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Hon" auch den Müdesten aus seiner Trägheit wach und bildete die Ueberleitung zur Ansprache des Stammführers Karl S ch m u l b a ch. In kurzen, markigen Worten umriß er die Bedeutung eines solchen Abends und betonte, daß wir die Worte unseres Reichsjugendführers Baldur v. Schirach, wahrmachen wollten, die er zu Beginn des Jahres gefugt hatte:Das Jahr 1934 ist ein Jahr der Schu­lung!" Jeder Werbeabend fei ein Zeuge unserer Kulturarbeit und wolle den Volksgenossen das Wol­len der Deutschen Jugend eindringlichst klarmachen. Den Darbietungen des Spielmannszuges, einem ! Sprechchor, sowie einer Sammlung von alten Landsknecht- und Bauernliedern, die am Lager­feuer gesungen wurden, folgte ein TheaterstückDer Trommelbube", dessen Held sich gegen die wilden Sitten der Landsknechte wendet und für das Leben der Bauern eintritt. Dumpf dröhnte dann die I Landsknechtstrommel zu dem Lied der verzweifelten

Bauern. Brachte der erste Teil den Kamps in der Vergangenheit, so zeigte der zweite Teil unseren Kampf um die Seele der Deutschen Jungen, die wir durch das gemeinsame Erleben auf Fahrt und im Lager zu richtigen Kerlen erziehen wollen. Rach einem Gedicht unseres Gebietsjungvolkführers Rup­precht H a in e r, das seine Wirkung nicht verfehlte, beschlossen wir mit unserem Kampflied den Abend.

Molch.

Bornotizen.

Tageskalen der für Freitag: Stadt- tyeater, 20 bis 22 Uhr,Robinson soll nicht ster­ben". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Roman einer Nacht".

Eine Werbeveranstaltung der FachschaftG y m n a st i k und Tanz" im Reichsverband Deutscher Turn--, Sport- und Gym­nastiklehrer im NSLB. wird im heutigen Anzeigen­teil für morgen, Samstag, abend im Katholischen Vereinshaus angekündigt. Die Schulen Erna Schumann, Elli P l e tz und Hilde Plank »vollen die Besucher mit den Ergebnissen ihrer Un- iterriclltsarbeit bekannt machen. (Siehe heutige An- Zeige.)

** Goldene Hochzeit. Am Montag, 14. Mai, feiern der Kaufmann Karl S t i e b e r und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Knispel, das Fest der Gol­denen Hochzeit. Herr Stieber ist ein Sohn unserer Stadt, seine Gattin stammt aus Darmstadt. Der Ehegatte ist ein wohlbekannter und wohlgeschätzter Mitbürger von bester deutscher Gesinnung und be­reits seit 56 Jahren Abonnent desGießener An­zeigers".

** Personalien. Zum kommissarischen Sei» geordneten ernannt wurde Ernst Ludwig Schäfer in Langd (Krs. Gießen). Übertragen wurde der Lehrerin Marie Leyerzapf in Großen-Buseck eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Gießen.

** Auszeichnung eines verdienten Heimatgeschichtsforschers. Dem Ober- ftudienrat i. R. Prof. Dr. Heinrich Schrohe in Mainz wurde in besonderer Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen um die Erforschung der Heimatgeschichte anläßlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres der TitelGeheimer Schulrat" verliehen.

** Der' gestrige H i m m e l f a h r t s t a g brachte nach den trüben Wetteraussichten vom Mittwoch und vom Donnerstag frühmorgens im Laufe tzes Tages noch herrliches Frühlingswetter, !»as viele Mitbürger zu den üblichen Ausflügen veranlaßte. Während in der Stadt nur die Aus- -allsftraßen regen Verkehr hatten und es im übri- gen hier sonst recht stille war, herrschte draußen in den Ausflugsplätzen starker Betrieb. Erfreulicher- reife kamen dabei die Ausflugsgastwirte wohl all­gemein auf ihre Rechnung. Ebenso erfreulich ist es, )> der umfangreiche Verkehr sich nach den bis jetzt vorliegenden Berichten ohne Unglücksfälle ab­gewickelt hat.

