Nr. 115 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, 19. Mai 1934
GJL-fport
Derby Countys bestes Spiel.
Deutsche Auswahl erzwingt gegen die Engländer ein 1:1.
Etwa 20 000 Zuschauer hatten sich am Freitag nachmittag im Dortmunder Stadion „Rote Erde" singefunden, um Zeuge des letzten Treffens zwilchen der englischen Berufsspieler-Elf von Derby und einer deutschen Auswahlmannschaft zu werden. Nach einem überaus fesselnden Kampf trennten -ich. die beiden Gegner unentschieden 1:1, was dem Kampfverlauf entspricht.
Die deutsche Mannschaft spielte diesmal m der Aufstellung: Kreß; Haringer, Schwarz (Ham- d-urg); Appel (Berliner SV. 92), Czepan, Zielinski; Lehner, Hohmann, Conen, Siffling, Kobierski. bester Mann war der Schalter Czepan, der am Freitag beweisen konnte, daß er die Aufgabe, den Mittelstürmer des Gegners mit Einsatz des ganzen Könnens abzudecken, am besten versteht. Auch für en Aufbau leistete Czepan Nützliches. Kreß und ! ie beiden Verteidiger arbeiteten sicher. In der Läuferreihe überraschte neben Czepan noch der Ber- In er Appel. Auch der Sturm wußte gut zu ge- ullen. Wenn es trotzdem nur zu einem 1:1 Unent- chieden langte, so spricht das für das großartige Spiel der Engländer, die sich durch die beiden Jn- ?rnationalen Cooper und Crooks diesmal wefent- ch verstärkt hatten und einen ganz erstklassigen Begner abgaben.
Kurz vor dem Pausenpfiff konnte Hohman einen ion der Latte zurückspringenden Ball zum ersten und einzigen Tor einsenden. Nach dem Wechsel (eilte dann Crooks in der 15. Minute das 1:1 her.
Mit 18 Spielern nach Italien.
Die deutsche Auswahl für die Fußball-Weltmeisterschaft.
Nach Abschluß der vier Probespiele gegen Derby l ounty hat der Deutsche Fußballbund die folgenden 8 Spieler als Teilnehmer für die Kämpfe um die .'ußball-Weltmeisterschaft namhaft gemacht:
T o r l e u t e : Kreß (Dresdener SC.), Jakob Bahn Regensburg);
Verteidiger: Haringer (Bayern München), ! usch (Duisburg 99), Schwarz (Viktoria Hamburg);
Läufer: Janes, Bender (beide Fortuna Düssel- lvrf). Grämlich (Eintracht Frankfurt), Czepan (Schalke 04), Zielinski (Hamborn);
। Stürmer: Lehner (Schwaben Augsburg), Lilbrecht (Fortuna Düsseldorf), Kobierski (Fortuna), Buhmann (Benrath), Conen (FV. Saarbrücken), . Offling (Waldhof), Noack (Hamburger SV.), Heide- tiann (Bonner FV.).
Es wurden ferner noch gemeldet: Buchloh (Spel- tirf), Dienert (VfB. Karlsruhe-Mühlburg), Streb (Locker München), Münzenberg (Alemannia Lachen). Diese vier Leute machen zwar die Reise nach Italien nicht mit, stehen aber in der Heimat au f Abruf bereit.
.Die Leitung der Expedition hat Prof. Glaser (Freiburg). Die Mannschaft wird außerdem von 'lundestrainer Nerz begleitet. Die deutsche Ex- pDition tritt am Dienstagmorgen die Reise nach enem der oberitalienischen Seen an, wo sie sich bs zum ersten Weltmeisterschaftsspiel, das am 2".. Mai in Florenz gegen Belgien stattfindet, auf» h lt.
'.Die Auswahl der Spieler entspricht den alb x»meinen Erwartungen.
Sitzung der Sportwerbewarte in Gießen.
