Nr. 124 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Donnerstag, 3t. Mai 1934
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Der Staatsbesuch des Führers in Dresden
Sachsens Geschenk für den Kanzler
Kinder sind Arbeitgeber
an dem Dolksschulberspiel zeigen.
Buchgewevde und der Buchhandel sind daher weit-1 eines Tages selbst arbeitslos ist.
einem Gebiete kann man sogar genau zahlenmäßig den Einfluß der Kinderzahl auf die Allge- meinwirtschast nachweisen. Das ist das Gebiet des öffentlichen Schulwesens. Jedes Kind in Deutschland muß nach gesetzlicher Vorschrift oom vollendeten sechsten bis zum vollendeten vierzehnten Lebensjahr Schulunterricht erhalten. Der gewöhn-
der neuen Welt ist es nicht gelungen, diesen Konflikt, der mit kleinen Plänkeleien an der Grenze seinen Anfang nahm, einzudämmen. Im Gegenteil: heute besteht im Chaco eine Front von nahezu 2 4 0 Kilometer, auf der — nach statistischen Angaben der paraguayischen Regierung sich 60 000 Paraguayer und 90 000 Bolivianer gegenüberstehen. Die Statistik, die allerdings nur
Gebiet zwischen Paraguay und Bolivien ihren Anfang nahmen. Trotz Der eifrigen Bemühungen
Eine Vase aus der Staatlichen Porzellan-Manufaktur in Meißen, die dem Führer anläßlich seines Be» suches in Dresden von der sächsischen Regierung überreicht wurde. Die Vase wurde nach alten Mo» tiven geschaffen.
Bölkerbundsohnmacht in Südamerika.
Verschärfung des Chacokonflikts. — Völkerdündler als Kriegslieferanten.
Von unserem Sch.« Berichterstatter'
Vorbeimarsch einer Motorsturm-Abteilung vor dem Führer, bei dem anläßlich der Reichs- Theaterfestkvoche erfolgten Besuch der sächsischen Hauptstadt.
Das Schulkind sind Arbeitgeber. Wer das bestreiten und braucht Lehr- und Lernmittel. Das Papier- und verneinen will, darf sich nicht wundern, wenn er
Wirtschaftsangriff ist, läßt sich doch auch, Fortkommen keine Möglichkeit sähen. Kinder
auf Schätzungen basiert, fuhrt die Zahl der bisher im Chacokonflikt Gefallenen mit 15 000 Paraguayern und rund 30 000 Bolivianern auf. Mögen Die veröffentlichten Verlustzahlen stimmen oder nicht, richtig ist, daß die Bolivianer in der Tat mehr an Menschen und Material bisher einbüßten als bis Paraguayer. Aber Tatsache ist auch, daß die Bolivianer ihre eigenen Verluste leichter verschmerzen können als die Paraguayer die ihrigen, denn Bolivien zählt rund dreimal soviel Einwohner als Paraguay.
In Wirklichkeit dreht es sich bei diesem ganzen Konflikt natürlich um mehr als um ein paar taufend Quadratkilometer Land. Hier kämpfen Del- i n t e r e f f e n t e n um die ergiebigen Oelquellen
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rio de Janeiro, Mai 1934.
Dor einigen Tagen jährte sich zum zweiten Male der Tag, an dem die Feindseligkeiten im Chaco-
gehend von allem Schwanken der Nachwuchszahlen abhängig. Durch jeden Zugang von 100 Schulkindern zur Gesamtzahl finden drei neue Lehrkräfte ihr Auskommen, werden drei neue Kaufkräfte in die Wirtschaft eingeschaltet.
Das alles ist das getreue Gegenbild zu der Verödung und Friedhofsruhe, die eintreten muß, wenn jene Volksgenossen in ihrer Nachwuchsscheu beharren, die so nachdrücklich und überlaut betonen, daß sie aus Pflichtgefühl keine Kinder weiter in die Welt setzten, weil sie für ihre Aufzucht und für ihr
großen Arbeitslosigkeit genommen ist. Also ..."
Und doch hat der Volkswirt recht und der Familienvater unrecht. Der Familienvater sieht begreiflicherweise die Dinge in erster Linie vom Standpunkte seiner Einzelwirtschaft aus an. Das ist auch durchaus erlaubt, aber er darf nicht alles nur und ausschließlich von diesem Standpunkte aus ansehen, er muß sich zur rechten Zeit und nachdrücklich daran erinnern, daß er mit seiner kleinen Familie nur ein Glied im großen Ganzen des Volkes ist, und daß er, wenn er vom großen Ganzen des Volkes für sich und feine Familie Beachtung und Rücksichtnahme auf deren Bedürfnisse und Belange fordert, selbst auch die Bedürfnisse und Belange des Volksganzen beachten und berücksichtigen muß, zu dem er gehört und mit dem er auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Und diese Pflicht des einzelnen und seiner Familie dem Volks- ganzen gegenüber ist nicht schon durch die regelmäßige und pünktliche Steuerzahlung erfüllt. Mit Recht verlangt das Volksganze die Einsetzung der ganzen Persönlichkeit jedes Volksgenossen für das Wohl des Dolksganzen.
