m. 109 Zweites Blatt
Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 12. Mai 1934
meisten, internationalen Konflikten beim deutschen Volk geraten ist, erheblich zu verbessern.
Die Saarfrage auf der Tagesordnung des Völkerbundsrats wäre zwar wichtig genug, um die leitenden Diplomaten und Minister zu einer Reise nach Genf zu veranlassen. Aber wichtiger ist ihnen noch eine inoffizielle Generalaussprache über das A b - rüstungsproblem, bevor am 29. Mai der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz zusammentreten wird. Die Lage ist durch die letzte französische Rote so hoffnungslos geworden, daß selbst die Engländer, die bis-zuletzt sich krampfhaft um eine Angleichung der Auffassungen bemühten, nun anscheinend das Fruchtlose ihrer Bestrebungen einsehen und die Flinte ins Korn werfen. Nur die ganz unentwegten Optimisten, man sagt vielleicht besser, die Leute für die ein Abrüstungsabkommen zu einer persönlichen Prestigefrage geworden ist, kämpfen noch zäh und verbissen um eine neue Formel, mit der sie die Gegensätze zu überbrücken hoffen. Aber die Mehrzahl der britischen Minister hat eingesehen, daß Frankreich im Grunde gar kein Rüstungsabkommen will und deshalb alle britischen Garantieangebote, mochten sie auch bis an die Grenze des von der Volksmeinuna Gedeckten gehen, als ungenügend zurückgewiesen hat. Dem konservativen Flügel des Kabinetts scheint damit ein Stein vom Herzen gefallen zu sein, denn nur sehr ungern hätte er im Parlament um die Erweiterung der britischen Bündnisverpflichtungen auf dem Fellland gekämpft, weil er weiß, daß jede neue Bindung, die England auf die Gefahr hin eingeht, später einmal in europäische Verwicklungen hineingezogen zu werden, im britischen Volke höchst unpopulär ist.
So muß man auch befurchten, daß Mac- d o n a l d sich auf ein gefährliches Glatteis begibt, wenn er seinen Plan wahr macht und in Genf persönlich in die Bresche springt, um dprch einen Appell an den Friedenswillen der Mächte wenigstens das Dekor zu retten. Die Geschichte des Genfer Protokolls vom Oktober 1924 sollte Macdonalü schrecken, sich erneut auf diese schiefe Ebene überspannter Bindungen zu begeben, auf der er schon einmal ausgerutscht ist. Damals hatte er sich von Herriot für ein feinausgeklügeltes Sanktionssystem gewinnen lassen, das die französische Militärhegemonie in Europa verewigen sollte. Aber der gesunde politische Sinn des britischen Volkes versagte dem Premier die Gefolgschaft in solche Abhängigkeit. Das Kabinett Macdonald wurde gestürzt, die Arbeiterpartei verlor im Wahlkampf mehr als 70 Sitze und das neue Konservative Kabinett ließ ein halbes Jahr später in Gens erklären, daß England das Genfer Protokoll in der vorliegenden Form nicht unterzeichnen werde. Macdonalds Amtsgenossen in der gegenwärtigen Nationalregierung werden keine Lust verspüren, sich mit einer so hohen außenpolitischen Hypothek für den Wahlkampf zu belasten, dem sie, gestützt auf den lieber schuß im Haushalt, im übrigen fo hoffnungsfroh
entgegensehen dürfen. Man wird also recht skeptisch sein müssen, ob Macdonald die geplante Extratour nach Genf gelingt und wie sie ihm in diesem Falle bekommen wird.
Die Franzosen scheinen wenigstens unter allen Umständen entschlossen zu sein, die Hand frei zu behalten, nicht nur für eine Beibehaltung ihres gegenwärtigen Rüstungsstandes, sondern auch für jede Rüstungsvermehrung oder -Verbesserung nach der technischen wie organisatorischen Seite hin, die ihnen gutdünkt. Diese entschiedene Abneigung Frankreichs gegen jede Bindung an eine Rüstungskonven- tion war die Triebfeder für die sich von Note zu Note steigernden Bürgschaftswünsche an England, von dem man wußte, daß es so weit niemals gehen könne, wie Paris es forderte. Hier hat die franzö- fische Taktik sich rechtzeitig eine moralische Entlastung geschaffen. Für die andere soll jetzt Genf mobil gemacht werden. Die französische Presse stimmt schon seit Wochen im Ehorus das Klagelied von angeblichen deutschen Rüstungen an, und nach dieser Vorbereitung greift auch Barthou selbst das Stichwort auf, um mit diesen vorgeblich dem Versailler Vertrag zuwiderlaufenden Rüstungen Deutschlands den eigenen Entschluß, sich auf keine Rüftungsbegren- zung einzulassen, moralisch zu rechtfertigen.' Barthou kann seine politische Vergangenheit in der Nähe Poincares nicht verleugnen. Mit den gleichen Methoden wie zur Zeit des Ruhreinbruchs soll Deutschland einer Verfehlung gegen die Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Diktats geziehen und mit der moralischen Schuld an dem Scheitern einer Abrüftungskonvention belastet werden.
