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Sam$tag,26.M 1954
Nr.120 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Masaryks Wiederwahl
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das Kind bis zum Schulalter, es spielt und stählt seinen Körper aus eigenem Antrieb heraus. Hier genügt es, ihm die Bedingungen zu schaffen durch Wohnung und Spielplätze. Anders wird es schon in der Schulzeit. Die Schulpflicht, die Be»
Präsident Masaryk (links) und Ministerpräsident Malypetr auf der Fahrt von dec Prager Burg zum Rathaus.
Die nationalsozialistische Weltanschauung hat den Begriff des Volkes in besonderer Weise vertieft und veredelt. Das Volk ist nicht die Summe der Staatsbürger des Landes, wie es der oberflächlich patriotischen Auffassung eines wilhelminischen Zeitalters schien, sondern das Volk ist die rassische und damit im Zusammenhang stehende kulturelle, geistige und seelische Gemeinschaft, deren äußerer Ausdruck erst die staatliche Verbundenheit ist.
Die biologische Aufgabe des Staates zerfällt in zwei Gebiete: die Erbgesundheitspflege und die Anlageförderung. Diese hat das Ziel, die Leistungsfähigkeit der einzelnen Volksgenossen in jeder Generation auf die größtmöglichste Höhe zu bringen. Die Entwicklung der Völker zur Höherwertigkeit ausschließlich durch Besserung der Umwelteinflüsse und gute Erziehung zu erstreben und zu glauben, daß dies genüge, um eine Wert- "steigerung der Völker zu erzielen, ist eine Irrlehre. Nicht die U m w e l t t h e o r i e der französischen Revolution hat recht, sondern nur bewußte Rassenpflege kann die Steigerung der Leistungsfähigkeit und Wertigkeit der kommenden Generationen herbeiführen. Wir können also den unbegründeten Optimismus nicht teilen, daß erzieherische Einflüsse bewußte Erbgesundheitspflege ersetzen können.
Trotzdem ist die L e i st u n g s st e i g e r u n g der heute lebenden Generation von größter Bedeutung. Die Erdgebundenheit der Fähigkeiten des einzelnen Menschen ist nicht so zu verstehen, daß es keiner Arbeit und Mühe bedürfe, um gute Anlagen zu entwickeln: sie ist nicht so zu verstehen, daß man glauben dürfte, gute Anlagen entwickelten
Der Diamond-Berg auf H a w a i wird zur stärksten Festung der Welt ausgebaut. Hier werden Kasematten geschaffen, in denen 10 000 Mann bombensicher untergebracht werden können. Von dem Kommandostand aus, der in dem Gipfel des Diamond-Berges eingerichtet wird können Minenfelder vor der Küste auf elektrischem Wege zur Explosion gebracht werden. Die Annäherung an die Insel wird durch deren Bestückung mit schwerster Artillerie so gut wie unmöglich gemacht.
Ein Hoheitsabzeichen wurde in Form einer Anstecknadel für Soldaten und Beamte der Reichswehr in Zivil geschaffen. Die Angehörigen des Reichsheeres tragen das Abzeichen in Silber, die der Marine in Gold.
wieder einpacken wollte, nachdem er sich dem stillen Genuß des ungestörten Betrachtens hingegeben hatte, entdeckte er auf dem Grude des Rucksacks noch ein Fernrohr. Er konnte sich nicht erinnern, wo er es gekauft hatte, er hatte es auch bestimmt noch nicht näher angesehen oder gar seine Brauchbarkeit geprüft. Es war aus Silber und hatte vergilbte Elfenbeinringe, in den Silberhälsen waren kunstvolle Ziselierungen und arabische Schriftzeichen. Bing putzte es ein wenig, bis das matte Silber glänzte, dann nahm er es in beide Hände und hielt' es vors rechte Auge, während er das linke zukniff.
