Einzelbild herunterladen

Nr. M Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Dienstag, (5. Mai 1954

Kamerun-^eift.

IX.

BeimSultan" von Bamum und beim King" von Bali.

Von Dr. Paul Rohrbach.

B a m e n d a, März 1934.

Es ist bald dreißig Jahre her, daß ich zum ersten Mal nach Nordwest-Kamerun kam und Njoja in Furnban besuchte. Den Häuptling Fonjong von Bali habe ich damals nicht gesehen, weil mich mein Weg anderswohin führte. Jetzt ist Njoja tot, und der Bali King lebt noch, em alter Mann von 75 Jahren. Wir waren eben bei ihm und haben in ihm noch ein ganz altes, konservatives Stück Afrika gefunden, im Gegensatz zu Njoja, der schon 1907 afrikanischerModernist" durch und durch war. Es ist viel über ihn geschrieben worden, und ohne Zweifel war er einer der interessante­sten Neger, vielleicht der interessanteste, der je ge­lebt hat Er hat eine Schrift für die Bamum- sprache erfunden, eine Karte seines Landes gezeich­net, er besaß eine Leibwache, die nach deutschem Muster exerziert war, wenn auch mit Spießen statt mit Gewehren, er hatte auf seinem Schreib­tisch (!) ein Bild des deutschen Kaisers, und an der Wand gegenüber hing sein eigenes in Lebens­größe in der ihm verliehenen Uniform eines Ulanenrittmeisters. Don den Franzosen hat er nie etwas wissen wollen. Er weigerte sich, nach der Erklärung des französischen Mandats über Ka­merunCitoyen Francois" zu werden, obwohl; man ihm dieseWürde" wiederholt anbot, blieb dauernd in Oppositionsstellung und wurde schließ, lich nach Jaunde verbannt, wo er im vori­gen Jahr gestorben ist.

Ich war gespannt, wie ich F u m b a n wieder­finden würde. Don der hohen doppelten Lehm­mauer, die früher die Stadt umgab, sind nur noch schwache Reste vorhanden. Statt durch den alten Zickzackeingang fuhren wir durch einen modernen hölzernen Torbau in die Stadt ein, die eigentlich mehr ein umwalltes Stück Landschaft ist, als eine eigentliche Stadt. Auf einem Raum, wo 100 000 Menschen städtemäßig gedrängt leben könnten, wohnen nur 8000 in zerstreuten Häusern und Hütten, zwischen Aeckern und Bananenhainen. Die Idee der Anlage war, daß sich in Kriegszeiten ein großer Teil des Volkes hierher zurückziehen und Nahrung finden sollte. Wir fuhren erst zu dem französischen Verwaltungsbeamten, der den Häuptling kontrolliert, dann in das Museum, wo allerlei alte Bamumkunst in Schnitzereien, Metall­arbeiten, Masken, Trommeln und Waffen zu sehen ist, und dann zum Sultanspalast. Der jetzige Sultan die Franzosen haben ihm diesen Titel gegeben ist ein jüngerer und unbedeuten­der Sohn N j o j a s, der viele hundert Frauen, und wie behauptet wird, etwa 300 Kinder hatte. Njoja hatte einen anderen, tüchtigeren Sohn zur Nachfolge bestimmt. Als die Franzosen diesen nicht anerkannten, wanderte er, angeblich mit 50 000 (die Zahl ist Wahrscheinlich viel zu hoch gegriffen) Bamumleuten nach Britisch-Nigerfa aus, wo man den Zuzug einstweilen noch durch Steuerfreiheit be­günstigt.

Njoias alter Palast in afrikanischem Grasland- stil, in dem ich ihn besucht hatte, brannte noch zu seinen Lebzeiten ab. Er ließ nach seinem eigenen Plan einen neuen, halb europäischen Bau aufrich­ten, mit einer großen, von vier rund gemauerten und weißgetünchten Pfeilern getragenen Thron- Halle. Sein Thron, ein runder Sitz ohne Lehne, ganz bedeckt mit blauer Perlenstickerei, steht noch da. Der Sultan, der etwas Französisch spricht, empfing uns selbst schon draußen vor dem Ein­gang, führte uns durch die Räume und zeigte mit Stolz die ledernen Taschen, in denen Njojas Urteilssprüche, in seiner Schrift ausgezeichnet, ver­wahrt werden. Außerdem soll Njoja sich eine Sammlung von allen Witzen, Geschichten und Schnurren angelegt haben, die ihm europäische Be­sucher erzählten. Er ist als Mohammedaner gestor­ben, und sein Grab, ein einfache Tonplatte unter einem Schutzdach von Palmblättern, unterscheidet

