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Nr. 1'4 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

8reitag,18.Mal M4

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Zwischen dem Reichssportführer und dem Reichs­bund Volkstum und Heimat wurde nachstehendes, bedeutungsvolles Abkommen Getroffen:

Da der Reichsbund für Leibesübungen im Rah­men feiner Erziehungsaufgaben mit der Dietarbeit viele Volkstumsgebiete berührt, die in ganz be­sonderer Weise vom Reichsbund Volkstum und Heimat betreut werden, schließt sich der Reichsbund für Leibesübungen dem Reichsbund für Volkstum und Heimat als körperschaftliches Mitglied an.

Mannschaft aufgestellt: Kreß (Dresdner SC.); Ha- ringer (Bayern München), Busch (Duisburg 99); Janes (Fort. Düsseldorf), Czepan (Schalke 04), Zielinski (Hamborn 07); Lehner (Augsburg), Hoh­mann (Benrath), Conen (Saarbrücken), Sisfling

Verteidiger Cooper und der Rechtsaußen Crooks, die an dem Länderspiel England Ungarn in Budapest teilgenommen haben, zur Verfügung

(Mannheim), Kobierfki (Fort. Düsseldorf). Die eng­lische Mannschaft wird zu diesem Spiel in ihrer

der Boden nicht gehöre, ihnen aber die Nutznießung überlassen sei. Diese Annahme ist irrig. Die Mark­steinschutzfläche, d. h. die kreisförmige Bodenfläche von 2 qm darf nicht vom Pfluge berührt werden. Zuwiderhandlungen werden nach § 370 StGB, mit Geldstrafe bis zu 150 RM. bestraft.

Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer e. V. NS.--Lehrerbund, Berlin.

Anschluß am Reichsbund Volkstum und Heimat.

Das war vor zehn Jahren. Seitdem hauste Donnerwolke" im Negerviertel Harlem und fristete hier kümmerlich sein Dasein. Die Hunde, die seine Begleiter wurden, sahen immer heruntergekomme­ner aus, er selbst gewährte den Anblick eines le­benden Leichnams, aber immer noch folgte ihm der lahme Neger wie ein Schatten.

Nun hat man vor kurzem den 90jährigen India­ner elend verhungert in seiner Dachkammer entdeckt, in der er ein nicht gerade königliches Ende gefunden hat. Zu Füßen des Bettes lag winselnd ein Hund, während zu Häupten ein weißhaariger Neger stand, der mit stumpfer Andacht Totenge­bete murmelte. Diese beiden Wesen waren die ein­zigen Leidtragenden, die dem Sarge folgten.Don­nerwolke", der Zehntaufenden mit seinem Lebens­elixier geholfen hatte, hatte sich selbst nicht mehr helfen können.

Mit einigen kurzen Zeilen ging Amerika über das Ende des letzten Nachkommen der einstigen Be­sitzer von Manhattan und Wall-Street hinweg. Donnerwolke" ist tot. Die Wolkenkratzer von Man­hattan, die Herrlichkeiten von Neuyork werden seinen verächtlichen Blick in Zukunft nicht mehr spüren ...

Reichsverband Deutscher Turn-, Sport u. Gymnasiikiehrer im NS. Lehrerbund

Im Auftrage des Reichsverbandes gebe ich den Vereinen ufw. nachstehende Verfügung des Reichs- f p o r t f ü h r e r s bekannt:

Ich mache darauf aufmerksam, daß sämtliche besoldeten Lehrkräfte der Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen Mitglieder des zuständigen Be­rufsoerbandes (Reichsverband Deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer im NSLB.) sein müssen und nur solche Lehrkräfte verpflichtet wer» den dürfen, welche die Mitgliedschaft bei dem ge­nannten Verband nachweifen können."

Nähere Auskunft erteilt der Unterzeichnete.

