Dienstag, 14. August MH
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)
Nr. 188 Drittes Blatt
An Stelle des verhinderten pg. Gutterer spricht in der heutigen
Groß-Kundgebung der NSDAP
in der Volkshalle
Kreisleiler pg. Kloflermann
rung handeln und dadurch seine Verbundenheit seinen Hausnachbarn und Volksgenossen durch Tat bekunden!
mit die
Nundfunk für alle Volksgenossen!
Adolf Hitler hat Deutschland zur Volksabstimmung aufgerufen. Der Führer, seine Minister und andere deutsche Volksgenossen werden zum deutschen Volk über die Verordnung zur Durchführung der Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches sprechen.
Der Reichsverband deutscher Rundfunkteilnehmer ruft seine Mitglieder auf, diejenigen Volksgenossen, die keinen Rundfunkapparat besitzen, zu sich ein» zuladen und sie am H e i m e m p f a n g teilnehmen zu lassen. Volksgenossen!, RdR.-Mitglieder: Jeder Volksgenosse mutz die Möglichkeit haben, den Führer und seine Mitarbeiter durch den Rundfunk zu hören. Stellt eure Rundfunkapparate euren Volksgenossen zur Verfügung. Deutschlands Antwort auf des Führers Frage — ein Ja!
Saardeutsche im Neich - Achtung!
Beachtet den 31. August!
Der 31. August, der Endtermin für die Einsichtnahme in die Abstimmungslisten, die bei den saarländischen Gemeindebehörden aufbiegen, rückt immer näher. Das Vevantwortungsbewußtsein an der deutschen Saarsache fordert gebieterisch, daß auch der letzte Saarländer an die Wahlurne geht. Wir richten deshalb an alle im Reiche ansässigen Saardeutschen den eindringlichen Appell, nicht lässig zu sein
Herbart in Göttingen gestorben (geboren 1776); — 1864: die Dichterin Marie Eugiene delle Grazie zu Weitzkirchen in Ungarn geboren (gestorben 1931); — 1867: der englische Schriftsteller John Galsworthy in Coombe (Surrey) geboren (gestorben 1933).
Oie Abstimmungsdauer bis 18 llhr verlängert.
In Anbetracht dessen, daß der Abstimmungstag noch in die Hauptreisezeit und in größeren Teilen Deutschlands in die Erntezeit fällt, hat der Reichsminister des Innern bestimmt, daß die Abstimmung am 19. August nicht schon um 17 Uhr endet, sondern — wie bei der letzten Volksabstimmung — allgemein bis 18 Uhr dauert. Es kann also jeder Volksgenosse am 19. August seine Stimme in der Zeit von 8 bis 18 Uhr abgeben. Frühzeitige Stimmabgabe empfiehlt sich, da erfahrungsgemäß in den letzten Stunden der Andrang zur Stimmurne besonders stark ist.
Auch Angehörige können Stimmscheinanträge stellen. Mit Rücksicht darauf, daß der Abstimmungstag noch in die Hauptreisezeit fällt, hatte der Reichsinnenminister die zuständigen Stellen bereits sofort
werden. Ich bitte deshalb, soweit es die dienstlichen Erfordernisse zulassen, den Beamten, Angestellten und Arbeitern zu Zwecken der Abstimmungshilfe auf Antrag bis längstens 20. August 1934 Dienstbefreiung oder Urlaub unter Fortzahlung ihrer Gebührnisse und ohne Einrechnung auf den Erholungsurlaub zu gewähren.
Hausgemeinschaft am Nadia!
Am morgigen Mittwoch, 2 0.3 0 Uhr wird Reichsminister K e r r l vom Frankfurter Sender aus über den 19. August sprechen.
An alle Radiobesitzer ergeht die Bitte, die in ihren Häusern wohnenden Volksgenossen, die keinen Radioapparat haben, zum gemeinsamen Abhören der Rede des Ministers in ihren Wohnungen einzuladen.
Die deutsche Volksgemeinschaft soll an diesem Abend ihren Ausdruck in der Hausgemeinschaft beim Radioempfang dieser Rede finden!
