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Streifzuge durch bayerische Hochgebirge.

Die deutsche Alpensehnsucht.

München im Mai.

Der Fremde darf und kann nicht Gcaen- stand wirtschaftlicher Ausnützung sein, son­dern vornehmlich Mittelpunkt einer fürsorg- sorglichen Gastfreundschaft".

Diesen Satz hat der bayerische Staatsminister Hermann Esser als oberster staatlicher Treu­händer des deutschen Fremdenverkehrs in einem Aufruf zum Fremdenverkehrssommer 1934 in Bayern geprägt und allen bayerischen Gastgebern nachdrücklich ans Herz gelegt. Die Energie und die Tatkraft Hermann Essers brachten es in der Tat zuwege, daß die ganze bayerische Fremdenver­kehrspolitik diesem sittlichen Grundsatz des Natio­nalsozialismus untergeordnet wird, daß die Frei­beuter des Fremdenverkehrsgewerbes an die Zügel genommen wurden und durch sanften Nachdruck von oben die innere Einstellung annehmen muß­ten, daß auch hier Gemeinnutz vor Eigen­nutz gehe.

Im Fremdenverkehrsgewerbe besagt dies vor allem, daß sich niemand von den gemeinsamen Auf­gaben der Fremdenverkehrsorte ausschließt, der von dem Besuch der Gäste persönlichen Nutzen hat. Unter dieser Parole wurde in ganz Südbayern viel Neues für die Bequemlichkeit der Gäste ge­schaffen, konnten die Verkehrsvereine und Kurvsr- bände ihre Einnahmen erhöhen, Anlagen schaffen, Spazierwege anlegen, Lesezimmer einrichten oder verbessern und ganz allgemein zur Verschönerung des äußeren Bildes der Kurorte und Sommerfri­schen beitragen. In diesem Sommer wird Süd­bayern ein noch freundlicheres und lustigeres Ge­sicht zeigen als seither, und von oben her wurde eindringlich darauf hingewiesen, daß der Fremde auch in den kleinsten und abgelegensten Dörfern sauoere Straßen, einwandfreie Häuserfronten und gemeindliche Einrichtungen für die Gäste vorfindet. Die Preispolitik vollends soll den Entschluß leicht machen, wiederzukehren! Auf eine Forderung des Staatsministers Esser hin wurden die Kurabgaben in den bayerischen Kurorten angepaßt an die ge­sunde Kaufkraft und eine Reihe von überlieferten Mißständen und Hindernissen beseitigt, die früher den Aufenthalt und die Erholung auf dem Lande $u stören geeignet waren und manchesmal zu Ver­ärgerungen führten.

Seit vielen Wochen herrscht in Bayern sommer­lich warmes Wetter, und auch die Natur hat alles aufs Beste vorbereitet, um sich den Gästen aus aller Welt in ihrer reichsten und üppigsten Hoch- aebirgsschönheit zu zeigen. Man kann sich in der Tat kein gewaltigeres und gleichzeitig lieblicheres Erholungsgebiet denken, als jenes Land, das sich in einer Breite von rund 250 Kilometern vom Bodensee bis zum Königsee erstreckt. Hochebene, Vorgebirge und schneebedeckte Felsberge, die bis zur Dreitausendmetergrenze ansteigen, wohnen dicht beieinander und gehen ineinander über. Dieses ron der Natur so reich gesegnete wundersame Ge­biet ist gleichzeitig übersät mit ungezählten Denk­mälern einer alten Kultur, aus denen im Stein der Reichtum der Geschichte dieses Landes zu uns spricht. Es ist das Land der Kirchen und Klöster, der Burgen und Königsschlösser, und nirgends finden wir so herrliche Beispiele des deutschen Barock.

In den Tälern der bayerischen Berge aber wohnt ein Menschenschlag, ureingesessen und bodenständig, der am hartnäckigsten einen übertriebenen Zivili­sationsbetrieb ablehnt und ihm mit Erfolg Wider­stand leistet. Diese Tatsache erscheint uns in der heutigen Zeit erst recht bedeutungsvoll und für den erfreulich, der in einer schönen, mannigfaltigen Natur unter biederen, bedächtigen und geruhsamen Menschen Erholung sucht. Nicht umsonst zieht es den Führer und viele seiner Mitarbeiter immer wieder ins bayerische Hochgebirge, weil hier die Unrast der Großstadt in dem tiefen Frieden von Natur und Mensch, die hier wirklich noch eine erd­verbundene Einheit darstellen, am besten cusge- schaltet und überwunden werden kann.

