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Punft elf Uhr erschien Doktor Farnhorst, rde sofort zu Nora geführt.

englische Volk in Indien, Aegypten Snd Afrika kolonisatorisch Außerordentliches geleistet hat.

Kein vernünftiger Inder oder Aegypter ver­schließt sich der Einsicht, daß nicht zuletzt englischer Wirtschaftserfahrung die großen zivilisatorischen und kulturellen Fortschritte zu verdanken sind. Kein

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kann ich beruhigt sein. Bei dir ist Helge gut auf­gehoben, Fritz Farnhorst. Bei dir bestimmt. Und nun will ich Helge holen."

Da neigte sich der Mann tief, tief vor der Größe dieser Frau...

Draußen auf der Steinterrasse saß noch immer Helge und hatte den Kopf an die Silberstauden der Königsglocke geschmiegt. Da trat Nora zu ihr.

Helge? Fritz wartet auf dich. Kleine Helge, sei glücklich! Ich bin mit deiner Wahl einverstanden. Und ich bleibe acht Wochen hier. In dieser Zeit soll auch eure Hochzeit fein. Ich reife nachher sofort nach Südamerika. Und in zwei Jahren komme ich wieder!"

Nora!"

Ein einziger, glückdurchzitterter Ruf. Dann stürmte Helge davon. Nora aber sah in den sonnigen Herbst­tag, und ihr Gesicht war stolz und weiß.

Herbst! Man muß auch den Herbst zu ertragen wissen und den Winter erst recht!, dachte sie, und ihre Hand strich liebkosend über die Königsglocke.

Drinnen aber küßten sich zwei junge Menschen, und ein großes, übergroßes Glück machte sich breit in Haus Omslö und nistete sich ein.

Helge, ich habe dich lieb, so lieb", sagte der Mann leise und sah tief hinein in die wunder­schönen blauen Augen, die doch die Augen Noras waren.

Helge legte beide Arme um seinen Hals, sagte leise:

Ich war kurze Zeit so unendlich töricht. Ich glaubte, du könntest neben Nora mich nicht mehr lieben."

Soll ich dir alles sagen, Helge?"

Nein! Das ist Noras und dein Geheimnis. Ich will nichts wissen. Wir wollen Nora immer, immer lieb behalten, Fritz."

Ganz fest nahm er sie in feine Arme, und Helge legte beseligt den blonden Kopf an feine Brust.

Draußen aber schritt Nora Nordstrom durch den Herbsttag. Und ganz droben auf dem Felsen stand sie bann, blickte zum Meer hinüber.

Heilige Heimat!, dachte sie, und das Herz wurde ihr leicht und frei.

Als Nora den Weg hinabschritt, stand am Wege die wuchtige Gestalt Baringsens. Er hatte den Hut in der Hand und stand da wie ein Bettler. Nora blieb stehen, reichte ihm die Hand.

Baringsen, verzeihen Sie mir! Aber es sollte wohl nicht sein! Meine. Schwester heiratet io acht

Das war der

Von Carl

Und darf ich hoffen, Ihre Einwilligung zu bekommen? Tante Greta behauptete nämlich, sie hätte nichts zu sagen. Alles, was Helge anbetrifft, bestimmten Sie. Und so habe ich eben voll Sehnsucht gewartet und meine kleine Helge auch."

Nora Nordström wankte. Dann hatte sie sich wieder in der Gewalt. Sie lächelte. Aber es war ein solch rätselhaftes Lächeln, daß Farnhorst ganz bestürzt in das schöne Frauengesicht sah.

Hat Helge Ihnen gesagt, daß wir uns lieben?"

Ja? Ich weiß es. Und Fritz Farnhorst, ich gebe Ihnen Helge. Aber sie braucht viel Liebe und Sonne. Sturm verträgt sie nicht. Und ich habe Helge immer sehr, sehr lieb gehabt."

Da riß Farnhorst die schlanken Frauenhände an seine Lippen.

Nora ich liebe in Helge Sie! Sie und Helge sind eins für mich. Ich habe schwer gelitten damals. Aber ich fand den Frieden, als Helge ihr junges Herz mir erschloß. Und Sie haben selbst damals die Trennung gewollt. Ich hätte Sie niemals ver­lassen. Heute aber gehört mein Herz Helge. Und ich werde sie glücklich machen. Meine Stellung bei Baringsen ist so, daß ich Helge für alle Zeiten ein gesichertes Dasein zu bieten habe."

Bei Baringsen sind Sie? Gerade bei ihm? Schlingen sich denn alle Fäden geheimnisvoll in­einander?"

Nora, Baringsen hat Sie geliebt!"

Er sprach mit Ihnen?" v <

Ja! Weil er sah, wie ich Helge küßte. Und da wünschte er mir mehr Glück auf dem Gange ins Haus Omslö, wie er selbst gehabt hatte, als er sich eine Braut aus Haus Omslö holen wollte", sagte Farnhorst ernst.

Noras Lippen zuckten. Ihr schönes Haupt war leicht zurückgeworfen. , .