Möge jeder Radiobesitzer nach dieser Aufforde-
ser. Er kommt uns gefärbt vor, rote roenn man in trübes Wasser grüne Farbe geschüttet hatte. So kommt es, daß sein erster Anblick enttäuscht, zumal roenn wir an den Peneios Goethes im „Faust ^Eine' Fähre führt uns an das andere User zu den Platanen, deren kühler Schatten uns aufnimmt. Die Bergwände rücken näher heran, dadurch gewinnt das Bild an Belebung. Die Sonne die m der Ebene mitleidslos brannte, bricht sich als lichtes Geflirr im Laubwerk der Bäume, widerstrahlt an den Wänden bald mehr und bald minder, too wechselt das Spiel ihrer Lichter. Zuweilen wird das Laubdach der Platanen von unten durch die Reflexe des Wassers bestrahlt, was zauberhafte Stimmungen schafft.
Am rechten Ufer folgt die staubige Straße den Windungen des Wassers, am rechten Zieht die Bahn dahin, die manche Biegung in Tunnels abschnetdet. Erst im Weltkrieg wurde sie gebaut um Athen an das europäische Schienennetz anzuschltetzen.
Im lieblichen Spiel der Lichter weitet sich der Talgrund zuweilen zu lauschigen Buchten, in henen die geschuppten Stämme der Platanen wie fleckige Schlangenleiber aufsteigen. Im Usersand JP^ter Dohlen und Häher, deren grüngoldenes Kleid rwe aus edlem Metall glänzt. Farnkrauter schießen zu tropischer Höhe empor, Schlingpflanzen schaukeln im goldenen Gezweig. Brombeeren lassen ih ’ len über uns hängen, von denen wir die ersten gegen, mit Füllern und mit Holz hoch beladen. Die Treiber si na en näselnd Lied. Auf emem se,
zwischen Maisstroh verpackt sitzt eine verrunzelte Alte und raucht ihre kurze Pfeife. Am Hals ihres Tieres bimmelt silberhell ein Glöckchen, und zwischen seinen Ohren schaukelt eine Krane aus gelben Strohblumen. Sie ist eine Brautmutter lrrkl r mir ein Grieche, und reitet nun heim von der Hoch
ih?er Tochter, die reichste Frau in der Gegend ringsum. Mitunter greift sie in ihre Tasche und ihr erfahre 'ch, was e- e?arubDQ3d)8qebe genaue? acht und lese nach hun- dert Schritten wieder -in Geldstück auf und dann wieder S° kann man hier w,e im Schlaraffenland K non der Straße aufheben, das Brautgeld, das alter Brauch !ür arme Wanderer bestimmt. Es bringt Glück und wird von ,edem als Talisman o^Nun wird das Schattental enger, der Lichtdom zu unseren Häuptern verwandelt sich in erhabenen
heiße Stirn, die Lungen trinken in Wonne die würzige Lust.
Da treibt ein Hirt seine Herde vom Ossa herab, die stumm ihrem Leittier folgt. Er gewahrt mich nicht, der ich oberhalb einer dünn rieselnden Quelle sitze und träume. Behutsam beugt er sich über den fließenden Strahl und trinkt aus der hohlen Hand, sein Hund schlürft neben ihm schmatzend, während die Schafe chch weiter unten um einen Steintrog drängen. Warum bekreuzigt er sich denn?
Wie er fort ist und der Mond aufgeht, gehe ich näher zum Born. Da sehe ich zwischen den Steinen, in einer Nische ein Bild unter Glas, eine Ikone der heiligen Paraskewi, vor der der Hirte gebetet. Die Trümmer rechts und links beweisen, daß hier ein antikes Quellheiligtum stand. Aus der Nymphe ist eine Heilige geworden, die das Heiligtum in unsere Zeit hinübergerettet hat.
Es ist nur Schein, wenn wir die Götter tot wähnen. Der große Pan ist nicht tot, er hat sich nur verborgen, in schattigen Tälern und entlegenen Schluchten. War er mir heute nicht nah im Lichter- ! geflirr am schönströmenden Fluß oder vordem, als der Hirte gebetet? Ein Talisman wurde mir heute zuteil, ich will ihn bewahren für immer: die tiefe Schau in das Herz der Natur.
Beglückt wandle ich zu meinen Freunden zurück, die beim Kerzenschein mich mit funkelndem Weine begrüßen.
Geschäftsordnung bei den Boiokuden.
