Ausgabe 
2.2.1918
 
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flu$ Stadt und Land.

* Die Meldepflicht zrrm Hilfsdienst. Die Bun- desratsverocdnung vom 13. November 1917 über den vaterländischen Hilfsdienst ist vielfach mißverstanden worden. Die Verordnung verfolgt den Zweck, die Nach­weisungen der hilfsdienstpflichtigen Personen zu vcrvoll- ständigen. Es kann keine Rede davon sein, daß die Personen, die sich auf Grund der Verordnung zu melden haben, alsbald damit rechnen müßten, zu einer anderen Beschäftigung als ihrer bisherigen herangezogen zu werden; vielmehr kann grundgesätzlich jeder, der bereits im Hilfsdienst steht, seine bisherige Beschäftigung bei­behalten. Es bleibt insbesondere dabei, daß Personen, welche vor dem 1. August 1916 in einem land- oder forstwirtschaftlichen Betriebe tätig waren, überhaupt nicht zu einer anderweitigen Hilfsdienstbeschäftigung hec- angezogen werden dürfen, und daß auch im übrigen Land- und Forstwirte aus ihrer bisherigen Beschäftigung nur herausgenommen werden dürfen, wenn sich der Betrieb als überbesetzt Herausstellen sollte.

* Arbeitshilfe in der Landwirtschaft. Die Gr. Bürgermeistereien sind angewiesen worden, die An- ocdnungen bctr. Arbeitshilfe in der Landwirtschaft, die Einhaltung des Verbots zum Uebertritt in eine andere als landw. Beschäftigung zu überwachen und bei Mangel an landw. Arbeitskräften zur Sicherstellung der Feldbestellung usw. die vorgeschriebenen Aufforde­rungen zur Uebernahme der Arbeit zu erlassen.

Die Unterbringung van Stadtkindern auf dem Lande ist auch für den kommenden Sommer not­wendig geworden und für alle Landleute eine christliche und patriotische Pflicht. Schon jetzt muß festgestellt werden, welche Familien zur Aufnahme von Kindern bereit sind. Wenn es sich (was in den meisten Fällen der Fall sein wird) um Selbstversorger handelt, muß diesen die ent­sprechende Menge von Getreide, Hülsenfrüchten rc belassen werden, da die ausnehmenden Stadtkinder als zum Haus­halt gehörig angesehen werden.

* Silderankauf zur Hebung der Valuta Um

den derzeitigen hohen Stand des Silberpceises auf dem Weltmarkt für die Besserung der deutschen Valuta im Auslande nutzbar zu machen, hat sich das Reichsbank­direktorium entschlossen, vielfachen Anregungen zu ent sprechen und den Ankauf von Silbersachen durch die Goldankaufsstellen aufnehmen zu lassen. Den Eigen- tümern entbehrlicher Silbersachen bietet sich dadurch eine günstige Gelegenheit, ihren Besitz an silbernen Gegen ständen zu vorteilhaften Preisen an die Goldankaufs­stellen zu veräußern. Für Silbersachen aller Fein­gehalte ist ein Einheitspreis von 13 Pfg. für das Gramm Silbermetall festgesetzt Den Elnlieferern von Silbersachen wird seitens der Goldankaufsstellen ein künstlerisch ausgestattetes Gedenkblatt verliehen.

* Wie Kann die Schule den Spürsinn der Jugendlichen fördern? So lautet eine Preisfrage der Sparkasse in Berlin (Mühlendamm 1). Dle Berliner Sparkasse ist dabei von folgenden Erwägungen ausge gangen: Früher konnte das Sparen als eine Privat­angelegenheit betrachtet werden, die dem Einzelnen oder seiner Familie zugute kam. Durch die Kclegsvec- hältnisse ist es aber zu einer vaterländischen Pflicht geworden. Mlt allen Mitteln muß aus eine Ergänzung des Volksvermögens hingewirkt werden. Unser Vaterland kann seine Stellung in der Weltwirt­schaft nur behaupten, wenn es gelingt, Handel und In­dustrie die Kapitalien zuzusühren, deren sie zu ihrem Wiederaufbau und zur Erreichung ihrer gewaltigen Aufgaben bedürfen In gesteigertem Maße müssen hier­bei die breit ten Schichten unserer Bevölkerung durch ernste Sparst feit Mitwirken. Das Gefühl für diese Pflicht kann nicht -früh genug bet der Jugend erweckt werden. Den Schulen ist dadurch eine neue wichtige Aufgabe zugefallen. Sie können und müssen auf den ^parsinn der Jugend und damit mittelbar auch auf die Eltern einwirken, deren Spartätigkeit ja auch in letzter Linie ihren Kindern gilt.

