liche Funde wurden auf dem Gewann „Oberer Kies" in Neuenheim auf dem Gelände des früheren römischen Steinkastells gemacht. Ein Arbeiter fand beim Ausheben der Erde eine römische Münze mit der teilweise noch leserlichen Inschrift „Octa- vianus Augustus". An der gleichen Stelle stieß man auf Werkzeuge aus Eisen, die wahrscheinlich von einer römischen Schmiede herrühren.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident empfing den deutschen Botschafter in Paris, K ö st e r.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes hat die Führerin der NS.-Frauenschast, des Deutschen Frauenwerks und des Frauenarbeitsdienstes, Frau Scholtz-Klink, zur Führerin des neugeschaffenen Reichsfrauenbundes des Deutschen Roten Kreuzes berufen.
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Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg hat folgenden Befehl erlassen: „Ich verbiete jedem Angehörigen der Wehrmacht, auch Arbeitern, Angestellten und Beamten, d i e Zugehörigkeit zu Freimaurerlogen und ähnlichen Organisationen. Wo eine derartige Bindung besteht, ist sie umgehend zu lösen. Eine Nichtbefolgung dieses Verbotes ist als Grund für fristlose Entlassung anzusehen."
Die 15 Personen, die am 17. Mai in Boston an deutschfeindlichen Demonstrationen
gegen den Kreuzer „Karlsruhe" teilge- nommen haben, wurden zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie legten Berufung ein und wurden gegen je ein Tausend Dollar Kaution entlassen. Ferner wurden drei Studenten zu je 6 Monaten Besserungsanstalt und zwei Studenten zu je ein Hundert Dollar Geldstrafe verurteilt.
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Erzherzog Eugen stattete am Dienstag in Begleitung seines Adjutanten dem Bundespräsidenten M i k l a s einen Antrittsbesuch ab. Die Unterredung währte etwa eine halbe Stunde.
Der in Aussicht genommene Besuch des Erzherzogs Eugen in Budapest soll nach einer Budapester Meldung ernstlich in Frage g e st e l l t sein, da Reichsverweser Horthy und Ministerpräsident Gömbös es abgelehnt haben, Erzherzog Eugen offiziell zu empfangen.
Die britische Regierung hat dem Völkerbund mitgeteilt, daß sich Großbritannien dem Waffen- a u s f u h r v e r b o t nach Bolivien und Paraguay anschließe.
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Das Gericht in Samarkand verurteilte 4 Bauern zum Tode durch Erschießen wegen Ue b er f a l ls auf eine Kollektiobauernwirtschaft. Die Todesurteile wurden am Mittwoch v o l l - streckt.
„Hinter Pflug und Schraubstock."
Ein Blick in die erste Schau des Reichsnährstands in Erfurt.
Die erste Ausstellung des Reichsnährstandes, hervorgegangen aus den Wanderausstellungen der vormaligen Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, ist etwas grundsätzlich anderes als die früheren Leiftungs- und Verkaufsschauen. Der Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister Darrs hat es in seiner Eröffnungsansprache nochmals nachdrücklich betont, daß hier der Nährstand als Urstand der Nation sich verkündet und damit die Stellung des Bauern „als unterster und breitester Träger der Gesamtwirtschaft, seine Stellung als Diener am Volk" veranschaulicht. „Anstrengung zu höchster Leistung auch ohne Eigennutz", das ist das Ziel, das jedem Bauern im neuen Reiche vorschweben muß. Hierzu gibt ihm die große Bauernschau in Erfurt Rüstzeug und neuen Ansporn.
Darum hat diese erste Wanderausstellung, die der Reichsnährstand aufgezogen hat, wohl angeknüpft an die Gedanken des Gründers der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, Max E y t h, aber sie hat dem neuen Inhalt entsprechend auch neue Formen gefunden. Das zeigt sich vor allem im „Haus des Reichsnährstandes", das deutsche Bauerngeschichte und Bauernkultur in Tafeln, Bildern und einer großen Fülle von Beispielen aus dem Bauernhaus, den alten Bauerntrachten und alten Urkunden zeigt. War es schon von symbolischer Bedeutung, daß der Reichsbauernführer unmittelbar vor Eröffnung der Erfurter Ausstellung zu den Stedinger Bauern sprach, um den Freiheitskampf, den sie vor 700 Jahren zwar besiegt, aber ungebeugt bestanden, so bildet in der Erfurter Ausstellung diese Sonderschau von bäuerlicher Geschichte den geistigen Mittelpunkt. Auf dieser Wiedererweckung germanisch-nordischer Bauernkultur beruht ja auch die Gesetzgebung der neuen Bauernpolitik, die im Reichserbhofgesetz und im Reichsnährstandgesetz ihren weitestwirkenden Ausdruck fand. Sie dienen beide der „endgültigen Wiederbefreiung des deutschen Bauern und damit der Erlösung des deutschen Volkes zu sich selbst."