Aber auf der Suche nach Bundesgenossen für eine einmütige Verurteilung Deutschlands hat Barthou sich schon deutliche Absagen von England und Italien holen müssen. Die Reise nach Warschau dürfte in diesem Punkt auch kein Erfolg gewesen sein. Von der Kleinen Entente, dem bisher sichersten Stein im Bau des französischen Bündnissystems, ist inzwischen Südslawien reservierter geworden. Belgiens Auffassung deckt sich mit der englisch-italienischen. Die Aussichten Barthous für Genf sind also nicht gerade glänzend. Bis zu einem (Eintritt Rußlands, die letzte und zwar recht zweifelhafte Karte im französischen Spiel, ist es noch weit, zumal Polen dann den Anspruch auf einen ständigen Ratssitz aufrollen würde, wozu wohl auch die Kleine Entente, die südamerikanischen Mächte oder die nordischen Staaten noch ein Wort sagen möchten. So kann Frankreich hier vorerst nicht mit Unterstützung seiner auf Verewigung der Unruhe in Europa und Verbreiterung der Reibungsflächen gerichteten Politik rechnen. (Eine Einheitsfront gegen Deutschland ist heute nicht mehr möglich. Der Ring ist gesprengt und Frankreich ist es, das alle Anstrengungen machen muß, um die letzten Getreuen bei der Stange zu halten, nachdem überall in der Welt die Erkenntnis von dem selbstmörderischen Irrwahn der ungleichen Verträge ihren Siegeszug begonnen hat.
Achtung! Saar-Abstimmung!
Ein Aufruf der Reichsregierung.
Berlin, 3.Mai. (DNB.) Die Reichsregie- ruyg erläßt folgenden Aufruf:
15er Zeitpunkt, an dem die Saarbevölkerung nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages im Wege der Volksabstimmung über ihr künftiges Schicksal entscheiden soll, rückt heran. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest; fällig ist die Volksabstimmung vom 10. Januar 1935 ab.
Abstimmungsberechtigt ist ohne Unterschied des Geschlechts, wer am Tage der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, d. h. a m 2 8. I u n i 19 19, im Saargebiet gewohnt hat und am Abstimmungstage wenig st ens 20 Jahre a l t ist.
An alle im Reich, außerhalb des Saargebiets wohnhaften Personen, die am 2 8. Juni 1919 im Saargebiet gewohnt haben und vor dem 11. Januar 19 15 geboren sind, ergeht die Aufforderung, sich in der Zeit von Donnerstag, den 3. Mai, bis Samstag, den 12. Mai, bei ihrer Gemeindebehörde (Einwohnermeldeamt), in den Städten aus den Polizeirevieren ihres jetzigen Wohnsitzes zu melden. Das gilt auch für Personen, die sich schon f r ü h e r als Saar- abstimmungsberechtigte gemeldet haben. Personalausweise und, soweit möglich, Nachweise üb er den Wohnsitz am 2 8. Juni 1919 (An- und Abmeldebescheinigungen, Beschäftigungszeugnisse usw.) sind mitzubringen. Wo und zu welchen Tageszeiten die Meldungen entgegengenommen werden, wird durch jede Gemeinde rechtzeitig besonders bekanntgegeben.
Die OReite nach Genf.