Ein überaus sinnreiches Verfahren, um bei Beratungen die Redefreudigkeit einzudämmen, ist seit langem bei den Botokuden Brauch. Bei der großen Beratung des Stammes kann kein Häuptling das Wort ergreifen, ohne daß der Präsident, der für die Geschäftsordnung verantwortlich ist, ihm zuruft: „Das linke Bein!" Sofort muß der Redner das eine Bein in die Lust strecken, und auf dem anderen balancieren, so gut es eben geht. Solange er auf einem Bein stehen kann, so lange darf er reden, länger nicht. Es ist selbstverständlich auch verboten, das Standbein zu wechseln, und wenn : er erschöpft ist, so muß er zum Ende kommen, denn , Ausnahmen werden nicht gemacht. Wer nun glaubt, । ohne eine lange Redezeit nicht auskommen zu kon- : nen, dem bleibt nichts anderes übrig, als das ■ Stehen auf einem Bein zu trainieren: dies aber ist • eine Hebung, die zu philosophischem Denken anleitet, : und vielleicht kommt der hartnäckige Botokude bet , einer solchen Versenkung ins eigene Ich zu der Er- . kenntnis aller Weisen, daß Reden Silber, Schwei- . gen aber Gold ist.
nach der Festsetzung der Volksabstimmung angewiesen, bei der Prüfung der Stimmscheinanträge großzügig zu verfahren. Er hat heute in einem weiteren Erlaß angeordnet, daß zur Erleichterung des Verfahrens selbstverständlich auch Stimmscheinanträge, die von Angehörigen gestellt werden, entgegenzunehmen und sofort zu erledigen sind.
Dienstbefreiung für Beamte zur Vorbereitung derVolksabstimmung
Der Reichsminister des Innern hat aus Anlaß der bevorstehenden Volksabstimmung folgendes Ersuchen an die obersten Reichs- und Landesbehörden gerichtet:
„Entsprechend dem Wunsche des Führers und Reichskanzlers hat die Reichsregierung angeordnet, daß am Sonntag, 19. August 1934, eine Volksabstimmung über das Reichsgesetz vom 1. August 1934 (Reichsgesetzblatt I, Seite 747) stattfindet. Die Vorbereitung und Durchführung dieser Volksabstimmung muß von allen Volksgenossen, besonders aber von den staatlichen und kommunalen Behörden, mit allen Mitteln unterstützt und gefördert werden. Dabei wird namentlich auch die aktive 3RitIfe her Beamten, Angestellten und Arbeiter des ö f f e n t l i chen Dienstes erforderlich
und sich rechtzeitig um -die Sicherung ihres Wahlrechts zu kümmern.
Aller Patriotismus ist unnütz, wenn sich die Saarländer nicht voll und ganz für ihre Belange einsehen.
So ist es an der Zeit und dringend geboten, durch einen Bekannten im Saargebiet zu erfahren, ob der Eintrag in die Wahlliste dort auch wb^ich erfolgt ist. Es empfiehlt sich, eine schriftliche Bestätigung darüber besorgen zu lassen.
Keine Mühe darf zu viel sein, wenn es gilt, eine Stimme zu sichern. — Sammelformulare genügen in keinem Falle, jeder Stimmberechtigte muß vielmehr seine Unterschrift gesondert abgeben.
O)iof;euer Worhvumar<tprcrse
* Gießen, 14. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,45 Mk., Landbutter 1,30 bis 1,35 Mk., Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 10X-, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing (gelb), das Pfund 15 bis 20, (arün) 15 bis 20, Weißkraut 12 dis 15, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10 dis 12, Spinat 18 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 25, (gelb) 25, Erbsen 30, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 12, Kartoffeln (neue) 5 bis 5% Pf., der Zentner 5,— bis 5,50 Mk., Frühäpfel, das Pfund 15 bis 25 Pf., Falläpfel 5, Pfirsiche 25 bis 45, Brombeeren 30 bis 35, Preißelbeeren 35, Birnen 15 bis 25, Pflaumen 15, Zwischen 12, Mirabellen 15 bis 20, Reineclauden 15, junge Hähne 80, Suppenhühner 60 bis 70, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 10 bis 12, Salatgurken 15 bis 25, Einmachgurken VA bis 2A, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5, Lauch 5 bis 7, Rettich 5 bis 10, Sellerie 20 bis 25, Radieschen, das Bund 10 Pf.