Rudolf Fischer,

Bezirksführer des Reichsoerbandes Deutscher

Schutz den trigonometrischen Marksteinen

nur unter Anwendung von erheblichen Kosten von Technikern der Landesaufnahme wiederhergestellt werden. Die Zerstörung von trigonometrischen Punkten der Preußischen Landestriangulation fällt unter § 304 RStGB. (Gegenstand der Wissenschaft) und wird mit Geldstrafe bis zu 1500 RM. oder mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft.

Zum Schluffe wird ausdrücklich auf den gemein­nützigen Zweck der festgelebten Punkte, insbeson­dere auf ihre Bedeutung für die Landesaufnahme und für alle hiermit anzufchließenden Vermessun­gen, einschließlich der Katasteraufnahme und der Aufnahme für Konsolidationen, Zusammenlegun­gen und für andere Zwecke aufmerksam gemacht.

Auszeichnung

eines Marburger Militärmusikers.

LPD. Marburg, 17. Mai. Die Preußische Akademie der Künste hat die von ihr für hervor­ragende Leistungen preußischer Kunsthochschüler im Jahre 1926 gestiftete Medaille dem Musiker- feldwebel Friedrich D e i s e n r o t h vom Sius« bildungs-Bataillon Inf. - Regt 15 in Marburg, der die Reifeprüfung bei der Staatlichen Akademischen Hochschule für Musik mit Auszeich­nung bestanden hat, verliehen.

3m Schwimmbad ertrunken.

LPD. Lindenfels (Odenwald), 17. Mai. Beim Spielen am Rande des Schwimmbades stürzte der 7jährige Junge des Friseurs Schwerer in das Wasser. Die Spielkameraden liefen aus

Donnerwolke" derletzte König von Aeuyork"

Ein lahmer Neger und ein räudiger Hund trauern um den letzten Nachkommen der einstigen Besitzer von Wallstreet.

In Petersfield, dem riesigen Friedhof von Neuyork, sah man dieser Tage ein eigenartiges Leichengefolge. Einem armseligen, ungehobelten Sarge folgte hinkend ein alter Neger, an dessen Seite ein räudiger Hund schritt. So beerdigte Neuyork einen Mann, der sich stolz seinenKönig" nannte. Der Tote war ein 90- jähriger Indianer, der bei seinem Volke den Namen D o n n e r w o l k e" geführt hatte und lange Zeit hindurch zu einer stadtbekannten Figur Neuyorks gehörte.

Donnerwolke" stammte in direkter Linie von jenem einfältigen Jndianerftamme der NarrÜngas- fets ab, die seinerzeit den Grund und Boden von Neuyork an den Engländer Peter M i n n i t für blanke 20 Mark verkauft hatten. Auf diesem Ge­lände erstand später die Wolkenkratzerstadt der Halbinsel Manhattan, auf der heute jeder Quadrat­zentimeter in Gold ausgewogen wird. Die Rot­häute verließen damals das Gelände und verpflich­teten sich, niemals die Grenze eines bestimmten Weges zu überschreiten. Auf diesem Wege ernte­ten dieBlaßgesichter" aus Vorsicht eine hohe Mauer, dieWallstreet" genannt wurde. Einst trauerten hinter den Zinnen von Wallstreet die Männer der Narrangassets dem verlorenen Para­diese nach, während heute an derselben Stelle die Mächtigen der Finanzwelt in ihren Börsenpalästen keine Ruhe finden können.

