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Eine Ehrentafel för erbeingefeffene Vauern.
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Bei dem ostpommerschen Bauerntag, der am Himmelfahrtstage in benf pommerschen Dorfe Starkow abgehalten wurde, wurden 130 Bauern, deren Geschlechter seit Jahrhunderten aus ihrem angestammten Hofe sitzen, vom Reichsbau'ernführer Darre durch Uebergabe von Ehrentafeln ausgezeichnet. Diese Tafeln tragen in erhabener Schnitzerei eine Inschrift, durch die das Alter der Geschlechter als Erbbauern anerkannt wird.
Die schwarze Stunde Europas.
3urlS. Wiederkehr des Tags der Ueberreichung des Versailler Zriedensdiktats.
Die deutsche Friedensdelegation faß in Versailles und wartete. Der Austausch der Vollmachten zwischen der Entente und der deutschen Delegation hatte am 30. April im Trianon-Palace stattgefunden. Brockdorff-Rantzau und Jules Cam- b o n, der frühere Botschafter Frankreichs in Berlin, hatten diese diplomatische Formalität in knappen zehn Minuten erledigt. Dann aber erwarteten die Deutschen die unverzügliche Einladung zur Entgegennahme des Friedensentwurfes. Doch die Alliierten ließen tagelang nichts mehr von sich hören. Man hatte die Deutschen eilig nach Versailles gerufen, nun kümmerte man sich um sie zunächst nicht weiter. So schien es. In Wahrheit aber war dieses Verhalten der Sieger nicht Unhöflichkeit, sondern schwerste Verlegenheit wegen eines Zwischenfalles hinter den Kulissen der Friedenskonferenz: die italienische Delegation war unter Protest wegen der Entscheidung gegen Italiens Anspruch auf Fiume und Dalmatien zunächst einmal wieder abgereist. Dies weiß man heute. Damals erfuhren es die Deutschen natürlich nicht, aber man hielt es auch nicht für nötig, sich mit einem Wort zu entschuldigen. Schließlich wurde unseren Delegierten die Sache „zu bunt". Die Kabinettsmitglieder in der Delegation erklärten, sie könnten sich diese nutzlose Zeifverschwendung nicht leisten. Graf Brockdorff-Rantzau teilte diese Entrüstung und fragte schließlich kurzerhand bei den Gegnern an, wann man eigentlich die deutsche Delegation zur ersten Konferenzsitzung einladen werde. Geschehe es nicht bald, so werde ein Teil der Delegation abreisen. Brockdorffs Mitteilung verfehlte nicht ihre Wirkung. Clemenceau teilte mit, man werde der deutschen Delegation die Friedensbedingungen am 7. M a i übergeben. In privaten Mitteilungen begründete man diese allzu auffällige Verzögerung entschuldigend mit „drucktechnischen Schwierigkeiten".
7. Mai 1919, 15 Uhr, Hotel Trianon-Pa- lac e. „An hufeisenförmiger Tafel sitzen die Vertreter von 27 Nationen, die im Kriege unsere Feinde aewesen sind, und die sich vereinigt haben, uns ihre Gesetze des Friedens aufzuerlegen." Des Friedens jedoch, wie sie ihn verstehen, — sie haben diese Form gewählt, um den Beschlüssen ihrer „großen Fünf" höchste Weihe zu geben, in einem Akt der Repräsentation, wie ihn die Weltgeschichte noch nicht erlebt hat.
Alle haben Platz genommen. Langsam und feierlich öffnet sich die Tür. Ein Staatsfunktionär in reicher Uniform stößt seinen Stab auf den Boden und ruft: „Messieurs, les delegues allemands!" Zuerst kommt GrafBrockdorff-Rantzau, bleich vor Erschütterung und Krankheit, ihm folgen die deutschen Delegierten, alle mit den Zeichen vierjähriger Leidenszeit auf den Gesichtern, einige hohe Beamte, 3roei Dolmetscher und ein Stenograph beschließen den Zug. Graf Brockdorff, gefaßt und mit Würde, verneigt sich höflich. Die Versammlung erwidert durch Erheben von den Plätzen. Dort ist der deutsche Tisch, quergestellt zum Ende des Hufeisens, getrennt von der geschlossenen Tischreihe der anderen. „Es sieht nach Anklagebank aus."