sich von den Gräbern seiner heidnischen Dorgänger, die nur durch einen armhoch aus dem Boden her- vorragenden Stein bezeichnet sind. Ich zählte 6 oder 7 Steine. Neben jedem ist das obere hohle Ende eines Elefantenzahnes eingegraben. Das Elfenbein ist schon stark zerfallen, aber man er­kennt noch die Struktur. Früher wurde hier wm Totenopfer Mimbo, Palmwein hineingegossen. Heute tut man das nicht mehr", sagte der Sultan mit einem etwas verlegenen Lächeln. Er ließ sich ohne Weiteres neben seines Daters Grab photo- graphieren. Njoja liebte es auch, photographiert zu werden, aber daß dieser Sohn ein Mann von schwächerem Kaliber ist, als sein kraftvoller Dater war, sah man auf den ersten Blick. Unmittelbar vor dem Palasteingang ist Njojas Mutter be- graben. Sie war eine gewaltige Frau, kolossal an Körper und Willen; ihr Grab trägt noch eine deut- sche Inschrift. Die Häuptlingsmutter hat im Gras- land, wo die Neger zu einer Art von Staaten­bildung fortgeschritten sind, große Autorität und gilt als mit magischen Kräften begabt.

Von Fumban nach Bali fährt man über die alte deutsche Militärstation Bamenda. 25 Kilo­meter vor Bamenda kreuzten wir die Grenze zwi­schen dem« französischen und dem engli­schen Mandatsteil von Kamerun. Ein Bach bildet die Grenzscheide. Bis an die Brücke führt die gut gehaltene breite französische Fahrstraße; jen­seits des Baches, auf englischem Gebiet, setzt sie sich als kümmerlicher Feldweg fort, der nur mit Vorsicht befahren werden kann. Der Unterschied ist so frappant, daß man nicht begreift, wie die Engländer es über sich gewinnen, von allen anderen Gesichtspunkten abgesehen, im Wegebau eine so schlechte Figur neben den Franzosen zu machen. Beiläufig möchte ich bemerken, daß die Inschrift auf dem französischen GrenzpfahlCamä- roun Fran^ais" falsch ist. Es muß heißen Camäroun sous Mandat Franxais". Das macht einen großen Unterschied. Auch die Engländer haben sich kürzlich dazu bequemt, in allen offiziellen Kundmachungen, auch auf den Briefmarken, nicht British Cameroons" zu sagen, sondern Cameroons unber British Mandate".

Im Rasthaus von Bamenda, das noch von den Deutschen gebaut ist, trafen wir die deutsche Filmexpedition von Paul Liebere n z, die einen Tag zuvor aus dem tiefsten afrikanischen Busch, mit glänzenden Erfolgen, eingetroffen war. Frau Lieberenz und der Ornithologe Graf Schwerin waren mit von der Partie, und es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

Heute früh ging es nach Bali, wieder 25 Kilo­meter auf schlechter Straße mit Brücken, die für unseren schweren Wagen gerade eben noch tragfähig waren. Erst machten wir einen erfrischenden Be­such bei einem jungen Missionars-Ehe­paar. Schweizern namens Zürcher, von der Baseler Mission. Ein Wort wie dies, daß man durch d»n Missionsunterricht den Neger nicht seiner Scholle entfremden, ihn nicht durch fein bißchen Schreiben und Lesen dazu bringen dürfe, sich zu höheren" Berufen berechtigt zu fühlen, ist Goldes wert, besonders aus missionarischem Munde. Herr Zürcher begleitete uns auch zum Bali King. Jeder Häuptling heißt auf Pidschen-Englisch King, auch wenn er nur ein Dorf im Urwald hat. Der Bali King ist aber noch ein wirklicher Negermonarch, dem die Engländer, anders als die deutsche Ver­waltung, etwas zu reichliche Befugnisse belassen haben. Er empfing uns im Kreise seiner Würden­träger, eine große Figur, ganz mit Rotholz ein­gerieben; auch sein Gewand, ein langer Talar, war von dem Holzpulver rot gefärbt. Die Unterhal­tung war zuerst nur konventionell. Der Missionar sprach Bali zu einem Vertrauten des Häuptlings, und. dieser erst durfte die Worte dem Alten weiter­geben. . So fordert es die Etikette bei einem großen King. Zuletzt wurde der alte Fonjong etwas wärmer und sagte, daß er sich gern der deutschen Zeit und seiner deutschen Besucher von damals er­innere. Wir durften auch noch das Innere feines Ge­höftes und das berühmte, mit vielen Holzskulpturen verzierte Trinkhaus besichtigen und find sehr be­friedigt wieder im Schatten des alten Forts von Bamenda gelandet.