Von den vielen und wichtigen Aufgaben, deren Lösung das neue Deutsche Reich tatkräftig und wirkensfreudig in Angriff genommen hat, find zwei besonders dadurch ausgezeichnet, daß unter den nächstbeteiligten Meinungsverschiedenheit über die Reihenfolge besteht, in der sie erfüllt werden sollen und müssen. Diese beiden Aufgaben sind die B e- kämpfung der Geburtenscheu und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Der Volkswirt sagt: „Kinder sind Arbeitgeber, je mehr Kinder, desto besser wird die allgemeine Wirtschaftslage, desto mehr finden Volksgenossen ausreichende und sichere Arbeit, desto mehr hebt sich wieder die allgemeine Kaufkraft, und in diesem Kreislauf muh sich die Allgemeinwirtschaft und damit auch jede Einzelwirtschaft stetig bessern und überhaupt festigen."
.. „Das ist gewiß alles sehr richtig", sagt dagegen der Familienvater, „aber ich kann zur Zeit von meinem schmalen Einkommen kaum meine Frau und ein erstes und zweites Kind durchbringen, wo soÄte ich wohl die Mittel hernehmen, um ein drittes oder gar viertes und fünftes Kind aufzuziehen? Sicherlich brauchen Kinder außer Nahrung auch noch Kleidung und sonstige Lebensnotwendigkeiten, die der allgemeine Warenmarkt zur Verfügung stellen muß, und durch die deshalb das allgemeine Wirtschaftsleben zweifellos einen starken Anreiz und Auftrieb erhalten muß." Und dann trumpft er auf: „Ich als Familienvater soll also schließlich durch meinen und meiner vermehrten Kinderzahl Verbrauch die Neubelebung der Wirtschaft bezahlen, und dazu eben fehlen mir die nötigen Mittel. Wenn sich also meine Familie vergrößern soll, dann muß ich erst ein höheres Einkommen haben, sonst handle ich gewissenlos gegen meine Nachkommen. Höheres Einkommen aber kann ich nur erwarten, wenn sich die Wirtschaftslage überhaupt hebt, weil ihr die tote Last der
liche Pflichtschulunterricht ist unentgeltlich, die Kosten trägt die Allgemeinheit, unmittelbar die Schulgemeinden, mittelbar der Staat. Die Lehrkräfte werden also aus öffentlichen Mitteln be° zah lt. Sie müssen um so zahlreicher sein, je größer die Zahl der zu unterrichtenden Kinder ist. Wünschenswert ist, daß auf jede Lehrkraft nicht mehr als höchstens 30 Schüler entfallen. Nach Ausweis der Schulstatistik kommen zur Zeit in Deutschland im Durchschnitt rund 40 Schüler auf eine Lehrkraft. Verhältnismäßig leicht erreichbar und schon eine wesentliche Verbesserung darstellend wäre ein Verhält- nis von 33 bis 35 Schülern auf eine Lehrkraft. Das bedeutet in der Nutzanwendung, daß je 100 Schüler, also je 100 Kinder drei Lehrern Arbeit und Brot geben. Kinder sind also wirklich Arbeitgeber.
Zur Zeit sind in Deutschland hn Volksschuldienst rund 190 000 Lehrer beschäftigt. Sie betreuen rund 7,6 Millionen Schüler. Unzweifelhaft und von niemandem zu bestreiten, geht der Nachwuchs in Deutschland bisher stetig zurück. Im Jahre 1934 sind di« im Jahre 1928 Geborenen schulpflichtig geworben, gleichzeitig scheiden die 1920 Geborenen aus der allgemeinen Volksschulpflicht aus. Im Jahre 1928 wurden nahezu 1183 000 Kinder geboren. Unter Berücksichtigung des wahrscheinlichen Abganges durch Tod kann der Zugang an Abc-Schützen 1934 auf kaum mehr als 1070 000 geschätzt werden. Der jetzt volksschulabgangsreif gewordene Jahrgang 1920 aber wies fast 1 600 000 Geburten auf, die 1934 einen Abgang von mindestens 1 350 000 Volksschülern darstellen dürsten. Es gehen somit über eine Diertelmillion mehr Schüler ab als neu h i n z u k o m m e n. Die auf 1928 fol- genden Geburtenjahrgänge sind immer geburtenarmer geworden. Wenn das so weiter geht, dann hat ein Teil der jetzt noch beschäftigten Volksschullehrkräfte Arbeitslosigkeit zu erwarten. Mit der weiteren Beschränkung der Kinderzahl tritt also für diese Gruppe Berufstätiger genau das Gegen- teil von dem ein, was seinerzeit die Verfechter der Geburtenbeschränkung versprechen zu können glaubten.