Und nun erhebt sich der Mann, der in dieser Stunde die triumphale Genugtuung seines Lebens erfährt: Clemenceau, der „Tiger". Sein Land, Frankreich, ist Präsident dieses weltgeschichtlichen Kongresses der Sieger, ihm gegenüber sitzt geschlagen, blaß, fiebernd Deutschland. Als Jüngling hat Clemenceau das erste Versailles von 1871 erlebt. Ein ihm wohlwollendes Schicksal hat ihm gewährt, daß er als Greis das zweite Versailles erleben und in seinem Mittelpunkt stehen darf. Hier steht ein Mann, der seinen Haß, seine Rache bis zum Letzten auskosten will, aber er ist ein Mann, dem die Macht der Rede zur Verfügung steht. Darum genießt er seinen Sieg mit Selbstbeherrschung:
„Meine Herren Delegierten des Deutschen Reiches! Es" ist hier weder der Ort noch die Stunde für überflüssige Worte. Sie haben vor sich die Versammlung der Bevollmächtigten der kleinen und großen Machte, die sich vereinigt haben, um den fürchterlichsten Krieg auszufechten, der ihnen aufgezwungen worden ist. 'Die Stunde der Abrechnung ist gekommen. Sie haben uns um Frieden gebeten. Wir sind geneigt, ihn Ihnen zu gewähren. Wir übergeben Ihnen das Buch des friedens. Jede Muße zu feiner Prüfung wird Ihnen gegeben werden. Ich rechne darauf, daß Sie diese Prüfung m dem Geiste der Höflichkeit vornehmen werden, welche zwischen den Kulturnationen vorherrschen muß; der zweite Versailler Friede ist zu teuer von uns erkauft worden, als daß wir es auf uns nehmen könnten, die Folgen dieses Krieges allein zu tragen. Um auch die andere Seite meines Gedankens zu Ihrer Kenntnis zu bringen,
muß ich notwendigerweise hinzufügen, daß dieser zweite Versailler Friede... von den hier vertretenen Völkern zu teuer erkauft' worden ist, als daß wir nicht einmütig entschlossen sein sollten, sämtliche uns zu Gebot stehenden Mittel anzuwenden, um jede uns geschuldete berechtigte G e - nugtuung zu erlangen...
Es wird keine mündliche Verhandlung geben, und die Bemerkungen werden schriftlich vorgebracht werden müssen. Die deutschen Be- vollmächtidten haben eine vierzehntägige Frist, um in französischer und englischer Sprache ihre schriftlichen Bemerkungen über die Gesamtheit des Vertrages zu überreichen..."
Es folgen noch einige weitere Sätze über das Verfahren. Sie lassen keinen Zweifel darüber, in welchem Geiste die Gegner die „Verhandlungen" führen werden. Die Dolmetscher übertragen Clemen- ceaus Rede ins Englische und ins Deutsche. Während sie sprechen, sieht man den Generalsekretär der Konferenz zum Tische der Deutschen hinüber- gehen, einen starken gehefteten Band in Folioformat mit gelblichem Umschlag in der Hand, den er Graf Brockdorff übergibt: den gedruckten Friedensentwurf.
Der deutsche Reichsaußenminister erhebt die Hand. Er meldet sich zum Wort, und man erteilt es ihm. Aller Augen wenden sich ihm zu. In allen spiegelt sich befremdetes Erstaunen. Graf Brockdorff steht nicht auf, sondern bleibt auf seinem Stuhle sitzen. Was soll dies bedeuten? Man hat sich viel den Kopf darüber zerbrochen. In Wirklichkeit war es weder Trotz noch bewußte Unhöflichkeit, sondern Brockdorff-Rantzau hatte einen praktischen Grund. Er hatte eine umfangreiche Rede zu halten, die in zwei Fassungen vorlag. Er mußte die für diese Stunde passendere, nämlich die Schärfere, auswählen und fie vom Blatte verlesen. Das geschah besser vom Sitzplatz aus. Aber in diesem Augenblick war es eine auffallende Geste, die die Versammlung als Affront empfand. — Graf Brockdorff spricht:
„Meine Herren! Wir sind tief durchdrungen von der erhabenen Ausgabe, die uns mit Ihnen zu- sammengeführt hat: der Welt rasch einen dauernden Frieden zu geben. Wir täuschen uns nicht über den Umfang unserer Niederlage, den Grad unserer Ohnmacht. Wir wissen, daß die Gewalt der deutschen Waffen gebrochen ist. Wir kennen die Wucht des Hasses, die uns hier entgegentritt, und wir haben die leidenschaftliche Forderung gehört, daß die Sieger uns zugleich als Ueberwundene zahlen lassen und als Schuldige bestrafen wollen. Es wird von uns verlangt, daß wir uns als die allein Schuldigen am Kriege bekennen; ein solches Bekenntnis wäre in meinem Munde eine Lüge .. Das Maß der Schuld aller Beteiligten kann nur eine unparteiische U n - t e r s u ch u n g feststellen, eine neutrale Kommission, vor der alle Hauptpersonen der Tragödie zu Worte kommen, der alle Archive geöffnet werden. Wir haben eine solche Untersuchung gefordert und wir wiederholen die Forderung.