Der Schiffszusammenstoß bei Bremerhaven.

In der Weserrnündung rammte derAlbert Ballin" den SchlepperMerkur", der ihn ab­geschleppt hatte, nach dem Loswerfen der Seinen. DerMerkur" sank innerhalb weniger Minuten und nahm sieben Mann und eine Frau mit in die Tiefe, während nur fünf Mann der Besatzung gerettet werden konnten. Unser Bild zeigt die beiden Schiffe unmittelbar nach dem Zusammenstoß von einem vorüberkommenden Dampfer aus.

Allbekannte deutsche Helden.

Als der Weltkrieg für eine halbe Stunde stillstand ...

Eigentlich erzähle ich ja sonst nicht davon" erklärt der ehemalige Schutztruppenhauptmann Gustav Schmidt.Die Sache- wie ich zu der Rettungsmedaille kam, klingt z u unwahrschein­lich . . ."

Doch da liegt eine englische Zeitung auf dem Tisch. Rot angestrichen der Bericht über eine Rede, die Baldwin vor dem Veteranenbund hielt. Der Name des Leutnants Schmidt springt in die Augen.Das war ich", sagt der Hauptmann.

Gerade noch vor Torschluß.

Als Architekt und Eisenbahner reifte Schmidt im Juli 1914 nach Deutsch-Ostafrika, zum Bau der Ruanda-Bahn. Sein Schiff konnte gerade noch vor Erklärung des Kriegszustandes in den Hafen von Tanger hineinrutschen, nach Meldung beim Schutztruppenkommando ging es bei Nacht und Nebel wieder an Bord und mit verdeckten Lichtern, an toten Leuchtfeuern vorbei heimlich nach Dares­salam.

Doch beim Bahnschutz, dem der Leutnant Schmidt zugeteilt wurde, war nichts los die Araber ver­hielten sich ruhig und den Engländern lag die Strecke zu weit ab; der Leutnant war froh, als er nach einigen Wochen zur kämpfenden Truppe an das heiß umstrittene Norweftufer des Victoria- Sees versetzt wurde.

Im Bezirk Bukoba saß nur noch der Resident mit feinen paar barfüßigen Pfeil- und Boaenträ- gern, als sich dasDetachement am See , eine verwegene Schar von ein paar Offizieren mit rund 120 Äskari in Richtung Bukoba in Marsch setzte. Im ganzen 300 Gewehre zählte es, als es auf» brach, um das Westufer zu besetzen ein Gebiet, fast so groß wie die Provinz Brandenburg.

Dreifacher Tod.

Durch Sumpf, Urwald und dichten Busch, oft bis zum Kragen im Schlamm arbeitete sich die Truppe zum Ngonvfluß vor, hinter dem Kifum-

biro, ein Neoerdorf, das die Engländer zu einem regelrechten Sperrfort ausgebaut hatten, das das ganze Flußgebiet beherrschte.

Die Engländer waren in unmittelbarer Nähe", erzählt Hauptmann Schmidt weiter,außerdem wimmelte der Fluß von Krokodilen. Aber wir mußten rüber, es blieb keine andere Wahl. Kaum waren wir am anderen Ufer, meine Kame­raden Kleist, Dachfold und ich, als wir plötzlich Hilferufe hörten, entsetztes ersticktes Schreien und das verdammte Plätschern und Schurren, mit dem Krokodile vom Ufer aus ins Wasser gleiten. Eines der morschen Rindenkanus war umgeschlagen, drei unserer Askari in voller Ausrüstung mit Gewehr und je 90 Schuß Bleimunition kämpften mit dem Ertrinken.