Aus Oer proviyzialhauptstadt.
Eßt deutsches Obst!
In den letzten Jahren ist in den Ernährungs- j anschauungen ein großer Umschwung eingetreten. Die Vitaminforschung und die allgemeine Praxis ist in der Lage, durch grundlegende und mit Erfolg gekrönte Versuche den Nachweis der ungeheuren Bedeutung der Obst- und Pflanzennahrung für das menschliche Wohlbefinden einwandfrei darzulegen. Nicht nur diese Tatsache allein müßte zu regelmäßigem Obstgenuß bewegen, sondern auch die Feststellung, daß in Deutschland jede Obstsorte mit der ausländischen in Form, Farbe, Geschmack und Gehalt konkurrieren kann und daher erstmals vor allen Dingen der heimischen Landwirtschaft und Obstzucht der Vorrang gebührt. Durch ein solches Verhalten wird verhindert, daß das deutsche Volksvermögen, welches in dieser Hinsicht viele Millionen Mark ausmacht, ins Ausland fließt und so der deutschen Volkswirtschaft entzogen wird.
Ausschlaggebend ist natürlich bei den Obstnährstoffen die Auswahl des Obstes. Der individuelle Geschmack entscheidet. Der eine ißt mit Vorliebe Kirschen, der andere Birnen und Aepfel, der dritte Erdbeeren und der vierte Pfirsiche. Die Heilwirkung des Apfels ist eine bekannte ärztliche Tatsache. Gerade die deutschen Aepfel zeichnen sich durch vorzügliches Aroma aus und sind wegen dieser Schmackhaftigkeit der Gesundheit besonders dienlich. Der Arzt verordnet süße Aepfel gegen Magen- und Darmbeschwerden. Die Apfeldiät ist vornehmlich bei akuten und chronischen Verdauungsstörungen der Kinder mit außergewöhnlichem Erfolg in Anwendung gebracht worden. Durch den allabendlichen oder allmorgigen Genuß von zwei bis drei Aepfeln erreicht man einen regelmäßigen und flotten Stuhlgang, der in gesundheitlcher Beziehung für den Menschen von größter Bedeutung ist. Heber« dies gilt der Apfel als Vorbeugungs- und Heilmittel gegen Alterserscheinungen, Kalkablagerungen in den Arterien und Gelenken, gegen Gicht, Rheuma und mangelnde Tätigkeit der Leber und Nieren. Weiterhin wird ihm eine blutreinigende Wirkung zugeschrieben, und infolge seines erheblichen Phosphorgehaltes wird er vielfach als „Ner-
Ernst. Am Unterbau der Straße gluckst eine Quelle, deren kühles Naß wir mit Wohlbehagen schlürfen.
Nur einige Schritte weiter, und wir sind wieder in Hellas. Nußbäume und Edelkastanien säumen unseren Weg, Ginster und Phryganagewächse drängen sich heran, zwischen denen sich Wolfsmilch breitmacht. Auch Faulbeer und Arbutus kommen vor, hingegen fehlen Lorbeer und Oelbaum. Erft am Ausgang der Enge rücken Weingärten näher, die Luft wallt uns in heißen Schwaden entgegen, die Sonne brennt grell.
Früher als wir vermuteten, ist der Spaziergang zu Ende. Im Dörfchen Baba entlohnen wir den Treiber, nehmen unsere Sachen und setzen unsere Wanderung fort, um von der hochgelegenen Stadt Arnpelakia eine Aussicht über das ganze Peneiostal zu bekommen. Ein kühler Bergwind kommt uns entgegen, wir steigen langsam hinauf.
Erst von oben erfassen wir die reiche Gliederung der Landschaft. Im Hintergrund taucht der gewaltige Rücken des Ossa auf, vor uns der Olymp, dessen Ausläufer sich in viele Kulissen gliedern, und; nach Westen tut sich der fruchtbare thessalische Kessel aus, durchzogen vom Silberband des Peneios.