Natürlich rft das Schicksal der kleinen Volksgruppe von Volksschullehrern nur ein Teilausschnitt aus dem deutschen Gesamtschicksal. Eine unbedingte Verallgemeinerung auf die Gesamtwirtschaft ist selbstverständlich nicht möglich, weil sich nicht überall ein gleich unmittelbarer und offensichtlicher Zusammenhang zwischen Dolkskinderzahl und Beschäftigungsgrad oorfinbet. Daß aber überhaupt die Kinderzahl eine Schlüsselstellung für den
Wenn man indessen von dieser sittlichen Begründung der Pflicht zu persönlicher Opferbereitschaft des einzelnen und feiner Familie ganz abfieht, so ist die Annahme auch sachlich falsch, daß nun der Familienvater ober überhaupt ble Einzelwirtschaft allein bie Kosten für bie Nachwuchsaufzucht trügen unb somit die Wirtschaftsbelebung durch _____ ____v ... ______
zahlreicheren Nachwuchs allein oder auch nur vor-1 des Völkerbundes und “ber Mehrzahl ber Staaten roiegenb bestreiten müßten. Unb wenigstens auf ‘ — - ... • - • - • • -
Intermezzo beim Angeln.
Von Ulrich Sander
Mittags sah ich in Rotbeck auf bem Bollwerk unb angelte. Piratzen hatte ich mir unter Steinen gesucht, Gerät gab mir ber geschwätzige Wirt ber Hafenkneipe. Zum Angeln gehört Gebulb. Unb um bas Flott auf bem wippenben Wasser tanzen bie Gebauten. Die gleihenbe Sonne spiegelte Inge Holms holbseliges Gesicht auf bas Wasser. Versehentlich fing ich einen kleinen Barsch unb zwei Plötzen. Eine Mahlzeit für einen hohlen Zahn, ©rünblinge knabberten unb zupften, baß bas Flott zuckte, unb schillernde Wietinge spielten um den sich ringelnden Wurm. Ein Schwarm Stichlinge schoß vorbei, stand still, überlegte, spielte nervös mit den Flossen und schoß weiter.
Wie schwer ist doch Flußwasser zu malen, auf bem ein wenig Del schwimmt unb bas nur stumpf gewellt ist! Wenn sich bann noch Masten ober Bäume ober ein alter Giebelspeicher in ihm spiegeln unb um jebes Spiegelstückchen noch ber Himmel ein buntes, schillernbes Bänbchen legt, so soll bas erst einmal einer malen. Mit Wasserfarben wäre es am leichtesten, bann aber fehlt die weiche, feuchte Luft über bem Wasser, ber milchige Glanz. Ich malte bas Bilb eben in Del, untermalte bie blitzschnell vorübergehenben, ausroenbig gelernten Schillerspiegel unb legte bie burchsichtige, gelbweiße Lasur barüber, ba hörte ich Schritte hinter mir, unb mein Rücken sagte mir, baß es Inge Holm sei. Ich roanbte mich um:
„Guten Morgen, Fräulein Holm!"
,Guten Morgen!" unb wollte weitergehen mit ihrem geflochtenen Korb über bem Arm urib mit den langen, so schönen Beinen unter bem kurzen, hellblauen Leinenkleibchen, bas wunbervoll ein ganz klein wenig ausgeblichen war.
Aalt — stopp!" rief ich, „ober ich muß Ihnen eine Granate vor ben Bug setzen! Sie haben Konterbanbe an Bord: eine Flasche Essig, em Pack Streichhölzer, ein halbes Pfund Kaffee zu 1,80 und zwei Pfund Zucker."
„Falsch, falsch!" sagte sie mit dunkelrotem Ge- sicht, lachte unb hielt an, „es ift ein viertel Pfunb Kaffee, aber zwei Pfunb Grieß unb eine Flasche Petroleum. Was machen Sie benn hier
„Ich angele Walfische unb will reich „werben. Drei Zentner habe ich schon. Sehen Sie!