Aber neben dieser grundsätzlich politischen Seite der großen Reichsschau des Bauerntums ist das Wirtschaftliche nicht vergessen. Die Vereinigung von „Pflug und Schraub st o ck", die einstmal Max Eyth vorgeschwebt hatte, ist hier von neuem verwirklicht. Die Maschinenhalle zeigt deutlich, welche neuen Mittel dem Bauern zur Verfügung stehen, um die Höchstleistung in Ertrag und Qualität sicherzustellen. Dom neugestalteten Spaten, der Kraftersparnis und längere Haltbarkeit gewährleistet, vom neuen Ackerwagen mit Luftbereifung und. niedriger Ladefläche bis zu den neuen Hackmaschinen für Unkrautbekämpfung und Bodenlockerung
gehen die neuen Hilfsmittel, die die Technik dem Bauern für die Bodenbearbeitung zur Verfügung stellt. Elektroindustrie, Motorenbau, Düngerindustrie und schließlich die gerade jetzt hervorragend wichtige Grünland-Lehrschau ergänzen unsere Kenntnis über neue Möglichkeiten innerdeutscher Selbstversorgung.
Wie sich hier die Ausstellung an den Bauern wendet, der auf der einen Seite die Sicherung seines Hofes und feiner Arbeit durch die Reichsnährstandpolitik erhalten hat, aber auf der anderen Seite auch dem deutschen Volk die Nahrungsfreiheit erkämpfen soll, so wenden sich andere Teile der Ausstellung an Verarbeiter und Verbraucher der Bodenerzeugnisse. Hierzu gehört vor allem die Sonderausstellung „Saubere Mil ch", die die Hausfrau darüber unterrichtet, was sie heute von deutscher Milch erwarten darf, und wie sehr gerade der Nährstand für eine preiswerte Belieferung der städtischen Bevölkerung mit Lebensmitteln sorgt. Die Blumenschau der Erfurter Gärtner wiederum zeigt eine Fülle von Neuheiten, die im städtischen Garten und auf dem Balkon Verwendung finden können, die Schau der Oel- und Faserpflanzen und ihrer Erzeugnisse unterrichtet über die Gleichwertigkeit deutscher Oele, deutschen Leinens und deutscher Bekleidungsstoffe gegenüber ausländischen Herkünften. Und wenn der Wiederaufbau der deutschen Schafzucht vollendet sein wird, dann werden wir auch wieder einen großen Teil der Wolle- und Baumwolleinfuhr ersparen können. Vor allem aber wird heute, da sich überall wieder das Streben vielseitiger natürlicher Ernährungsweise durchsetzt, die Erzeugnishalle mit ihren Sonderausstellungen über Gemüsebau, Obstbau, die Molkereiko st halle, die Schau der Dauerwaren ihren besonderen Wert gerade für den städtischen Besucher beweisen.
Wenn so die erste Wanderausstellung des Reichsnährstandes den Bauern in seiner Bedeutung für das Volkstum und für die rassische Erneuerung des deutschen Volkes überhaupt neben der wirtschaftlichen Verpflechtung von Stadt und Land zeigt, so ist damit ein neuer Schritt zur deutschen Einheit getan. Hier liegt die besondere politische Bedeutung dieser Schau, die sie heraushebt aus der Reihe ihrer Vorgängerinnen. Sie ist damit gleichzeitig zu einer Kundgebung geworden, die auch das große Werk der Neubildung deutschen Bauerntums rechtfertigt. Denn Erhaltung und Neubildung des Bauerntums ist die Grundlage für den dauernden Bestand des neuen Reiches.
Das Ergebnis der Transferkonferenz.