* Vostfcheckverkehr. Mit Rücksicht aus die Pa­pierknappheit wird nachgegeben, daß die den Nachnahme karten anhängenden Postanweisungen als Zahlkarten Verwandt werden können, wenn handschriftlich mit Tinte, durch Druck, oder mit der Schreibmaschine auf dem Hauptteile das WortPostanweisung" inZahlkarte" geändert und das Postscheckkonto genau bezeichnet sowie auf dem Abschnitt am Kopfe das WortZahlkartt" und am Fuße der Vermerk

Zählkarte

für Konto No.

Postscheckamt.

angegeben werden.

* Maggi s Würze wird infolge Rohstoffmangeln zurzeit nur noch in beschränkten Mengen hergestelll Die Lieferung an die Händler erfolgt aber in altbe wahrter Qualität und z u F r i e d e n s p r e i s e n. Füi Maggis Würze dürfen daher auch nur Friedenspreis verlangt werden. Es wird gebeten, hierauf zu achten da vielfach Suppenwürze anderer Herkunft in geringerer Beschaffenhert und zu höherem Preise in Maggiflaschen fellgehalten wrrd. Dies ist strafbar.

* Die Leipziger Messe. Die Kciegsjahre haben gezeigt, welche Bedeutung für das industriellwirtschaft­liche Leben Deutschlands der altbecühmten Leipziger Messe zukommt, die jetzt 650 Jahre besteht Man ist sich darüber klar geworden, daß diese Einrichtung ge­rade im Interesse der Gesamtheit der deutschen Industrie und zur Wiedereroberung durch den Krieg verlorener Auslandspositionen unseres Exporthandels wie zu wei. teren Entwicklung und Befestigung aller durch die En­tenten unterminierten deutschen Exportinteressen die stärkste Förderung verdient. Genau v50 Jahre vor der diesjährigen Frühjahrsmesse, nämlick zu Ostern 1268, fand die erste geschichtlich festgestellte Ostermeffe inLeip zig statt. Am 1. März 1268 gab Markgraf 'Dietrich von LandLbcrg der StadtLypsk" als ihr Landesherr die Zusicherung, den Kaufleuten aus aller Herren Län­der, dle Kaufmannsgüter nach Leipzig führten, seinen Schutz zu gewähren. Dieser Schutz erstreckte sich sogav auf diejenigen, mit deren Landesfürsten der Markgraf in Fehde lag. Dies Leipziger Messe muß also schon damals von Kaufleuten aus fremden Ländern besucht worden sein, und dieser Besuch muß einen so großen Umfang angenommen haben, daß dieser weitgehende Schutz sich rechtfertigte, denn sonst pflegten die damaliaen Fürsten gerade an fremden Kaufleuten sogenannteRe­pressalien" auszuüben.

* Fahrpreisermäßigung znr Leipziger Früh- zahrsmesie Auf Antrag des MeßamtS in Leipzig gewähren die deutschen Eisenbahnverwaltungen den Besuchern der bevorstehenden Mustermesse in Leipzig wiederum für die Fahrt von und zur Messe in der 2. und 3 Wagenklaffe aller Züge eine Ermäßigung von 50 Prozent des gewöhnlichen Fahrpreises, unter gleich­zeitigem Fortfall des Schnellzugzuschlages. Die aus­ländischen Besucher genießen diese Ermäßigung von der deutschen Grenzstation an. Sie wird gewährt gegen Vorzeigung einer Bescheinigung über den Meßbesuch, die vom Meßamt in Letpzig ausgestellt wird. Die näheren Bedingungen und das Antragsformular werden vom Meßamt in den nächsten Tagen allen bisherigen Besuchern zugestellt; nur wer die Messe zum ersten Mal besuchen will, braucht die Zusendung vom Meßamt eigens zu verlangen. Mtlitärpersonen haben zu beachten, daß bet Urlaubsreisen zu Ecwerbszwecken kein Anspruch auf Beförderung zum Mtlitärtarif besteht. Mit der Gewährung der Fahrpreisermäßigung und dem Ver­zicht auf den Schnellzugzuschlag ist eines der wichtigsten Hindernisse für den Besuch der kommenden Frühjahrs' Mustermesse in Leipzig hinweggeräumt, der Erfolg die­ser für das deutsche Wirtschaftsleben so überaus wich­tigen Veranstaltung daher in vollem Umfange gesichert.

