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Nr. 200 Erster Blatt

184- Jahrgang

Dienstag. 28. August 1954

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Italiens Politik im Oonauraum

o w j e t

Oer Handel um die Osichinabahn

Japan und die Mandschurei wollen die Verkaufsverhandlungen fortsehen.

Rom, Ende August.

Mit jener Offenheit, die der Starke sich erlauben darf, schrieb die römische Presse nach dem Abschluß des Dreierpaktes von Rom, daß es fortan keine österreichische oder ungarische Außen­politik mehr gebe, sondern nur noch eine gemeinsame. Den Nachsatz mit Augurenlächeln weg­zwinkernd, fragten damals böse Zungen, wer von den beiden Donaustaaten nun wohl Mandschukuo und wer Jehol sei. Die Kleine Entente wurde etwas nervös und Frankreich wußte nicht, ob es angesichts dieser japanischen Entwicklung Rußland oder England spielen solle. Italien aber erklärte, daß es nur vom reinsten Idealismus beseelt fei und nichts als den Frieden und die Wohlfahrt im Donauraum im Auge habe. Heute, nach dem öster­reichisch-italienischen Abkommen, schreibt die italie­nische Presse noch offener, daß Italien nun­mehr auch der militärische Garant

Saarländer!

30. August letzter Termin Eurer Meldung!

Höhe von 200 Millionen Schilling. Mit der letzten Anleihe von 300 Millionen sei schlecht gewirt­schaftet worden. Der Februar-Putsch habe allein 100 Millionen und der Juli-Putsch wahrscheinlich dieselbe Summe verschlungen. Falls eine neue An­leihe überhaupt in Frage komme, müsse sie mit ver­stärkten Garantien für die Unabhängigkeit Oester­reichs und einer klaren Rückkehr zu den Genfer Protokollen von 1922 verbunden

Berlin, 27. Aug. (DNB.) In der Reichs­kanzlei fand in feierlicher Form die Ver­eidigung der Beamten aufden Führer und Reichskanzler statt.

Der Staatssekretär der Reichskanzlei, Dr. Lam­mers, hielt eine Ansprache an die versammelten Beamten, in der er einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Berufsbeamtentums gab. Er führte u. a. aus, daß das Berufsbeamtentum bis zum Novemberverbrechen von 1918 immer eng ver­knüpft gewesen sei mit der politischen und geschichtlichen Entwicklung des deutschen Staates, daß der Beamte in einem un­löslichen Treue- und Gehormsamsver- hältnis zum Monarchen und damit zum Staate gestanden habe. Der ärgste Feind dieses engen persönlichen Bandes sei der Libe­ralismus gewesen. Mit seiner Betonung der völligen Freiheit des Individuums habe er ableh­nend gegenübergestanden der aus Unterordnung, Gehorsam und Treue bestehenden Lebensführung des Beamten. Im monarchischen Staat habe der Liberalismus den Beamten vom Monarchen zu trennen gesucht.

Im republikanischen Staate seit 1918 habe er die Beamten teils als fachlich ausge­bildete Handlanger, teils als partei­politische Dien st knechte benutzt. Wenn er auch in Erkenntnis der Unentbehrlichkeit des Berufsbeamtentums sich mit ihm versöhnt und es verfassungsrechtlich garantiert habe, so wisse doch jeder, wie wenig die wohlerworbenen Rechte der Beamten im Parteienstaat von Weimar bedeutet hätten. Diese Staatsform habe ein richtiges Treue- und Gehorsamkeitsverhältnis mit den Beamten überhaupt nicht Herstellen, ja gar nicht ertragen können. Die Treue wurdeder Reichsverfassung" schworen, einem Schema von Paragraphen, über dessen Beachtung sich die jeweiligen Machthaber beliebig und reichlich hinweggesetzt hätten.

Der nationalsozialistische Staat bejahe das Berufsbeamtentum als solches und strebe auch bewußt eine Stärkung des ge­reinigten Beamtentums an. Der seelen­lose Eid der Weimarer Reichsverfassung mußte in dem autoritären Führerstaat, unserer heutigen Staatsform, verschwinden und ersetzt werden durch einen Eid, in dem die persönliche Treue» und Gehorsamspflicht zum Führer des Deutschen Reiches und Volkes, zu

Anleihe gleichbedeutend sein mit der Vorbereitung jenes Krieges, den Mussolinivoraussage". Der Völkerbund könne nicht eine Politik unterstützen, die sich ohne feine Mitwirkung, ja gegen ihn und gegen den Völkerbundspakt vollziehe.

