhandlungen oder vom Berlage kann die Tafel zum Prdise von nur 1 Mark bezogen werden.

* Meine Flucht durchs mongolische Sandmcer. Bon

k. u. k Hauptmann Franz Wlad. Schon im Herbst 1914, bei den Kämpfen um Lemberg, geriet Hauptmann Wlad, damals Oberleutnant, schwer verwundet in russische Gefangenschaft. Rach Sibirien gebracht, an der Grenze der Mandschurei, wagte er im tiefsten Winter mit fünf Kameraden, Oesterreichern und Deutschen, die Flucht. Mit dem Freiherrn von Todenwarth, der als einziger seiner Gefährten übrig blieb, durchzog er auf Strecken, die selten eines Europäers Fuß betrat, die Wüste Cobi, die Schnee- und Sandöde der Mongolei. Uebcr Chardin, Tient- sing und auch Peking kam er nach Schanghai. Als Mr. Wiekan reiste er auf dem PassagierdampfarMandschurin" nach San Franzisko, als Russe Mr. Malysz auf demFrederik VUl." von Hoboken bis Gibraltar, wo ihn die Engländer festnahmen. In einem Mannschaftslager in Südschottland, im Offizierlager von Holiport, in englischen Spitälern sann er, von körperlichen Leiden überwältigt,'immer nur aus den Weg in die Freiheit, der ihm zu­letzt dann sich öffnete. Preis 1 Mark und 25 Pfennig Teuerungs» Zuschlag. Verlag Ullstein L Co., Berlin.

Verantwortlich: Albin Klein in Gießen.