Zwecks Besprechung interner Fragen und zur Regelung verschiedener Angelegenheiten und Richtlinien hatte der Beauftragte des Reichssportführers für den Kreis Gießen, Turnlehrer Mohr, gestern die Werbewarte der Leibesübung treibenden Vereine zu einer Sitzung eingeladen. Diese Zusammenkünfte, die in Zukunft monatlich stattsinden sollen und bei denen die Werbewarte über ihre Tätigkeit und Erfolge berichten, sollen dem Zwecke dienen, die Arbeit innerhalb der Vereine zu fördern, Anregungen zu vermitteln und besonders das Verhältnis der Vereine zu einander zu regeln. Nach Erledigung verschiedener Einzelheiten, die den Hilfsfonds, die Reichssportzeitung usw. betrafen, machte der Kreisbeauftragte nochmals darauf aufmerksam, daß von den Werbewarten mit beson-
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Die Spielvereinigung weilt an den Pfingstfeier- tagen mit allen Mannschaften auswärts.
Die L i g a m a n n f ch a f t fährt nach der Bad Kreuznacher Gegend. Spielgegner am ersten Feiertag ist der Fußballclub 1920 Odemheim in der Pfalz. Spielerisch gehört der Gastgeber der ersten Kreisklasse an. 1900 wird diese Begegnung nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen, weil die Elf immer noch nicht in stärkster Besetzung fahren kann. Am zweiten Feiertag gastieren die Gießener beim Fußballclub 03 in Sobernheim an der Nahe. Dieser Gegner gehört der dortigen Bezirksklasse an und ist als sehr spielstark anzusprechen. Man erwartet, daß die beiden Freundschaftsspiele werbend für den Sport zum Austrag kommen.
1 9 00*5 zweite und dritte Mannschaft fahren zu Gesellschaftsspielen mach Schotten, um dort der ersten und zweiten Elf entgegenzutreten. Schotten ist mit der ersten Mannschaft Gruppenmeister der ersten Kreisklasse geworden und nimmt z. Zt. an den Aufstiegspielen zur Bezirksklasse teil. 1900 wird wohl auch hier einigen Ersatz stellen müssen, so daß der Ausgang vollständig offen ist. Die dritte Mannschaft wird wohl ziemlich komplett fahren, trotzdem wird eine Niederlage gegen Schottens spielstarke zweite Elf nicht vermeidbar fein.
Die Schülermannschaft trägt an beiden Festtagen Spiele in Marburg und Treis a. d. Lda. aus.
DfB.UeichSbahn Gießen.
Der Verein hat für die beiden Feiertage zwei Frankfurter Mannschaften zu Gesellschaftsspielen verpflichtet. Am ersten Feiertag weilt Germania 94 Frankfurt, eine Mannschaft, die schon öfter mit wechselndem Glück in Gießen kämpfte und es immer verstanden bat, durch ihre technische und faire Spielweife sich die Sympathien des Publikums zu sichern, auf dem Waldsportplatz. Der Gegner des zweiten Feiertages ist der Meister seiner Gruppe, Union Niederrad. Diese Mannschaft hat sich trotz schärfster Konkurrenz in ihrer Klasse glänzend durchgesetzt und mit einem großen Punktvorsprung die Meisterschaft errungen. Die Niederräder verfügen nicht nur über Einzelkönner, sondern bieten auch als Mannschaft eine geschlossene Gesamtleistung. Sie werden in folgender Ausstellung erscheinen: Blickhahn, Bonsig, Seng, Allermann, Müller, Rink, Müller,
derer Sorgfalt die Erhebung des Sportgroschens durchgeführt werden müsse.
Verschiedene Anregungen über die Durchführung führten zu dem Beschluß, nach einheitlichen Richtlinien Maßnahmen zu treffen, die bewirken, daß ausgegebene Gutscheine bei solchen Teilnehmern an Veranstaltungen, die selbst nicht sammeln wollen, nicht verloren gehen, sondern den einzelnen Vereinen zugute kommen.