Da lachte bas große, schöne Mäbchen mich aus, kam zutraulich näher, stellte eins ihrer fernen, ranken Beine auf bas Bollwerk und wiegte es ein klein wenig schüchtern im Knie, so daß ich Mühe hatte, nicht hinzusehen. Die Sonne leuchtete
in seinem kurzen, goldenen Haar, unb Wellen von Lieblichkeit zitterten um bie halbe, holbe Gestalt.
„Sie werden sich noch übernehmen an dieser Mahlzeit!"
„Meinen Sie?"
Ich bin schüchtern wie alle langen Menschen und fein geborener Flirter. Allein redet man wie ein Buch, im Kampf wirft man Handgranaten, sticht mit Bajonetten und haut mit dem Kolben zu. Aber vor diesen Blütengärten war mir die Zunge angelötet.
„Jaja!"
„So!"
Eine kleine Pause, für die ich verantwortlich war.
„Nein, nein, satt wird man wohl nicht von werden. Das glaub' ich auch!" sagte ich, um nur etwas zu sagen
„Wohl kaum!" meinte das schöne Kind.
„Eigentlich wohl sicher nicht!" sagte ich in freudiger Zustimmung. Und damit saß ich wieder fest.
„Aber es können ja vielleicht noch mehr werden", hoffte bas halbe Geschöpf
„So?" klammerte ich mich an ben Strohhalm, „glauben Sie Das?"
„Wenn sie ordentlich beißen, die Fische, sicher. Warum nicht?"
Da stand ich oben auf diesem Berg der Hoffnung und suchte nach einem neuen Gipfel, auf den ich springen könnte.
„Junge", sagte ich zu mir, „sei doch nicht so schüchtern! Rede doch!" Und ich griff an:
„Verstehen Sie etwas vom Angeln?"
„Nicht Diel! Der Barsberg ist an der Brücke.
Hier werden Sie nur Plätzen kriegen."
„Soso!" Da hatte sich ber Angriff wieber totgelaufen
„Aber wenn Sie vor der Male angeln, da beißen auch Flundern und Aale!"
„Flunbern unb Aale? Sehen Sie mal an!" „Aber jetzt muß ich gehen Meine Mutter wartet.
Auf Wiebersehen!"
„Auf Wiebersehen, Fräulein Holm, auf Wiedersehen!"
Im Ernst, dachte ich, auf Wiedersehen! Auf baldiges Wiedersehen!
Und angelte weiter, und der dritte Plotz> hatte wohl eine Stunde am Haken gezappelt, ehe ich es merkte. Dor mir im Wasser stand noch immer Inge- borg Holm mit ihrer langen, feinen Gestalt^ ein Hauch blonder, zarter Anmut war noch um mich, und in meinen Obren lag ihre silbrige, dunkle, ein wenig belegte Stimme, die die Worte langsam und zögernd zu Sätzen zusammenbaute.
(Aus dem Roman „Inge Holm" von Ulrich Sander. Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau.)
Was deutsche Trachten-Karten erzählen.
Die kartographische Erfassung der deutschen Sprache uno Volkskunde macht immer größere Fortschritte. Diese Arbeiten werden auf sprach- geographischem Gebiet in dem deutschen Sprachatlas, im volkskundlichen Bereich im Atlas der deutschen Volkskunde niedergelegt. Ein wichtiges Sondergebiet bildet bie Trachtenkunbe, für die ebenfalls bie kartographische Erfassung begonnen wor- Den ist. Rubolf Helm, ben Lesern ber „Heimat im Bilb" als Mitarbeiter bekannt, roibmet sich jetzt befonbers ber Durcharbeitung ber Trachtensammlung bes Germanischen Museums; er hat vorher bie hessischen Trachten nach ihrem Verbreitungsgebiet, ihrer Entwicklung unb ihrem gegenwärtigen Bestaub in Karten festgehalten, bie für weitere Arbeiten bahnbrechenb unb mustergültig finb. Sein Ziel war es, „an Hanb von Zahlen bie Verbreitungsgebiete ber hessischen Tracht festzustellen unb au zeigen, wie sie burch bie politischen unb wirtschaftlichen Gegebenheiten ihrer Lanbschaft bestimmt unb abgegrenzt würben, in welcher Weise ihre Entwicklung verlaufen ist unb weiter verlaufen muß." Zur Erläuterung biefer Trachten-Karten werben auch bie Karten ber einzelnen Kreise so wie ber Walbbebeckung unb ber Eisenbahnlinien beigefügt. Es ergibt sich baraus, baß bie Tracht in ben letzten Jahrzehnten mehr unb mehr zurück- gegangen ist, bie männliche Volkstracht erheblich stärker als bie ber Frauen. Auffallenb ist es, baß in ben Walbgebieten bie Tracht stärker schwinbet als in manchen roalbfreien ©egenben unb in solchen, bie bem Verkehr näher liegen. Helm gibt ba» für bie Erklärung, baß bie alte Volkstracht teurer ist als bie stäbttsche Kleibung, bie mit Massenwaren bas Lanb überschwemmt Die Tracht kann sich ba- her nur bort erhalten, wo noch ein gewisser Wohl- ftanb herrscht; bas ist aber in ben bem mobernen Verkehr erschlossenen Gebieten in höherem Maße ber Fall als in ben Walbgegenben. Jnfolgebessen ist auch der Einfluß der Verkehrslinien auf den Rückgang der Tracht geringer, als man erwarten sollte.