Es war purer Irrsinn, kann man sagen, aber fast gleichzeitig sprangen Kleist, Dachsold und ich in den Fluß. Wir hatten die Wahl, von den er­trinkenden Askari auf den Grund gezogen, von den Engländern abgeknallt oder von den herum- wimmelnden Krokodilen zerfleischt zu werden. Aber es ging gut, und sogar noch ein zweites Mal, als wir nach den alten 71er Knarren tauchten, die uns mehr wert waren, als es in Frankreich uns viel­leicht ein MG.-Zug gewesen wäre.

Kriegsverbrecher oder Ritter.

Zwei Tage dauerte der Kampf um Kifumbiro, bis die Engländer ihre Stellung räumten. Wie die deutschen Offiziere das leere Fort besichtigen, entdecken sie in einer Lehmhütte einen vergessenen Bogen Papier den noch nicht beendeten Bericht eines Sergeanten an das britische Oberkommando ..

Es war das schönste Dokument der Ritterlich­keit, das es im Krieg geben konnte" sagt Schmidt. Ein Beweis menschlicher Kameradschaft, die über die Verschiedenheit der Uniform hinweg von Mann zu Mann reicht! In dürren Worten meldete der Sergeant, er habe mit feiner Patrouille den deut­schen Flußübergang in allen feinen Phasen be-

Oer Arbeitstag des Siedlers beginnt.

Von Heinrich Hauser.

Der Mann schläft. Ties und ruhig geht fein Atem. Er liegt auf dem Rücken, hat die Hände unter dem Kopf gekreuzt. Hart ist die Matratze, hart das Eisenbett, schwarz gelackt mit dünnen Messingknäu- fen. Die Nacht ist lau. Die Fenster stehen auf. Der Mann hat die dünne Wolldecke sich schlafend von der Brust geschoben. Breit ist seine Brust, tief­atmend. Noch schläft er fest.

Aber vor den Fenstern steht schon Dämmerung. Don den Linden im Garten fällt der Tau. Sand ist der Boden; er fängt die Tropfen wie ein offener Mund, saugt sie wie ein Schwamm. Fast kann man den Boden knistern hören, wie einen heimlichen Brand.

Die Sonne ist aufgegangen. Der Himmel im Zenit wird blau, wird ganz Kristall, durchsichtig, tief: Aquamarin.

Die Sonne steigt über den dunklen Streif der östlichen Wälder.

Bewegung kommt in die Lust: im leichten, puffen­den Zügen zieht der Morgenwind. Die Blätter der Bäume zittern, blank von Nässe. Die Netze der Spinnen scheinen silberne Gewebe.

Der Schlaf des Mannes verliert an Tiefe; schnel­ler geht fein Atem, kleine Schauer der Morgenkühle laufen über feine Brust.

Die Pflanzen erwachen: noch sind ihre Blatter gefaltet, ihre Blüten geschloffen und gesenkt. Trau- menb noch, schlaftrunken von kühlem Tau stehen sie, aber die Berührung der Sonne weckt Zelle auf Zelle, und die Nachricht pflanzt sich fort bis m die tiefen Wurzeln: der neue Tag ist da, bte Safte be­ginnen zu kreisen. x .,

Da erwacht ber Mann. Er öffnet bie Augen, rich­tet sie gegen bas Licht: Da sind bie Gipfel ber Sm» den norm Fenster, grünes Gold. Es singt in ihnen wie in einem siedenden Kessel: da sind die Bienen. Jede Blüte ist eine strahlende, winzige Sonne

Er vernimmt, wie der Boden leise fluten und die Wände. Es geht ein rauschender Rhythmus durch das Haus: das Mühlrad. Dem Mann scheint es, als ob er träume. Als wäre das Haus em Wagen und führe durch die Welt auf diesem gro­ßen Rad. Aber im wachsten Augenblick biegt sich sein Leib, und mit einem Ruck schnellt er sich aus dem Bett'

Mit nackten, tapsenden Sohlen geht er über den zitternden Boden. Es klirren bie Gläser, bie auf bem Waschtisch stehen. Er beugt sich hinaus, geblen- bet unb gebabet in Sicht. Ein berber Körper, bas Gesicht braun unb verwittert.