Welche Wohltat schon allein, wenn man sofort nach der Ankunft in einem oberbayerischen Ge­birgsdorf oder Kurort die kleidsame kniefreie Hose, das Leinenhemd und die bunte Trachtenjoppe an­ziehen kann und in dieser Tracht, der sogenannten kurzen Wichs", sich besonders mit Land und Leu­ten verbunden fühlt. Welche Freude, auf Schritt und Tritt uralten Volksbräuchen und Sitten zu be­gegnen, die der ehrlichen, einfachen, graben Ge­sinnung des Oberbayern entspringen, der mit un­sagbarer Zähigkeit am Althergebrachten hängt und daran festhält.' Ist es nicht eine Erholung, statt Jazzmusik dem Zitherspiel der jungen Burschen unter der alten Dorflinde zu lauschen, alte, lustige Stanzerln und ernste Volkslieder in altbayerischem Dialekt zu hören oder den Volkstänzen zuzuschauen, die von jeher von Geschlecht zu Geschlecht über­liefert und treu bewahrt wurden? Wer das Glück hat, erlebt einen feierlichen Ritt der ganzen Bauern­schaft oder eine Umfahrt mit den alten bunten Wagen wie am Sankt Georgi- oder Leonharditaa Mensch und Tier glänzen im Feststaat, man sieht die wunderbarsten Trachten der Vorzeit, die aus solchem Anlaß aus den Familientruhen hervorge­holt werden, Riegelhauben und Mieder, Spitzhüte und lange bunte Röcke, und alles, was in tausend­facher farbiger Abwechslung von den Vorfahren übernommen wurde. Der neue Staat aber hegt und pflegt die alten Bräuche, die sich nirgends sonstwo tn so reicher Mannigfaltigkeit erhalten haben und schützt ihre Ausübung nach alter Sitte.

Ereignisse ganz besonderer Art bilden in diesem Sommer einen außergewöhnlichen Anreiz zu einer Urlaubsreise nach Bayern. Dieses Jahr steht zu­nächst im Zeichen des Jubiläums der Ober­ammergauer Passionsspiele, die vor dreihundert Jahren aus einem tiefreligiösen Empfinden heraus geboren wurden. Inniger noch und feierlicher als je zuvor wird dieses weltbe­rühmte Spiel vom Leiden und Sterben des Er­lösers vor unseren Augen erstehen, und die Spiel­leitung setzt ihre vornehmste Pflicht daran, die Auf­führungen würdig ihrer alten Tradition zu gestal­ten und sich in wahrem nationalsozialistischem Geiste ihrer großen Aufgabe zu unterziehen. Die Wagner-Festspiele in Bayreuth und in München üben in hervorragender Besetzung eine verstärkte Anziehungskraft aus. Die Stadt München, in der sich ja fast jeder Bayernfahrer einige Tage aufhält, bietet darüber hinaus den Besuchern zwei Ausstellungen von internationaler Bedeutung, die Siedlungsausstellung 1934 und die hochaktuelle AusstellungDie Straße". Beide Aus­stellungen bleiben den ganzen Sommer über ge­öffnet.

Der schnelle bevorzugte Ausbau der modernen Verkehrsmittel in Südbayern hat uns nun dieses meistbefuchte deutsche Fremdenverkehrsgebiet von Jahr zu Jahr verkehrstechnisch immer näher ge­rückt. Die neuen Schnellwagen der Reichsbahn, die durch die Elektrifizierung der ©treten in Süd- deutschland wesentlich verkürzten Fahrzeiten, das Flugzeug, das neueroings auch von München aus die wichtigsten Fremdenverkehrsorte des bayerischen Hochlandes aufsucht und die Gäste in wenigen Mi­nuten von der Großstadt an den Ort ihrer Er­holung inmitten der Berge befördert, und zahl­reiche Querverbindungen durch Kraftpostlinien er­möglichen es, in kurzer Frist von jedem Ort des Reiches aus bis in die entlegensten Alpentäler und Alpendörfer vorzudringen. Groß ist in diesem Sommer die Zahl der ganz bedeutend ermäßigten Sonderzüge nach Oberammergau und Südbayern und mannigfaltig die Möglichkeit zu vorteilhaften Pauschalreisen der verschiedensten Art und Dauer des Aufenthaltes.