Eine weitere Anregung ging dahin, für die Folge darauf zu achten, daß nicht verschiedene Sportveranstaltungen auf den gleichen Tag zufammen- gelegt werden. Zu diesem Zwecke wird in den nächsten Wochen eine Sitzung der Vereinsführer mit den Werbewarten stattfinden, in denen die Termine durchgesprochen werden. Dabei soll auch in Erwägung gezogen werden, verschiedene kleinere Sportveranstaltungen zu einer großen Veranstaltung zusammenzuziehen, um auf den Zuschauer günstig einzuwirken und die Veranstaltung dadurch interessanter zu gestalten.
Damit hatte die erste Sitzung dieser Art, die außerordentlich anregend verlief, ihren Abschluß gefunden.
Flug, Leichter, Rosenberger, Sack. Die überragenden Kräfte der Mannschaft stehen in dem Sturm in der Person des schußgewaltigen Leichters, des Halbrechten Pflug und des Linksaußen Sack.
Die zweite Mannschaft folgt einer Einladung des Sportvereins Flensungen und sollte in der Lage sein, einen einwandfreien Sieg zu erringen.
Die Jugendmannschast fährt zum Sportverein Wiesbaden, um das Ostern abgefetzte Gesellschaftsspiel auszutragen.
Die Schüler spielen auf eigenem Platz gegen den Sportverein Krofdorf-Gleiberg; ein Spiel, dessen Ausgang offen ist.
Sportabteilung des Tv. Wieseck.
Für den ersten Pfingstfeiertag hat sich die erste Mannschaft des Turnvereins Wieseck die Liga- reserve der VfB. Friedberg zu einem Freundschaftsspiele verpflichtet. Den Gästen geht ein guter Ruf voraus. Wieseck, das nach langer Zeit wieder in beständiger Form zum Spiel erscheinen wird, muß alles hergeben, wenn es den Gästen eine gute Partie liefern will. Die G ä ste erscheinen in folgender Aufstelluna: Dechent; Eckhardt, Steitz; Tröger, Sautier, Ullrich; Müller, Masse, Seckinger, Ebner, Oberländer. Wieseck wird mit Haas; Weller I., Deibel I., Umbach, Weller II., Kreiling I.; Reuter, Kreiling III., Erd, Kreiling II., Deibel II. zum Spiel antreten. — Vorher wird die zweite Mannschaft ein Freundschaftsspiel austragen.
Für den zweiten Pfingstfeiertag ist die Sonder- mannschaft des Fußballsportoereins Frankfurt in Wieseck zu Gast, um gegen die erste Elf des Turnv. Wieseck ein Freundschaftsspiel auszutragen. Die Gäste sind Tabellenführer ihrer Gruppe und holten bei den Spielen der vergangenen Verbandsrunde gegen ihre spielstärksten Gegner immer hohe Siegesresultate heraus. Die Mannschaft tritt in nachstehender Aufstellung an: Wolff; Hofmann, Zimmermann; Müller, L. Kimbel, Matchoß; Papue, R. Strahlte, Hemming, Seidel, Zedier. Wieseck wird seinem Gegner in derselben Aufstellung wie am Tage vorher gegenübertreten. Auch in diesem Spiele wird Wieseck auf der Hut sein und alles hergeben müssen, wenn es seinen Gästen den Sieg nicht leicht machen will. — Vorher wird die Jugendmannschaft ein Freundschaftsspiel austragen.
Wieseck Jugend — Atten-Vuseck Jugend.
Vor dem Spiel der 1. Mannschaft trägt die Ju-
Oer Sport an den Feiertagen.
Ltnd nun, Ellen?
Vornan von Käthe Mehner.
lrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
1( Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Aber, Vater, keine Angst, ich denke nicht an tmnnung. Vorläufig nicht. Die Dame ist übrigens irtobt. Ich traf sie nicht. Nur, weißt du, ich fühle nd) dieser Familie noch immer verpflichtet."
Der Geheimrat nickte. Irgendwie war ihm dieses ldsspräch nicht angenehm; so lenkte er diplomatisch Sri Geschäftliches über.