Nach wochenlangen Verhandlungen, die hauptsächlich in Kommissionssitzungen geführt wurden, hat die Berliner Transferkonferenz mit einem le- dialich provisorischen Ergebnis geschlossen werden müssen, das nicht einmal von allen Schuldnerländern ausdrücklich gebilligt worden ist. Die Vertreter der Schwerz und Hollands haben ihre Unterschrift für das neue Angebot der Reichsbank nicht gegeben. Das bedeutet freilich zunächst wohl nur, daß diese beiden Länder, deren Handelsaustausch mit Deutschland für uns start aktiv ist, wieder versuchen wollen, durch Sonderabkom- men bessere Transferbedingungen für ihre Staatsangehörigen zu erzielen. Da solche Vereinbarungen vorher bestanden haben, wäre das abermalige Zustandekommen ähnlicher direkter Vereinbarungen auf Grund der zusätzlichen Abnahme deutscher'Waren an sich nicht ausgeschlossen. Dre Tatsache, daß Holland und die Schweiz dem Angebot der Reichsbank nicht zugestimmt haben, zeigt aber schon, daß es nicht gelungen ist, unter den Gläubigern Deutschlands eine Einheitsfront herzu- stellen. In der Gegensätzlichkeit der Forderungen der einzelnen Gläubigergruppen untereinander und in der Unmöglichkeit, sie unter einen Nenner zu bringen, bestand ja von vornherein die größte Schwierigkeit, die trotz der langwierigen Beratungen der'Konferenz nicht hat überwunden werden können. Während Holland und die Schweiz eine bevorzugte Behandlung ihrer Staatsangehörigen verlangen und deshalb wieder Sondervereinbarungen mit Deutschland abschließen wollen, haben insbesondere die amerikanischen Delegierten am Schluß der Konferenz nochmals als ihre Hauptforderung zum Ausdruck gebracht, daß ke i ne rle i Diskriminierung zugunsten der Gläubiger irgend eines Landes stattfinden dürfe, und daß alle Sonderabkommen außer Kraft zu treten hätten. Angesichts dieser scharfen Stellungnahme Amerikas ist es freilich sehr zweifelhaft, ob es möglich fein wird, irgendwelche neuen Sonderabmachungen mit einzelnen Gläubigerländern abzuschließen.
Angesichts der Verschiedenheit der Gläubiger- intereffen und der Gläubigermeinung bestand die
einzige Möglichkeit, zu einem Ergebnis zu gelangen, daran, daß die Reichsbank selbst festsetzte, was Deutschland als äußerstes Entgegenkommen der Gesamtheit der Gläubiger anbieten könne. Die britischen, französischen und schwedischen Konferenzdelegierten haben sich bereiterklärt, ihren Auftraggebern die Annahme des deutschen Angebots zu empfehlen, freilich wiederum nur unter der Bedingung, daß diese Zustimmung außer Kraft tritt, wenn die Staatsangehörigen eines Landes von denen anderer Länder bevorzugt werden sollten.
Die Reichsbank erklärt, aus der devisenpolitifchen Lage heraus nicht in der Lage zu sein, vom 1. Juli 1934 bis 30. Juni 1935 Zinszahlungen zu leisten. Sie hat sich verbindlich bereiterklärt, die Zinsen dieses Zeitraums in eine fundierte Schuld umzuwandeln, die zehn Jahre lang läuft und mit 3 v. H. verzinst wird. Unverbindlich hat die Reichsbank die Zusage gegeben, an die Stelle der Fundierungsbonds Barzahlung zu gewähren, indem sie die Scheine zu 40 v. H. ankauft.
Praktisch bedeutet dieser Rückkauf nichts anderes als eine Herabsetzung der Zinsen, die z. B. bei bisher öprozentiger Verzinsung künftig nur noch 2,4 Prozent betragen werden. Die Gläubiger haben also zu wählen, ob sie ihre Zinsansprüche ermäßigen oder auf den sofortigen Transfer der Zinsen verzichten wollen. Die Reichsbank behält sich aber ausdrücklich das Recht vor, für den Fall, daß der Deviseneingang nicht ausreichend ist, das Angebot einer 40prozentigen Barauszahlung der Zinsen mit dreißigtägiger Frist zu kündigen. Die Gläubiger endlich, die keines der beiden Angebote der Reichsbank annehmen wollen, behalten ihre vollen Zinsansprüche, die aber natürlich vorläufig vom Transfer ausgeschlossen werden müssen.