Bei dieser Konferenz, wo wir allein, ohne Bundesgenossen, der großen Zahl unserer Gegner gegenüberstehen, sind wir nicht schutzlos. Sie selbst haben uns einen Bundesgenossen zugeführt: das Recht, das uns durch den Vertrag über die Früe- densgrundfätze gewährleistet ist. Die alliierten und assoziierten Regierungen haben in der Zeit zwischen dem 5. Oktober und dem 5. November 1918 a u f den Machtfrieden verzichtet, und den Frieden der Gerechtigkeit auf ihr Panier geschrieben. Am 5. Oktober 1918 hat die deutsche Regierung die Grundsätze des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika als Friedensbasis vorgeschla- gen. Am 5. November hat ihr der Staatssekretär Lansing erklärt, daß die Mächte mit dieser Basis ... einverstanden seien. D i e Grundsätze des Präsidenten Wilson sind also für beide Parteien bindend geworden.
Die einzelnen Grundsätze fordern von uns schwere und wirtschaftliche Opfer.* Aber die heiligen Grundrechte aller Völker sind durch diesen Vertrag geschützt Das Gewissen der Welt steht hinter ihm; feine Nation wird ihn ungestraft verletzen dürfen. Sie werden, uns bereit finden, a u f dieser Grundlage den Vorfrieden, den Sie uns vor- legen, mit der festen Absicht zu prüfen, in gemeinsamer Arbeit mit Ihnen Zerstörtes wieder aufzubauen. geschehenes Unrecht wieder gutzumachen und der Menschheit neue Ziele politischen und sozialen Fortschritts zu zeigen.
Meine Herren! Der erhabene Gedanke, aus dem furchtbarsten Unheil der Weltgeschichte durch den Völkerbund den größten Fortschritt der Menschheitsentwicklung herzuleiten, ist ausgesprochen und wird sich durchsetzen. Nur wenn sich die Tore zum
Völkerbund allen Nationen öffnen, die guten Willens sind, wird das Ziel erricht werden. Nur dann find die Toten dieses Krieges nicht umsonst gestorben.
Das deutsche Volk ist innerlich bereit, sich mit seinem schweren Los abzufinden, wenn an den vereinbarten Grundlagen des Friedens nicht gerüttelt wird. Ein Friede, der nicht im Namen des Rechtes vor der Welt verteidigt werden kann, würde immer neue Widerstande gegen sich aufrufen. Niemand wäre in der Lage, ihn mit gutem Gewissen zu unterzeichnen; denn er wäre un erfüllbar. Niemand könnte für feine Ausführung die Gewähr, die in der Unterschrift liegen soll, übernehmen. — Wir werden das uns übergebene Dokument mit gutem Willen und in der Hoffnung prüfen, daß das Endergebnis unserer Zusammenkunft von uns allen gezeichnet werden kann."