Es ist unmöglich, in diesem Rahmen das weite deutsche Alpenland im einzelnen zu beschreiben. Das Bodenseegebiet, das bayerische Allgäu, das Werdenfelser Land, die Tegernseer und die S ch l i e r f e e r Berge, die Berge des Ehiem- gaues und schließlich das Berchtesgadener Land, jedes einzelne Gebiet hat seine Eigenart, seine

Der Mann am Fenster.

Von Victor Klages.

Düster und drückend ist das Wetter. Am Himmel graue Wolken. Manchmal nur schimmert die Sonne wie ein bleicher Fleck hindurch. Es liegt etwas Un­heimliches in der Luft. Oder bild' ich es mir ein?

Das Erlebnis von gestern abend steckt in den Gliedern. Keine Erklärung zu finden. Ich suche und suche. Ratlos sitz' ich an diesem nüchternen Hotel­tisch, kein Strahl des aufheiternden Lichts fällt in mein Zimmer, und es ist wohl nicht weiter ver­wunderlich, daß der Schauer des Unheimlichen mich anrührt. Aber es muß eine Erklärung geben! Nach einer traumschweren Nacht ist der Kopf zum Zer­springen, Wände schließen mich ein, vergeblich renn ich gegen diese Wände.

Vielleicht wird mir leichter, wenn ich erzähle, was geschah. Es wird dabei kein Geschrei geben. Alles ist einfach und lautlos. Aber lautlos wandeln wir auf den Pfaden der Weltgeheimnisse.

*

Ich habe die Angewohnheit, nachts bei offenem Fenster zu schlafen. Wenn dieses private Bekenntnis lächeln macht, dem soll gleich gesagt sein, daß es zur Geschichte gehört. Ja, ich bin gezwungen, meine für andere Menschen gewiß gleichgültigen Gewohn­heiten noch mehr zu präzisieren, weil sie eben von Bedeutung sind für das Geschehen, und so muß ich erwähnen, daß ich zwar das Fenster öffne, aber die Jalousie herunterlasse. Natürlich bleiben die Fächer

Jalousie gespreizt, der Glimmer einer hellen ^acht und auch der schwache Schein einer Straßen- laterne formen hereinschlüpfen, man kann die Gegen­stände im Zimmer ganz gut erkennen. Das glaubte ft wenigstens schon öfter beobachtet zu haben. Allerdings ist mir dieses möblierte Zimmer seit Jahren vertraut; ich weiß, daß dort auf dem Schreibtisch ein großer bronzener Buddha sitzt, ich weiß, daß neben dem Sessel eine Leselampe in der porm eines Reihers mit aufgerecktem Schnabel steht, und ich werde den Buddha und die Reiher­lampe selbst in bämmrigfter Beleuchtung niemals als etwas Fremdes empfinden. Ich glaube die Dinge zu erkennen, weil ich weiß, wie sie aussehen.

Aber wenn nun plötzlich, mitten in der Nacht, wirklich etwas Fremdes im Zimmer steht, darf man sicher sein, auch das genau zu erkennen?

Ich hatte einige Stunden tief und friedlich ge- fchlafen. Wie es kam, daß ich aufwachte, vermag ich nicht zu sagen; eine solche Unterbrechung der Ruhe ist mir im allgemeinen unbekannt, mein Körper be­tätigt die gesunde Ansicht, daß zum Aufwachen der Morgen da ist. Mir war denn guefj komisch zumute,

ich hatte ein Gefühl, als ob ich geweckt worden sei, und das mußte vom Fenster Herkommen.

Das Schlafsofa steht im Hintergrund des Zim­mers, mit dem Kopfende gegen das Fenster. Ich muß mich also aufrichten und umdrehen, wenn ich zum Fenster sehen will. Das tat ich. Kein Zweifel, ich war hellwach.