Baringsen! Ja! Er! Aber ich konnte es nicht. Und ich hatte inzwischen Haimar Bergen kennen­gelernt. Der Mensch baut sich sein Schicksal selber. Man soll dieses Schicksal nicht immer verantwort­lich machen."

Schweigen!

Nach diesem Schweigen sagte Nora:

Fritz, mache die kleine Helge glücklich! Heute soll Verlobung fein. Und ist es nicht natürlicher, wenn du die junge Helge-Nora liebst als die andere Nora, die der Sturm des Lebens langst zerbrach, und die noch einmal ein herrliches Weih­nachtsmärchen erlebte? Ich bleibe acht Wochen. In dieser Zeit soll auch die Hochzelt sein. Und dann

Wochen. Sie sind es, der Doktor Farnhorst diese gesicherte Stellung gab. Ich danke Ihnen!"

Es gibt nichts zu danken, gnädige Frau. Farn-- horst ist mein Junge. Mein lieber Junge! Er wird hier alles weiterleiten wenn ich mal nicht mehr bin."

Baringsen, Sie haben Farnhorst auch lieb?"

Ja! Ich bin froh, daß er kam. Und ich hab gemerkt, daß'ich doch ein gut Teil deutsch bin. Das deutsche Blut ist treu! Ich l)ab Deutschland immer als zweite Heimat betrachtet. Und meine Mutter hat ihr altes Vaterland nie vergessen Ich hab's ihr, als sie starb, in die Hand hinein versprechen müssen, daß ich in Deutschland Not lindere, wenn ich es kann. Und ich kann es ja, Gott fei Dank! Nun ist Farnhorst gekommen. Und ich hab ihn immer mehr schätzen und lieben gelernt. Einsam bin ich nicht. Ich hab ja nun einen Jungen. Leben Sie wohl, Nora Nordström."

Leben Sie wohl, Baringsen, und Gott mit Ihnen! Sie müssen noch lange dableiben als Sym­bol der nordischen Berge. Man liebt und verehrt Sie überall."

Da wandte er ihr fein häßliches Gesicht voll zu, und in feinen Augen war ein weher Ausdruck. Aber Gunnar Baringsen lächette. Und mit diesem Lächeln schied er von ihr.

Und Nora schritt weiter. Nach Hause mochte sie noch nicht. Sie mußte noch ein Weilchen mit sich allein fein. Und dann wollte sie stolz und freundlich nach Haus Omslö zurückkehren, und keiner würde merken, was Nora Nordström da draußen in diesem sonnigen Herbsttage begraben hatte!

Nach acht Wochen reifte sie ab. Und ein strah­lendes, junges Gesicht schmiegte sich an das ihre.

Alles Glück für dich, meine kleine Helge!" sagte Nora zärtlich, aber ihr Blick ruhte dabei in dem­jenigen Farnhorsts. Der nickte ihr zu. Es war ein stummes Gelöbnis, Helges Glück und somit das feine immer und immer wieder hochzuhalten.

Der Wagen fuhr davon, und eng umschlungen standen Farnhorst und fein junges Weib. Er hob fein Glück zu sich empor. Und dort unten fuhr der Wagen mit Nora davon. Neuer Ruhm, neue Ehre warteten auf eine große Künstlerin. Und Nora Nordström dachte: Schweig still, du törichtes Herz! Große Künstler sind immer einsam. Die Vorsehung will es nicht, daß ein einziger Mensch alles besitzt.

. y e Qinbelr-s

lieber klarer Luft spannt ein blauer Himmel. Heiß strahlt die Sonne herab. Vollreif lastet der Augustsommer auf den Feldern. Müde und wohlig strecken sich Soldatenleiber auf dem heißen Boden. In der Ferne einige Kanonenschläge. Man kümmert sich nicht weiter darum, man hatte Kanonen in den letzten Tagen wiederholt gehört. Doch plötzlich blafft dicht vor uns eine deutsche Batterie. Man springt auf, neugierige Augen irren im Gelände herum ..., da, Schrapnellwölkchen, und dort in einem Dorf flackert Feuer und Rauch. Dick wälzt sich eine schwarze Rauchfahne über Häuser und Wald ins Blaue. Dann feuert eine andere Batterie und jetzt sehen wir eine Reihe aufrechter Punkte sich vorwärts bewegen. Deutsche Schützen? Die Luft flimmert infolge der Hitze, darum kann man nicht deutlich die Uniformen erkennen.

Aber auch dort, weit hinter den Dörfern, wo das Gelände wieder ansteigt und von Wald gekrönt wird, sieht man einzelne Menschen sich bewegen; das könnte der Feind sein. Kavallerie stünde uns gegen­über, erzählt man.

Kurz nach 13 Uhr wird von General U t h m a n n der Befehl zur Entfaltung feiner 49. Brigade erteilt. Noch in Gruppen- und Marschkolonne marschieren das II. und III. Bataillon der 116er durch (3 l a i r e u f e. Westlich des Ortes setzt sich das III. Bataillon links neben das II., Breitenkolonnen wer­den formiert, die Fahnen entfaltet, Schützenketten sind vorausgenommen.