Alles das, was heute Inbegriff und Abbild ame­rikanischen Glanzes ist, hatte den Vorfahren des Mannes gehört, dessen Sarge vor einigen Tagen ein lahmer Neger und ein räudiger Hund als Leid­tragende folgten. Die VorfahrenDonnerwolkes" zogen sich schließlich noch weiter hinter die absper­rende Wall-Street zurück und flüchteten sich i n d i e Wälder von Long-Jsland. Sie waren harmlos und verstanden es, im Rausch desFeuer­wassers" die Enttäuschungen der Vergangenheit zu verträumen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam ein geschäftstüchtiger Mann, der Oberst Cody, be­kannter unter dem Namen des Zirkuskönigs Buf­falo Bill, auf den Gedanken, die Künste der Indianer zu artistischen Schaustücken zu machen. Donnerwolke", der Häuptling und letzte Fürst vom Stamme der Narrangassets, wurde ebenfalls engagiert und reifte nun kreuz und quer durch die Welt, um denBlaßgesichtern" echte Skalptänze vorzuführen. Diese Herrlichkeit fand aber mit dem Tode Buffalo Bills ein Ende. Auf sich selbst gestellt, verfielDonnerwolke" wieder in die alten Träume. Er verkroch sich im Walde von Bronr, wo er nur in Begleitung eines Hundes als Einsiedler hauste. Eines Tages machte er die Bekanntschaft von Onkel Jack", eines lahmen Negers, der den Indianerhäuptling zur Herstellung von Heilmitteln und zum Verkauf von Kräutern und Lebenselixie­ren anregte. Sommer und Herbst hindurch erntete Donnerwolke" den Bronx-Wald nach geheimnis­vollen Kräutern ab. Der lahme Neger verpackte sie in Tüten, und der dritte Gefährte der Einsamkeit, der Hund, zog einmal in der Woche einen Karren mit Lebenselixieren in die große Stadt Neuyork, wo Neger, Chinesen und viel abergläubisches Volk einn gewissen Kundenkreis bildeten.

Bald drang der Rus des rothäutigen Eremiten auch bis in die Kreise derBlaßgesichter" in ihren prunkvollen Palästen. Man sah herrliche Auto­mobile Schlange stehen vor Donnerwolkes Hütte, und in diesen Tagen fiel gewiß auch einmal ein fetter Knochen für den treuen Hund ab.

Aber die Zeit raste weiter, die Bäume des ur­alten Bronr-Waldes lichteten sich, die Wolken­kratzer schossen höher empor und mit gierigen Kral­len griff die Großstadt immer weiter um sich. Eines Nachts rissen die Arbeiter heimlich die Hütte des Wunderdoktors ab, und am anderen Morgen schrit­ten ein alter SOjäfjriger Indianer, ein grauhaari­ger Neger und ein Hund verbissen der großen Stadt zu, um hier Zuflucht zu suchen.

Die feit einigen Jahren von der trigonometri­schen Abteilung der staatlichen Landesaufnahme ausgeführte Prüfung von trigonometrischen Punk­ten pflegt zu ergeben, daß die Marksteine zum Teil ganz verschwunden, zum Teil aus dem Acker herausgenommen und an Wall und Graben nieder- gelegt,'zum Teil an Ort und Stelle liegend ver- Angst davon. In der Nähe befindliche Kurgäste graben sind. Die Besitzer sind fast ausnahmslos konnten den bereits bewußtlosen Knaben aus dem im Unklaren über den Zweck und Wert der trigo- Wasser ziehen, doch hatten die Wiederbelebungs- nometrischen Marksteine. Sie beackern die Mark- versuche keinen Erfolg, das Kind war bereits tot. steinschutzflächen in dem Glauben, daß ihnen zwar« --------

stehen.

Unser Gegner für Florenz.

Belgien stellt seine Mannschaft auf.

In der Vorrunde zur Fußball-Weltmeisterschaft trifft Deutschland bekanntlich am 27. Mai in Flo­renz auf Belgien. Der belgische Verband hat seine Mannschaft am Donnerstag gemeldet. Die Tatsache daß er neben den elf Spielern der ersten Garnitur nur drei Ersatzleute aufstellte, läßt darauf schließen, daß auch der belgische Verband nicht damit rechnet, die Vorrunde erfolgreich zu bestehen. Ausgewählt wurden: Tor: Dan de Weyer; Verteidigung: Pap« paert, Smellinckx; Läufer: Peeraer, Welkenhuize, Claefsen; Sturm: de Dries, Doorhoff, Capelle, Grimmonpriz, Heremanns. Ersatz: Fadjou, Aochin, Hellemans.

