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Gießen in Hessen voran!

Dem Führer Dein ,3»*!!

trag von 200 Mark ausgehändigt wor­den war, begaben sich der Unbekannte und die

in e -

aeschäft, wo er tatsächlich bereits einen Sara

Auftrag gegeben hatte. Nachdem ihm der B

Gedankenvoll klappt man das Tagebuch zu.

Noch war damals nicht die Schicksalsstunbe Deutschlands. Erst genau sieben Monate später übergab der Reichspräsident dem Führer die Macht und wurde dadurch der Schirmherr der national­sozialistischen Revolution. Eins aber ist gewiß: H i t- l e r gestern und heute ein Sohn des Volkes, aber sein Führer.

TreuekundgebungderOpelgeMchastzWMer

Neichsstatthalter Gauleiter Sprenger über die Volksabstimmung.

Stunden mit Hitler.

Tagebuchblätter aus der Kampfzeit.

Don Dr. Friedrich Bvbendey.

spielt mit ihm, um dann gleich darauf wieder ge­strafft alle Anordnungen für die Abfahrt zum Reichsoberhaupt zu treffen, für eine, vielleicht für die Schicksalsstunde Deutschlands.

Wir wissen, daß Adolf H i t l e r die Wiedergeburt Deutschlands in Der Seele des deutschen Menschen begonnen hat. Dieses Menschlich-Seelische ist es auch, was seinem Wesen den Stempel aufdrückt. Alles ist Natur, alles ist Natürlichkeit, nichts ist Schein, nichts Aufmachung, nichts Pofe. Wie ein Mensch unter Menschen lebt der Führer. Aber: was für ein Mensch ist er! *

Das Auto fährt vor. Gepäck wird verstaut. Adolf Hitler gibt uns die Hand, sieht uns tief, ernst, ruhig in die Augen. Vielleicht ist Hitler in diesen schick- salsbewegten Stunden der ruhigste Deutsche der un­ter uns lebt.

Ein Ruck. Der Wagen mit dem Führer rollt um das Rondell, rollt in die Kastanienallee, biegt ein in die Landstraße und faucht ungestüm davon, gen Berlin, zum Reichspräsidenten ...

Innenpolitisch bedürfte es keiner Volksabstimmung am 19. August.

Diese Volksabstimmung hat ungeheure Bedeu­tung angesichts der Haltung des Auslandes. Die ganze Welt schaut auf uns. Dir wollen ihr einmütig am Sonntag beweisen, daß die Zeiten vorüber sind, in denen ausländische Einflüsse sich in Deutschland geltend machen konnten.

Wir sind gewillt, mit dem Auslande im friedlichen Wettbewerb zu leben, aber wir sind auch gewillt, wenn es sein muß, uns unabhängig vom Auslande zu machen.

Wir wollen am 19. August dem Führer jetgen, daß wir in geschlossener Gefolgschaft hinter ihm stehen. Wir wollen ihm durch Treue und Dank­barkeit die Kraft und das Vertrauen neben, daß er den Weg findet zu neuen unerhörten Taten.

Der Reichsstatthalter schloß seine von tiefer Ueher- zeugungskraft getragenen Ausführungen mit den Worten:Der ganze Gau soll am Sonntag ein einziger Aufschrei sein: EinJa!" für Adolf Hitler.

Ein dreifachesSieg-Heil!" auf den Führer und das Horst-Wessel-Lied schlossen die erhebende Kund­gebung.

Ein Kamerad, und doch: welch' innerer Abstand, der überhaupt nicht zuläßt, diesem Manne mit irgendwelchen Kleinigkeiten zu kommen oder gar sich plump-vertraulich an ihnheranzumachen".

Wieder schrillt das Telephon. Ich hebe den Hörer ab. Meine Schriftleitung aus Schwerin ruft an:D i e Reichsregierung ist soeben z u r ü ck g e tr e t e n." Harrah! Die Meldung muß ich als erster dem Führer bringen! Also raus aus dem Zimmer, auf die Diele! Wo ist er? Dort!Die Reichsregierung ist soeben zurückgetreten!"