Hat Graf Brockdorff-Rantzau zu Menschen gesprochen? Nein, er sprach zu Schemen. An den gläsernen Mienen der Zuhörenden war erkennbar, daß diese Gestorbnen für die Gefühle des Lebens kein Organ hatten. Der Deutsche sprach zu „schwar
zen Anzügen und ordensbedeckten Uniformen". Seine Rede war in der Sache stärker als die Clemenceaus, in der Form schwächer. Clemenceau hatte dramatisch gesprochen, und der hinter ihm sitzende Marschall Foch hatte den Worten des .Diplomaten den Fanfarenton des militärischen Siegers gegeben. Graf Brockdorffs Worte kamen aus dem Geiste, der die Quelle neuer Kraft ist. Die Dolmetscher übersetzten die Rede des deutschen Außenministers ins Französische und ins Englische. Clemenceau erhebt sich und fragt: „Ist noch etwas zu bemerken?" Die Versammlung schweigt. Die große Stunde, von der sie alle, die die Herren der Welt spielen, in ihrer Kurzsichtigkeit nicht ahnen, was sie nicht minder für sie selbst als für Deutschland bedeuten wird, ist vorbei. Wenige Minuten danach rollen die Autos der einen zurück nach Paris, die der anderen zurück in den eingezäunten Käfig von Versailles. Die weltgeschichtliche Stunde hat um 3.05 Uhr nachmittags begonnen, um 3.50 Uhr ist sie abgelaufen. Das Rad des Schicksals aber war in unaufhaltsamer Bewegung ...
Geschichten ans aller Welt.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Affenbank G. m. b. H.
(th) Neuyork.
Professor M. Perkes von der Pale-Universität hielt einen Vortrag in Neuyork. Nicht etwa anläßlich der Jahrestagung irgend eines Tierschutzvereins, sondern vielmehr an der Wissenschaftlichen Akademie. Also: Es gelang dem ehrwürdigen Herrn, die Affen in der Handhabung des Geldes soweit zu „erziehen", daß das zuguterletzt zur Gründung einer sogenannten „Affenbank G. m. b. H." führte. Lassen wir Herrn Perkes, den ehrenamtlichen Generaldirektor dieses eigenartigen Geldinstitutes sprechen: „Erst mußten sich die Affen daran gewöhnen, ihre Nahrung nur gegen bunte Papierscheine erhalten zu können. Für die Scheine mußten sie vorher verschiedene Arbeiten verrichten. Die „Währung" wurde folgendermaßen „stabilisiert": Ein weißer Schein eine Apfelsine, ein roter Schein eine Banane. Zwei weiße Scheine Weintrauben, grüner Schein ein Getränk, zwei grüne Scheine kurzer Käfig-Urlaub. Die Affen haben dieses System sehr schnell verstanden und arbeiteten mit voller Energie für Geld. Alles, was fie „verdient" hatten, wurde sofort wieder ausgegeben. Nun schritt ich dazu, die Automaten von Zeit zu Zeit zu sperren und die Tiere mußten sich bann daran gewöhnen, ihr „Geld" den Wärtern zur Aufbewahrung zu übergeben. Zuerst taten sie dies mit Widerwillen, als sie aber nach einigen Tagen gemerkt hatten, daß sie immer mehr Scheine wiederbekamen, verstanden fie auch die „Verzinsung". Und das Kapital der Affenbank wurde mit jedem Tag größer." — So weit Professor Perkes, der abschließend sogar die Behauptung aufstellt, daß die Affen ganz automatisch anfingen, einander anzupumpen, und daß volkstümliche „Herrschaften" ohne weiteres ein „Bardarlehen" aufnehmen konnten. Wohingegen unbeliebte Schimpansen von ihren wohlhabenden Kollegen schroff abgewiesen wurden. — Wenn das stimmt, wird wohl niemand mehr die Abstammung ...
Der älteste Student von Paris.
(z) Paris.
Im Sekretariat der Pariser Universität meinte man erst, der alte, so würdig aussehende Herr habe sich vielleicht im Hause geirrt. Aber es war schon so — er wollte immatrikuliert werden. Für die medizinische Fakultät. Die Reifezeugnisse, wenn auch ein wenig alt, waren in Ordnung. Die Vorkenntnisse „saßen". Es war also nicht möglich, dem alten Herrn ernstliche Schwierigkeiten zu machen. Und schließlich — Warum auch?
Henry Franklin Cutler hatte bisher nie Zeit gehabt, vom Mount Hermon im Staate Massachusetts in die „Welt" hinabzusteigen und das zu studieren, was ihm seit seiner Jugend als Ideal vorschwebte. Jetzt endlich hatte er soviel beisammen an Geld und Zeit, daß er nach Paris reifen und hier fein Studium aufnehmen konnte. Als ältester Student von Paris. Aber nicht als der schlechteste.