Gekalkt finb bie Wänbe bes Zimmers, hell finb Dielen, Kiefernbvhlen ungebeizt. Kein Teppich. Wasch­tisch unb Schränke aus bem gleichen Kiefernholz, grobfaserig, durchästet, gebeizt wie Helle Rinbe.

In ber Ecke ein Ding wie eine Litfaßsäule, gelb unb faltig. Ein Vorhang aus Oeltuch um einen Ring gespannt. Darick verschwindet der Mann. Man hört ihn tappen in der Gummiwanne. Wasser plätschert: Ein hölzerner Eimer ist an einen Galgen gehängt, mit einer Schnur zum Kippen. Es prüftet und platscht kräftig mit seifigen Händen auf nasser Haut; es schrubbt mit Bürsten, und auf einmal pfeift es. Während es immer stärker ajis dem Eimer braust, vernimmt man eine Art von Schlachtgesang. Jetzt steht der Eimer völlig auf dem Kopf: mit einem Sprühregen von Tropfen, sich schüttelnd wie ein Hund, lange nasse Fußtapfen hinterherziehend, tappt der Mensch nach feinem Badetuch: zieht rub­belnd die körnige Fläche über feine Haut; das Blut steigt herauf und rötet sie mit Striemen.

Es bläht sich bas Hemb, sinkt kühlluftig über seinen Rumpf zusammen wie ein schlaffer Ballon. Eilig wehen Hosenbeine. Mit einem leichten Stöh­nen schnürt er bie festen Stiefel zu: unb währenb er noch ben Gürtel festzieht, hält er schon bie Jacke an ber Schlaufe zwischen ben Zähnen: kurz ist der Tag und wird voll Arbeit sein.

Wie steht es mit dem Fernsehen?

Das Fernsehen ist in wenigen Jahren zu einer hohen Vollkommenheit entwickelt worden, ist doch seit dem ersten Fernsehen einer bewegten Schere, bie aber kaum zu erkennen war, erst kurze Zeit verflossen. Es ist jetzt so weit, daß man hofft, auf der nächsten Funkausstellung im August dieses Jahres einwandfreie Fernsichten mit Tonbegleitung senden zu können.

Und ooch sind bis dahin noch gewaltige Auf­gaben zu lösen. Es gilt vor allen Dingen, ben Auf- roanb von Schaltmitteln unb Röhren bei ben Fern­sehempfängern so weit zu senken, baß biefe Emp­fänger von weiten Käuferschichten bedient und er­worben werden können. Man hat bereits ein solches Muster fertiggestellt, nach bem eine Reihe von Ge- rätey zu Versuchszwecken hergestellt werben soll. Die Senbungen werden hierzu auf ber 7-Meter-Welle

gegeben werben, unb bie Bilder sollen in 180 Zei­len abgetastet werden. Der Gleichlauf bes Empfän­gers mit bem Senber soll nach einem von Telefun- ken entwickelten Verfahren erzwungen werden.

Seiber flimmern bie Fernsichten immer noch etwas. Währenb man beim stummen Film 16 Silber in ber Sekunbe gibt, beim Tonfilm aber auf 24 gegan­gen ist, hat man bie Bilbzahl beim Fernsehen bis jetzt schon auf 25 erhöht. Das reicht aber zur Beseitigung bes Flimmerns immer noch nicht, so baß man auf 36 bis 40 Silber in ber Sekunbe gehen will. Damit wirb man ja bas Ziel wohl erreichen, aber natür­lich schafft biefe ungeheure Erhöhung ber Silbpunfte eine Menge neuer Schwierigkeiten. Die wichtigste bavon ich folgenbe: Eine so hohe Silbpunktzahl kann man nur auf Ueberkurzwellen übertragen, also nicht auf ben üblichen Runbfunkwellen. Die Ueberkurz­wellen haben aber bie teils angenehme, teils un­angenehme Eigenschaft, baß sie sich in ihren Aus­breitungseigenschaften benen ber Sichtwelle nähern, z. S. nur bis zum Horizont reichen. Da nun bie Erbe eine Kugel ist, so bekommen alle Empfänger außerhalb bes Horizontkreises bie Senbungen nicht mehr. Man müßte also eine sehr große Zahl von Fernsehsenbern in Deutfchlanb aufstellen eine vielfach größere als wir Rundfunksender haben unb biefen bie Fernsichten über Kabel zuleiten, ähn­lich wie dies jetzt bei Tonübertragungen von einem Sender auf einen anderen geschieht. Aber da liegt der Hase im Pfeffer, denn Kabel für so rasche Stromschwankungen von etwa 1 Million in der Sekunde können wir noch nicht bauen. Wir haben ja erst kurz vor dem Kriege gelernt, die Tonschwan­kungen der Sprache, die sich in den Hunderten und unteren Tausenden von Schwingungen in der Se­kunde bewegen, über Kabel zu übertragen. Diese Möglichkeit zu vertausendfachen, wie es zur lieber» mittlung der Fernsichten über Kabel erforderlich ist, das ist eine Aufgabe, an deren Söfung man schier verzweifeln möchte. Aber vielleicht gelingt es doch?