Wenn man gerade in Deutschland mit geringer Befriedigung auf diese Konferenz zurückblickt, so vor allem deshalb, weil die Vertreter der Gläubigerstaaten als reine Beauftragte der Prioatinteressen auftraten, nicht aber die Vollmachten hatten, die wirtschafts - und handelspolitische Seite der Transferfrage zu betrachten. Sie hätten im anderen Falle Gelegenheit gefunden, der Weltwirtschaft einen besonderen Dienst zu leisten, denn
4%ige Anleihe des Deutschen Reiches von 1934 Ein Umtauschangebot des Reichsfinanzministeriums für Inhaber der 7%igen (6%) Anleihe von 4929.
Berlin, 30. Mai. (DNB.) Das Reichsfinanz- minifterium hat sich entschlossen, den Inhabern der zum 1. Juli 1934 zur Rückzahlung g e - kündigten 7°/o (6%) Anleihe des Deutschen Reiches von 1 9 2 9 im Umtausch anzubieten: 4% Anleihe des Deutschen Reiches von 19 3 4 mit veränderlichem Zinsschein (variabler Kupon) zum Kurse von 9 5°/o tilgbar in 10 Jahren ab 1. Juli 1934 jährlich in Höhe von 10 v. H. des ursprünglichen Nennbetrages. Die Tilgung der,Anleihe erfolgt a) bei einem Kursstand zu pari oder über pari nur durch Auslosung, b) bei einem Kursstand unter pari nur durch Rückkauf.
Die bei der Tilgung durch Rückkauf unter dem Nennwert erzielte Ersparnis, d. h. die Differenz zwischen dem Ankaufskurs und dem Kurse von 100, kommt den Inhabern aller noch nicht getilgten Schuldverschreibungen zugute und wird mit dem jeweils am 1. Juli jeden Jahres fälligen Zins- fchein als Erhöhung der laufenden Verzinsung ausgezahlt. Die Bekanntgabe des zusätzlichen Zinsbetrages erfolgt spätestens 14 Tage vorher.
Den Umtauschenden wird die Kursspanne von 5°/o zwischen dem Rückzahlungskurs der 7% (6°/o) Reichsanleihe von 1929 und dem Erwerbkurs der 40/M Anleihe des Deutschen Reiches von 1934 in bar veraütet. Die Barvergütung wird nach Prüfung der eingereichten Schuldverschreibungen durch die Kontrolle der Reichspapiere von den Umtauschstellen ausgezahlt.
Zugleich soll diese 4% Anleihe von 1934 zur öffentlichen Zeichnung unter folgenden Bedingungen aufgelegt werden:
Die Zeichnungen und die Anmeldungen zum
Umtausch werden in der Zeit vom 8. bis 21. Juni entgegenommen.
Der Zeichnungspreis beträgt ebenfalls 95"/o unter Verrechnung von Stückzinsen.
Die 4°/o Anleihe von 1934 pürd in Abschnitten von 100, 200, 500, 1000, 5000, 10 000 und 20 000 RM. ausgefertigt.
Der Zinslauf der neuen Anleihe beginnt am 1. Juli 1934. Die Zinsen werden halbjährlich am 2. Januar und 1. Juli jedes Jahres gezahlt, erstmalig am 2. Januar 1935. Die erste Zusatzverzinsung wird mit dem am 1. Juli 1935 fälligen Zinsschein ausgeschüttet, lieber die Bezahlung der zugeteilten Stücke folgt noch nähere Mitteilung.
Ferner hat sich das Reichsfinanzministerium entschlossen, die Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reiches ohne Auslosungsrechte (Neubesitz) zum Umtausch in obige Anleihe anzunehmen, und zwar können getauscht werden je nom. 300 RM. Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reiches in 100 RM. 4°/o Anleihe von 1934 mit einer Barzuzahlung von 23.75 RM., so daß je 100 RM. Neubesitz zum Kurse von 23.75%) angerechnet werden. Nennbeträge der Anleiheablösungsschuld unter 300 RM. können nur börsenmäßig verwertet werden. Weitere Umtauschangebote für die Anleiheablösungsschuld sind ausgeschlossen. Anleihegläubiger, die ihren Besitz an Anleiheablösung'sschuld während der vorgesehenen Zeichnungsfrist nicht zum Umtausch anbieten, können Anspruch aus diesen Schuldverschreibungen nur gemäß § 4 des Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen vom 16. Juli 1925 geltend machen. Die Börsennotiz für die Anleiheablösungsschuld wird mit Ablauf der Umtauschfrist eingestellt werden.
