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Sonntaysyruß
((ßemeinbeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen
Nr. 52 Gießen, Sonntag n.weihn., den 29. Dezember 1918 7. Jahrgang.
Am Silvesterabend J9J8.
Hiob 30, 31. Meine Harfe ist eine Klage geworden und meine Flöte ein Weinen.
In vielen deutschen Städten ist es bis auf diesen Tag üblich, daß in der Silvesternacht um 12 Uhr Musikanten auf den Kirchturm steigen und in die Winternacht hinaus den Choral blasen: Nun danket alle Gott! Wie gern hätten wir nach glücklich beendetem Kriege dieses Lied angestimmt, aber es lag das nicht im Ratschlüsse Gottes, und wir wollen uns am Ende dieses Jahres nicht verhehlen, das; die Hand des Allmächtigen nns schwer getroffen hat. Dunkel ist es, wohin wir schauen. Deutschland ist an der Front und im Innern zusammen- gcbrochen, das Reich droht aus den Fugen zu gehen, vor! unseren Jugcndidealeu und Jugendhoffnungen müssen wir Abschied nehmen, das deutsche Volk gleicht einer Familie, über die der Bankerott gekommen ist und die nun nicht weiß, wohin den Wanderstrb setzen und wo eine neue Existenz begründen. Es hilft nichts, das; . wir uns allerhand Vorreden und sagen: wir werden in einigen Jahren wieder hochgc- kommen sein. Das eine stellt sich uns mit aller Schärfe vor die Seele: Gott wollte uns auf das schwerste treffen, wir sollten den Stachel des Schicksals spüren. Wir gedachten, beim Friedensschlüsse die Glocken hell erklingen zu lassen und Jubcllieder anzustim- men, nun ist unser Lied das alte, bittere Worte des Hiob : Meine Harfe» ist eine Klage geworden und meine Flöte ein Meinen.
Dennoch lassen wir nicht von dem Glauben, das; uns Gottes Hand fest hält. Wer weis;, was er gewollt, indem er uns diesen Weg der Tränen, diesen Weg entlang an endlosen Gräberrciheu ger- führt hat? In alten Tagen haben fromme, gefangene, angesochtcne Menschen gesagt: Die mit Tränen säen, werden mit Freuder. ernten, sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. Wir wollen in der Silvesternacht des Jahres 1918 keinen trüge- rilchen Hoffnungen nachhängen, aber wir wollen Gott bitten, uns die Kraft zu geben, daß wir stille werden und das tun, was er, was die Not des Vaterlandes von uns fordert. Josef von Eichendorff, der fromme und vaterländisch gesinnte Dichter, der schon seit bl Jahren im Grabe ruht, hat das wahre Wort für die gegenwärtige Zeit gesprochen,' dieses Wort lautet:
Was ich wollte, liegt zerschlagen,
Herr, ich lasse ja das Klagen,
Und das Herz ist still.
Nun aber gib auch Kraft zu tragen. Was ich nicht will!
H. B.
Geschichten und Bilder aus Alt-Gietzen.
12. Der Zug des Todes im Dreißigjährigen Kriege.
(Fortsetzung folgt.i
1629.
Ein Papist (Katholik) in meister Magnuß Haus; Kranck gelegen, ist mitt 3 glucken und mitt singen begraben worden — Am 1. September wird eingetragen: Landgraff Philips, sein gemahlin begraben worden und allhicr um achi (8) Uhrer mit allen glocksn geläutet , und ein Leichenpredigt darauff gehalten worden und den gantzen tag darauff gefeyert worden. — Es handelt sich hier um die Gemahlin des Landgrafen Philipp, des Onkels des regierenden Landgrafen Georg II. (1620 bis 1661); Philipp lebte zumeist in Butzbach.
1630.
, Johann Maloomesius ein Kind.
1631.
Dem Herrn Stadtschultheißen ein Knäb- lein — Dem Vogt von Wetzlar ei» .Kindlein
— Ein fremd frau aus; dem Stift Fulda.
1632.
Adam der tag löhn er in der Hintergaß — Hannß Ferber — Caspar Ellermann begraben ist auf dem wilden man (wohl Flurbezeichnung) von einem von adel des Nachts erschossen worden — Merten Ludwig der Kuhirt.
1633.
Ein Rittnrcister aus; Westvalen ein Kind
— dem Wasenmeister sein weib — ein Corpora! von einem anderen corporal erstochen worden — ein Soldat, den Conrad Rinner mit einem messer gestochen halt das er gestorben ist.
1634.
Jörg Keßeler von Wissigk — Heinrich Victor, mein schwager (Aus dieser Notiz geht hervor, das; der Opsermann Johannes Georg Vietor noch in diesem Jahre, also schon snt 20 Jahren, die Einträge in das Kirchenbuch machte.) — L. G. (Landgraf) Jürgen sein bey Lauffer zu der Cron, weiß man nit, wahn er gestorben ist, haben Ihn die Feld- schützen hinaußgetragen und ist ihm gepredigt und gesungen und mit dem kleinen glöcklein geläutet — Dieser auf geheimnisvolle Weise
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