Weißes Mondlicht fällt durch die Jalousie, und gerade vor dem Fenster steht etwas. Ich reiße mich zusammen, ich mache einen langen Hals. Ja, es steht dort ein Mann, unbeweglich. Er trägt einen großen breiten Hut, darunter tritt sein Profil deutlich her­vor; es ist ein Mann mit kurzgeschnittenem kantigen Dollbart, buschigen Augenbrauen und einer scharf vorstoßenden Nase. Die Hände hat er in den Rock­taschen.

Ich denke nur dies eine: Auf dem Schreibtisch liegt der chilenische Dolch, den ich zum Brieföffnen Lebrauche. Wie komm' ich hin zu dem Dolch?

Der Kerl hat mich noch nicht bemerkt. Er wird erschrecken, wenn ich jäh aufspringe. Gut. Mit einem Satz und einem Schrei stürze ich aus dem Bett, hin zu meinem chilenischen Dolch. Ich hab' ihn in der Hand, ich will mich zu dem Manne wenden ... der Mann ist nicht mehr da.

Ich mache Licht. Das Zimmer ist unberührt. Die Tür, die ich abends stets abschließe, ist auch jetzt verschlossen. Die Jalousie befindet sich in tadellosem Zustand, und übrigens kann durchs Fenster schwer­lich einer hereinklettern, denn ich wohne im vierten Stock. Hier war niemand. Ich habe einen merk­würdig visionären Traum gehabt, und als ich glaubte, wach zu fein, hab' ich immer noch ge­träumt.

Es wird doch keiner von mir verlangen, daß ich die Möglichkeit eines Gespensterbesuches er­wägen soll.

*

Dieser Vorgang liegt nun eine Woche zurück. Ich kann die Nacht genau bestimmen, denn ich habe in dem Büchlein, das zur Fixierung bemerkenswerter Erlebnisse dient, eine Eintragung gemacht. Es war die Nacht zum Samstag, in der ich den Mann vor dem Fenster sah, und die Uhr zeigte auf zwanzig Minuten nach zwei.

Unerwartet mußte ich die weite Reise nach Mün­chen machen, und gestern abend hatte ich dann diese erschreckende Begegnung, die mich ganz durchein­anderbrachte.

Ich gehe in eine kleine Bierstube, wo meistens Künstler zu verkehren pflegen, bestelle mir ein Abendessen und bin gerade dabei, in die Schweins­knöchel hineinzuhauen, als ich vier Schritte von mir jenen Mann gewahre, der an meinem mondbeschie- nenen Fenster gestanden hat. Denselben Mann. Viel­leicht ist es nur die Pose, die mich irreführt Der

mannigfaltige Schönheit und feinen besonderen Reiz. In den Bergen eingebettet liegen ver- träumte, romantische Seen, Der Freibergsee bei Ober stdorf, Eibsee, Badersee und Rießersee bei Garmisch-Partenkirchen, Schwansee und Alpsee bei Füssen, Ferchensee und ßauterfee bei Mittenwald und schließlich, um nur einige wenige zu nennen, das grüne Märchen des K ö - n i g s f e e s, des Königs unter den deutschen Alpenseen, der von 2000 Meter hohen Felswänden eingeschlossen ist. Eine regelmäßige Linie der Reichspost führt von Lindau nach Berchtes­gaden, vom Bodensee zum Königssee, eine wun­derbare Querverbindung von Tal zu Tal, Die dem Reisenden gemächlich einen eindrucksvollen Gesamt­überblick in zwei Tagen über die bayerische Alpen­welt vermittelt. 482 Kilometer werden mit Heber«

Jugend

Oie pfingstlager

nachten fn Garmisch-PartenkirchSn auf dieser Strecke zurückgelegt, und der Fahrgast bekommt die wichtigsten Kur- und Fremdenoerkehrsorte und die landschaftlich bedeutendsten Gebiete der ganzen deutschen Alpen zu sehen. In Oberstdorf fahrt man in wenigen Minuten mit der Seilschwebebahn aufs Nebelhorn, von Garmisch in bequemen Aus- sichtswagen auf die Zugspitze, Deutschlands höchsten Berg, oder schwebend aufs Kreuzeck und auf den Wank und schließlich von Reichenhall auf den Predigtstuhl. Diese Bergbahnen, lange umkämpft und bekämpft, bieten auch denen, die körperlich den Anstrengungen einer alpinen Berg­tour nicht gewachsen sind, die Möglichkeit, weite umfassende Fernblicke in die Alpenwelt bis nach der Schweiz und nach Südtirol zu genießen.

heraus!

der Hitlerjugend.