so lange Deutschland nicht in der Lage ist, feinen Absatz im Auslande z u steigern, bleiben die Schwierigkeiten des Transfers und der Devisenlage bestehen. Andererseits ist es wichtig, daß die Berliner Konferenz in wochenlangen Beratungen Gelegenheit hatte, die gegen Deutschlands Zahlungspolitik erhobenen Angriffe zu prüfen und zu dem Ergebnis zu gelangen, daß alle dagegen im Ausland erhobenen Verdächtigungen haltlos feien. Die Wirtschaftslage ist gesund, lediglich die Schwierigkeiten des Transfers, also die Umwandlung von Mark in fremde Zahlungsmittel, hat diese Zwangslage geschaffen. Auch das von der fremden Konkurrenz oft angegriffene System des Zusatz-Ausfuhr-Verfahrens ist als nützlich für die Hebung des Exports anerkannt worden. — Deutschland hat durch sein Angebot den Beweis geliefert, daß es keine Störungen im internationalen Schuldenverkehr herbeiwünscht, es behält darüber hinaus die Hoffnung, daß die künftigen Entwicklungen weiter dazu dienen werden, den wirtschaftlichen Erkenntnissen nicht nur die Bahn zu öffnen, sondern daraus a u ch handelspolitische Entschlüsse zu zeitigen.
Aus aller Welt.
Ein Foxterrier und eine Ladung Flöhe
Eine Kopenhagener Flohzirkus waren die kleinen Hauptdarsteller ausgegangen. Ob sie nun „in den Sielen gestorben" waren oder sich vertragswidrig die Freiheit zurückerobert hatten, das ist schließlich gehupft wie gesprungen. Jedenfalls mußte der Flohzirkus für Ersatz sorgen und bestellte eine Serie wohlausgebildeter Flohartisten bei einer Bostoner Firma. Die kostbare Ladung mußte so schnell wie möglich befördert werden, gleichzeitig war auf möglichste Bequemlichkeit der Reisenden zu achten. Die Firma glaubte am sichersten zu gehen, wenn sie die ganze Gesellschaft der Obhut eines kleinen Foxterriers anvertraute. Um das Hündchen nickt unnötig zu quälen, durchkämmte man fein Fell mit Taubenblut. Damit wurde der Appetit der Flöhe vollkommen zufrieden gestellt. Nachdem man die Frage der Unterbringung also glücklich gelöst hatte, mußten sich die Beamten, die die Frachtkosten ausrechnen sollten, mit einem neuen Problem herumschlagen. Sollte man die Fracht auf den Hund oder auf die Flöhe legen? War der Terrier hier überhaupt als selbständiges Wesen aufzufassen oder nur als „Verpackung" für die Flöhe? Ratlos zerbrach man sich den Kopf, während das Hündchen, seine Untermieter nicht achtend, lustig herumsprang. Endlich, es war bereits höchste Zeit zum Versand, kam man zu dem Entschluß, die Fracht nur auf den Hund zu beziehen. Und das ist gut so, denn wie sollte man bei menschlichen Fahrgästen Vorgehen, die vielleicht ebenfalls ein paar Gäste dieser Art mit sich führen? Obwohl, dies sei den wackeren Beamten zum Trost gesagt, die Gattung Menschenfloh (pulex irritans) ja fast ausgestorben sein soll . . .
Der Medizinmann als Gangster.