Nur Smellinckx und Doorhoff standen in der Mannschaft, die im Oktober des letzten Jahres in Duisburg von Deutschland mit 8:1 geschlagen wurde. Außerdem war damals noch der jetzt als Ersatzmann genannte Hellemans dabei. Alle anderen Posten sind seitdem mit neuen und stärkeren Spie­lern besetzt worden.

Deutsche Boxstaffel schlägt Frankreich 10:4.

Die deutsche Amateur-Boxstaffel absolvierte am Mittwochabend ihren zweiten Frankreich-Start in Tarbes, wo unsere Vertreter diesmal einen über­legenen Sieg von 10:4 Punkten über die französi­sche Auswahl feiern konnten. Etwas überraschend kam wiederum die Niederlage von Europameister Otto K ä st n e r - Erfurt, der im Federgewicht von dem Franzosen Walter klar ausgepunktet wurde. Auch R a p p s i l b e r - Frankfurt mußte sich aber­mals Fayot beugen. Der Mainstädter verlor knapp nach Punkten.

Witt bleibt Meister.

Im Mittelpunkt der gut besuchten Berufsbox­kämpfe im Hamburger Punching stand am Mitt­wochabend der Kampf um die deutsche Halbschwer- aewichtsmeisterschast zwischen dem Titelverteidiger Adolf Witt-Kiel und dem in letzter Zeit wieder stark nach vorn gekommenen Berliner Ernst P i st u l l a. Das Treffen nahm ein unerwartet schnelles Ende. Schon nach wenigen Sekunden mußte P i st u l l a auf einen schweren Rechten Witts hin die schützenden Bretter aufuchen. Als sich Pistulla beiVier" wieder erhob, war er noch vollständig benommen. Nach kurzem Geplänkel sand abermals ein rechter Haken Witts fein Ziel... und der Kampf war zu Ende.

Saarbrücker Regatta.

Eine sehr starke Besetzung.

Die Meldeliste für die am 26.727. Mai stattfin­dende Saarbrücker Ruder-Regatta wurde mit dem außergewöhnlich hohen Bestand von 55 Vereinen, die 254 Boote mit 1398 Ruderern in die 33 Ent­scheidungsrennen schicken, geschlossen. Die Rennen sind nicht nur zustande gekommen, sondern zum Teil mit bis zu zwanzig Booten so stark besetzt, daß durch die vorzunehmenden Teilungen die Re­gatta auf insgesamt 42 Entscheidungsrennen kom­men wird. Die Kundgebung der deutschen Ruderer in Saarbrücken geht nicht nur in die Breite, son­dern die Regatta wird in vielen Fällen, besonders in den erstklassigen Rennen wertvolle Ausschlüsse über das Kräfteverhältnis der Vereine bringen.

Besonders groß wird der Sport im Saarland- Achter werden, wo der deutsche Meister, Würz­burger Ruderverein, auf den Kölner Klub für Wassersport, Gießener R u d e r g e s e l l s ch a f t

Die bereits bestehende körperschaftliche Mitglied­schaft der Deutschen Turnerschajt wird damit hin­fällig.

Die Regelung der geldlichen Beziehungen zwischen den Organisationen erfolgt durch Vereinbarung der beiderseitigen Reichsführungen. Für Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen entfällt somit jegliche Beitragszahlung an den Reichsbund Volks­tum und Heimat oder seine Untergliederungen.

Zur Festigung der Zusammenarbeit tritt der Dietmar! des Reichsbundes für Leibesübungen in die Führung des Reichsbundes Volkstum und Hei­mat ein. Letzterer entsendet einen Vertreter in den engeren Arbeitsausschuß des Dietwartes. In ent­sprechender Weise erfolgt die Zusammenarbeit zwi­schen den nachgeordneten Dietwarten des Reichs­bundes für Leibesübungen und den Gliederungen des Reichsbundes Volkstum und Heimat bis hinab zu den Ortsringen.

Berlin, 30. April 1934.

Reichsbund Volkstum und Heimat gez.: Werner Haverbeck.

Der Reichssportführer gez.: von Tfchammer.

Die deutsche Mannschaft für Dortmund.