Am 14. Mai tritt in Genf der Dölkerbundsrat zusammen. Die Diplomaten treffen schon ihre Reisevorbereitungen. Zwischen Paris und London ist trotz der merklichen Spannung das übliche Zwiegespräch, das jeder Genfer Zusammenkunft vorausgeht, auch gemeinsame Fahrt wird schnell noch verabredet, um bis zum letzten Augenblick vor dem Auftreten auf der Völkerbundstribüne den Meinungsaustausch fortzufetzen in der diesmal besonders vagen Hoffnung, vielleicht doch noch dem erstaunten Publikum das Schauspiel eines einigen Blocks der Westmächte oorführen zu können. Indessen auf der Tagesordnung des Völkerbundsrats steht offiziell zunächst nicht die Abrüstungsfrage, sondern die S a-a r a b st i m m u n g. Um für sie die nötigen Vorbereitungen zu treffen, hatte der Rat im Januar zwei Ausschüsse eingesetzt, deren Berichte und praktische Vorschläge für diese Maisitzung zu erwarten sind. Da man bei der Zusammensetzung dieser Ausschüsse Wert darauf gelegt hatte, durch die Auswahl neutraler Persönlichkeiten — neben dem Italiener Aloisi als Porsitzenden sitzen Holländer, Argentinier, Spanier, Schweden, Schweizer und Amerikaner in den Ausschüssen — jeden Vorwurf der Parteilichkeit von vornherein abbiegen zu können, so darf man hier den Willen zu sachlicher Arbeit voraussetzen, der sich auch kaum durch das rücksichtslose Hineinfunken der französischen Politik vom graben Wege abbringen lassen wird. Frankreichs These, mit der es in Versailles dank der Unkenntnis von Amerikanern und Engländern das fünfzehnjährige Völkerbundsregime im Saargebiet und die dann folgende Abstimmung durchgedrückt hatte, nachdem die glatte Annexion nicht' geglückt war, diese These von den nach Befreiung lechzenden 150 000 Saarfranzosen ist inzwischen selbst für die Pariser Presse unhaltbar geworden. Auch die Propaganda für eine eaar* autonomie ist als Gimpelfang entlarvt worden. 93% der im Saarland ansässigen Abstimmungsberechtigten haben sich zur „Deutschen 9ronf' zusammengeschlossen und kämpfen mit allen Fasern ihres Herzens für die Wiedervereinigung mit dem Reich. Dazu kommen noch die feit dem Inkrafttreten des Saarstatuts am 28. Juni 1919 aus dem Saargebiet Abgewanderten, die die Reichsregierung in diesen Tagen zur Eintragung in die Liste der Abstimmungsberechtigten aufgerufen hat.
Die Volksabstimmung ist also entschieden, bevor der erste Zettel in die Urne gefallen ist. Daher hatte der Führer in ruhigem Vertrauen auf die auch durch Terror und Lockungen nicht zu beirrende - Stimme des Bluts unserer deutschen Volksgenossen an der Saar der französischen Regierung eine in direkten Verhandlungen von Macht zu Macht anzubahnende Verständigung über die Rückgliederung des Saargebiets und alle damit zusammenhängende, ja die beiden Mächte ganz ausschließlich berührende Fragen angeboten, um auf diese Weise zu vermeiden, daß durch gesteigerte Propaganda, durch einen erbitterten Wahlkampf und durch die für Frankreich doch zwangsläufige Enttäuschung über fernen Ausgang sich die Köpfe an der letzten territorialen Frage erhitzen, die nach deutscher Auffassung einer Generalbereinigung zwischen beiden Völkern im Wege steht. Frankreich hat diesen von einem wahrhaft europäischen Geist eingegebenen und von echtem Friedenswillen diktierten Vorschlag brüsk ab- aelehnt. Es hat eingewendet, daß das Saarstatut ein Teil der Versailler Vertrages sei, dessen Durchführung unter Garantie des Völkerbundes stehe. Dabei darf man von dem Friedensbedurfms aller andern Mächte ohne weiteres annehmen daß sie zu allem ja gesagt haben würden, wenn durch direkte Verständigung der beiden ganz allem daran interessierten Anrainerstaaten, die unter der Last der Probleme seufzende Welt um eine schwierige und viele Ungelegenheiten machende Frage ohne ihr Zutun erleichtert worden wäre.