Oie Freigabe

des Habsburger Vermögens.

Das Verufsbeamtentum im neuen Reich.

Staatssekretär Lammers bei der Vereidigung der Beamten der Reichskanzlei.

verlassen, was in Moskau als Zusammenbruch der Verhandlungen betrachtet wurde. Weiter hat die Sowjetregierung die Verhaftung owjet» russischer Beamter an der chinesi chen Ost­bahn mit dem Mißlingen der mandschuri ch-sowjet- russich-japanischen Verhandlungen über den Ankauf der Bahn in Verbindung gebracht. Demgegenüber betont Japan, daß die Verhaftung von Sowjet­beamten von den mandschurischen Gerichtsbehörden angeordnet worden sei wegen Verletzung der' In­teressen der mandschurischen Regierung an der chine­sischen Ostbahn durch Ueberfälle, Sprengstoffan­schläge usw., die nicht das Geringste mit dem Miß­lingen der Verhandlungen zu tun haben.

unserem Führer und Reichskanzler Adolf Hit­ler zum Ausdruck kommt. In seiner Person sei die nationale Idee wieder verkörpert, und im Dienst für die nationale Idee liege allein die Existenzbe­rechtigung des deutschen Berussbeamtentums, liege auch seine historische Tradition. Selbstloser Dienst an der Nation habe das Berufsbeamtentum groß gemacht und ihm feine politische Bedeutung ver­liehen, nur selbstloser Dienst an der Nation könne ihm diese Bedeutung erhalten.

Hindenburg sollte als erster das Frontkämpferkreuz tragen.

DNB. Berlin, 27. August. Nachdem der in­zwischen verewigte Herr Reichspräsident und Generalfeldmarschall von Hindenburg durch Verordnung vom 13. Juli d. I. das Ehren- kreuz für Kriegsteilnehmer und für die Witwen und Eltern gefallener Kriegsteilnehmer gestiftet hatte, hatte der Herr Reichskanzler seinerzeit in Aussicht genommen, den Generalfeld­marschall als den ober st en Führer im Weltkriege zu bitten, als er st er das Ehrenkreuz anzulegen. Dadurch wäre der Auszeichnung, die für alle Zeiten ein stolzes Erin­nerungszeichen für die Streiter im Weltkriege, ihre Angehörigen und Nachkommen fein soll, d i e schön st e Weihe gegeben worden. Das in­zwischen eingetretene Hinscheiden des Herrn Feld­marschalls hat die Ausführung dieser Absicht ver­hindert. Entsprechend dem Wunsch des Führers und Reichskanzlers befand sich jedoch auf dem Or­denskissen, das bei der Beisetzung des ent­schlafenen Generalfeldmarschalls dem Sarge voran­getragen wurde, neben den übrigen Kriegsorden des Verblichenen auch das Frontkämpfer­kreuz.

Oer NS. Deutsche Frontkämpferbund auf dem Parteitag.

DNB. Berlin, 27. August. Das Presseamt des NSDFB. teilt mit: An dem Parteitag in Nürnberg ist der NSDFB. (Stahlhelm) am 9. September 19 3 4 mit seinen Landesführern, einer Fahnenabordnung und einer Ehren- abteilung von 12 0 0 Kameraden be­teiligt. Die Ehrenabteilung wird von den Landes­verbänden Hansa, Nordsee, Westfalen, Mitte, Badea und Württemberg gestellt.

Don unserem römischen E.-Korrespondenien.

posten hätte, würde schon auf die Gebiete deutscher Zunge, auf Südtirol und den strategisch nicht min­der wichtigen Landstrich südlich von Tarvis eine unheimliche Anziehungskraft ausüben. Der Drang zur Adria, nach Triest, wäre nicht aufzuhalten, und ein deutsches Triest würde die ganze ostpoli­tische Stellung Italiens zum Einsturz bringen. Ueberlegungen, die einem Italiener gegenüber mit Erfolg unmöglich bestritten werden können, denn hier spricht das mit Dernunftgründen nicht zu fas­sende Gefühl aus ihm, der Sicherheitsinstinkt. Er ist gerne bereit, dem ungefährlichen Oesterreich eine Freizone in Triest, Ungarn einen Freihafen in Siume einzurichten, niemals aber dürfte er nach seiner Rechnung der übermächtigen deutschen Wirtschaft die Hand bieten. Wir stoßen hier auf die gleichen Erwägungen, die schon zum Siechtum des Dreibundes und zum Anschluß an die Entente führten; um wie viel lebhafter müssen sie da heute sein, wo an Stelle der Doppelmonarchie eine Bresche zurückgeblieben ist, in die Italien hinein­stoßen muß, wenn es nicht den Erben des Doppel­adlers, den schon an sich recht unbequemen Adria­nachbaren Jugoslawien dazu reizen will. Ein.Schul- beispiel für die Zwangsläufigkeit geopolitischer Ent­wicklungen.