** Gültigkeit der Schauspielgut. scheine für Opern und Operetten. Aus , «m Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Um ||len Abonnenten, die noch im Besitz von Schauspiel- 1 Mscheinen sind, gegen Ende der Spielzeit Gelegen- | leit zu bieten, diese Schauspielgutscheine einzulösen, , !oat die Intendanz Schauspielgutscheine für alle im j kaufe dieses Monats zur Aufführung kommenden | $ pern unb Operettengum Umtausch gültig erklärt. j*ie Abonnenten mit Schauspielgutscheinen können ien Gutschein gegen Zuzahlung des halben Tages- jreifes einlösen.

" Städtische Grasversteigerungen nden am Montag, Dienstag und Mittwoch näch- :»er Woche statt. Interessenten seien besonders dar- uf hingewiesen.

** Die Ortssatzung über die Filial» f euer und die Warenhaus st euer in ließen für das Rechnungsjahr 1934 liegt zur ( eit im Stadthaus Bergstraße zur Einsichtnahme inb zu evtl. Einwendungen offen. Man beachte die Mutige Bekanntmachung der Stadtverwaltuna.

** Oie Gießener Hochfchulgesell- Hast hält am morgigen Samstagnachmittag ihre Z.-ihrestagung ab. Dabei findet um 17.15 Uhr im Großen Hörsaal der Universität die Festsitzung statt, bie nach einem Orchestervortrag des Collegium musicum unter Leitung von Universitätsmusikdirek- tnr Professor Dr. Teme^vary einen Vortrag w'N Professor Dr. Hans.Naumann (Bonn) über Eacitus und die Germanen" bringen wird. Der (Antritt zu dieser Sitzung ist frei. Gäste sind will- kianmen. (Siehe heutige Anzeige.)

** D i e Kirchengesangvereine des evangelischen Dekanats Gießen feiern am 13. Mai ihr Jahresfest in unserer Stadt. Da die M der Chöre über 20 beträgt, mußte wegen Jmummangel in den letzten Jahren das Fest an mehreren Orten getrennt gehalten werden. Doch dseses Jahr wollen alle Vereine wieder einmal zu- lammen feiern. Der Festgottesdienst um 13.30 Uhr findet auf der Waldbühne statt, die Nachversamm- kmg ab 15 Uhr in den Räumen der für diesen Zweck reservierten Liebigshöhe. In der Nachver- Icmmlung kommen die Chöre einzeln zu Gehör. k°i günstiger Witterung ist mit großer Beteiligung p rechnen. (Siehe heutige Anzeige.)

** Wiederholung d e r großen Saar­land geb ung aus Zweibrücken durch !> n Rundfunk. Die große Saarkundgebung in Zweibrücken, die am vergangenen Sonntag, 6. Mai, ftattgefunben hat, wird durch die Sender Stuttgart und Frankfurt a. M. am heutigen Frei- >°N, 11. Mai, in der Zeit von 19.0020.00 Uhr von Shdjsplatten wiederholt.

"*Die Arbeitsschlacht im Bezirk des "vndesarbeitsamt Hessen, Rückblick Jn b Ausblick" betitelt sich ein Vortrag, den der F'äfibent des Landesarbeitsamts Hessen, Ober- ^ietungsrat Kühne, am heutigen Freitag von ll.25 Uhr bis 18,45 Uhr im Rundfunk halten wird, »lsere Leser seien auf diesen Vortrag besonders si'Igewiesen.

RDH. Vogeltränken. Wo das Landschafts- Ii3b durch zunehmende @ntfini»runo stark verändert

worden ist, finden die Vögel im Freien vielfach keine geeigneten Trink- und Badeplätze mehr. Um so nötiger ist es, solche zu schaffen, besonders in Gärten und Anlagen, wo man Vögel anzusiedeln sucht. Vogeltränken dürfen keine abfallenden Ränder besitzen und müssen auch in der warmen Jahreszeit dauernd mit frischem Wafser gefüllt und auch sonst in Orönuna sein. Auch empfiehlt es sich, sie mit einem Drahtzaun zum Schutz gegen Raubzeug zu umgeben. Wo man eine Pumpe im Garten hat, hängt man unter das Ausflußrohr mit starkem Draht ein Brett, auf das eine flache Schale gestellt wird. In Gärten kann man größere flache Gefäße eingraben, in deren Mitte man einen Backstein oder dergleichen legt, von dem aus die Vögel bequem 3um Wasser gelangen können. In Springbrunnen, Teichen oder Bächen mit steilen Ufern verankere ober lege man einen Korbdeckel, ein Brett ober ein kleines Holzfloß. An allen solchen Vogeltränken kann man leicht schöne Stubien über bas Trinken unb Baben ber Vögel anfteUen.

