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Oie 53 Hauptversammlung des W in Gedern

rl. Gedern, 27. Mai. Zur 53. Hauptversamm­lung des VHC. trafen schon am Samstagnachmittag gegen 100 Wanderschwestern und -brüder teils mit der Bahn, teils zu Fuß, in unserem festlich ge­schmückten Städtchen ein. Der Auftakt zur großen Tagung war die von etwa 50 Vertretern der Zweig­vereine besuchte

Beiratssitzung

hn Saale des Bergwirtshauses. Der Führer des Gesamtvereins, Dr. Bruchhäuser, eröffnete um 16.15 Uhr die etwa dreistündigen Beratungen. Ein­gehend wurde besprochen, daß und wie überall die noch bestehenden kleineren Wanderoereine in die in ihrem Heimatgebiet bestehenden großen Wander­bünde einzugliedern seien. Vereine, die sich dem widersetzen, müssen das WortWander" aus ihrem Namen streichen. Die Bünde dürfen dabei keinem Wanderverein die Aufnahme verweigern, was für politische Ziele er früher auch verfolgt haben mag (z. B. ,,Naturfreunde"-Vereinigungen).

Jeder Wanüerverein hat nach Anweisung des Reichssportführers als Sportverein zu gelten. Da nach einer neuerlichen Verordnung alle Beamten auch einem Sportverein angehoren müssen, muß in den nächsten Tagen in allen Zweigvereinen eine rege Mitgliederwerbung unter den Beamten ein­setzen.

Auf Anfrage eines Zweigvereins wurde das Ver­hältnis unserer Wandervereine zur Hitlerjugend erörtert.

Jugendgruppen gründen die TVanderbünde nicht.

Es ist aber damit nicht gesagt, daß sie Jugendarbeit und Jugendpflege nicht betreiben wollen und daß unsere auch von uns gewollte Staatsjugend nicht auch mit uns arbeiten soll. Es wäre schade, wenn unsere Ideale nicht auf die Jugend vererbt würden.

Den Anträgen auf Aenderuna des Kopfaufdrucks unseres MonatsblattesDer Vogelsberg" wurde stattgegeben. In Zukunft wird der Untertitel lau­tenBlätter für Heimat und Wandern". Die Zeit­schrift soll noch mehr bebildert werden.

Der Bundesführer ordnete in Verfolg eines An­trags

eine einheitliche Danderbewerlung

im Gesamtoerein an. Für langjährige Mitglied­schaft (50-, 40= und 25jährige) sind besondere Ehren­zeichen geschaffen worden.

Der wichtigste Antrag (Soden-Salmünster), den Namen des Vereins zu ändern, der sich insbeson­dere gegen das WortKlub" richtete, fand keinen Anklang. Der Name bleibt in Ehrfurcht vor der 52- jährigen Ueberlieferung erhalten.

VHC.-Bruder Dem berichtete über das Er­gebnis der Fahnenspende, das es noch ermöglicht, Flaggen und Flaggenmasten für die Klubhäuser anzüschaffen. Auch über Notwendigkeiten, die sich aus dem Besitze der übrigen Häuser und des Bis­marckturms für den Verein ergeben, sprach er ein­gehend.

Dr. B r u ch h ä u s e r gab

Richtlinien für die Beschaffung einer einheil, lichen Wanderklufl der Zweigvereine.

Es gilt für jeden sich eine Eigenart in dieser Sache zu schaffen.

Mit der deutschen Wandertagung in Plauen im September d. I. wird eine Schau deutscher Land­schaftseigenart verbunden sein. Lauterbach wird mit Töpfereien, Alsfeld mit Trachten, Schotten mit Drucksachen vertreten sein. Wer macht noch mit?

Für die nächste Hauptversammlung kommen die Orte Lich oder Grünberg in Frage. Der Zweigverein Lich will damit sein 50. Stiftungs­fest verbinden. Die Frage wurde soweit geklärt, daß die Hauptversammlung sie rasch entscheiden kann. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurde die Sitzung in der üblichen Weise um 19 Uhr geschlossen.