* Verpachtung des Hades Saizhanfen. Die

Zweite Kammer nahm einen Antrag an, nach dem das Großh. Bad Salzhausen hergecichtet und verpachtet werden soll. Tie Pachtsumme soll durchschnittlich 11500 Mk. pro Jahr betragen.

Das Darmstädler ..Aeppelche" Es wird ge­schrieben: Im Alter von 71 Jahren verstarb in Wies­baden die Witwe des Großherzogs Ludwig 3. von Hes­sen, des Großonkels des sitzt regierenden Herrschers- Magdalena Freifrau v. Hochsiädten. Mit ihr verschied eine Persönlichkeit aus dem Leben, über deren Schick­sal man sich in den 70. Jahren viel unterhielt.

* Ostern rückt näher heran und damit die Frage. Was soll aus unserer konfirmierten Jugend werden ? Früher dachte man dabei nur an unsere Söhne; aber heutzutage heißt es auch: Was sollen unsere Töchter werden? Mit diesen Zeilen wollen wir auf einen Beruf aufmerksam machen, der den jungen Mädchen, die nur 8 jährige Schulbildung haben, offen steht. Es ist der Beruf der Kinderpflegerin. Wie das hiesige Fröbel-Seminar bestätigen kann, ist stets große Nachfrage nach Kinderpflegerinnen und eine große Anzahl angebotenec Stellungen kann durch das Seminar nicht besetzt werden. Die Aus- bildungszeit einer K nderpflegerin dauert 1l 1 ^ Jahr, je nach ihrer Befähigung und praktischen Vorbildung. Die Ausbildung der jungen Mädchen ist eine vielseitige, für ihren Beruf sowohl wie später für den eigenen Haushalt von großem Nutzen Möchten diese Zeilen dazu beitragen, daß sich recht viele Mädchen dem Berufe einer Kinderpflegerin widmen. Aber auch die Nach' frage nach Kindergärtnerinnen ist stets sehr groß und können auch lange nicht alle angebotenen Stellen be­setzt werden. Zur Aufnahme in das Seminar ist das Ziel der 1. Klaffe einer höheren Mädchenschule, Lyzeum, Frauenschule oder 9-kl. Mittelschule vorgeschcieben. Bei anders vorgcbildeten Mädcken wird eine Prüfung ver­langt, decen Bestehen den Eintritt in das Seminar er­möglicht. Auf Grund di. sec Bestimmung ist im Gießenec Fröbel Seminar eine Vorbei itungsklaffe er­richtet worden, um begabten und fleißig! n Schülerinnen Gelegenheit zu geben, die fehlende Schulbildung nachzu­holen und die Prüfung bestehen zu können. Wir machen auf die im Inseratenteil erscheinende Bekanntmachung aufmerksam.

* Der Großherzog hatte in seiner Jugend eine Neigung zu einem Fräulein Müller gefaßt, einer Choristin, die ec in den Adeisstano erhob und der, ec in Darm­

stadt. gegenüber dem alten Schloß eine Wohnung ein­gerichtet hatte. Später mußte er aus politischen Grün- den die Ehe mit der Prinzessin Mathilde von Bayern eingehen, und 6 Wochen nach der Hochzeit starb Fräulein Müller. Die Fama will Ludwig 3. gesehen haben, wie ec tränenden Auges vom Schloß aus das Hinaus­tragen des Sarges beobachtete. Die Ehe mit Mathilde gestaltete sich äußerlich ungetrübt, aber nicht glücklich und auch kinderlos. Im Jahre 1862 starb die Groß- heczogin. Der Großheczog verlegte sich nun völlig auf die Pflege des Theaters, vor allem des Ballets das ec muste, Haft ausgestaltete. Als Primaballerina wirkte bei diesem Ballet die Tochter d- s Mainzer Schuhmacher- meisters Appel, von der Bevölkerung das , Aeppelche" genannt. In dieses junge und hübsche Ding verliebte sich der noch immer stattliche Großherzog und heiratete die Zwanzigjährigezur linken Hand" am 20. Juni 1816, da ec selber schon ein Alter von 63 Jahren er­reicht hatte. Sie erhielt den Titel einer Freifrau von Hochstädten. Von nun an mied er den Aufenthalt in seiner Residenzstadt Darmstadt und weilte mit Vorliebe in Friedberg oder Mainz, um dann später als kranker Mann ganz nach Seeheim a. d. B. überzusiedeln, wo er 1877 starb. Seine Frauzur Linken" pflegte ihn aufopfernd bis zu seinem Tode. Ec stattete sie sehr freigebig aus, so daß die Freifrau, die erst in Dacm- stadt, später in Wiesbaden ihren Wohnsitz nahm und immer als Wohltäterin der Armen galt, aller wirtschaft­lichen Sorgen überhobcn war.