Zuerst konnte er gar nichts sehen, es mußte wohl verstaubt und ganz blind sein. Aber als er das vorderste dünnste Rohr etwas drehte, erblickte er den See vor sich und am gegenüberliegenden Ufer einige Gestalten. Er stellte es etwas schärfer ein, und nun sah er, daß es junge badende Frauen waren. Er war sehr verwundert, denn er hatte bisher niemand an dem stillen See bemerkt. Er betrachtete die badenden Frauen noch eine. Weile, die gar nichts von seiner Anwesenheit zu wissen schienen, denn er sah ihre reizvollen, schlanken Gestalten, wie sie sich einem fremden Zuschauer wohl kaum dar- geboten hätten. Aber als er sie mit dem optischen Auge noch näher heranholen wollte, um sich an der Schönheit ihrer schlanken Glieder zu erfreuen, waren sie urplötzlich verschwunden und mit ihnen der See, er sah jetzt in einen großen, tiefen Stein- bruch hinab, winzige Männer schoben in der Tiefe auf schmalen Gleisen mit Basaltblöcken beladene Rollwagen —, da setzte Bing entsetzt das Fernrohr
ab. . . ,
Der See lag vor seinem bloßen Auge wieder |o ruhig wie zuvor, am Ufer waren keine schlanken, badenden Frauen mehr, eine Taucherente schwamm in der Mitte, tauchte unter und erschien wieder, schwarz und klein auf der Wasserfläche. Ich habe geträumt, dachte Bing, aber ich kann mich doch noch auf meine Nerven verlassen. Cr nahm das Fernrohr wieder fest in die Hande, an dem er nichts verschoben hatte, und hielt es wie vorhin vors rechte Auge, wobei er das linke zukniff. Aber wiederum sah er in den tiefen Stein» bruch hinab, die winzigen Männer liefen letzt alle auf eine kleine Schlucht zu und dann loste sich unhörbar ein haushohes Stück der Basaltwand und brach unter Staubwolken und mit Geröll in die Tiefe des Steinbruchs hinunter. Jetzt überlief es Bing kalt. Er wußte sofort und ohne Täuschung, was das. war. Er konnte durch das silberne Fern- rohr in die Vergangenheit sehen.
Ein Gefühl von Schauder und Furcht hielt ihn
Körperliche Erziehung als biologische Aufgabe -es Staates
Von Staatsrat Dr. med. £. Conti
sich auch unter den ungünstigsten Lebensbedingungen, und bei Anlagefehlern fei unter keinen Umständen aus einem Menschen etwas herauszuholen. Außer in krassen Fällen erblicher Minderwertigkeit gilt jedoch der Grundsatz, daß die Entwicklungsmöglichkeit nach oben und nach unter zwar durch Erbanlagen begrenzt, aber ein Spielraum der Entwicklung geblieben ist. Diesen Spielraum gilt es auszünutzen und nach Möglichkeit die obere Grenze zu erreichen. Gute Erbanlagen könnten sonst verkümmern und nicht zur Entwicklung, kommen, schlechte gefördert werden.
Das Ziel unserer Erziehung ist der deutsche Mensch, der im Bewußtsein seiner Verpflichtung für das Volksaanze und in der Freude am eigenen Können feine Leistungen so weit entwickelt hat, wie es seine Anlagen gestatten. Wir haben uns hierbei von der einseitigen Ueberbewertung der formalen geistigen Bildung abgewendet. An erste Stelle setzen wir in der Bewertung den Charakter. Der Charakter, der Wille zum Guten, gibt den geistigen und körperlichen Fähigkeiten erst ihren Wert' Nichts nützt das beste Können, gleich auf welchem Gebiete, wenn es nicht zum Segen des Volksganzen verwendet wird. Nicht viel nützen guter Wille und intellektuelle Fähigkeiten, wenn nicht die Kraft dahinter steht, aus der die Tat entspringt. Geistiges und körperliches Können gilt es dazu in gleicher Weise zu entwickeln. In früherer Zeit ist die körperliche Erziehung vielfach bewußt und mit Absicht als nebensächlich abgetan und vernachlässigt worden; sie wurde der Initiative des Einzelnen überlassen, vielfach sogar staatlich eher behindert als gefördert.
Die Anforderungen des kulturellen und zivilifa-
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Der verwaiste Lehrstuhl für Musik an der Universität Frankfurt wird wie im vergangenen Wintersemester so auch im gegenwärtigen Sommersemester von Professor Dr. Rudolf Gerber von der Universität Gießen vertretungsweise versehen.
Der außerordentliche Professor Dr. Karl H e y - land an der Universität Gießen ist mit der Vertretung des Beamtenrechts und des Rechts der Selbstverwaltung an der Universität Frankfurt vom SS. 1934 ab beauftragt worden.
Der außerordentliche Professor Dr. Schubert an der Marburger Klinik und Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten ist stellvertretend mit der Wahrnehmung der Professur für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Frankfurt a. M. be- auftragt worden. Gleichzeitig ist ihm von der Stadt Frankfurt vertretungsweise die Leitung der Hautklinik übertragen worden.