Oer Begrüßungsabend.

Die lange blumen- und fahnengeschmückte Turn­halle war dicht besetzt. Am Führer- und Gästetisch sah man neben den Mitgliedern des Vorstandes auch schon den Führer der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Werner, den Gauführer des Reichsbundes Volkstum und Heimat, Ministerialrat Rings- hausen, sowie den Vertreter der Kreisleitung Schotten, Ortsgruppenleiter Klein und den Bür­germeister Beyer von Gedern. Aus allen wan­derfrischen Gesichtern leuchtete echte VHC.-Stim- mung und gab ein gutes Vorzeichen für das Ge­lingen des Abends. Nach einem flotten Eröffnüngs- marsch der Kapelle des Sturmbannes IV/466 be­grüßte der Bundesführer, Dr. B r u ch h ä u s e r, die stattliche Versammlung und schloß mit einemSieg- Heil" auf den Führer, dem das Horst-Wessel-Lied folgte. VHC.-Schwester Anna Hofmann sprach den frisch-fröhlichen VovspruchDir meinem Vogels­berg", der Gederner VHC.-Chor sang das Lied vom Wandern und ein Morgenständchen und unsere flei­ßige VHC.-Schwester Euler, die Sammlerin vie­ler alter vberhessischen Volkstänze, führte mit ihrer Mädchengruppe eine ganze Anzahl solcher schon fast verschollener Heimattänze vor. Inzwischen war un­ser oberhessischer Heimatdichter Georg Heß im Saale entdeckt und mit großer Freude begrüßt worden. Er trug wieder in bekannter Weise außer­ordentlich zur Verschönerung des Abends bei. Das tat auch der Gesangverein Liederkranz (Ge­dern) mit seinen LiedernWach auf du deutsches Land",Dir meinem Vogelsberg" undAde zur guten Nacht". In dem schön gespielten Liederspiel aus dem Odenwälder Volksleben von Buxbaum Der Krischdernchesbaam" kam so recht die alte deutsche Baumfreude und Ehrung zum Ausdruck. Musikvorträge und Mundartgedichte er­

höhten immer mehr die fröhliche Stimmung, die. einen besonderen Höhepunkt erstieg in dem wunder­bar zur Kapelle gesungenen StraußwalzerAn der schönen blauen Donau" des VHC.-Chors Gedern. An dieser Stelle mußte die an sich schon bedeutende und besonders begrüßte Ansprache des VHC.- Bruders und -Wanderführers

Prof. Or. Werner

zu ungemeiner Wirkung kommen. Er dankte den Gedernern für diesen prächtigen Abend und stellte fest, daß er zu den schönsten Veranstaltungen des VHC. gehöre. (Nicht nur Euer Lied war schön, Ihr habt's auch schön gesungen; es geht nichts über Gedern! Frischauf Eurer Arbeit!")

Bürgermeister Beyer

wies in seiner Ansprache darauf hin, daß diese Tagung des VHC. eine besondere Note hätte durch die Anwesenheit der beiden höheren Führer, daß sie in Rückblick und Ausschau Kraft für weitere Arbeit an der Heimatidee gebe, damit recht bald die Scharte wieder ausgewetzt wurde, die die ver­gangene liberalistische Zeit unserem Volkstum zu­gefügt habe.

BHE.-Bruder Scriba

sprach über die schöne Eigenart unserer Dogelsberg- natur,. die wir uns immer mehr zu erwandern hätten und Ortsgruppenleiter Klein - Gedern gab seiner Freude darüber Ausdruck, wie sehr es doch auch durch die Arbeit der Wandervereine im früher so verjudeten Gedern nun anders geworden. Georg Heß erfreute uns noch mit seinerReise durch den Odenwald".

Der Gesangverein Liederkranz sangAde zur guten Nacht", die Kapelle spielte den Schlußmarsch und doch blieb die in Freude eins gewordene Ge­sellschaft noch viele Tanzweisen lang zusammen.