Es war also nur ein Vorwand, wenn. i>er französische Formalismus sich bei der Ablehnung des deutschen Vorschlags hinter den Buchstaben des Versailler Vertrages und die dort den Saarlandern zugesagten Volksabstimmung verschanzte. Denn es heißt doch die historischen Tatsachen auf den Kopf stellen, wenn man heute in Paris den Anschein zu erwecken sucht, als ob die Saarabstimmung seinerzeit erfunden sei zum Schutz der Saarländer gegen deutsche Annexionsgelüste, wo sie in Wahrheit den Franzosen, die eine sofortige Zuweisung des Saar- aebiets nicht erreicht hatten, nach fünfzehn Jahren Propaganda und torantenkkfer Einflußnahme noch
Reichsministet Dr. Goebbels eröffnet den Aufklärungsfelbzug gegen die Mesmacher und Aörgler.
Eine Massenkundgebung im Berliner Sportpalast. — Das Volk der beste Bundesgenosse der nationalsozialistischen Regierung.
Berlin, 11. Mai. (DNB.) Der Gau Groß- Berlin der NSDAP, eröffnete am Freitagabend den angekündigten Feldzug gegen Miesmacher und Kritikaster mit einer Riesenkundgebung im Sportpalast. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels selbst leitete diese Angriffsschlacht gegen die Schädlinge im nationalsozialistischen Staat mit einer großen Rede ein. Der Sportpalast war überfüllt. Auf der Straße standen Tausende von Menschen und jubelten, dem Minister bei seiner Anfahrt zu. Dem Sinn der Veranstaltung entsprach der Text der im Saal angebrachten großen Spruchbänder: Die Tat ist stumm — nicht meckern, sondern arbeiten — Erst Leistung dann Kritik — im täglichen Erfüllen der kleinsten Pflicht liegt ein stilles Heldentum. Unter stürmischen Heilrufen erklärte
Reichsminister Nr. Goebbels
in feiner Rede u. a.: Es gibt Menschen, die mögen sich selbst nicht leiden und sie ärgern sich schon, wenn sie in den Strudel hineinschauen. Sie haben an allem etwas auszusetzen. Sie kleben sich an die lächerlichsten Kleinigkeiten. Wir kennen diese Sorte hinlänglich aus dem Kriege. Das waren diejenigen, die am Stammtisch Warschau und Paris eroberten, und die jedes Gespräch mit den Worten begannen: Wenn ich Hindenburg wäre . . . Leider gab es damals in Deutschland keine politische Führung, die damit aufzuräumen verstand. (Lebhafte Zustimmung.) Da wir uns in den vergangenen 15 Monaten mit allen unseren Kräften mit den großen, uns gestellten Aufgaben beschäftigen mußten, haben die Kritikaster angenommen, sie könnten ihr löbliches Handwerk wie im Kriege auch in der nationalsozialistischen Revolution fortfetzen. Ader sie sollen sich getäuscht haben. (Anhaltender Beifall.) Hätten wir die Arbeitslosigkeit nicht beseitigt, bann würden sie darüber schmähen und schimpfen. Jetzt, wo wir im Zuge sind, sie zu beseitigen, geht es ihnen zu schnell, jetzt halten sie mit ihrem Asthma das Tempo nicht aus. Früher schimpften sie über die Parteien, jetzt schimpfen sie, daß keine Parteien mehr da sind. Früher schimpften sie, daß die Regierungen so oft wechselten, heute schimpfen sie, daß diese Regierung so lange bleibt. (Beifall und stürmisches Lachen.) Früher waren ihnen die Zeitungen zu zweitönig, jetzt sind sie ihnen zu eintönig; früher schimpften sie, daß jeden Abend so und so viele Tote im politischen Kampf zu verzeichnen seien, jetzt schimpfen sie, daß nichts mehr passiert. Es ist ihnen zu langweilig in Deutschland geworden. Es geht ihnen zu gut, und wenn es dem Esel zu wohl geyt, dann begibt er sich aufs Eis.