Der Führer lacht. Nicht triumphal. Nicht über­legen, nicht überheblich. Aber man sieht's ihm an: er wußte es natürlich schon längst.

Und es ergibt sich, daß man am Abend vorher im Quartier des Führers schon Verhandlungen hoch­politischer Art führte. (Später guckt man scheu in dashistorische" Zimmer).

Und man erfährt, daß Reichspräsident Hinden­burg den Führer für den späten Nachmittag zu sich nach Berlin berufen hat.

Reichskanzler Brüning war gestürzt.

Aber noch wußte es die Welt nicht.

Der Führer befand sich damals, Ende Mai 1932 in heißem Wahlkampf um die Eroberung der Macht im Lande Mecklenburg-Schwerin. In fünf gewalti­gen Kundgebungen gelang es ihm, den Gegner zu schlagen und zu besiegen. Mecklenburg-Schwerin wurde nationalsozialistisch.

Heute liegt das alles weltenfern zurück. Heute ist ganz Deutschland nationalsozialistisch. Aber gerade heute, wo wir wieder einer gewaltigen Volksabstim­mung entgegengehen, kommen einem die Gedanken: Wie war es damals? Damals, als man auf einem stillen Gutshof weltgeschichtliche Stunden mit dem Führer verleben durste.

Man nimmt fein Tagebuch zur Hand und liest.

lieber regenglatte Chausseen rast das Auto, das uns in das Quartier des Führers bringen soll. Noch zwei, drei knatternde Kilometer, dann biegen wir in die breite Kastanienallee ein, die zum Gutshof führt. Langsam geht's um das Rasenrondell. Der Wagen hält.

Pudelnaß steigen wir aus, eilen die Stufen zum Hause hinauf, um Schutz vor dem Wetter zu suchen, da sitzt, völlig überraschend, an einem mit Karten bedeckten Tisch der Führer.

Alter soldatischer Erziehung gemäß fliegen die Hacken zusammen, der Arm streckt sich zum Gruß. Der Führer steht auf, sieht dem Ankömmling, von dem er noch nicht weiß, wer er ist, ins Auge, drückt ihm die Hand: ein Kamerad begrüßt den andern. Vielleicht ist dies der stärkste Eindruck, den man mitnimmt: dieses selbstverständliche Zusammenge­hörigkeitsgefühl.

Eine Viertelstunde Arbeit mit einem Beauftrag­ten Hitlers hält uns im Herrenzimmer fest. Das Telephon schrillt. Der Führer wird aus München verlangt. Im süddeutschen Dialekt gibt er seine An­weisungen. Und er, dem die Geschicke Deutschlands durch den Kops gehen, er, der für Millionen denken muß, er sorgt dafür, daß man in München am Monatsersten auch die nicht vergißt, denen sonst sein leibliches Wohl anvertraut ist.

Könnte man doch mehr berichten von diesem Ge­spräch, das mit einem Schlage aufdeckt, in welcher selbstgenügsamen Einfachheit das äußere Leben des Führers abläuft.

Und wo man ihn auch sonst schaut und verstoh­len in seinem Gesicht zu lesen versucht, immer wie­der diese herrliche Ruhe und Zuversicht! Keine be­deutungsvoll erscheinende Miene, keine Stirnfalten, keine heroischen Gesten! Einfach, schlicht, bescheiden. Und doch! Es ist etwas anderes; es ist wohl die unerhörte Selbstsicherheit dieses Mannes, der keiner­lei Maske, keinerlei Allüren benötigt, um durch sich zu wirken.

Frau gemeinsam auf den Weg in deren Wohnung. Unterwegs entfernte er sich mit dem Bemerken, er wolle sich eine Taxe zur Heimfahrt beschaffen. Er kehrte jedoch nicht zurück. Nun schöpfte die Geschädigte Verdacht und stellte fest, daß ihr Mann wohlbehalten seiner Arbeit nachging und sie einem Betrüger ins Garn gegangen war. Don dem Mann fehlt bis jetzt jede Spur. Die Polizei- lichen Ermittlungen Dauern an.

