öonnta äs gruft
Gemeinöeblatt füröie evangelische Kircbengemeinoe
Gieszerr
Nr. 26,
Gieszen, Sonntag 2. nach Trinitatis, den 2. Juli 1916,
5. Jahrgang,
worauf es ankommt.
Evangelium des Matthäus 10, 32 und 33. wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater, wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.
So schwer auch der Weltkrieg auf uns allen, im großen kund kleinen, lastet, ein Gefühl des unbeugsamen Stolzes beseelt uns doch, wenn wir dessen gedenken, was das deutsche Volk in dieser großen, ernsten Zeit schon geleistet hat und auch fernerhin zu leisten gewillt ist! Nicht mit gekünstelter, sondern mit berechtigter Bewunderung dürfen wir auf unsere todesmutigen Nrmeen und deren hervorragende Führer blicken. 3a, vielleicht machen wir es uns manchmal gar nicht gegenwärtig genug, was alles dazu gehörte und gehört, eine Welt von Feinden nun schon nach fast 2 Jahren Krieges unentwegt nicht bloß weitab von den Grenzen des Beichs entfernt zu halten, sondern den Fuß selbst so weit und tief in die Länder der haßerfüllten Gegner gesetzt zu haben. Und wenn auch im Innern die wirtschaftliche Knappheit manche Unbequemlichkeiten und wohl auch Sorgen schafft: wer hätte früher je gedacht, daß Deutschland jahrelang imstande sein würde, sich trotz Unterbindung fast sämtlicher Lebensmittelzufuhr selbständig zu ernähren! Ueben der nimmermüden Umsicht der produzierenden Stände ist hier doch auch hervorragendes der deutschen Grganisationskraft zu danken. Da kann es denn leicht kommen, daß ein Volk, das seiner Kraft sich derart bewußt sein darf, die (Quellen seiner Stärke allein in sich selbst sucht. Davor will uns das schöne Psalmwort bewahren: „Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Grde gemacht hat." - wir selbst haben es doch auch schon oft genug erfahren können, wie rasch die wage des Kriegsglücks trotz allen Heldenmuts zu unserm Schaden in die höhe schnellen kann. Ein Blick auf die Vorgänge an der österreichischen Ostfront hat es noch jüngst wieder bezeugt. Und wie steht Saat und Ernte in ihren ausschlaggebenden Entscheidungen so völlig außer unserm Einfluß und Krafteinsatz! Gott hilft. Und er hilft gern, aber er will auch, und muß es um seiner Heiligkeit willen, daß Seinem Namen die Ehre gegeben werde. Das hat der psalmist tief erfaßt, und in dem so kurzen Glaubenswort liegt ein umfassendes ^Bekenntnis hochragender Nrt! Uuf dies Bekennen aber kommt es vor allem an! Mancher bewegt bisweilen gute
und fromme Gedanken in seinem Herzen. Uber sie auch nur dem vielleicht etwas spöttischen oder unfrommen Nächsten zu äußern, vollends im Blick auf Jesus, den Gottessohn, das würde ihn viel zu sehr „genieren"! Deshalb gilt besonders für diese Zeit das ernste Mahnwort des Meisters von Nazareth hinzugefügt:,, wer mich bekennet vor den Menschen den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater, wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater." Gott und den Heiland bekennen vor aller Geffentlichkeit, gerade auch im jetzigen Weltkrieg, darauf kommts an. wir können da von unserm Kaiser viel noch lernen! Und seien wir gewiß: schließlich werden wir allein in diesem Zeichen siegen!
Zeldgotterdienst.
von einem Divisionspfarrer.
„Ulso zuerst nach N. zur Artillerie in der Uichtung nach
B_ Dort ist Gottesdienst um 8 Uhr 30 angesetzt; von
dort weiter nach F., wo wir um lO Uhr sein müssen, und von da nach B., wo 11 Uhr 30 Gottesdienst und heiliges Abendmahl stattfindet" - so lautet die Weisung an den Fahrer. Der Bursche, der zugleich das Amt des Küsters versieht, bringt den Amtskofser mit den Abendmahlgeräten und ein Paket Schriften, und vorwärts gehts am sonnigen Sonntagmorgen hinaus. Das hat sich wohl auch mein wagen früher nicht träumen lassen, daß er einst noch einen deutschen Divisionspfarrer durch Frankreichs Städte und Dörfer fahren würde. Tief in Uußland war seine Heimat, da stand er einsam und verlassen, als wir im September auf dem Gute Ouartier bezogen. Mein erster wagen, der mir bei der Ausrüstung seinerzeit gestellt war, hatte die ganze russische Sommeroffensive 1915 mit mehr als 6OO Kilometer hinter sich. Und wer russische „Wege" kennt, weiß, was das bedeutet. Er war übel mitgenommen, seine Federn waren vielfach mit Stricken zusammengebunden, und mancher Deichselstoß hatte während des Vormarsches seine hinterwand getroffen. So hatte er seine Ablösung mit d m „dob- schen" russischen wagen wohl verdient. (Mit dieseni fremdländischen Eigenschaftswort ist der Ausdruck höchster Zufriedenheit gemeint.) Es ist ein stark gebauter Ueisewagen. in dem man mit Leichtigkeit sein ganzes Gepäck unterbringen