Der nach Heidelberg berufene Professor Dr. Ernst K r i e ck gibt seine Frankfurter Lehrtätigkeit nicht auf. Er wird im laufenden Semester an der Universität Frankfurt die Philosophie und Pädagogik vertreten.
An der Frankfurter Universität ist der ordentliche Professor für das Fach der physikalischen Grundlagen der Medizin Dr. Friedrich Des« jauer auf Grund des § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt worden.
mit einem Male Eile zu haben, nichts von der seltsamen Schau zu verlieren. Er drehte wieder an den ausgezogenen Rohren, und plötzlich war auch der tiefe Steinbruch verschwunden, eine weite Wiese mit blühenden Apfelbäumen vor einem weißen Häuschen breitete sich vor seinem Blick aus, ein Trupp Husaren ritt über den Feldweg an den blühenden Bäumen vorüber, und als sie entschwunden waren, trat aus dem Häuschen ein alter, grauhaariger Mann und winkte ihnen mit seinem bestickten Käppchen lange nach. Bing drehte weiter an den silbernen Rohren, Wiese, Bäume und das Häuschen mit dem winkenden alten Mann verwehten undeutlich, und er sah jetzt auf einen dunklen Waldsaum von hohen, alten Föhren.
Der Waldrand schien nur wenige Schritte von ihm entfernt. Zwischen den düsteren Stämmen erschien der Kopf eines Pferdes, das Pferd trabte langsam heraus und trug auf seinem Rücken eine hohe, aufrechte Frauengestalt. Die Reiterin zügelte das Pferd und sah zu Bing nieder. Dieser erschrak vor dem Ausdruck einer niegesehenen, erhabenen Schönheit, es war ein Glanz, eine Reinheit und ein unirdischer Liebreiz in dem stillen, ernsten, edlen Gesicht der jungen Frau, daß es ihm den Atem benahm und ihm fast die Sinne schwanden. Das Unerwartete, Unfaßbare geschah. Die Reiterin blickte ihm in die Augen und lächelte ihn an. Es war das süßeste Lächeln, das Bing je getroffen hatte, und es traf ihn so sehr, daß er zitterte und in einem sengenden Glutwind zu vergehen glaubte. Jetzt hob die Reiterin die schlanke, blasse Hand und winkte ihn zu sich heran. Mit dieser Gebärde war er schon reich beschenkt und fühlte Seligkeit und unausdenkbares Gewähren, wie sollte er die Kraft finden, sich vom Boden zu erheben und ihr zu folgen. Da winkte sie noch einmal, leise, fast wehmutig lächelnd, und wendete den Rappen, und Bing sah sie still in den Wald reiten, er sah die Königinnenschulter und stand schon auf, ihr zu folgen und sie einzuholen unter den dunklen Föhren, fein Herz brannte in taufend verzehrenden Liebesfeuern, fein Mund war trocken und seine Pulse schlugen wild, er war verzaubert und tödlich getroffen, er gab nicht mehr acht auf seine Schritte, und dann stolperte er und stürzte und fiel, und das war der erste Laut, den er hörte, das erste Geräusch feit der Stille des magischen Panoramas, mit einem platschenden Aulklatschen in den schon abendkühlen, stillen See. Das silberne Fernrohr entfiel feinen Händen und sank in den tiefen See hinab. Bing war mit einigen Schwimmstößen wieder am Ufer und zog sich ernüchtert und mit triefenden Kleidern ans Land. Eine Weile faß er sinnend da und starrte auf den verblüffenden See, der fremden Reiterin gedenkend, die er nun nie mehr
Das silberne Kernrohr.
Von Ernst Kreuder.
Bing, ein Mann, der viel gereift war und etwas von der Welt gesehen hatte, mußte sich eines Tages eingestehen, daß er die nähere Umgebung seines Heimatlandes nicht kannte. Er schloß sein Haus am Bodensee zu und trat mit einem Ruckjack seine Wanderung durch Süddeutschland an.
In seinem Rucksack hatte sich ursprünglich nur etwas Wäsche und ein Schlafsack befunden. Als er jedoch den Main bei Würzburg erreichte, war der Rucksack mit allerlei alten Figuren, Heiligenbi dern, . .Wachsmadonnen, Mineralien und sonderbaren Trödlerwaren angefüllt. Er war indessen kein Sammler, er behielt diese unterwegs erworbenen 'Dinge nie lange und verschenkte sie stets wieder an Freunde. Es genügte ihm, daß sie vorübergehend in seinem Besitz gewesen waren und ihren Zauber auf ihn ausgeübt hatten.