Langsam schlendern wir durch das verschlafene Städtchen. Einst war Arnpelakia als Sitz der ersten Produktivgenossenschaft auf gemeinnütziger Grundlage weithin berühmt. Zu Ende des 18. Jahrhunderts blühten hier Baumwollspinnereien, die ihre Produkte in ganz Europa verkauften. Ein für Deutschland begeisterter Grieche, namens Mawros, der seinen Namen in Schwarz verdeutscht hat, versorgte den Wiener Markt mit den Erzeugnissen des fernen Griechenlands. Noch steht sein Haus mit seinen Prunkräumen und Rokokoarabesken, auf denen sich Putten und Genien wiegen, doch untermischt mit türkischen Motiven. In Schränken sieht man Altwiener Porzellan und böhmische Rubinglaser. Ganz Europa hat sich hier ein behagliches Stelldichein gegeben.
Hmglüht von Abendgewölk steige ich empor auf einen Hügel außerhalb der Stadt, um die frische Bergluft zu genießen. Schon schlummert die Welt in violettfarbenen Schatten. Das Tempetal, eine grüngoldene Schlucht tief unter mir, liegt da wie das Grab eines verschollenen Gottes. Aber ich fühle, daß hier noch die heimlichen Geister der Vorzeit raunen und weben. Lausche mit offenen Sinnen, und du wirst sie verspüren! Noch haucht der Fluß allnächtlich dünne Schleier aus, die sich gei- stergleich wiegen und neigen, noch saisteln die breiten Platanen das Liebeslied von Daphms und Chloe. Seliges Erschauern überfährt die noch tag-
venpräparat" bezeichnet.
Es gibt natürlich auch Menschen, die rohes Obst nicht vertragen können. Da empfiehlt es sich, die Früchte in Form von Obstsäften, die auf kaltem Wege zubereitet werden, als Obstmost einzunehmen. Maßgebend ist einzig und allein der naturreine Obstsaft. Apfel- und Traubenmoste nehmen eine besondere Stellung ein. Es sind hochwertige, der Gesundheit und vielen Krankheitserscheinungen überaus zuträgliche Getränke. Touristen, Sportler und Feinschmecker wissen den hervorragenden gesundheitlichen und vor allen Dingen zu jeder Zeit erfrischenden Obstmost zu schätzen, doch mußte eigentlich dieses Getränk auch in den Familien insbesondere zur Sommerszeit ständige Verwendung finden. Da diese Fruchtsäfte keine Gärung durchgemacht haben, find sie alkoholfrei und üben auf das Nervensystem keinerlei erregende oder erschlaffende Wirkung aus. Der wertvolle Fruchtzucker der sonst durch eine Gärung in Alkohol verwandelt wird, ist ohne Veränderung im Obstmost enthalten. Dr. Karl von Noorden, der durch seine umstürzlerischen Forschungen auf dem Gebiete der modernen Ernährung in der ganzen Welt bekannte Wiener Arzt, hat in einer Reihe von Versuchen Obstmost als einen Bestandteil regelmäßiger Ernährung dem menschlichen Organismus zugeführt. Diese Versuche sind nach seinen und auch nach Feststellungen anderer bedeutender Ernährungswissenschaftler vollauf gelungen.
Um auf das direkte Obstessen zurückzukommen, sei noch gesagt, daß Schalenobst mit der Schale genossen werden soll, da gerade in dieser die wichtigsten Nährelemente enthalten sind.
Daten für Dienstag, 14. August.
1837: der Dichter Johann Trojan in Danzig geboren; — 1841: der Philosoph Johann Friedrich
Griechisches Landschastsbild.
Von Franz Spunda.
Wie Arkadien, der Olymp und der Parnaß ist auch das Tempetal in Thessalien für uns nur noch ein poetischer Begriff. Mit dem Wort Tempe taucht die Vorstellung einer Idylle auf; ein schattiges Tat, bevölkert von Nymphen, Panisken und Dryaden, wo verliebte Schäfer sehnsüchtig ihre Flöte blasen und leichtgeschürzte Schäferinnen in schattigen Hainen von dem schönsten Schäfer träumen. So ist ein antikes Rokoko mit dem Namen Tempe verknüpft. We konnte nun dieses thessalische Tal die Alten so sehr begeistern, daß der Nachhall ihrer Preisgesänge noch heute nicht verhallt ist? Worin liegt der unsterbliche Zauber dieser Idylle?