Man könnte neidisch werden, wenn man nicht lieber sich freuen möchte über diese neue Welt, die unsere Jugend heute aufblühen läßt.

Am Gederner See 750 hitterjungens, im Tiergarten bei Büdingen 100 Hitler- jungen, im Gettenbachtal 600 Jungvolk­pimpfe aus den Kreisen Lauterbach und Schotten, 600 ebenso im Vogeltal bei Buhbach und rings um den Hausberg her­um, 1000 Pimpfe schickt der Jungbann Gießen an die 2K o o f er Teiche und 600 aus dem Kreise Alsfeld in die Gegend am Herzberg.

Und da sollen sie leben vom Pfingstsamstag ab volle acht Tage lang, im Tiergaten in einer Ba­racke, in den anderen Lagern im Zelt. Großartig! Und bitte, liebe Eltern, sagt jetzt nicht:Ach nein, unser Kind kann das nicht!"Unser Fritzchen kann das nicht vertagen und unser Gänschen kann nicht so lange von zu Hause fort sein/ Ich bin überzeugt: Wenn die liebe Mutter ihrem überbesorgten Herzen einen kleinen Rippenstoß erteilt, dann wird die Er­fahrung lehren, daß das Fritzchen und das Häns­chen und all die anderen das ganz glänzend aus­halten. Und wenn gar die anderen heimkämen und erzählten: Der Reichsjugendführer war da, grab wie in Nürnberg, so ganz ausgeschlossen ist das durchaus nicht, aber ich Darf nicht die ganzen Kar­ten verraten! und dann wäre das Fritzchen nicht dabei gewesen...! Mutter, liebe Mutter, laß das Fritzchen mitgehen!

Aber ahne Schmerz: Diese Sache ist etwas von einem ganz großen Zug.

Das ist neue Arbeit an unserer Jugend. Ge­sund soll sie werden, in Daldluft und Sonnen­schein, dem Detter standhalten soll sie lernen. Dir brauchen eine Jugend, die den Kamps um die Zukunft aufnehmen kann.

Und dazu muß sie vor allen Dingen einmal die körperlichen Grundlagen haben. Und das ist noch nicht einmal das letzte, was wir in unfen Lagern erstreben. Denn die Jugend, die mit dieser deutschen Zukunft fertig werden soll, muß nicht nur körper­lich bereit sein, sie muß auch lernen, Volk sein. Sie muß lernen, daß sie in Kameradschaft zusammengehört. Gerade dafür aber gibt es keine bessere Schule, als wenn man sich draußen in freier Natur zurechtfinden muß und einer auf den ande­ren und feine Kameradschaft angewiesen ist. Das unterscheidet gerade diese Lager von all den Natur­schwärmereien, die die Jugend auch vergangener Zeiten schon getrieben hat. Hier ist das Ziel nicht ein bißchen Naturschwärmerei, hier ist es:

Dienst am Volk, reif werden für die Ausgabe, die unserer Jugend die Lage unseres Volkes stellt, Vorbereitung auf den deutschen Lebens­kampf.

Darum wenden wir uns nicht nur an die Eltern, darum wenden wir uns auch an die Lehrmeister, die Schulen, die Behörden, darum wenden wir uns an jeden, dem es noch irgendwie um Deutschlands Zukunft geht. Wir glauben ein Recht zu haben,

Mann, offensichtlich ein Maler, steht unbeweglich, er hat die Hände in den Rocktaschen und kehrt mir sein Profil zu. Aber er trägt auch einen großen breiten Hut, und er hat einen kantig geschnittenen Vollbart.

Ich kaue und kaue an dem Schweinsknöchel, halte den Maler fest mit meinem Blick. Kann ich denn sagen: Diesen Menschen hab' ich in der Nacht zum Samstag in meinem Zimmer gesehen? Nein, das kann ich nicht. Wenn ich wirklich nicht geträumt haben sollte, könnte mich die Jalousie genarrt haben. Vielleicht hab' ich nur einen Schatten gesehen und gebe ihm jetzt das Profil dieses Mannes? Ich bin sehr unsicher.