Oie Arbeitstagung.

Der Bundesführer Dr. Bruchhäuser eröffnete sie um 9.15 Uhr und teilte mit, daß VHC.-Bruder Ministerialrat R i n g s h a u s e n vor Eintritt in die Tagesordnung zu sprechen wünsche, da er noch einer Verpflichtung in Darmstadt nachzukommen habe.

Ministerialrat Wngshau en

mit großem Beifall begrüßt, sprach in bekamt mar­kiger Weise über den VHC. als Heimatverein, der früher hier am Ort nur so geduldet von den maß­geblichen mchtarischen Machthabern seine stille ^Ar­beit schaffte, heute aber von jeder Regierungsseite bewußt gefördert und gestärkt werde; denn

es sei doch die heiligste Aufgabe, ein Volk zu erziehen, das sich seiner Art und Kraft bewußt sei und nicht nur geduldet, sondern trotzig und stark einhergehe seinen blutbestimmten Zielen zu;

als freie und aufrechte Menschen wollen und sollen wir von nun an über unsere eigne Scholle wan­dern und Kraft aus ihr holen, mit der wir sie dann gegen alle Fährlichkeiten verteidigen können. Da sind noch so andere Vereinigungen wie die Sänger, die Sportler und Turner, die mit zum gleichen Ziele streben; was sie in ihrer deutschen Seele tiesinnerlich bewegt, dem ge­geben sie Ausdruck, jeder auf seine Art, damit huldigen sie alle dem Heimatgedanken und der tiefen sittlichen Verbundenheit von Heimatscholle und Mensch und stellen sich alle in den Dienst des eigenen Volkes. So hohe Gedanken sind's, dem wir VHCer dienen! Wir bilden mit jenen und dem Reichsbund Volkstum und Heimat eine starke Front des Heimatgedankens und betreuen mit, was das Volk geschaffen, was es bewegt, wie es spricht und

sich zeigt in Freud und Leid, wie es singt und sagt ... kurz das Volk in seiner Ganzheit. Wir machen die tiefsten Quellen seines Innenlebens wieder le­bendig. Dgs Wort Heimat ist i m m e r Parole! Wir wandern! Ist das eine Sache unserer Beine? Nein! Sache der Seele und des Gemüts! Nicht um Spitzen­leistung, wir wandern um seiner selbst willen. Un­sere Ziele sind nicht Wirtshäuser, der Zweck liegt unterwegs in der Wanderung, im Durchwandern, Durchleben von Wäldern, Feldern, Wiesen und Triften.

Unsere herzen schlagen höher, wenn wir beden­ken, daß über diese höhen unsere Vorfahren gewandert sind, daß sie hier lebten und liebten und wir fühlen uns innerlichst verbunden mit ihnen. Wir erkennen: was du hier tust, ist heilig als Verbundenheit mit den Vätern und Aufgabe.

So sollst du auch die Herzen deiner Jugend erziehen, damit der Gleichklana bleibt durch Tausende von Ge­schlechtern hindurch. Also nicht nur anuns erleben, nein, heilige Aufgabe ist, di e s e n Pulsschlag auch anderen mitzuteilen. Uns betrachten wir als Kern, von dem die Kraftströme ausgehen. Wir wollen Sänger unserer Heimat werden, für un­sere Zeit und die kommenden Jahrhunderte. Kel­ler, Jahn, Arndt sind wanderfrohe Menschen gewesen, haben alle die Aufgabe gelöst, sie wurden Sänger ihrer Heimat. Das sollen wir auch, immer unserem Erleben freudigen Ausdruck geben. Nicht als Wissenschaftlicher gehen wir hinaus, nein wie Thoma und Löns und geben so mehr als 1000 Wissenschaftler. So den Gedanken auch in unsere Jugend verankern!