Nächtliches Abenteuer eines Feldhüters

][ Marburg, 16. Aug. Ein merkwürdiges Er. lebnis, das fast wie Jägerlatein anmutet, hatte in letzter Nacht der hiesige Feldpolizeiwachtmeister Becker. Als Becker gegen 2.30 Uhr nachts fein um den Stadtteil Ockörshausen gelegenes Revier ab- ging, um auf Obstdiebe zu achten, glaubte er in einem am Wege stehenden Apfelbaum Geräusche zu hören. Kaum hatte er mit feiner Taschenlampe die Aeste des Baumes nach den vermeintlichen Obst- bieben abgeleuchtet, als ihm zu seinem Schrecken plötzlich zwei merkwürdige Tiere an die Beine fuh.

LPD. Rüsselsheim, 16. Aug. Die Opelstadt stand heute im Zeichen des Besuches des Reichsftatt- halters Gauleiters Sprenger, der am Nach­mittag im Fabrikhof der Opelwerke zur Gefolgschaft sprach. In den Straßen, die der Wagen des Reichs­statthalters passierte, hatten SA., SS., NSKK., NSBO., PO. und HI. mit ihren Fahnen Auf­stellung genommen. Beim Eintreffen im Fabrikhof wurde Reichsstatthalter Sprenger von dem Kreis­betriebszellenobmann K? auß und dem Betriebs­führer Dr. Fleischer der Opelwerke begrüßt. Im Fabrikhof hatten sich etwa 15 000 Werksangehörige der Opelwerke versammelt, um aus dem Munde des Reichsstatthalters einen

letzten Appell

vor der Volksabstimmung zu hören. In großen Transparenten hatten einzelne Abteilungen den Dank an den Führer für die Beseitigung der Ar­beitslosigkeit zum Ausdruck gebracht. Reichsstatthal­ter Sprenger führte in seiner Ansprache u.a. aus:

Adolf Hitler hat die deutsche Volksgemeinschaft geschaffen und so die jahrtausende alte Sehnsucht des deutschen Volkes zur Tat werden lassen. Als Hitler nach dem Zusammenbruch den Entschluß faßte, Deutschland zu retten, begann für ihn ein steiniger, aber auch aufwärtsführender Weg. Ihn schreckte kein Hindernis auf seinem Wege zum Ziel. So kam der 30. Januar 1933 und mit ihm der Aufbau auf allen Gebieten. Ueberall in der Wirtschaft begann es sich zu regen, und

niemand hal eindrucksvoller diesen Aufstieg er­lebt als die Werksangehörigen dieser großen krastwagenfabrik Deutschlands. Zählten doch die Opelwerke bei der Machtübernahme Adolf Hit­lers 6000 Werksangehörige, und heute steht das Dreifache in Arbeit.

Gerade die Kraftwaaeninbustrie hat in Deutschland den bedeutendsten Aufstieg genommen* dank der Maßnahmen der Regierung Adolf Hitlers auf steuerlichem Gebiete. Wer offenen Auges durch die Welt geht, sieht, wie überall auf den Straßen bei dem Bau der Autobahnen sich die Hände regen. Die­ses alles stellt aber nur erst den er ft en Schritt des deutschen Volkes auf sei­nem Wege zum Aufstieg dar. Die Regie­rung wird unentwegt danach streben, daß auch die letzten Volksgenossen in Arbeit gebracht werden.

Nachher bei Tisch, im Kreise von vierzehn Mit­tagsgästen, sitze ich ihm unmittelbar gegenüber. Aber es wird bei Tisch nicht etwa laut und hoch­mütig gejubelt. Nur eine stille ja man kann es so beschreiben: eine stille Glückseligkeit lag über uns allen. Die 14 Jahre Kampf, sie schienen beendet zu sein!

Inzwischenprassen" wir, inzwischentafeln" wir! O, ihr Schwätzer, ihr Verleumder!Praßt" Adolf Hitler? Nun, er ißt wie jeder Sterbliche sein ein­faches Mahl. Damit ist aber auch alles gesagt.