Akut wurde der Fall in dem Augenblick, wo sich in Rom die Ueberzeugung verbreitete, Deutschland versuche nach der Enttäuschung über die mangel­hafte Unterstützung Italiens in den großen Tages­fragen der europäischen Politik eine Annähe­rung an Belgrad. Damit war die Achilles­ferse der römischen Vertragspolitik getroffen. In unbebeuienben Äußerlichkeiten, wie der Deutsch­landfahrt serbischer Journalisten, erblickte man in Rom schon den Beweis einer groß angelegten Propaganda und sah das Drautal gefährdet. Wollte man den ganzen gegenwärtigen Wirbel um Oesterreich aus die kürzeste Formel bringen, so könnte man sie vielleicht folgendermaßen fassen: Man sagt Oe st erreich, meint aber d i e Karawanken. Um Frankreich nicht mit dem Ausschelten seines serbischen Schützlings vor den Kopf zu stoßen, wird das Pressefeuer auf Deutsch­land gelenkt. Ob das nun zutrifft oder nicht, jeden­falls war die Taktik richtig: die italienischen Divi­sionen konnten aufmarschieren, ohne daß sich Frank­reich oder der Völkerbund aufregen durften, denn es ging ja scheinbar nur gegen Deutschland.

Das Gebiet, um das es sich handelt, ist schon ein­mal von italienischen Truppen besetzt gewesen, kurz nach dem Weltkrieg, als die Kärtner das Drautal in den Abstimmungskämpfen verteidig­ten. Damals wurde es tatsächlich durch die italie­nischen Truppen für Oesterreich gerettet, und heute mehr noch als damals hat Italien Grund genug, es auch in seinem Interesse nicht in die Hand Jugoslawiens fallen zu lassen. Die Rechnung für Rom war also einfach: Sollte es zum Sieg der Nationalsozialisten in Oesterreich kommen, so konnte das die kleine Entente, vor allem Jugoslawien, zu einem Vorwand für den Einmarsch benützen; folg­lich müssen wir zuvor kommen.

Nun, nach der Unterstellung Oesterreichs unter die militärische Garantie Italiens, wird die Unbe­haglichkeit in Belgrad und Paris be­greiflich. Auch England, das vor zehn Jahren über die Beschießung Korfus und dieZupfropfung der adriatischen Flasche" die Stirne runzelte, das soeben sicherheitshalber doch lieber die Sprachen­frage auf Malta nicht nach den Wünschen Italiens regelte, hat beklemmende Ahnungen. Niemand aber in der Entente dürfte Italien einen Vorwurf machen, denn schließlich, was macht Mussolini an­ders als die andern, wenn er zuerst für seine Sicherheit" sorgt? Er hat wieder einmal bewiesen, daß er ein Römer ist. Bis aus weiteres ist die ita­lienische Vormachtstellung im Donauraum gegen Frankreich und die Kleine Entente gesichert. Und das war der Zweck der Hebung. ..

Den politischen Akademien bleibt es natürlich un­benommen, in ihrem Abscheu vor der rauhen Wirk- lichkeit den Sinn der Ereignisse irt dem Schutz der kleinen Staaten zu erblicken und, wie vor zwanzig Jahren über die Unabhängigkeit Belgiens, so heute über die Unabhängigkeit Oesterreichs ergreifend zu dozieren.

Wien bittet um internationale

Wirtschaftsbeihiife.

Der Völkerbund erwartet Garantien gegen ein italienisches Protektorat.

Wien, 27. Aug. (DNB.) Die Presse fährt fort, von den europäischen Mächten wirtschaftliche Hilfe zu verlangen. Unter der tteberfcljriftEm europäisches Interesse eine europäische TZerpsllch- tung" schreibt das christlich-sozialeNeuigkeitswelt- blatt": Es ist nicht einzusehen, warum Oester- reid) allein mit seinen beschränkten Kräften und Mitteln dem großen und reichen Europa immer und immer wieder Tribut zah 1 e n soll. Ist die Unabhängigkeit und Freiheit Oesterreichs den euro- päischen Staaten so viel wert, wie es die inter­nationale Oeffentlichkeit oft genug anerkannt hat, dann ist Europa zu kräftig em Dank Der» pflichtet, fo t)at es teilzunehmen an den L « st e n die in Oesterreich zu jener Kriegsbereit­schaft notwendig waren, die den Frieden sichern mußte. *