Das amerikanische Beispiel des Verbrecherterrors scheint neuerdings sogar in Jnnerafrika Schule zu machen. So treibt seit Monaten im Kenia-Gebiet in Ostafrika eine schwarze „Gangsterbande" ihr Unwesen, d!.- um so gefährlicher ist, als sich ihre Macht auf die Glaubensvorstellungen der Eingeborenen stützt. Ihr Führer gilt als ein großer Medizinmann, der mit übernatürlichen Kräften ausgestattet ist, und die Angehörigen des Laibon-Stammes leisten ihm unbedingten Gehorsam. Als nämlich vor einem halben Jahrhundert eine Reihe von Medizinmännern der Laibons von den Massais getötet wurden, gelang es einem ihrer Zauberer zu entkommen und sich zu den Lumbwas durchzuschlagen. Lange horte man nichts mehr von ihm, bis sich ein Sohn dieses Medizinmannes an die Spitze einer Schar von Diehräubern und Mördern stellte und sich vor den Eingeborenen des Laibon-Stam- mes durch Zaubereien und Wundertaten als ein neuer großer Medizinmann auswies. Da die Eingeborenen glauben, daß sich die Zauberkräfte der Medizinmänner jeweils vom Vater auf die Sohne übertragen, so erkennen sie seine Macht an und leisten dem Führer der „Großen Acht", wie sich die Verbrecher nennen, bedingungslos Gefolgschaft. Er ordnet die Raubzüge an, teilt den Laibons ihre Aufgaben hierbei zu und verteilt auch einen Teil der Beute unter seine Mithelfer Wer als Verräter entlarvt wird, hat fein Leben verwirkt und wird unter feierlichen Zeremonien zu Tode gemartert. Da sich viele hundert Angehörige des Laibon- Stammes dem afrikanischen Gangster angeschlossen haben, ist es für die Behörden außerordentlich schwer, seiner habhaft zu werden und gegen ihn rücksichtslos vorzugehen, da sie die Glaubensvorstellungen der Eingeborenen nicht verletzen dürfen.
Eine solche Einmischung in ihre religiösen Bräuche könnte eine schwere Beunruhigung unter den verschiedenen Eingeborenen - Stämmen Hervorrufen, wodurch der Konflikt alsdann auf ein ganz anderes Gebiet als das der Derbrecherbekämpfung übergeleitet würde.
„Medizin" aus menschlichen Körperteilen! — Grauenhafte Tat in Natal.
In Natal wünschte ein eingeborener Häuptling „Medizin" aus menschlichen Körperteilen zu erhalten, um seine Macht zu vergrößern. Ein Eingeborener erklärte sich bereit, seinen kranken Sohn töten zu lassen und verkaufte ihn an den Häuptling für sechs Pfund Sterling und zehn Ochsen. Die Ermordung erfolgte nach einer Festlichkeit, die in allen Einzel- feiten vorbereitet war. Die Leiche wurde zerstückelt und zwei Medizinmänner nahmen verschiedene Körperteile in Besitz, um die „Medizin" herzustellen. Der Vater des Getöteten und weitere sechs Eingeborene sind jetzt vom Gericht wegen dieses Mordes zum Tode verurteilt worden.
Rekordflug des „Graf Zeppelin". — Europa-Post nach drei Tagen in Rio.
Nach Mitteilung der Deutschen Seewarte in Hamburg ist das Luftschiff „Graf Zeppelin", das am Dienstag um 11.40 Uhr MEZ. in Pernambuco gelandet war, am Mittwoch um 10.05 Uhr MEZ. zu feiner Weiterfahrt nach R i 0 de Janeiro gestartet und stand um 21.30 Uhr MEZ. 310 km südlich von Bahia. Die Strecke Friedrichshafen — Pernambuco hatte das Luftschiff in der erstaunlich kurzen Zeit von 63 Stunden und 10 Minuten zurückgelegt. Die Folge des Rekordfluges des „Graf Zeppelin" ist, daß die Europa-Post, die das Luftschiff mit sich führte, bereits 3 Tage nach seinem Abflug in die Hände der (Empfänger in Rio de Janeiro gelangt.
Ein Bergsteiger tödlich abgestürzt.
Am Pfingstmontag stürzte, wie aus Garmisch gemeldet wird, am „Großen Kirchturm" des Waxen- fteins der Münchener Bergsteiger Franz Vocks tödlich ab. Ein Kamerad, der gleichfalls abstürzte, blieb unverletzt. Die Leiche konnte in der Nacht geborgen werden. Sie wird nach Garmisch gebracht werden.
Wettervoraussage.
Der hohe Druck über Zentraleuropa macht seinen Einfluß weiterhin geltend und läßt bei vorlpiegend östlichen Winden das meist heitere und tagsüber sehr warme Wetter fortbestehen.
Aussichten für Freitag:Meist heiter, heiß und trocken.
Lufttemperaturen. Am 30. Mai, mittags 21,8 Grad Celsius; abends 13,6 Grad; am 31. Mai, morgens 12,5 Grad; Maximum 22,9 Grad, Minimum 8,1 Grad; Sonnenscheindauer 15 Stunden. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 30. Mai, abends 21,5 Grad; am 31. Mai, morgens 15,2 Grad
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 34: 11 200. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.
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