Was von Amts wegen geschehen kann, geschieht aber immer, sollt ihr von euch aus auch den An­griff auf Elternhaus und Schule machen. Der Quell­born von Heimat, Blut und Scholle soll wieder spru­deln wie nie zuvor, jetzt, wo wir endlich wieder ein Vaterland beschert bekommen haben.

Rur der hat ein Vaterland, der sich zur Heimat bekennt, ein anderer kann es uns niemals weis- machen, daß er national ist.

Wir erstreben zu diesem Ziel den Zusammenklang aller Vereinigungen! Das muß stärker in Erschein nung treten. Innige Zusammenarbeit stärkt die Fronten. Die kleinen Flämmchen werden eine gewal­tige Flamme werden und das Volk mitgerissen! Alle Schwierigkeiten, auch die finanzieller Art, müssen überwunden werden. Niemand darf sich abkapseln. Du mußt die Heimat lieben wie du deine Mutter liebst, die dir Blut und Leben gibt. Dann wird ein Volk, trotzig und stark, bis in die Ewigkeit gebaut! In diesem Sinne wollet Geist und Gedanken der Versammlung verbinden und Kraft entfalten, daß Deutschland unbesiegbar bleibt in ewige Zeiten! (Großer Beifall!)

lieber den weiteren Verlauf der Tagung berichten wir noch.

Kreis Büdingen.

x Nidda, 27. Mai. In erfreulicher Weise hot man endlich im Februar und März d. I. durch Zwangsmaßnahmen die Obstbäume hiesiger Ge­markung einer gründlichen Durchlichtung unter­worfen. Aengstliche Gemüter sahen dies mit großer Sorge. Wenn auch der eine oder andere Baum, namentlich zu Beginn der Arbeiten, hart mitge­nommen wurde, so vernimmt man doch jetzt allge­meine Zufriedenheit über die Vorschrift. Inzwischen wurde auch eine mehrmalige sachgemäße Be­spritzung oorgenommen. Da aber ein allgemeiner Zwang hierzu leider nicht besteht, so dürfte der Endzweck, durch weitgehende Vernichtung der Schädlinge viel marktfähiges Obst zu erzeugen, noch nicht ganz erreicht werden. Neuerdings tritt die Blutlaus in der ganzen Gemarkung in äußerst starkem Maße auf. Leider sind viele Baumbesitzer gegen diesen äußerst gefährlichen Schädling gleich­gültig. Infolge des teilweise strengen Frostes im vergangenen Winter ist der diesjährige Weizen in vielen Fällen außerordentlich gelichtet. Die ver­schiedensten Unkräuter haben sich stark entwickelt.

Wettervoraussage.

Während ii! Nord- und Süddeutschland durch die Ausläufer der Finnlandstörung verbreitete Regen­fälle niedergingen, hat sich bei uns der hohe Druck weiter durchgesetzt. Im allgemeinen fließt aber jetzt wärmere Luft zu, so daß die seitherigen annormal tiefen Temperaturen zum Ansteigen gebracht wer­den. Im Grenzgebiet zwischen hohem und tiefem Druck wird sich bei uns das Wetter bei vorwiegend ozeanischer Luftzufuhr wechselhaft gestalten, stellen­weise ist sogar mit etwas Regen zu rechnen. Im großen ganzen wird aber der Witterungscharakter freundlich sein.

Aussichten für Dienstag: Wechselnd- wolkig mit Aufheiterung, etwas wärmer, stellen­weise auch Neigung zu Niederschlägen.

Aussichten für Mittwoch: Etwas wech­selhaftes, im ganzen oder freundliches und mildes Wetter.

Lufttemperaturen. Am 27. Mai, mittags 12,2 Grad Celsius, abends 11 Grad; am 28. Mai, morgens: 10,7 Grad; Maximum 13,9, Grad Minimum 7,6 Sonnenscheindauer 6 Stunden. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: Am 27. Mai, abends 16,4 Grad; am 28. Mai, morgens 14 Grad Celsius.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 34: 11200. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.

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