Eine Zeitlang haben wir uns mit diesen Leuten nicht auseinandergeseht, jetzt sollen sie uns kennenlernen! Wir tun das nicht, wie wir es wohl könnten, mit der Staatsgewalt, sondern wir appellieren an den Bundesgenossen Volk. Das Volk selbst soll urteilen! (Stürmischer Beifall.) Dann wird in kür
zester Zeit dieser Spuk verflogen sein. Das deutsche Volk hat ja die hinter uns liegenden Zeiten noch nicht vergessen, und es vergleicht die nationalsozialistischen Taten mit denen der vorangegangenen Regierungen. Ls ist nicht ungerecht, denn es weih, dah wir keine Wunder tun können, wohl aber weih es, dah wir alles getan haben, was menschenmöglich i ff. Deshalb kann unsere Arbeit Anspruch daraus erheben, vom eigenen Volk geachtet zu werden.
gen ausgeräumt sind, so wird das bei dieser Geschlossenheit des Volkes in absehbarer Zeit möglich sein. Und wer die Ereignisse gerecht würdigen will, darf nicht vergessen, was wir übernahmen. Wir haben es nicht nötig gehabt, mit Kanonen ganze Arbeiterviertel niederzulegen. Mit dem Volke zusammen und ohne Einsetzung der staatlichen Machtmittel vollzog sich eine der größten Umwälzungen der Weltgeschichte.
Wenn heute die Miesmacher glauben, sie könnten auf Grund unseres Schweigens nun ihrerseits das Wort ergreifen, so sollen sie sich in uns getäuscht haben. Denn die, die uns beim Aufbauwerk halfen, wissen, wie schwer es war und fällen darum auch ein gerechtes Urteil. Und nur die, die keinen Anteil am Aufbau hatten, reden anders. Sie find sich nicht im klaren über die Lage, die vorhanden war, als wir die Macht übernahmen. So werden wir uns nun mit ihnen aus-
Die Millionen bekennen sich zum Nationalsozialismus aus innerer Leidenschaft. Ein ganzes Volk ist entschlossen, einig und brüderlich sein nationales Lebensrecht auch der Welt gegenüber zu verteidigen. Man kann wirklich wieder von einem deutschen Volke sprechen. Wenn noch nicht alle i Krisen beseitigt, noch nicht alle Derfallserscheinun- l einandersetzen.
9er Nationalsozialismus kann nur Zug um Zug verwirklicht werden.
Die nationalsozialistische Bewegung übernahm die Macht in einer kritischen Situation. Ihre erste Aufgabe mußte darin bestehen, die politische Sicherheit in Deutschland wiederherzustellen. Dann konnte die Regierung sich an die gro- ßen wirtschaftlichen, sozialen, innen- und außenpolitischen Probleme heranwagen. Das erste und entscheidenste war das Problem der Arbeitslosigkeit. Wir fanden einen verzweifelten Zustand vor. Die Zahl der Arbeitslosen betrug annähernd 7 Millionen. Diese Riefenzahl machte jede Zukunfts- berechnung auf dem Gebiete der Finanzen illusorisch. Wir standen auf dem Standpunkt, daß wir dieses große Zentralproblem nur lösen konnten, wenn wir iins darauf konzentrierten, und alle anderen Probleme demgegenüber zurück stell- ten. Ich gebe zu, daß eine Reihe nationalsozia- listischer Programmpunkte, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiete, noch nicht, gelöst worden sind. Die nationalsozialistische Regierung stand unter dem Zwange der Situation und sie konnte in einer so zugespitzten Lage nicht Versuche unternehmen, von denen sie im Augeblick nicht wußte, ob sie gelingen konnten. Die deutsche Wirtschaft befand sich in einer Krise, die keine Experimente vertrug. Darum haben wir Experimente bis auf spätere, bessere Zeiten verschoben.
Wir haben damit unsere nationalsozialistischen Gesichtspunkte nicht aufgegeben, sondern wir haben im Augenblick Methoden eingeschlagen, von denen wir wußten, daß sie diesem ersten Problem wirksam zu Leibe rücken würden, in der Ueberzeugung, dah. wenn dieses Problem gelöst wäre, es unschwer sein würde, auch andere nationalsozialistische Programmpunkte zu lösen. Wir haben immer erklärt, dah der
Nationalsozialismus nur Zug um Zug verwirklicht werden könnte. Dah wir den Nationalsozialismus nicht insgesamt zur Anwendung bringen konnten, lag an dem ohnehin geschwächten Organismus der deutschen Wirtschaft. Man wird nicht eine Wirtschaft, von der man weih, dah sie unter falschen Methoden geführt wurde, auf ganz neue Methoden überleiten in einem Augenblick, wo diese Wirtschaft um ihr Leben ringt, sondern zunächst der Wirtschaft ein gewisses Mah von Gesundheit geben. Der Nationalsozialismus kann mit Stolz darauf verweisen, dah er, ohne dah er irgendwie seinen weltanschaulichen Prinzipien Abbruch getan hätte, die Arbeitslosigkeit zur Hälfte beseitigt hat. Das ist an sich schon eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Wenn aus dieser Leistung heraus andere Krisenerscheinungen sich bemerkbar machen, so werden diese Erscheinungen genau so überwunden werden müssen wie die Arbeitslosigkeit überwunden worden ist.