Zum letzten Spiel gegen Derby County.

Für den am Freitag in Dortmund stattfinden­den letzten Kampf einer deutschen National-Mann- schast gegen die englische Profi-Mannschaft Derby County hat der Deutsche Fußball-Bund folgende

Durch das Umpflügen und Eggen der Markstein- , , ,

schutzflächen entstehen die vielen Verrückungen und , stärksten Besetzung antreten, da der hervorragende Beschädigungen der Marksteine; mit der geringsten Verschiebung ist aber der Punkt zerstört und kann

Gießener Stadttheater.

Symphonie-Konzert des Stadttheater- Orche).ers.

Hatte Beethoven im Ringen um die Form der dramatischen Ouvertüre mit den Leonoren- Ouvertüren mehr ober weniger Anschluß an den Gang der Handlung gesucht, so löst er sich yi der C o r i o l a n" - O u v e r t ü r e von dem Bühnen­geschehen, indem er die seelischen Triebkräfte des Dramas mit musikalischen Mitteln ersaßt und sie in ihrem Widerstreit darstellt. In scharfer Linie .profiliert er die Themen, weniger um dem Rein- Musikalifchen zu dienen, als die grundlegende Idee, Iden Kampf des Helden gegen eine ihm feindliche Umwelt, plastisch hervortreten zu lassen. Diese in­nere Konsequenz wird um so eindringlicher, als er Len Streichern die Hauptgedanken überträgt und Lie Hervorhebung der Akzente den Bläsern über« nveist.

Dieses Drama des ringenden Helden, der tm Kampfe feinen Untergang findet, wurde durch die Aufführung in den durch die Musik gekennzeich­neten Phasen lebendig. Weit ausholend in der Stei­gerung, schmiegsam getönt in der Kcmtilene des Seitenthemas, geben starke bewußte Akzente dem Werk die Auswirkung, das in seinem Schluß zu Les Helden Totenklage wurde. Die Streicher zeigten sich überaus nachgiebig und modulationsfähig im Ton, das Holz besonders klangschön.

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Das Klavierkonzertop. 73 (Fs-Dur) stellt einen steilen Gipfel in der Folge der Beethoven- iTdien Konzert dar. Erfüllt von stärkster, entschluß- bereiter Willensenergie erhebt es sich über den bis­herigen Rahmen des Konzertes und wird zu einer Sychphonie für Klavier und Orchester Nicht der Virtuose hat hier das Vorrecht, sondern der Musiker fführt. Kadenzen, in denen sonst der Solist auf Dem Höhepunkt bes Werkes fein instrumentales Kon- rien in strahlenbstem Lichte erscheinen laßt unb oft mit wechselnder Anpassungsfähigkeit an ben Stil, , einem persönlichen Gejchmack folgenb, Eigenes hm- zurut, hat Beethoven hier ganz ausgeschaltet. Jede einzelne Note ist streng vorgezeichnet, ohne Damit aber etwa ben Solisten nicht zu feinem vollen Recht kommen zu lassen.

Fast improvisierend führt er in reizvollem Wechselspiel Klavier und Orchester im ersten Satz ! -un, bis das entschluhsichere Hauptthema die Füh­rung übernimmt. Das Abagio steht in stärkstem

Kontrast zwischen ben beiben Ecksätzen; Innigkeit, Weihe ber Versunkenheit, vertieft burch bie zarten Farben bes Orchesters, lassen einen tiefen Blick in bie Seele bes Meisters tun. Um so bewußter bricht, zunächst leise anfüngenb, bann aber mit gespann­tester Energie bas Hauptthema bes granbiofen Schlußronbos hervor.