Ob er noch eine Praxis aufmachen will, das weiß er selber noch nicht. Jedoch versichert er lächelnd, daß er mit Herz und Seele und viel Abgeklärtheit bei der Sache sei — und zum Lernen sei ja niemand zu alt ...
Ein Toter bezahlt seine Schulden.
(—) London.
Louis B. in Manchester soll ein großer Lump gewesen sein. Ein Mann, der immer in eleganten Kleidern herumlief, gut lebte und nachher nicht bezahlte. Das hatte ihm keiner feiner Gläubiger vergessen, obwohl er schon 17 Jahre tot war.
Heute haben sie ihre Meinung revidiert. Denn auf einmal kam die Nachricht, daß ein gewisser Louis B. ihnen ein Legat ausgeschrieben habe, genau in der Hohe der seinerzeitigen Schulden und eines mäßigen Zinssatzes.
Als Legat, weil ja die Schuldenforderung durch die Zeit längst überholt war. Dieses Vermächtnis fand man unter den Papieren der jüngst verstorbenen Gattin des Prassers. Ihr hatte Louis aufgeschrieben, er habe sich über einige seiner Gläubiger so geärgert, daß sie erst nach dem Tode seiner Gattin ihr Geld bekommen sollten. Sie möge sich durch nichts in der Welt bewegen lassen, vorher zu zahlen. Also handelte denn auch die Witwe.
Den Gläubigern oder deren Erben fällt die unerwartete Summe wie ein großes Los in den Schoß. Sie nehmen alle bösen Worte zurück über den Liuis B. und nennen ihn heute einen netten und freundlichen, wenn auch ein wenig spaßigen Herrn. Denn wo hätte man je gehört, daß ein Toter nach 17 Jahren feine Schulden bezahlt!
Der brauchbare Sträfling.
• (th) Chikago.
Der Gefängnisdirektor Frank D. Whipp tobte seit dem frühen Morgen. Er brauchte die Akten über die Sträflinge der letzten fünf Jahre. Und nun klappte das Patentschloß mit der raffinierten Nummern- und Buchstabenkombination nicht. Alle Wärter mußten nacheinander antreten und ihr Glück versuchen. Niemand aber konnte diesen Panzer- Schrank mit den Akten öffnen ...
Joseph Allman, alter Geldschrankknacker, verurteilt im Jahre 1929, zu brummen noch fünf oder sechs Jahre, beobachtete die Unruhe und erkundigte sich bei einem Kalfaktor, was denn da los fei. So, so, den Schrank bekämen sie nicht auf? Er, Allman, wolle sich zwar nicht aufdrängen, aber es habe zu seiner Zeit keinen Schrank gegeben, den er nicht aufgemacht hätte.
Whipp brummte er ft, als der Wärter, dem der Kalfaktor das erzählt hatte, ihm vorfchlug, doch den Allman zu Rate zu ziehen. Ader dann ließ er ihn doch holen. Allman bat nur, man möge ihm seinen
kleinen Koffer bringen, den er bei feinem Strafantritt zu Aufbewahrung abgeliefert habe. Da liege ein gewisser Draht drin, eine kleine Oese und noch so einiges, was harmlos aussehe, aber zu seinem „Beruf" gehöre.
Gespannt standen die Wärter und der Direktor um den Sträfling herum. Er spannte den Draht, tastete und versuchte, und meinte dann, die Kombination sei zwar so und so, aber da seien zwei Zähne abgebrochen. Die Tür bekomme man so nicht mehr auf. Mit einem Hammerschlag beseitigte er die Nummernscheibe und drehte mit seinem Draht die Kombination zurück. Nach drei Minuten und vier Sekunden war die Tür des Panzerschranks geöffnet. „Danke, Allman!" knurrte der Direktor. „Nicht der Rede wert, Direktor", erwiderte Allman, „das sind Sachen, die dreht nur ein Fachmann. Es freut einen, wenn man ein wenig in feinem Fach tätig fein kann ..."
Der Direktor hat nun die Wärter beauftragt, von Zeit zu Zeit die Gitter und Schloffer an Allmans Zelle nachzuprüfen. Für alle Fälle nur, weil Allman doch Fachmann fei ...
Das Uukon-Gold lockt.
(th) Vancouver.