... und während wir unsere Gläser erheben, stößt der Führer mit einem Glas Sauerbrunnen an. Das sind die Sektgelage Adolf Hitlers!

ren, die sich wie toll gebärdeten, bissen und kratz­ten. Im Scheine seiner Lampe stellte er fest, daß es sich um ein Dachspaar handelte, das mehrere Junge bei sich führte und wahrscheinlich aus dem nahen Stadtwald unter die Obstbäume herübergewechselt batte. Der Beamte mußte schließlich Die sonst so scheuen Tiere, Die jedenfalls ihre Jungen in Gefahr wähnten, durch einen Pistolenschuß verscheuchen. Zum Glück trug er Ledergamaschen, welche durch das Kratzen und Beißen der Tiere ziemlich beschä­digt wurden.

Ein Schwarzsender entdeckt.

LPD. Herborn, 16. Aug. In Ballersbach bei Herborn entdeckten Beamte Der Post auf her Suche nach Rundfunkstörern bei einem Schlosser eine komplette S e n i> e r a n I a g e, mit der der Mann mit der Schweiz, mit Holland und anderen ausländischen Empfängern in Verbindung treten konnte. Man vermutete zunächst andere Motive; es stellte sich iedoch heraus, daß es sich lediglich um die Liebhaberei eines Radiobastlers handelte. Der Apparat wurde von der Gendarmerie beschlagnahmt.

Schwerer Moton adunfall in Offenbach.

LPD. Offenbach, 16. Aug. Gestern abend, kurz vor 20 Uhr, ereignete sich auf der Mühlheimer Landstraße ein schwerer Motorradunfall. Ein Motorradfahrer, der aus Richtung Offenbach kam, und ein weiterer, der von Mühlheim her fuhr, stießen aus bisher ungeklärter Ursache zusam­men. Beide erlitten schwere Verletzungen. Der Mühlheimer Fahrer hat außer einem schweren Schädelbruch auch noch sonstige schwere Ver­letzungen. Der andere Fahrer, der aus Gelnhausen stammt, hat einen Bruch des linken Ober- und Unterschenkels erlitten. Beide Verun­glückten wurden in bedenklichem Zustand in das Offenbacher städtische Krankenhaus über- führt.

Dillkreis.

LPD. Herborn, 16. August. Am Donnerstag gegen 13 Uhr wurde im Nachbarort Dicken Das Ge­span n eines Bickener Landwirtes non der Lo­komotive eines Leerzuges erfaßt. Der Mann hatte trotz des Läutens der Lokomotive Deren Herannahen nicht bemerkt. Nur durch die Geistesgegenwart Des Lokomotivführers, der sofort bremste, wurde ein größeres Unglück verhütet. Das Gespann wurde lediglich zur Seite geschleudert. Verletzt wurde niemand.

Während des Essens spielt der Führer mit dem reizenden Töchterchen des Hausherrn. Er hat ins­geheim ein Kästchen mit Süßigkeiten besorgen lassen. Und nun schauen beide, der Führer und das Kind­chen, in das bunte Gewirr der Näschereien: welches Stück ist das schönste?

Auch nachher, während ein wichtiges Ferngespräch mit Dr. Goebbels geführt wird, fitzt der Füh- rre mit Dem blonden Mädelchen zusammen und

Warnung vor einen gemeinenBetrüger.

LPD. Frankfurt a. M., 16. Aug. Bei einer Ehefrau in der Landsberger Gasse erschien vor einigen Tagen ein Mann, der sich Müller nannte, und fragte, ob ihr Ehemann in sein Ge­schäfts wo er selbst Filialleiter sei, gegangen sei. Als dke Frau das bejahte, machte er die Eröffnung, daß ihr Mann soeben mit einem Auto tödlich ver­unglückt sei. Er sei von der Firma beauftragt, ihr dies mitzuteilen und auch, daß die Firma bereit fei, die Hälfte der Beerdigungskosten zu tragen. Er sei von der Firma weiter beauftragt, i h r bei allen Formalitäten behilflich zu fein. Nachdem der Unbekannte durch Fragen in Er­fahrung gebracht hatte, daß die Frau in der Lage war, die Hälfte der angeblich nötigen Kosten zu tragen, veranlaßte er sie, den Betrag auf der Bank abzuheben. Vorher führte er die Frau in ein Sarg-

Gespensterschiffe.