„Ich halte es nicht für richtig, mit Olfen abzu- «t iehen. Ich habe übrigens schon seit langem bar» ihr nachgegrübelt, woher er überhaupt um dein Lisahren der Entgiftung des Leuchtgases weiß?
Achselzucken Rainers.
.,Ja — offen gesagt, ich verstehe es auch nicht.
n Mensch hat auch nur eine Ahnung. Merk- Diirbig allerdings! Du bist also nicht für eine Vergebung der Lizenz, Vater?"
Mein, Rainer! Noch zu früh ..." 'Sebstverständlich nehme ich deinen Rat an, 3der. Du bist Kaufmann, trotz deiner anerkannten vilsenfchaftlichen Tätigkeit. Du hast in diesen Din» r wohl mehr Fingerspitzengefühl."
Der streng konventionelle Ton zwischen den beiden ter der übliche.
Rainer konnte sich bis in seine früheste Kindheit ir-in nicht entsinnen, daß trotz aller Herzlichkeit wischen ihm und dem Vater jemals Vertraulichkeit rhrrscht hätte. Der alte Herr verlangte Respekt, >i auch er Respekt hatte* vor anderen.
K,U früh noch erschien der Däne. Er mußte es g ndwie eilig haben.
t-afenius und sein Vater waren bte Ruhe selbst. Msen war ein schlanker, sehniger Mensch. Seine knieren waren weltmännisch, doch seine unstet hVernben Augen waren für den aufmerksamen elbachter ein Warnungszeichen.
,Jch teilte Ihnen den Grund meines Besuches Tiits mit, Herr Geheimrat. Damals lehnten Sie stftlich ab. Ich hoffe, daß Sie Ihre schroffe -trage nicht mehr aufrechterhalten! Ein verbmd- ih-s Lächeln begleitete feine Worte.
„Nicht ich bin maßgebend, sondern dort mein in, Doktor..."
29er Däne ging direkt auf fein Ziel los.
„Wir bieten fünfzig Prozent Gewinnbeteiligung L zahlen ein einmaliges Honorar von zwei Mionen Kronen, Herr Doktor. Meine Regierung ' honet nicht ihr Interesse."
„Beweist aber überraschend aute Information, $<r: Olsen. Noch ist das Verfahren geheim!"
Ins nervöse Flackern in den Augen des Dänen ir kärfte sich unter den forschenden Blicken der
beiden Männer, dann aber lächelte er wie über einen guten Witz.
„Geheim? Der Fachmann ist auf dem Laufenden. Sonst ist er ja keiner. Ich erinnere an den neuen Stromlinientyp der Automobilwerke hier. Es nutzte damals die Absage nichts. Wir bauten den Wagen zu gleicher Zeit."
„Herr!" Der Geheimrat war aufgefahren. Zorn stand auf feinem Gesicht.
Auch Rainer von Rakenius schüttelte mit dem Kopfe.
„Sie wollen also damit sagen, daß Sie im Weigerungsfälle in der Lage wären, das Verfahren selbst anzuwenden?"
Der Däne, schien schon gemerkt zu haben, daß er hier zu weit gegangen war. Seine Haltung wurde unterwürfiger. Solche Verhandlungen mußten langsam reifen. Doch schließlich hatte er mit der Chemie- Aktiengesellschaft schon andere Besprechungen durchgeführt. Er war also den Herren kein Fremder mehr.
„Das wäre zu viel gesagt, meine Herren! Doch die Sache ist die. Meine Gesellschaft leugnet ihr großes Interesse nicht. Es könnte aber sein, daß wir zu spät kommen könnten. Deshalb bin ich hier. Nur deshalb. Unser Angebot ist großzüaig. Es würde auch gleichzeitig Ihr Angebot feinr
„Dann läßt sich allerdings verhandeln, Herr Olsen!" Geheimrat von Rakenius beruhigte sich sichtlich.