Nun ist alles wieder wie damals in den tollen Tagen am Ende des letzten Jahrhunderts, als die jungen und alten Goldjäger mit Hacken und Schaufeln, den berühmten Goldwäscherpfannen und allem was sonst noch dazu gehört, nach Pukon hinauffuhren.
Da sind sie alle wieder: die bärtigen Gesellen, braunhäutig, verwittert, mit derben Scherzworten rasch bei der Hand, heute ganz modern sogar mit Schneeschuhen auf dem Gepäck. „Prinzeß Norah", der alte kanadisch-pazifische Küstendampfer, hat alle Plätze und noch ein paar Deckwinkel dazu ausverkauft. Von Vancouver aus geht es nach dem Norden. Nach Pukon. Sie wollen die alten, damals viel zu früh aufgegebenen Minen und Gruben wieder auftun, neue Schätze suchen und — finden.
Da ist auch Captain R. D. Adams, der vor ein paar Jahren mit einer Kolonne Abenteurer auszog, um auf den Cocos-Jnfeln die bewußten Silberschätze und Goldgeräte zu bergen, die Seeräuber und Flüchtlinge einst hier versteckt haben sollen. Die Fahrt nach den Cocos-Jnseln war ein Fehlschlag. Heute hat Adams feine Hoffnungen gen Norden gerichtet. Zehn Mann hat er sich gewartet. Alles alte Fahrer und Schürfer. Er will mit ihnen in das Laird River-Gebiet und von dort mit dem Flugzeug weiter, um Zeit zu sparen, nach Pukon. Denn das Gold ruft und lockt!
Sie werden nicht alle ...
(bi) Mailand.
Die Witwe Pina Perino war mit ihren 69 Jahren eigentlich immer noch guter Dinge gewesen. Aber in der letzten Zeit streikte die Gesundheit. Der Magen wollte nicht mehr recht, in den Gliedern saß das Zipperlein, und der Rücken schmerzte. Das machte die alte Pina mürrisch und geradezu lebensmüde. Sie hätte wohl einen großen Teil ihrer Ersparnisse opfern mögen, wenn sie ihre alten Tage ohne solchen Verdruß hätte beschließen dürfen. Bis eines Tages Herr Bonione kam, ein Jüngling aus der Nachbarschaft, der zwar im Rufe eines Taugenichts stand, der aber doch auch wieder ohne Zweifel ganz besondere Begabungen mit sich brachte: Er war fähig, die Linien der Hand zu deuten, setzte die ganze Dorfschenke in Erstaunen durch feine phantastischen Kartenkunststücke, kurz, er war Meister in vielen brotlosen Künsten. Der also kam zur guten Pina und hörte sich ihre Klagen aufmerksam an. Dann rückte er feinen Stuhl dicht an den ihren und flüsterte ihr eindringlich ins Ohr, daß feine hohen medizinischen Kenntnisse zu Lande doch schon hinlänglich bekannt seien. Vertraulich gesagt, er habe da eine sehr enge Freundschaft mit gewissen indischen Gottheiten und werde die Pina für ein geringes Honorar in sieben Tagen heilen.
Sprachs, zog ein Amulett aus der Tasche, ließ die wackelige Pina umständlich vor diesem niederknien und murmelte zauberhafte, beschwörende Worte, von denen Pina nur verstand, daß die Götter aus dem Reiche Buddhas hierniedersteigen sollten, um ihr zu helfen. — Pina tat gläubig, wie ihr befohlen. Sie folgte auch dem Befehl des „Meisters", ihr gesamtes Geld, 1000 wohlgezählte Lire, in einen Umschlag zu stecken, und ließ sich geduldig diesen Umschlag in Höhe der Schultern unter das Hemd legen. Vertrauensvoll nahm sie dann den Befehl entgegen, ihn eine volle Woche dort liegen zu lassen.
Die Tage vergingen zwar, aber die Schmerzen nicht. Da faßte Pina am fünften Tage, selbst auf die Gefahr hin, die Göttin Indiens zu erzürnen, den Entschluß, den lästigen Umschlag von ihren Schultern zu nehmen. Als sie ihn öffnete, fand sie in ihm zwei Stücke Zeitungspapier ...
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2)21. IV. 34: 11 200. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. ©., sämtlich in Gießen.
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