Das deutschfeindlicheJournal des Na- Hon" wendet sich scharf gegen eine von Oesterreich beabsichtigte neue Dölkerbundsanleihe tn

Berlin, 27. Aug. (DNB.) Nach den hier vor­liegenden Meldungen aus Moskau, Tschangtfchun (Mandschurei) und Tokio haben die Beteiligten an den Ostchinabahn-Verhandlungen Verlautbarungen über den Stand der Verkaufsverhandlungen ver­öffentlicht. e

In einer Erklärung des japanischen Außen­ministeriums heißt es, daß die mandschurische Re­gierung den von Sowjetrußland geforderten Preis von 2 5 0 Millionen Rubel abgelehnt und ihrerseits 50 Millionen Pen geboten habe. (1 Yen = 0,75 RM.) Später sei die mandschurische Regierung auf 110 Millionen hinaufge­gangen. Außerdem habe sie sich zur Zahlung verschiedener Verpflichtungen, insbesondere von Ent­schädigungen für die an der Bahn tätigen Sowjet- staatsangehörigen bereiterklärt. Die Sowjetreoie- rung habe die Vorschläge der mandschurischen Re­gierung abgelehnt. Der mandschurische Haupt­vertreter bei den Perhandlungen, Ochaschi, hat Tokio

Die japanische Regierung hat eine Vermitt­lung zwischen Mandschukuo und der Sowjetunion eingeleitet, um die Verhandlungen zu beschleunigen. Wenn die Sowjetregierung wirklich Interesse daran habe, sich mit Mandschukuo zu verständigen, müsse sie Maßnahmen zu schnellster Regelung der Ost- bahnfrage treffen. Auch die mandschurische Regierung betont, sie sei immer bestrebt gewe­sen, ein freundschaftliches Ueberein- kommen über die Ostbahn zu treffen. Die Verhaf­tung von Sowjetbeamten hätte nichts mit dem Miß­lingen der Verhandlungen zu tun. Der Regierung seien Mitteilungen zugegangen, daß gewisse Orga­nisationen beabsichtigen, Unruhen, Streiks usw. an der chinesischen Ostbahn hervorzurufen, um den mandschurischen Staat in eine politische und wirt' schaftliche Krise zu stürzen. Die Regierung habe sich bereiter Härt, 17 0 Millionen Y e n für die Ost- dahn zu zahlen und habe damit bewiesen, daß sie unter allen Umständen d i e Frage gütlich regeln möchte. Sie sei auch weiterhin bereit, mit der Sowjetunion zu verhandeln, wenn dieser wirk­lich an einer Verständigung gelegen sei.

Eine Mitteilung der Sowjetunion nimmt auf die genannten 170 Millionen Yen Bezug und |agt, daß diese Zahl sich durch die Zurechnung der 50MillionenYen Abfindung sgel- der ergebe, die den Sowjet- und mandschurischen 2lnge ft eilten der B a h n im Falle ihrer Ent­lassung zu zahlen seien. Derartige Ausgaben tonn­ten aber auf keinen Fall in den Preis für die Bahn einbezogen werden, da für die Entlassung aber Nichtentlassung der Angestellten nach dem Kauf der neue Eigentümer zuständig fei.

Oesterreichs sei und daß sich Oesterreich selber dieser militärischen Bürgschaft unterstellt habe. Die bösen Zungen warten jetzt nur noch auf die Inthro­nisierung des jungen Habsburgers, um ihr Man- dschukuobeispiel fortspinnen zu können.

Für das Weltspießertum braucht man aber noch einen Prügelknaben, und wer könnte das besser sein als der deutsche Michel? Nur Deutschland be­droht die Unabhängigkeit Oesterreichs, heißt es, und damit basta. Alle politischen Stammtische nehmen die Botschaft hin und trinken sich zu: jetzt ist der Friede gerettet. Wirklich alle? Als vor einigen Wochen Mussolini den Marschbefehl zur Grenze er­teilte und die italienische Presse plötzlich Deutschland so behandelte, wie es Frankreich seit vielen Jahren vergeblich ersehnt hatte, als Italien den Abfall von dem vermeintlichen Erstgeborenen des Faschismus vollzog und sogar gegen diesen Miß­ratenen, diesen eroberungssüchtigen Nationalsozialis­mus vom Leder zog, da schrieb ich wörtlich: Viel­leicht schlägt die Freude in Paris bald um. Einmal hat sich inzwischen der Mond gerundet und schon sind wir so weit. Es bedurfte kaum des vor­wurfsvollen Belgrader Augenausschlags, an der Seine kratzt man sich bedenklich hinter den Ohren. Wieso, tut jetzt die Boulevardpresse verärgert, wie­so kommt Italien dazu, sich zum Protektor eines unabhängigen Staates aufzuwerfen? Ist Oester­reich denn ein Tripolis oder Albanien? Was will Italien? Jugoslawien legt schon einen schar­fen Ton in die Frage. Pfeift der Wind daher? Die kleine Entente schaut nach dem Pulvervorrat. Still verhält sich nur der Prügelknabe, stiller, als es manchem lieb ist. Vielleicht wird rpan nun bald merken, daß es für die Unabhängigkeit eines Lan­des weit gefährlichere Dinge gibt als Flugblätter imb Papierböller. .