Jrmgarb Decker (Gießen) hatte ben Solopart übernommen unb bewies, daß sie die technischen Schwierigkeiten des Werkes wohl unbedingt zu be­wältigen gelernt hat. Ihre Fingerfertigkeit hat schon einen recht achtbaren Grad erreicht; aber noch ver­mag sie nicht die starken Anschlagskontraste in bem Maße herauszuarbeiten, wie es gerade diesem Kon­zert entsprechen würde. Wie weit das in Muskel­hemmungen begrünbet ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Ihr Forte dröhnt noch nicht; es hämmert noch nicht; ebenso rollt ihr Triller noch nicht völlig ausgeglichen. Dagegen ist ihre Kantilene vorläufig ihre stärkste Seite. Und so würbe der zweite Satz für sie zum Höhepunkt. In ber musikalischen Auf­fassung folgte sie ben Erforbernisfen des Werkes. Dem Orchester gebührt für bie saubere unb präzise Begleitung, von kleinen Unregelmäßigkeiten abge­sehen, besondere Anerkennung; Streicher wie Blä­ser, nicht zuletzt Hörner unb Klarinette, gaben ihr Bestes.

Zwischen den beiben großen symphonischen Schick­salsbekenntnissen Beethovens, der Fünften und der Neunten Symphonie, stehen drei Werke, die dem Rein-Menschlichen Raum geben, dem Erleben der Natur (Pastorale), dem gesteigerten Lebensimpuls (Siebente), der heiteren, abgeklärten Lebensfreude in ber Achten Symphonie. Es ist, als ob der Mei­ster bie Schwierigkeiten feines Daseins überwunden habe unb nun von hoher Warte aus ungetrübter heiterer Lebensbejahung Ausdruck verleiht. Dieser Zug zum Beschaulichen, der Freude am Intimen, läßt fein Ringen um große menschliche Probleme zu; alles erscheint verklärt durch einen finnigen Humor. In schärfster Prägnanz unb gedrängtester Formulierung der Themen ist gerade dieses Werk reich an Beglückendem für den Hörer. Nach einem reizvollen Allegretto als zweitem Satze, gibt Beet­hoven im dritten ein Menuett in ursprünglicher Behäbigkeit unb wohligem Behagen; in seinem Trio läßt er die Bläser solistisch konzertieren. Uebermut, sprühender Humor, der seinen musikalischen Zeit- genossen mit einem keck hingeworfenen Cis in F=Dur peinliches Kopfzerbrechen bereitete, läßt das Finale mit ungebrochenem Kraftgefühl sich ent-

i.....-

Diese Symphonie wurde zum Glanzpunkt des Konzertes. Vielleicht mochte gerade diese Musik, die frei vom Hintergründigen, schlagfertiges Zugreifen und blitzartiges Erkennen der musikalischen Ge­gebenheiten erfordert, Herrn Fritz C u j 6 besonders naheliegen. Mit feinem Eingehen auf alle bie zahl­reichen im Werke zerstreuten Momente köstlicher Kleinarbeit, übersah er keinen Einhaltepunkt unb artikulierte treffend, der Situation angemeffen. Von Klang- und Musizierfreube belebt war der Kopf­satz; dem Allegretto wäre stellenweise noch etwas mehr Abdämpfung von Vorteil gewesen; anderseits ließ auch dieser Satz ein feinsinniges Durcharbeiten erkennen. Dem Menuett verlieh er gesunden musi­kalischen Impuls, im Trio überboten sich Horn und Klarinette mit ihrem Können zu der bisfret unter­malenden Cellofigur. Das Finale wurde in feine einzelnen Episoden hinein durchleuchtet im liebe­vollen Nachschaffen mit dem Gipfel in der Coda. Die durchweg gleichmäßige Besetzung des Orchesters gewährleistete an jedem Pult durch Geistesgegen­wart und williges Mitgehen die Durchführung des Symphonie-Konzertes, dem leider nicht ein allzu zahlreiches Haus beschieden war. Um so stärker war 'ber Beifall ber Anwesenden in berechtigter An­erkennung des Gebotenen. Dr. H.