Von Waldemar Keller.

Dor einiger Zeit mußte ein norwegischer Damp­fer im englischen Kanal von der Mannschaft ver­lassen werden. Es herrschte dichtester Nebel, das Schiff trieb hilflos mit der Strömung, tauchte ein­mal hier, einmal dort auf, bis es verschwand und nie mehr gesehen wurde. Wahrscheinlich ist es wäh­rend eines Sturmes an den Klippen zerschellt und untergegangen.

Dies ist der typische Vorgang, mit dem fast alle Sagen von Gespensterschiffen zu erklären sind. Ein treibendes Wrack, ohne eine Spur von Leben an Bord, wird im Nebel oder im Mondschein gesichtet, man ruft es an, erhält keine Antwort, das Wrack verschwindet, wird von Seeleuten auf anderen Schiffen ebenfalls festgestellt, und schließlich hort und sieht man nichts mehr davon: als Gespenster­schiff geistert es über Die Ozeane. Wer erlebt hat, wie unheimlich gerade der Nebel auf See die Grö­ßenverhältnisse verzerrt und w-lch beklemmenden Eindruck unter solchen Umständen ein lautlos vor» deischastkelnder Dampfer ober eine mit vollen Segeln sinnlos taumelnde Bark hervorruft, dem wird zur Erklärung Der vielen Meergespenster eigentlich nichts fehlen. Kommt hinzu, daß die Fahrensleute", wie die Mannschaften vor dem Mast genannt werden, auch heute noch sehr aber­gläubisch sind. Seltsame Naturerscheinungen in den tropischen Meeresteilen und die tiefe Einsamkeit Der Nächte begünstigen diesen Aberglauben, haben ihn vermutlich gezüchtet, und es bedarf meist nur eines geringen Anstoßes, um ihm neue Nahrung zu geben.

Kein Küstenstrich auf der ganzen Erde, Der nicht sein Spezialgespenst hätte! Entweder wurde die Er- zählung heimkehrender Seeleute zum Anlaß der Sagenbildung oder ein Ereignis an der Küste selbst lieferte den Stoff. Eine der interessantesten (Be- spensterschiff-Sagen ist noch immer in dem ameri­kanischen Ort Medford (Massachusetts) lebendig, interessant deshalb, weil sie sich auf ihren Ursprung zurückverfolgen läßt. Ein geisterhafter Kapitän, heißt es, fahre in alle Ewigkeit mit einem Toten­schiff umher. Der Sage aber liegt dieser Tatbe­stand zu Grund?: Ein kleines Segelschiff, auf der Reise von Medford nach Westindien, geriet in Windstille, die Lebensmittelvorräte und das Wasser wurden knapp, und von der Besatzung starb einer nach dem anderen, bis kein lebendes Wesen mehr an Bord war. In diesem Zustande fanden See­räuber das Schiff. Da Anrufe nicht erwidert wurden, liefen fit sorglos längsseits, und der Pi«

ratenkapitän sprang als Erster an Deck des frem­den Fahrzeugs. Kaum war dies geschehen, als ein steifer Wind aufkam, der sich bald zum Sturm er­hob. Das Seeräuberschiff trieb ab, konnte infolge des einsetzenden Wellenganges nicht zum zweiten­mal neben Dem Segler anlegen, auf dem sich der Kapitän befand, und Prise und Führer mußten einem ungewissen Schicksal überlassen werden. Man hat von dem Totenschiff nie wieder etwas gesehen. Wahrscheinlich ist es mangels jeder Navigierung sofort im Sturm untergegangen. Der Sage nach aber fährt es in der karaibifchen See umher und bringt Tod und Verderben allem, was ihm in den Weg kommt. Es ist nicht unmöglich, daß Wilhelm Hauffs bekannteGeschichte von dem Gespenster­schiff" auf diesem Vorgang basiert.