Preislied aufs Gemüfegärtlein.
Ein Preislied auf das Gemüsegärtlein stimmt Dr. Anton Mayer im Juniheft von Ve 1 hagen & Älafings Monatsheften an unb teilt eine Anzahl alter unb neuer Gemüserezepte mit, wie er sie lefenb unb reisenb entberft hat. Ein hübsches Rezept ist nach ihm z. B. folgenbes: „Hartgekochte Eier werben halbiert, die Dotter entfernt unb bie Höhlungen mit frischgekochtem Spinat vollgestrichen; etwas Butter unb Milch gehört in das Gemüse. Die Eier kommen in eine
I flache, feuerfeste Form; eine bicke weiße SaucS wirb über bie Eier gegossen unb mit ben Dottern garniert Das ganze wirb bei starker Hitze im Ofen angebräunt. Einzelne Gemüsevorschriften können wir, so fährt Anton Mayer fort, „ber italienischen Küche entnehmen: ein rounberbares Gericht ist ber Denetianische Minestrone frebbo. Alle Gemüse, beren man habhaft werben kann, werben geschnitten und gekocht ober, je nach ihrem Charakter, gebämpft unb mit Reis, am besten Bouillonreis gemischt — bas richtige Verhältnis ber Mischung bürste etwa zwei Drittel Gemüse, ein Drittel Reis sein, aber auch ba spielt ber persönliche Geschmack eine große Rolle. Die Mischung, die am besten gleich in tiefe Suppenteller getan wird, muß erkalten; vor bem Servieren wirb sie reichlich mit geriebenem Parmesan überstreut; geröstete Brotschnitten finb als Beigabe sehr angenehm, — unb noch mehr geriebener Parmesan muß auf bem Tisch stehen. Darf ich an dieser (Stelle an alle Hausfrauen zum besten der von ihnen Betreuten die herzliche Bitte richten, mit bem geriebenen Käse nicht mehr so sparsam zu sein? Eigentlich sollte er immer beim Essen zur Hanb sein, gerabe Gemüsegerichte können durch seine Verwendung außerordentlich gewinnen. Jedes nicht süße Reis-, Makkaroni-, Nudelgericht ist ohne Käse nicht denkbar. Und Braten — haben Sie schon einmal einen Kalbsbraten mit viel Parmesan überbarfen? Versuchen Sie es! Der Sonntagmittag wird am trübsten Tage sofort ganz hell — aber das nur nebenbei. Sehr reizvoll schien mir immer ein „Tartino carciofi", ein in Del gebackener Eierkuchen mit ben kleinen italienischen Ärtischoken — wenn es biefe nicht gibt, eignen sich unsere Artischokenböben, in Scheiben geschnitten, sehr gut bazu."
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Der ao. Professor Dr.-Jng. Friebrich Raab an ber Technischen Hochschule Karlsruhe wurde zum ordentlichen Professor für Straßen- und Eisen- bahuwesen an der Technischen Hochschule daselbst ernannt.
Dem Ministerialrat Professor Dr. Eugen Fehr le im Babischen Ministerium bes Kultus unb Unterrichts finb bie Amtsbezeichnung unb bie Akabemi» scheu Rechte eines ordentlichen Professors für bie Dauer ber Zugehörigkeit zum Lehrkörper ber Universität S) e i b e 1 b e r g verliehen worben. Sein Spezialgebiet ist klassische Philologie, Religionswis- seuschaft unb Volkskunbe. Besonbers bekannt würbe Fehrle burch sein grunblegenbes Werk „Babische Volkskunbe", ferner als Herausgeber ber „Ober- beutschen Zeitschriften für Volkskunbe", ber „Bau- steine zur Volkskunbe unb Religionswissenschaft" sowie bes Werkes „Babische Flurnamen".