Sehnsucht 202.*

Das macht den Leuten im Kino Spaß, obwohl es im wirklichen Leben unb in einem gut geleiteten Geschäft nicht Vorkommen sollte: daß nämlich in einer Jnseraten-Annahme zwei Anzeigen mitein­ander vertauscht werden. Man kann sich ja vor­stellen, wie das ausgeht, wenn die eine Kundin am Schalter eine Millionärin ist, welche die nutz­bringende Anlage ihrer ungezählten Däuser erstrebt, die andere aber ein junges Fräulein, arm wie eine Kirchenmaus, das eine leidlich bezahlte Stellung an der Schreibmaschine zu erhalten wünscht. Will­kommener Anlaß für ein munteres Operetten- Durcheinander, und da das Jnseratengeschäst nicht nur einen Schalter für den Stellenmarkt hat, son­dern auch einen mit ber einladenden Aufschrift Heirat", so kann es nicht fehlen, daß sich die bei­den Damen trotz ihrer vermurksten Inserate zuletzt dennoch an dem Fensterchen, allwo seriöse Ehe­schließungen angebahnt werden, wiederbegegnen, um das Erforderliche in die Wege zu leiten. Die Regie, Max Neufeld, hat das Ganze hübsch unb reichhaltig ausgestattet unb mit allerlei drol- lcheu (Einfällen verziert. Die Gesangstexte (Inb, wie

gewöhnlich, ziemlich dünn, aber von Richard Fall (Verwandter von Leo?) recht witzig unb Operetten« gerecht instrumentiert. Weibliche Hauptrolle: Magda Schneider; lange nicht gesehen, sehr nett, ein bißchen wienerisch, macht auch von ihren gutgewach­senen Beinen Gebrauch. Als Partner: Fritz Schulz, der mit Talent auf Rühmanns Spuren wandelt, aber mit Gesang, worauf jener meist ver­zichtet. Das obligate zweite Paar: Louise Rainer unb Rolf van Goth. Ferner Paul Kemp, der es trefflich versteht, die Leute zum Lachen zu brin­gen, und Hans T h i m i g (aus der berühmten Fa- milie, jüngerer Bruder von Helene und Hermann) als der Mann am Schalter, der die ganze Ge­schichte auf dem Gewissen hat. Der Film er- schien gestern im Lichtspielhaus unb läuft bis zum ersten Feiertag.

Drei Lausbuben fahren Lokomotive.

Die Träume ber männlichen Jugend bewegen sich nicht mehr so sehr in den weiten Bezirken des Wilden Westens", auf der Prärie oder im Dschun­gel und gelten immer weniger bem gutenOld Shatterhand" undWinnetou", sondern sie tum­meln sich jetzt mehr im Reiche der Technik. Welcher richtige Junge hat sich nicht einmal gewünscht, spä­ter Flieger, Rennfahrer ober Lokomotivführer zu werden. Das sind für sie bie Gestalten, in denen sich ihre Vorstellung von männlicher Kühnheit und Kraft verkörpert. Drei englische Jungen aus Stock- port bei Manchester wollten sich mit der Welt der Träume nicht zufrieden geben; sie machten sich kurz entschlossen an die Verwirklichung ihrer Wünsche, wofür sie sich jetzt vor be;n Jugendgericht von Stock- port zu verantworten hatten. Die Drei hatten sich auf eine Lokomotive geschwungen, die gemächlich, aber schon unter Dampf in einem Schuppen auf Ar­beit wartete. Wie pochte ihr Herz, als sie die Ma« schine so zum Greifen nahe vor sich sahen, und sie konnten der Versuchung nicht widerstehen. Sie waren gewiß selbst am meisten erstaunt, als die Lokomotive ihren Handgriffen gehorchte und langsam über die Schienen rollte. Unterwegs mag ihnen aber schon selbst ängstlich beworben sein, und sie waren heil­froh, als sich bie Maschine nach einerabenteuer­lichen Fahrt" von einigen hundert Metern zum Stillstehen bequemte. Der Vorsitzende des Jugend­gerichts nahm ben Vorfall von einer etwas ernste­ren Seite, denn nach ben übereinftimmenben Aus- Iagen der Zeugen hätte gerade auf dieser Strecke ein lnglstck geschehen tonnen.