Wenn in tiefem Sommer nahezu vier Millionen Menschen mehr befchäftigt werden als vor zwei Jahren, dann ist es selbstverständlich, daß diese Menschen, um beschäftigt werden zu können, der Rohstoffe bedürfen. Es ist ebenso selbstverständlich, daß wir solche Rohstoffe einführen und daß wir die eingeführten Rohstoffe bezahlen müssen, und weil wir so viel Menschen mehr beschäftigen, unsere Devisenmenge verringert wird. Man soll nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn sich solche Erscheinungen bemerkbar machen, sondern es ist die Pflicht jedes Deutschen,
einmal eine Chance geben sollte, unter dem Mantel des Selbstbestimmungsrechts der Völker das 1919 notgedrungen Unterlassene jetzt nachzuholen. Da man aber nun auch in Paris sich darüber im Klaren ist, daß die Aussichten dazu, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, gleich Null sind, verlegen sich die Franzosen auf die oft mit Erfolg erprobte Verschleppungstaktik. Für sie sind auch jetzt vor der Genfer Ratstagung alle psychologischen Vorbereitungen getroffen, wobei das landesverräterische Treiben der (Emigranten im Saargebiet und die als Treuhänder des Völkerbundes eine äußerst merkwürdige Rolle spielende Regierungskommisston den Franzosen die besten Dienste leisten. Diese drei Verbündeten suchen die Wahrheit dahin zu verdrehen, als ob die Ruhe und Ordnung im Saargebiet durch die deutsche Propaganda so gestört fei, daß eine freie Abstimmung wenigstens zu dem im Versailler Vertrag vorgesehenen Termin nicht gewährleistet werden könne. Deshalb müsse dieser Termin durch einen Beschluß des Völkerbundsrats hinausgescho- b e n werden und in der Zwischenzeit durch die Entsendung einer internationalen Polizeitruppe in das Saargebiet dort die Ruhe wiederhergestellt werden.
In Wahrheit soll dieses heuchlerische Manöver den Franzosen Zeit lassen, die ohnehin schon durch den Raubbau der französischen Bergwerksverwaltung schwer in Mitleidenschaft gezogenen Saargruben bis zum letzten auszupowern. Und die Herren Emigranten gedenken mit Hilfe der landfremden Polizeitruppe in dieser Zeit ein Terror- regiment aufzurichten, das den Zorn der Saarländer bis zum Aeußersten reizen soll, womit dann dem Völkerbund das Untunliche einer Volksabstimmung demonstriert werden könnte. Mit solchen Machenschaften hoffen die (Emigranten, von denen eine Reihe von der deutschen Kriminalpolizei wegen gemeiner Verbrechen steckbrieflich gesuchter (Elemente es fertiggebracht hat, unter dem Schutz der Regierungskommission leitende Stellen in Polizei und Verwaltung zu ergattern, sich dies Dorado noch eine Zeitlang zu erhalten. Herr Knox, der Präsident der Regierungskommission hat mit seinem Brief an den Völkerbundsrat diesen dunklen Ehrenmännern den Steigbügel zu halten versucht, aber die vagen Andeutungen dieses Briefes, die dem Schreiber selber reichlich phantastisch Vorkommen, werden in Genf vermutlich schnell als das erkannt werden, was sie sind, ein plumper Versuch einseitiger Stimmungsmache unter schamloser Verdrehung der Wahrheit, den der Rat als beleidigende Mißachtung seines eigenen Urteilsvermögens ohne Debatte beiseiteschieben sollte. Deutschland kann den Genfer Verhandlungen, an denen es zwar nicht selber beteiligt, aber höchst interessiert ist, mit Ruhe folgen. Der Völkerbund hat Gelegenheit, durch wahrhaft weise und unparteiische Beschlüsse, die eine freie Volksabstimmung im Saargebiet zu dem in Versailles bestimmten Termin gewährleisten, seinen schlechten Ruf, in den er durch fein Versagen in den