Ding war mit seiner Wanderung sehr zufrieden Er legte die meisten Strecken zu Fuß zuruck und nur an Regentagen fuhr er Zuweilen em Stuck mit der Bahn. Die heimatliche Landschaft, die er nur von früheren Reisen flüchtig kannte, enthuMe ihm auf seinen geduldigen Wanderungen ihren unbeschreiblichen Zauber. Er fand sie wohl manchmal sonderbar weich und idyllisch, lu chst un
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torischen Lebens, die Arbeitsteilungen im Verlaufe der industriellen Entwicklung Deutschlands, die Verstädterung, die Anforderungen, die zur Berufsvor- oildung an das Kind und den Jugendlichen schon gestellt werden müssen, sind alles Momente, die eine freie Entfaltung des an sich jedem gefunden Menschen innewohnenden Wunsches, sich auch in körperlicher Betätigung zur Leistungsfähigkeit zu entwickeln, hemmen. In vergangenen Zeiten und auch heute noch für einzelne Berufe mag es gelten, daß man die körperliche Entwicklung einfach dem Lebenskämpfe an sich überlassen kann. Das war in Zeiten primitiver menschlicher Gesellschaftsordnung sicherlich der Fall. Unter den heutigen Verhältnissen aber ist eine bewußte Beobachtung der Umwelt-Faktoren und bewußte körperliche Erziehung als Aufgabe des Staates notwendig.
Als erste Vorbedingung des Erfolges hierzu nenne ich die Wiederherstellung möglichst enger Verbundenheit mit der Natur, Luft, Sonne und Wasser. Gerade aber hier liegen die größten Schwierigkeiten, nachdem Zweidrittel des deutschen Volkes ihr Leben in den Städten verbringen, vielfach zu einseitigen Lebenshaltungen in der Berufsausbildung, zu einseitiger Betätigung in den Berufen, zum ständigen Aufenthalt in geschlossenen Räumen gezwungen. Selbst wenn der Großstädter sich aus der Wohnung oder dem Arbeitsraum herausbegibt, so befindet er sich eigentlich immer noch nicht in der Natur, selbst in den Anlagen, denn die Dunsthaube der Großstadt verändert sogar das Sonnenlicht, das zu ihm bringt.
Die Auflockerung der Großstadt, das Einstreuen von Grünflächen und Spielplätzen ist gut und wichtig, aber noch nicht genügend. Die Wanderbewegung und das Wasserwandern sind aus dem Empfinden der Jugend heraus heute zur Volksbewegung geworden.
Am wenigsten bewußte Förderung der körperlichen Erziehung benötigt das Kleinkind und
einholen würde. Dann stand er auf und trug trorf- nes Astwerk zusammen, entfachte ein Feuer und begann feine Kleider zu trocknen. Am Himmel war der Abendstern aufgegangen.
Zeitschriften.
— Der Reifesehnsucht Wege und Ziele zu weisen, dazu ist die neueste Nummer der 111 u st r i r t e n Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) angetan. Sie beginnt mit einer Zeichnung vom Reisebüro, der Stelle, wo die Ferienträume und Reisepläne Gestalt annehmen. und führt über die Gepäckaufgabe, den Auftakt zur Fahrt in die Welt, mitten in all die Herrlichkeit: Einsame Bergeshöhen, blühende Wiesen und Almen, stille Täler, verträumte Städte, Parke und Stranddünen — das alles zaubert ein reicher Bilderschatz vor unsere Augen. Wir machen im Geiste eine kleine Autoreise nach Bückeburg und bewundern die reichen Bauerntrachten unserer niederdeutschen Heimat. — Im Flugzeug gar geht es nach Moskau — und echtes Rußland sieht uns aus den Zeichnungen an, mit denen Richard Duschet seine Schilderung ausgestattet hat.
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unö dessen Inhalt er in den nächsten Tag ^u| ______,____ v ,
siner Kiste wefl^fdjiien gedachte W kleinen Augenblick zurück, noch länger durch das ge- Sachm^ufs ®ras(flVaUb” unb fie I behnnisnotle Mas zu f»auen.. aber dann fdnen er