Wir wollen nun aber einmal auch die Dinge von Rom aus betrachten und gleichviel, wie man sich dazu in den angrenzenden Ländern stellen mag oder muß den italienischen Stand­punkt beleuchten. Mit dem scharfen Frontwechsel Italiens, der um so verblüffender wirken mußte, als er kurz nach den Tagen von Venedig erfolgte, hat auch das Bild der faschistischen Emh^spresse einen grundlegenden Wandel erfahren. Kein Wort mehr gegen Frankreich, kein Wort mehr für Deutschland. War bis gestern die Demokratie die Zielscheibe aller Zimmerschützen, so jetzt der Natio­nalsozialismus. Entsetzte man sich bisher über den österreichischen Galgen, so wird jetzt die tägliche Hängerei wie der tägliche Wetterbericht hingenom­men. Brachten die Zeitungen bisher Spalten über Spalten aus Deutschland, so nun über Oesterreich. Man könnte meinen, das nationalsozialistische Deutschland sei ein Zwergstaat, Oesterreich eine Großmacht geworden. Und diese Umwertung er­streckt sich auch auf das kulturelle Gebiet. So wird der deutsche Film, der vor einigen Monaten noch als Gipfelleistung gepriesen wurde, heute als lou- wütiger Hund bezeichnet (nicht etwa m neidischen Konkurrenzblättchen, sondern zum Beispiel im ojjp ziösen Giornale d'Jtalia). Kurz, man glaubt sich in die schönste Kriegszeit versetzt. Und der Harm­lose schüttelt den Kopf: Was ist denn nur los. Was soll das alles?

Nun, man muß vor allem bedenken, daß die italienische Presse nicht nurein Werkzeug in den Händen des Duce und für die Revolution" ist, wie sie sich selber voll Stolz nennt, sondern auch, wie Tanks und Bomber, eine Waffe, einen Teil des Heeres bildet. Sie marschiert, wie und wohin sie befohlen wird. Und da sie den Feind für den Schutzstaat Oesterreich in Deutschland zu sehen hat, kann ihr gewiß niemand Mangel an eifriger Pflichterfüllung vorwerfen. Die italienische Presse verteidigt damit nur, so fagt fu tue Helgen Prin­zipien des Friedens und der Unabhängigkeit Oester- ^Oesterreich muß als Pfufferstaat erhal- ten bleiben, kann man immer wieder Horen, Italien könnte den Druck eines Fünfundsiebzigmil- lionenvolkes nicht ertragen. Ein Deutsches Reich das heute am Brenner und am Kanaltal feine Bor-

Wien, 27. Aug. (DNB.) Wie verlautet, rechnet man in legitimistischen Kreisen mit einer baldigen Lösung der Frage des in Oesterreich beschlagnahmten habsburgischen Vermögens. Man weist darauf hin, daß schon vor Monaten der Septembertermin dafür in Aussicht genommen worden sei. Verstärkt werden diese Vermutungen durch Äußerungen des Außen­ministers Berger-Waldenegg, der am Sonntag in einer Rede erklärte, er betrachte sich

sein. In dem ganzen Artikel des der kleinen En­tente nahestehenden Blattes spielt die Furchtvor einem einseitigen Einfluß Italiens.....-o ... ------ - - - - . -

in Oesterreich offensichtlich die Hauptrolle. Wenn «noch an den Eid, den er dem Kaiser ge- sich eine Politik fortsetze, die das österreichische Pro- geben habe, gebunden. Er werde nicht ruhen blem immer mehr dem dafür vorantwortlichen Böl- und rasten, bis das den Habsburgern angetane Un­terband entreiße, so könnte die Gewährung dieser!recht wieder gutgemacht worden sei.