Die einschlägige Literatur, so wenig zugänglich sie ist, weist übrigens eine ganze Menge sogenann­ten beglaubigter Tatsachen auf. Eine davon mag erwähnt werden. Sie findet sich in dem Buch, das die Kreuzerfahrt derBacchante" erzählt, einer englischen Fregatte, die in den Jahren 1879 bis 1882 den jetzigen König von England durch alle Meere führte. Er war damals nach Prinz von Wales und Seekadett. In der Nacht zum 11. Juli 1881, am Kap Horn, leuchtete plötzlich an Steuer­bord ein roter Schein auf, in dessen Mittelpunkt die Masten einer Brigg deutlich zu unterscheiden waren. Die Entfernung zwischen der Fregatte und dem seltsamen Nachtphantom betrug nicht mehr als 200 Meter. Der Prinz und zwölf Personen bezeugten schriftlich, das fremde Licht und die Brigg gesehen zu haben. Mit einem Schlage war dann alles verschwunden. Merkwürdigerweise verun­glückte unmittelbar darauf der Ausgucksmann, der das Licht gemeldet hatte; er fiel aus dem Vortopp an Deck und blieb zerschmettert liegen. Es kann kaum ein Zweifel besteyen, daß es sich auch in diesem Fall um ein Wrack gehandelt hat. Vielleicht ist die treibende Brigg in das Zentrum einer Me- teorerscheinung geraten, und es läßt sich denken, welchen Eindruck diese Szene auf den armen Aus­gucksmann gemacht hat. Er verlor vor Schreck Das Gleichgewicht und stürzte ab.

Unmöglich kann man von Gespensterschiffen reden, ohne den Fliegenden Holländer einzubeziehen. Die Sage an sich ist zu bekannt, als daß sie einer Erläuterung bedürfte. Weniger be­kannt sind Die Ereignisse, Die ihr zu Grunde liegen, und der Zeitpunkt ihrer Entstehung. Man nimmt wohl allgemein an, daß die Sage in der Blütezeit der holländischen Ostindien-Kompagnie (1602 bis 1795) entstanden ist. Dies trifft aber nicht zu. Die Erzählungen vom Fliegenden Holländer tauchten erst nach dem Jahre 1806 auf und knüpfen sich an

das tragische Schicksal des holländischen Kapitäns Vanderdecken, der ums Kap der Guten Hoff­nung nach Indien fahren wollte. Unterwegs brach an Bord feines Schiffes eine Seuche aus, vermut­lich die Beri-Beri-Krankheit. Vanderdecken versuchte mehrfach, einen Hafen anzulaufen, wurde aber stets von den Behörden zurückgewiesen, Da man eine Einschleppung der Seuche befürchtete. Wieder und immer wieder mußte der holländische Kapitän aufs Meer hinaus. Er ist Dann mit seinem Schiff Der« schollen; offenbar hat die Seuche die gan$e Mann- scyaft dahingerafft, worauf ein Sturm die hilflose Bark zerschlug. Nachträglich, im Laufe der Jahr­zehnte, sind diese Ereignisse bann zurückdatiert worden.

Hochzeitsreise auf dem Tandem.