Aber dennoch, dennoch: Er ist es. Mit tausend Gewalten zieht es mich hin zu dem Manne, der sich längst gesetzt hat und nun eine Pfeife anbrennt. Er raucht. Er ist also von Fleisch und Blut, und nichts hindert mich, mit ihm zu reden.

Haben wir uns neulich nicht irgendwo gesehen?" frage ich, an seinen Tisch tretend. Der Vollbärtige guckt auf, gute dunkle Augen hat er, und schüttelt lächelnd den Kopf.Aber yersetzen können Sie sich, wenn Sie wollen", fügt er hinzu.

Ich war fest überzeugt, Ihnen begegnet zu fein. Dannmuß ich wohl geträumt haben."

'/Ja", lacht er,man träumt merkwürdige Sachen. Wissen's, da hab' ich einen Traum gehabt, der geht mir noch immer nach. Und es war eigentlich gar nichts. Ich träum', ich bin in einem fremden Zim­mer. Nur eine Ecke hab' ich gefehn. Der Mond schien durchs offene Fenster, durch die Fächer der aufgesperrten Jalousie. Ich kann jede Einzelheit Der Zimmerecke beschreiben. Da stand ein Arbeitstisch, und darauf saß ein bronzener Buddha. Dicht da­neben gerückt war ein Gobelinsessel; dahinter eine Leselampe in Form eines Reihers mit aufgerecktem Schnabel. Auf dem Tische lag ein blitzender Dolch. Dann war der Dolch mit einemmal weg, und ich fühlte eine furchtbare Angst und bin aufgewacht. Lächerlich, nicht wahr? Ist ein Traum und doch keiner. Es gibt gewiß viele Zimmer mit Schreib­tischen und bronzenen Buddhas und Gobelinsesseln. So ein Zimmer kann sich jeder Schafskopf aus­malen; das braucht man nicht zu träumen. Aber ich hab's richtig geträumt. Es war, als wenn ich wirklich in ein fremdes Zimmer mit feiner ganz persönlichen Atmosphäre hineinversetzt worden märe."

Aus dem Bierglas quillt der lockende Schaum aberich denke nicht ans Trinken.Wie war das denn", frag ich,Sie sagten, Sie hätten eine furcht­bare Angst gefühlt. Im Traum oder beim Er­wachen? Und warum?"

Sie begann im Traum, die Angst", erwiderte er, verschwand abex nicht gleich nach heig Munter,

uns an euch zu wenden, wo deutsche Jugend den Willen hat, sich in harter Zucht zu stöhlen für ihres Volkes Zukunft.

Denn diese Lager werden keine Vergnügungslager fein, sondern sie werden unter fefter, selbst - geschaffener Disziplin stehen. Dafür bürgt, daß der Oberbannführer und der Gebietsführer selbst in diesen Lagern einkehren und nach Dem Rechten sehen werden. Dafür bürgt, was die Hit­lerjugend in ihren Oberbann- und Gebietsschulen leistet an strenger Zuchterziehung Der Führer. Da ist Sport kein Spaß, sondern stählende Arbeit, und Ruhe vom Sport heißt: Arbeit des Geistes.

Am Samstag nach Pfingsten gehen Die Lager zu Ende. Nur zwei bestehen weiter. Das Laaer am Gederner See und das Lager an Den Moo - f e r Teichen. Das erste wird 200 ausgewählte Hitlerjungens, das andere 200 ausgewählte Jung­volkpimpfe aufnehmen, um sie vier Wochen lang in strenge Zucht und Schulung zu nehmen.

linier Die Zahl dieser ausgewähllen zu kom­men. ist Ehre. Es wird jeder Junge danach streben, dieser Ehre leilhaflig zu werden, und es wird wohl keinen Erwachsenen geben, der seinem Jungen, wenn er dabei ist, das miß­gönnt.

Für die Verpflegung dieser Lager haben wir einen Dank auszusprechen. An alle hie, die mit ihren Gaben uns helfen werden, die Gaben sind ja noch nicht da, aber unser Heller Jungendank liegt bereit. Laßt ihn nicht liegen. Für hie Verpflegung der beiden letzten Lager wird nach Verhandlung des Gebiets Hessen-Nassau hie NS.-Volks« Wohlfahrt die Sorge übernehmen. Ihr also be­sonderer Dank, wenn auch da die Schlote unserer Küchenkanonen (ja, lieber Leser, die sind auch Dabei), luftig rauchen und unsere Jungen mit dem Aller- notwendigsten versorgen.