Erst jetzt nahm die Unterredung verbindlichen privaten Charakter an. Olsen war einer der leitenden Köpfe des nordischen Chemietrustes. Allerdings ein Mensch, der hinter der Maske der gesellschaftlichen Liebenswürdigkeit brutale Berufshärte und leichtsinnige Rouömanieren zu verbergen wußte.
Als er endlich die Villa verließ, mußte fein Wagen am Portal stoppen.
Ein weinrotes, schnittiges Kabriolett bog ein. Im Fond saß eine Dame. Mittelgroß, brünett, einen Hauch pfirsichfarbenen Puders auf den noch jugendlichen Zügen.
Als sie Doktor Olfens ansichtig wurde, weiteten sich ihre Augen.
Auf einen Wink stand der Wagen.
Ein vielsagendes Lächeln umspielte die Lippen des Dänen, der sich mit einem Ruck erhoben hatte und schon neben dem Kabriolett stand.
„Welche Freude, Gnädigste!"
„Ich bin überrascht, Doktor! Sie hier in Deutschland und noch dazu in Leipzig?"
Olaf Olfen küßte der schönen Frau mit vollendeter Eleganz die Hand. Der Duft eines herben Parfüms erregte ihn.
„Bleibst du länger hier, Olaf?" Wie ein Hauch klang die bebende Frage an das Ohr des Dänen.
In den Augen des anderen zuckte ein Blitz des Triumphes. Noch immer also befaß er die alte Macht über die schöne, leichtsinnige Frau.
„Evelyn!" Mit aller Zärtlichkeit formte er den Namen. „So lange du es wünschest!"
Die Maschinen der beiden Wagen liefen im leisen Geräusch. Keiner der Chauffeure erhaschte auch nur ein einziges Wort, das nicht für feine Ohren bestimmt war.
Sekundenlang tauchten zwei Augenpaare ineinander. Ein Blick, der alles barg. Selige Erinnerung, heiße Hoffnung.
„Ich wohne, im Hotel ,Stadt Rom*, Evelyn! Ich vertraue deiner Gefchicklickkeit. Wir müssen uns sehen — hörst du? Müssen, Ev...!"
Wie ein elektrischer Schlag durchzuckte Evelyn von Rakenius das kurze, zärtliche Kosewort „ E v ". Ja, so hatte er sie genannt — immer — damals. Dies kleine, zärtliche Wort hatte sie willenlos gemacht und machte sie auch jetzt willenlos.
Mit Hunderten hatte sie geflirtet. Diesen liebte sie. Diesen allein, der so süß wie keiner Ev sagen konnte.
lieber den gesenkten Kopf der Frau hinweg lächelte Olsen. Was war ihm diese Frau? Nicht mehr oder weniger als alle anderen. Doch jetzt — vielleicht konnte sie ihm jetzt Werkzeug sein. Willenloses Werkzeug.
„Dann alles Gute, Doktor! Ich denke, wir sehen uns bald einmal, solange Sie noch hier sind. Mein Mann wird sich freuen!" sagte Frau von Rakenius laut.
Sekunden später glitten die beiden eleganten Wagen in entgegengesetzter Richtung davon.
Achtes Kapitel.
Als Evelyn von Rakenius kurze Zeit darauf ihrem Manne gegenübersaß, hatte sich der Geheimrat schon diskret zurückgezogen.
Zwischen seinem und des Sohnes Haufe lag bereits feit einiger Zeit eine nervöse Spannung, wie sie oft zwischen alten und jungen Leuten aufkommt, die aber in diesem Falle nur aus einer bitteren Enttäuschung über die Schwiegertochter entstanden war.
Gewohnheitsgemäß fiel zwischen den Gatten sonst kaum ein Wort. Nur jetzt war Evelyn merkwürdig gesprächig. Die Begegnung mit dem Dänen hatte sie in einen glückhaften Rauschzustand versetzt und ihr die Zunge gelöst.
„Was hast du mit Olsen, Rainer?"
Wie das Plätschern eines Springbrunnens fielen die Worte in die Stille des eleganten Raumes.