Inmitten Der durch die Technik räumlich aus- gemeiteten Reisewelt, die den Geaenwartsrnenschen dazu anspornt, auch in der kürzesten Freizeit mit­tels Kraftwagen, Schnellzug oder Flugzeug sich meilenweit weg an einen anderen Fleck Der Erde zu versetzen, feiert zuweilen doch noch die Be­scheidenheit und Anspruchslosigkeit Triumphe. So kann ein kurzer Ausflug vor die Stadt manchmal ein tieferes Gefühl Der Erholung in freier Natur bieten, als eine bis in alle Einzelheiten festgelegte Reise durch die halbe Welt, und eine Rcrdfahrt ins Grüne kann sich manchmal getrost den Freuden vergleichen, die eine vieltägige Autotour verspricht. Es ist dann, als überschlage sich mit einem Male aller moderne Reisebetrieb, und die größte Gunst wird unversehens Demjenigen gewährt, der auf Schusters Rappen oder durch Treten der Pedale seines biederen alten Fahrrads in die schone Welt hineinzieht. So hat sich türaüd) ein Brautpaar aus Eastbourne in England, Mr. A. E. Wren und Miß Doris Geall, erst gar nicht die Mühe genom- men, einen Berg von Reiseprospekten durchzulesen, um zu erfahren, wo allein in Der Welt sie in ihren Flitterwochen ganz glücklich fein konnten, sondern sie haben als schlichte Radfahrer den Entschluß ge­faßt, die Hochzeitsreise hoch zu Stahlroß zu unter- nehmen und nicht mehr an Gepäck mitzuschleppen, als sich eben auf ein Fahrrad packen läßt, ohne die Fahrer zu behindern. Als sie in diesem Entschluß einig waren, da bedurfte es nur eines Augenblicks, und Der große Gedanke war geboren, daß es nicht Zwei Räder sein Dürften, mit Denen sie ins Grüne fahren würden, sondern nur ein einziges, ein Tan- Dem! Das war nun zwar ein altertümliches, selten gewordenes Gefährt aus Vaters und Mutters Jugendzeiten, aber es ließ sich auftreiben, es wurde geputzt und in Stand gesetzt. Schon die Probefahrt

zeigte die unübertrefflichen Vorzüge dieses Fahr­zeuges für angehende Eheleute: Man ist stets nahe beieinander und kann selbst im größten Menschen­trubel schlecht voneinander getrennt werden. Der künftige Beschützer der jungen Dame, der selbstver­ständlich vorne sitzt und die Führung übernimmt, kann sich als Wegbahner bewähren, und die Ge­fährtin muß immer in seiner sicheren Spur bleiben. In die gleiche Richtung fahren sie und im gleichen Rhythmus treten sie die Pedale. Der Vordermann darf nicht zu stürmisch sein und die Gefährtin muß mit ihm traben, auf und ab, durch Freud und Leid. War es Da ein Wunder, daß sich die Ausfahrt Der beiden aus ihrer Heimat unter Dem Jubel der Nachbarn und Freunde vollzog, ja Daß die ganze Stadt auf den Beinen war und Die Gassenjungen Den Hochzeitsfahrern auf Schusters Rappen noch ein gut Stück auf Die Landstraße des Lebens hin­aus Das Geleit gaben! Der Fahrradhändler aber, der das alte Tandem aufgestöbert und wieder in Schuß gebracht hatte, stand nachdenklich unter feiner Ladentüre und kam, als die Jungvermählten mit fröhlichem Winken bei ihm vorbeifuhren, auf einen großartigen Gedanken: Er wird von nun an ein Tandem bauen, besonders für Hochzeitsreisende: und Da die Flitterwochen nicht ewig Dauern, sollen Die Gepäckträger an Der Lenkstange und hinter dem Sattel gegen Kindersitze auswechselbar gefertigt werben! Radheil!

Zeitschriften.

- Das Augustheft DerDeutschen Zeit­schrift" (Callwey, München) bringt u. a. eine Freiburger UnioerfitätsrebeDeutschlanbs Mittel- alter Deutschlanbs Schicksal" von Hermann Heim- pel. worin nach Dem Wesen des deutschen mittel­alterlichen Staates überhaupt gefragt wird, um bas Schicksal zu verstehen, bas er uns aufgegeben hat. Der Absicht politischer Bildung dient ferner Die Ver­öffentlichung Der Rede Rubolf StabelmannsDer Kampf um bie Saar" bei Der Saarkundgebung Der Universität Würzburg, Die bas hartnäckige An­nexionsstreben Frankreichs nach Dem SaarlanD seit Lubwig XIV. in helles Licht rückt. Aus Dem übrigen Inhalt Des Heftes sinb noch zu nennen: Zwei Ge­schichten von Martin LuserkeDer Wolf auf Spoek- lund" undWinDvogel in Der Nacht"; eine Erzäh­lung von Joh. V. JensenDer Monsun"; Der Auf­satzVom Unterschieb zwischen Der italienischen und Deutschen Musik^' von Heinrich Schenker. Kunst-, Buch- unb Schallplattenberichte veschließen Da» wert­volle Heft.