Also auf zur Psing st fahrt in die Waldlager der Hitlerjugend!

Der Führer Des Oberbannes *4/13 m. b. F. b. gez. Blumenröder, Bannführer. F. d. R. gez. Rühl, Scharführer.

Deutsche«- Geographentag in Bad-Nauheim.

Dom Pfingstmontag, 21. Mai, bis Donnerstag, 24. Mai einschließlich, findet in Bad-Nauheim Der 25. Deutsche Geographentag statt. Am Pfingstmon­tag werden der Zentralausschuß des Deutschen Geo- graphentags und die Zentralkommifsion für wissen- schaftliche Landeskunde beraten, ferner wird an die­sem Tage eine Sitzung des Verbandes Deutscher Schulgeographen abgewickelt. Am Dienstag, 22. Mai, wird die Arbeitstagung mit Vorträgen überFor­schungsreisen" ihren Anfang nehmen. Dabei wird u. a. Prof. Dr. Lauten fach (Gießen) über feine Forschungen in Korea berichten und Lichtbilder vorführen. An diesem Tage werden auch die Sit­zungen des Verbandes der Hochschullehrer der Geo­

werden. Ich hatte das Empfinden, du solltest er­mordet werden und bist entkommen. Wissen's, da atmet man ganz tief auf,, und nachher gibts einen dämlichen Kopf."

Meine Stimme zittert, als ich fortfahre:Aber an dem Traum ist doch eigentlich gar nichts Dran. Wie kann er sich nur so in die Erinnerung ein­fressen?"

Das sag' ich ja nachaerade, lieber Herr", lacht her Mann mit dem Dollbart,nix ist dran, wie an unserer Bekanntschaft nix dran ist, aber man lebt eine Zeitlang damit. Nun, wird schon vorübergehn. Ich hab' dies nämlich erst vor acht Tagen ge­träumt."

In welcher Nacht?"

Scheint Sie ja mächtig zu interessieren. Also, wenn Sie's wissen wollen: in her Nacht vom Frei­tag zum Samstag, und weil mir das alles so ko- misch vorkam, hab' ich mir auch die Stunde ge­merkt. Die Uhr ..."

... zeigte auf zwanzig Minuten nach zwei", sage ich.

Der Mann schaut groß auf, und langsam nickt er. In seinen Augen glänzt plötzlich ein Verstehen. "Wir scheinen also doch", stellt er bedächtig fest, alte Bekannte zu sein. Rosa, zwei Enzian."

Mich aber hat der Enzian und die vielen Enziane, die dann noch folgten, nicht frei gemacht. Mein Kops ist zum Zerspringen. Wühlt nun darin das Un­heimliche der Welträtsel oder hab' ich einen Kater?

Feldpostbrief wandert 19 Jahre.

Der französische Soldat Pierre Michard schrieb am 20. August 1914 von Der Front feinen Eltern einen Brief, in Dem er u. a. sagte:Es geht langsam vor­wärts, Der Krieg wirD bald zu Ende sein." Er gab diesen Brief zur Feldpost und dachte, er würde feine Eltern bald erreichen. Darin täuschte er sich. Der Brief ist jetzt erst in dem Ort eingetroffen, wo feine Eltern, die inzwischen verstorben sind, wohnten. Da er unbestellbar war, wurde er an den Absender zurückgeleitet, der den Krieg glücklich überstanden hat und mit seiner Frau und feinem Kind in dem Städtchen Ereil im Departement Oise wohnt. Aus den schriftlichen Vermerken, die der Brief auf seinen Irrfahrten bekommen hat, geht hervor, daß er von einem deutschen Soldaten bet einem gefallenen Franzo­sen gefunden wurde. Der Deutsche behielt Den Brief längere Zeit als Andenken und gab ihn dann an einen Offizier weiter. Dieser sorgte für Die Weiterleitung nach Frankreich. Daß der Brief jetzt erst angekommen ist, wirkt erstaunlich, aber noch bemerkenswerter ist beinahe, daß er nicht verloren gegangen