Wer sein Gold der Reichsbank zuführt, sorgt auch dafür, daß der Wert der Reichsmark im Auslande steigt, d. h. ec sichert sich selbst billigere Preise bei jedem Ge­schäft mit dem Auslande.

* Unr noch 125 Gramm Seifenpnlver. Nach einer im Reichsanzeiger veröffentlichten Bekanntmachung werden auf die Seifenkarte neben 50 Gr. Feinseife nicht mehr 250, sondern nur noch 125 Gx. Seifenpulvec abgegeben. Begründet wird die eingreifende Maßnahme mit dem Hinweis darauf, daß die für Seifenpulvec nötigen Sodamengen fast ausschließlich von der Heeres­verwaltung in Anspruch genommen werden.

Gießen, 30. Jan. Die vereinigten Hassta- Militär Vereine unserer Stadt haben den diesjährigen Geburtstag des Kaisers in weit besserer Weise ge­feiert als früher. Am Vormittag beteiligten sich die Ver­eine am Militärgottcsdienst, in welchem Pfarrer Schwabe eine Predigt hielt, die allem zu Herzen ging und in der d^s Kaisers als gottesfürchtiger Christ recht treffend ge- gedacht wurde. Am Abend versammelten sich die Kame­raden in dem mit den Vereinsfahnen und Gewächsen paffend geschmückten Saale des GasthofGroßherzog von Hessen" zu einer Feier, die in jeder Beziehung der Zeit entsprechend würdig verlief. Der Verein ehem. 116er hat in 1918 die Führung und dessen Vorsitzender, Pro­kurist Kamerad Böller, wußte seiner Begrüßungsan­sprache etwas flohgestimmten Klang zu geben, welcher dann auch bei allen folgenden Festnummern anhielt. Nach dem ersten gemeinsam gesungenen LiedO Deutsch­land hoch in Ehren" hielt Oberlehrer Schmoll, Ober­leutnant und 1914 sehr schwer verwundet, eine fein gesetzte Festrede, mit welcher den Anwesenden das treue Aushacren zu Kaiser und Reich und besonders jetzt im Krieg ans Herz gelegt wurde. In das auf den Kaiser ausgebrachte Hoch und in das LiedHeil dir im Sieger- kcanz" stimmten die Anwesenden sreudigst mit ein. Es wechselten Einzellieder, Musikstücke und nach dem wieder von der ganzen Festversammlung gesungenenNieder­ländischen Dankgebet" war es Pfarrer Schwabe, der in einer sehr eindrucksvollen Ansprache daran er­innerte, daß an Kaisers Geburtstag wir auch danken sollen, daß der Herr uns zur Seite gestanden hat, daß wir aber nie vergessen sollen zu danken auch allen Ver­wundeten und der Gefallenen allezeit ganz besonders ein ehrendes und dankbares Gedächtnis bewahren solle«. Der Krieg habe unzählige Wunden gerissen, aber doch sind Tausendzu d^rUekurzeugung gekommen, daß, wer auf Gott vertraut, auch diese Zeit der Not mit wenden hilft. Anschließend daran wurde das LiedEine feste Burg ist unser Gott" von ollen auch den anwesenden Nicht­protestanten gesungen. Amtsgerichlsrat Hauptmann Trümpert, der 1. Vorsitzende des Kriegcrvereins Gießen, gedachte dann mit zündenden Worten der Bedeutung der Kciegervereine, deren Bestrebungen vor dem Kriege nicht umsonst gewesen sind und die als Hauptträgec der Treue zu Kaiser und Reick gerade jetzt segensreich wirken können. Draußen an den Fronten sei es für ihn ein erhebendes Gefühl gewesen als das Schutz- und Trutz- LiedEine feste Burg ist unser Gott" auch von den Katholiken und den Kameraden, welche vorher im Frieden nicht viel von Relig on wissen wollten, kräftig und andächtig mit­gesungen worden ist. Ist die zu Anfang des Krieges gewesene herrliche Stimmung jetzt nicht mehr, so liegt das mit in der Länge des Krieges; daß die Stimmung aber keine vaterlandsfeindliche werden darf, dafür müssen alle Mitglieder der Kriegerveceine und deren Angehörige mit sorgen; die Liebe zum Vaterlande muß bestehen bleiben. Mögen alle Kameraden draußen und die Frauen der Kameraden daheim in den Familien gerade jetzt

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