Doktor von Rakenius fchrak aus feinen Gedanken, die sich noch immer mit den seltsamen Verhältnissen um Ellen Ehlers beschäftigten, auf.
Die Worte Evelyns berührten ihn mehr als unangenehm.
„Olfen? Woher kennst du Olfen?"
Schroffer als gewollt klang diese Frage, während der er seine Frau durchdringend ansah. Er kannte Olsen als leichtsinnigen Lebemann. Die Be- kannschaft dieses Mannes mit feiner Frau war ihm alles andere als angenehm.
<jenbmannfcf)aft des Turnv. Wieseck ein Freund» ichaftsspiel gegen die spielstarke Jugendmannschast des Turnv. Alten-Buseck aus. Buseck stellt zur Zeit eine starke Mannschaft, die sich so leicht nicht schlagen lassen wird. Der Gastgeber wird in diesem Spiel mit Ersatz antreten müssen, so daß man den Ausgang, des Spieles nicht sagen kann.
Spielvereinigung 1926 Leihgestern.
Am ersten Feiertag gastiert die Pokalmannschaft des FSV. Frankfurt a. M. in Leihgestern. Die Frankfurter, die mit einer sehr starken Mannschaft erscheinen, werden wohl das erfüllen, was man sich von ihnen verspricht. Die beiden Mannschaften treten in folgender Aufstellung an:
FSV. Frankfurt a. M.: Wolff; Hofmann, Zimmermann; Müller, Kimbel, Matchoß; PacquL» Richard Strehlke, Hemming, Seidel, Zedier.
Spvgg. 1926 Leih ge ft ern: Fischer: Peuk» ker, Weinandt; Väth, Funk, Schneider; Laux, Heil, Arnold, Konstanz, Held.
In der Frankfurter Mannschaft sind viele bekannte Namen, z. B. Richard Strehlke. Dieser war jahrelang in der ersten Garnitur des FSV. tätig, und er wird auch jetzt noch in technischer Hinsicht noch recht viel besitzen. Die Blau-Weißen treten bis auf Textor komplett an. Trotzdem hofft der Verein, daß die Lechgesterner mit einem befriedigenden Ergebnis aus dem Kampfe hervorgehen. Man erwartet ein schönes Spiel, vor allem vom Fußball- fportverein. Es ist kaum daran zu denken, daß dis Spielvereinigungsleute mit einem Sieg ober mit einem Unentschieden den Platz verlassen, sie sollten aber imstande fein, ein ehrenvolles Resultat den Gästen abzuringen.
Auch am zweiten Feiertag hat Leihgestern einen schweren Gegner vor sich. Die Reserve vom VfB. Friedberg, dem Tabellenzweiten des Gaues XII, wird in Leihgestern mit den Blau-Weißen um den Sieg kämpfen. Die Spielvereinigung Leihgestern tritt in gleicher Aufstellung außer dem rechten Läufer Väth, der wohl kaum zu ersetzen ist, and.
Die Jugendelf spielt in Daubringen gegen die gleiche Jugend der Platzelf und wird wohl den Vorspielfieg wiederholen.
„ FCTeutonia^ Watzenborn-Steinberg
Der Vereinsleitung des FC. Teutonia ist es gelungen, für den zweiten Pfingstfeiertag für die erste Mannschaft die komplette ßigaelf des BC. 07 Siegen zu gewinnen. Es ist zu erwarten, daß die heimische Mannschaft mit besseren Leistungen, als in den letzten Spielen aufwartet. Die Fußballer aus dem Siegerland werden große Anforderungen an sie stellen. Die Teutonen sollten um ein achtbares Resultat besorgt sein.
Die Reservemannschaft spielt voraussichtlich am gleichen Tage gegen die erste Mannschaft von Hausen.
Auch die Schüler- und Jugendmannschaften tragen Freundschaftsspiele aus.
D. f. K Lich.
Jfm.-Jlieberurfel I — Lich I. Ffm.-Niederursel II — Lich II.