Das Reichspostzentralamt hält die Seitung der Versuche fest in ber Hanb unb verfügt über vorzüg­liche Sachverständige auf biefem Gebiete, bie selbst schon viel zur Verbesserung bes Fernsehens beigetragen haben. In Verbindung mit den Ver­suchsstätten unserer Rundfunkwerke werden sie sicher in absehbarer Zeit das Fernsehen für Jedermann möglich machen. Sollte es bis zur nächsten Funk- ausftelhmg nicht gelingen, so dürfen wir doch hof­fen, spätestens ein Jahr später im Vesitz von ver­hältnismäßig billigen, brauchbaren unb leistungs­fähigen Fernsehempfängern zu jein. M. F.

Kunstausstellung im Marburger Museum.

Das Marburger Museum im Universitäts-Kunst- institut beherbergt zur Zeit in einer Sonberaus- stellung Werke von brei Meistern verschiedenster Prägung. So zeigt z. S. der Gießener Maler Hans Ewald Kleine eine Fülle von Sühnenbild- und Sühnenkostümentwürfen. Ueberall Farbe in bun­tem Wechselspiel und freudigem Zusammenklang, ausgestrahlt von den langen Reihen der meist sehr originellen Entwürfe, welche von einem wahrhaft fen Verständnis des Malers für Sühnenbau- und dazu paffende Kostüme Zeugnis ablegen. Aus ber Fülle ber Entwürfe greifen wir z. S. biejenigen für SchillersKabale unb Liebe" heraus, welche sich in ihrem Rokokostil sowohl bes Sühnenauf­baues wie auch ber Kostüme sehr wohl bem In­halt des Stückes anpassen. Wie geisterhaft wirkt daneben der Sühnenbildentwurf für IbsensGe­spenster", während in bem Entwurf für bieZau­berflöte" eine große Porzellanmuschel ben Haupt­teil ber Sühnenbekoration barstellt. Wenn in ver- schiebenen anberen Entwürfen, z. S. fürMac­beth" bie Szenerien in moberner Weife nur noch angedeutet finb, so vermögen sie boch fehr gut die Stimmung für die in Frage kommenden Szenen zu vermitteln. Daneben noch eine Reihe von Ro­koko-, sowie kriegerischen Szenen in Federzeichnun­gen, welche durch ihre große Leichtigkeit und Frei­heit Kleine als einen Meister rhythmischer Seme- gungsbarfteüung kennzeichnen. Das gleiche kann man auch über einige Steinzeichnungen von Tier» bressuren mit der außerordentlichen Seweglichkeit und Anmut ihrer Darstellung sagen. In einem zweiten Saal zeigt ber bekannte österreichische Graphiker Alfreb K u b i n eine lange Reihe von farbig angelegten Zeichnungen. Aus ben zahlreichen, von reinem und starkem Empfinden zeugenden Darstellungen kann man eine Vorliebe des Malers für die Darstellung des Schreckhaften, Traumhaft- Phantastischen im menschlichen Leben ersehen, z. S. aus den SilbernStrafe",Unbewohntes Haus", Tod im Saum" oberDamoklesschwert" Fünf­zig farbige Ansichten von malerischen rheinischen Orten und Landschaften, in den Jahren 1792 bis 1798 von zwei Wiener Künstlern, L. Jan t sch a und S. Ziegler, unter regster Anteilnahme be» damaligen Kurfürsten von Mainz gezeichnet bzw. in Kupfer gestochen, vervollständigen die sehens­werte, Ausstellung. W.