Auch hier hat wie überall in Griechenland das Einfache am stärksten gewirkt. Ein schönfließender Strom in einem von weitschattenden Bäumen überdachten Tal, zu feiten Berge, bald sanft bewaldet, bald abgeschrägt von steilen Kulissen, darüber die strahlende Sonne — mehr nicht. Bei uns gibt es Hunderte Täler ähnlicher Art, aber in Griechenland ist es einzig in feiner Gestaltung. Fließendes Wasser ist in Hellas selten. Es gibt überhaupt nur vier Flüsse, die auch im Sommer nicht versiegen: der Acheloos in Akarnanien, der Alpheios i" Elis, der Eurotas in Lakonien und der Peneios in Thessalien. Aber die ersten drei fließen in Ebenen, sind verschilft oder durch vorgelagerte Schotterhalden verunziert wie der Peneios im thessalischen Kessel, der nur für die kurze Strecke von 15 Kilometer von Bergen begleitet wird, von den Ausläufern des Olympos und Ossa: das ist das durch Dichter unsterblich gewordene Tempetal. Zwischen diesen Bergen hat sich der Fluß in der Urzeit ein Bett gebahnt, so gründlich, daß er jetzt langsam dahinfließt und auch noch Raum genug für Wälder und Weideland bietet.
Jetzt rasselt der Schnellzug durch den gepriesenen Talgrund. Die Reisenden blicken hinaus, bewundern den grünen Fluß, die schöngeschwungenen. Hänge und sagen: „Das Tempetal!" Nur einige Minuten lang wechseln die Bilder im rasenden Flug.
Wer wirklich seine Schönheit genießen will, muß es langsam durchwandern. In Pyrgetos, an seinem östlichen Ausgang, mieteten wir, die wir vom Hohen Olympos kamen, ein Maultier, beluden es mit unseren Rucksäcken und zogen dann munter drauflos. Gleich hinterm Dorf liegt der sagenberühmte Peneios vor uns, ein langsam ziehendes Wasser, hellgrün, aber nicht durchsichtig wie unsere Alpengewaj-
— Tageskalender für Dienstag. NSDAP.: 20 Hhr, Volkshalle, Großkundgebung. Redner: Kreisleiter Pg. Klostermann. — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Gern hab' ich die Frau'n geküßt".
** Ernennung. Aus dem Büro des Reichsstatthalters wird mitgeteilt: Der Kulturinspektor beim Kulturbauamt Gießen, Heinrich Jockel, wurde durch Hrkunde des Herrn Reichsstatthalters in Hessen mit Wirkung vorn 15. Juni 1934 zum Kulturbaubürodirektor ernannt.
** D i e Sprechstunde des Beigeordneten Bartholomäus am Mittwoch, 15. A u - guft, fällt aus Die nächste Sprechstunde ist Samstag, 18. August, von 11 bis 12 Hhr.
** Marschftraßen des zurückkehren- den Bataillons. Das Bataillon, das im Laufe des heutigen Nachmittags vom Truppenübungsplatz Heuberg zurückkehren wind, marschiert auf dem Weg zur Kaserne an der Licher Straße durch folgende Straßen: Horst-Wessel-Wall, Hindendrrrgwall, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Kaiserallee, Licher Straße. Das Ausladen der Mannschaften erfolgt an der Ladestrahe des Güterbahnhofes an der Hamm- straße.
** Straßensperrung. Wegen der Instandsetzung der Fahrbahn wird die Wegestrecke von Kilometer 44,7 bis 45,2 innerhalb des Ortsbereichs Rodheim im Zuge der Landstraße Biedenkopf- Gießen von 16. bis 22 August für jeglichen Kraftfahrzeug- und Fuhrwerkverkehr polizeilich gesperrt. Die Umleitung erfolgt innerhalb des Ortes.
** Eaf6 Ämend renoviert. Der Inhaber des Cafehauses Arnend, Herr Willi A rn e n d hat, dem Zuge der Zeit folgend und im Willen, einen Teil zur Arbeitsbeschaffung in unserer Stadt beizutragen, die großen Räume des Cafehauses völlig überholen und neu Herrichten lassen. Die gesamte Neugestaltung der Gasträume geschah — nach Anregungen des Inhabers selbst — in einer durchaus zeitgemäßen Art. Man bemühte sich um größtmög- lichste Klarheit, um bewußte Zusammenfassung der Flächen und um dezenteste Perwendung der Farben. Eine wesentliche Aenderung hat der hinter