Am ersten Feiertag spielt ein Verein von Ffm.« Niederursel in Lich. Bei den Pokalspielen im Jahre 1932 in Lich ging Niederursel in der -V-Klasse als erster Sieger hervor. Da der VfR. auch an Spielstärke gewonnen hat, dürfte man mit einem gleichwertigen Gegner rechnen, jedoch werden die Gäste technisch voraus fein.
Vorher treffen sich die beiden 2. Mannschaften.
Iußballabteilung des Tv. Kinzenbach.
Am ersten Feiertag löst die erste Mannschaft eine Rückspielverpflichtung in Allendorf (Lahn) ein. Gleichzeitig fährt die Jugendmannschast mit und trägt gegen die gleiche der Gastgeber ein Freund-
„Nun, ist es ein Verbrechen, den Repräsentanten der nordischen Großindustrie zu kennen?" Evelyn von Rakenius lachte gereizt auf. „Natürlich kenne ich ihn. Er hatte viel mit meinem Vater zu tun."
Rakenius schwieg.
Er wußte ja, daß feine Frau nicht geneigt war, sich auch nur die geringsten Rücksichten ihm gegenüber aufzuerlegen.
„Olfen steht in keinem guten Ruf — als Mensch!"
Ein kicherndes Lachen. Dann aber legte Evelyn beruhigend ihre gepflegte Hand auf den Arm des Gatten:
„Aber Rainer! Was geht mich der Mensch Olsen an? Ich kenne den Industriellen Olsen. Genügt dir das?"
Rainer von Rakenius in feiner Ahnungslosigkeit sah nicht, daß die Nasenflügel der schönen Frau leise bebten. Er hörte nicht, wie ihre Stimme leise zitterte.
Die ungewohnte Zärtlichkeit beruhigte ihn. Er wollte Evelyn ja nicht Unrecht tun. Doch eine Antwort fand er nicht.
„Ich weiß schon, es geht mir mit Olsen wie mit jedem anderen Manne. Dir ist es unangenehm, wenn mich ein Mann überhaupt ansieht. Lächerlich. Deine ewige Eifersucht gaukelt dir bei jeder Begegnung mit einem Manne, den ich kenne, sonderbare Phantasiegebilde vor. Unwürdig ist bas für mich."
Alles Liebenswürbig-Verföhnliche war aus bem schönen Frauengesicht wie auSgelöfcht, nur heimliche Kampfbereitschaft blieb zurück.
Das Gesicht bes Mannes würbe noch ernster. Gewiß, er hatte biefe Aussprache nicht gewollt. Nun Evelyn sie aber herbeigeführt hatte, war es auch gut.
„Du verfällst in Extreme, Evelyn! Das, was mir feit unserer Eheschließung nicht behagt, ist bie Tatsache, baß bu bich mit einer Leichtigkeit über bie Konvention ber Gesellschaft hinwegfetzt, bie mir nicht geeignet scheint, ben Ruf meines Hauses zu bessern."
Frau von Rakenius setzte bie Hauchbünne Teeschale mit gespielter Entrüstung auf ben Tisch.
„Soll ich hier in beinern Hause verrosten? Ein Arbeitsmensch wie bu hätte nicht heiraten sollen. Das ist wohl ber tiefere Grunb beiner Einstellung. Ich t)abe es wirklich satt, mich anbauernb unter bie Kontrolle beiner Eltern zu begeben unb bas artige Schwiegertöchterchen zu spielen. Dein Vater war eben hier — bas erklärt mir beine Stimmung."
„Evelyn!" Aus ben Augen Rainers sprühte Entrüstung. „Ich verbitte mir biefen Ton meinen Eltern gegenüber. Ist es nicht genug, baß ich meine Ehe aus Prestigegründen aufrechterhalte?^
„Haha — so also?" Das Gelächter der Fra» drang bis hinaus in die Stille des Parkes. „Unb welche Frau steckt hinter diesem Manöver? Welche?"
(Fortsetzung folgt.)