Diese Schützenlinien beobachteten wir im I. Ba­taillon, als auch uns das ewig kalte Kommando: Fertig machen" aufscheucht. Umhängen, Gewehr in die Hand, Antreten geht nicht ohne eine gewisse Erregung vor sich. In Ruhe fallen die Kommandos. In Richtung auf ein Dorf Anloy zieht sich die Bataillons-Kolonne auseinander. So folgt es der Vorwärtsbewegung auf den L e f f e a b s ch n i 11 am linken Flügel, weit rückwärts gestaffelt, den an­deren Teilen des Regiments.

Die Mafchinengewehrkompanie Poly marschiert zwischen dem III. und dem I. Bataillon, hinter diesen auf Anloy zu. II. und III. Bataillon haben die Lesse überschritten. Sie gingen durch Anloy und iaran vorbei in breiter Front gegen den Weg, der ron Anloy nach Nordwesten, nach M a i f f i n führt, init Schützenlinien vor. Das 11. Bataillon van M ft e n hatte die 8. Kompanie unter Hauptmann ieck und die 6. unter Oberleutnant Ebel in vordere Linie, die 5. unter Hauptmann Wehr- heim und die 7. unter Oberleutnant Firmenich in zweite Linie genommen. Links (südlich) neben dem II. stand das III. Bataillon Großmann, mit ler 12. Kompanie unter Hauptmann Buhtz, der $. unter Hauptmann Wolf in vorderer, der 11. unter Hauptmann Mattel und 10. unter Haupt­mann von WeItzien in zweiter Linie am West- cusgang von Anloy. Diese blieben in ihrer rück­wärtigen Stellung als Regimentsreserve zur Ver­fügung des Obersten Schimmelfennig.

Ein unübersichtliches Gelände liegt vor dem Re­giment. Getreidefelder, eingeftreute kleine Wald- tüde, Stuffein, Hecken, Sträucher hindern den Ein­lick. Die Schützen find im Vorgehen. Nicht lange, a peitschen die ersten Kugeln des Gegners herüber. Sofort entwickeln sich die Kompanien und greifen en unsichtbaren Feind an. Er wehrt sich, feine Ma- tzinengewehre beginnen zu spucken. Trotzdem biet- len beide Bataillone im Vorgehen. Drahtzäune hin­dern. Diese und das feindliche Feuer, das sehr bald feine Opfer fordert, steigern die Wut; hinzu kommt, lach den langen, heißen, endlosen Marschtagen end­lich am Feind zu sein und vor allem der uner­schütterlich feste Wille, diesen Feind zu schlagen.

So willensstark und entschlossen wird drauf­gegangen, daß sich die Verluste sehr bald steigern.

Las hindert aber nicht, daß alle Kraft darangesetzt wird, die roten Hosen da drüben zu verjagen. Aber Kavallerie ist das nicht.

Nesk,MikM«isl.

Roman von Gert Rothberg.

U rheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) (Schluß.)

Nora kleidete sich sehr sorgfättig an. Und als sie im Wohnzimmer erschien, da schloß Helge die Augen unb badete ergeben: Wer kann mich neben ihr noch beachten. Wer?

Helge trug ein einfaches weißes Leinenkleid mit Ißroargem Schlips und breitem, weißen Kragen, über sie sah so unendlich liebreizend aus in ihrer Schlichtheit neben der unerhörten Toilettenkunst ihrer schönen Schwester, daß es einem Frauen- tenner schwergefallen wäre, zu wählen.

.^!ch möchte Doktor Farnhorst zuerst allein emp­fangen", entschied Nora.

Unb Helge schlich hinaus. Mit tief gesenktem Kopf. Draußen auf der alten Steinterrasse saß sie und sah M die früchtetragenden Bäume hinter dem Hause. Ganz still war es in ihr geworden.

Fritz Farnhorst muß zwischen uns wählen. Was nn denn ich ihm fein, wenn Nora da ist!, dachte - Mädchen, und ihr Kopf schmiegte sich an die verstanden der Königsglocke, die sich hoch an der rraffe hinaufwanden.

itten im Zimmer stand Nora, beschienen von iner blassen, strahlenden Herbstsonne. In ihrem arzen Samtkleide mit dem tiefen Ausschnitt z und königlich wirkend. Ihr Gesicht war nicht ß. Vielleicht aber war es auch nur ein leichtes, stliches Rot, das ihrem Gesicht diese frische Farbe lieh. Als er eintrat, war ein leises Zittern durch Körper gegangen. Dann streckte sie ihm die de entgegen.

.Willkommen, Fritz Farnhorst!"

.Er beugte sich über die schmalen, weißen Frauen- ^de, küßte diese. Dann sahen sie sich in die Augen.

Mann fühlte mit einem unendlichen Gefühl i Erleichterung, daß die Vergangenheit ihn nicht T '^halten konnte. Daß fein Leben und seine droefte01unflcn gehörten, das Noras

'?le weshalb ich komme, Nora?* Ich glaube es zu wissen!"

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