RVH. W i e sch ützt man Bodenbrüter gegen räuberische Katzen? Einmal lasse man unter Gebüsch das Laub möglichst liegen. Kommt eine Katze bann geschlichen, so kann sie von ben am Boden ober auf niebrigen Zweigen brü­tenden Vögeln leicht bemerkt werden. Als wirk­sames Mittel wird Franzosenöl empfohlen. Man

bringe mehrere Lappen, bie mit diesem Del ge­tränkt finb, in der Umgebung des Vogelnestes an, um die Katzen zu vertreiben.

** Reisespesen als Geschäftsunkosten. In den vom Wirtschaftsprüfer Herrn. W i l l - Gießen herausgegebenenAktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 9) lesen wir: Es ist feststehende Rechtsprechung, daß die Kosten von Geschäftsreisen eines Gewerbetreibenden als Geschäftsunkosten nur insoweit abzugsfähig sind, als sie über das hin­ausgehen, was für den Lebensunterhalt des Steuerpflichtigen aufgewendet worden wäre, wenn er die Geschäftsreise nicht gemacht hätte. Das gilt, wie der Reichsfinanzhof in einem Urteil vom 29. November 1933 VI A 897/32 ausführt, auch bann, wenn bie Aufwenbungen für bie Le­benshaltung bes Steuerpflichtigen nicht von ihm persönlich, fonbern von einem anberen, in besten Haushalt ber Steuerpflichtige beispielsweise unent­geltlich verpflegt wirb, getragen worben wären. Der Begriff berHaushaltsersparnis" ist also so zu ver­stehen, baß von ben tatsächlichen Reiseaufwenbun- gen das abgerechnet werben muß, was auch sonst für ben Lebensunterhalt bes Steuerpflichtigen auf» geroenbet worben wäre, gleichgültig, ob biefe Le­benshaltungskosten von bem Steuerpflichtigen selbst ober von einem anberen getragen worben wären.

Ausruf an alle Arbeitgeber der Stadt Gießen.

Arbeitgeber, beweist euern Sozia­lismus, zeigt, baß Ihr ben Nationalsozialismus in Euch aufgenommen habt! Seib Soziali­sten ber Tat!

Gebt ben Jungarbeitern, bie in ber Hitlerjugenb kämpfen, frei, wenn sie in ber Woche vom 19. bis 27. Mai an bem Pfing ft lager ber Hitler­jugenb am ©eherner See teilnehmen wol­len! Denkt baran, wie bie Sehnsucht eines jeben

jungen Deutschen hinaus geht, bie Schönheit ber Heimat zu schauen unb in sich aufzunehmen. Denkt baran, baß schon vor Jahrhunberten ber junge Ge­sell hinauswanberte, um in ber Frembe Neues zu lernen unb nie Gekanntes zu erfahren. Laßt sie sich ausfpannen von ber Arbeit bes Alltages, braußen in ber freien Natur, laßt sie Kraft schöpfen, auf baß sie bann mit frischem Eifer unb neuer Freube zurückkehren an ihre Arbeitsstätte. Sie werben es Euch zu banken wissen.

A» alle deutschen Lebensmittelgeschäfte in Gießen.

Die Hitlerjugenb hält in ber Pfingstwoche am ©eberner See ein Lager ab. Um ganz befonbers ben weniger gutgestellten Junggenossen bie Teil­nahme am Lager ermöglichen zu können, würbe ber Preis für bie Teilnahme am Lager auf eine Mark für bie ganze Woche festgesetzt. Daß mit biefen geringen Mitteln in keiner Weise hie Ver­pflegung beschafft werben kann, wirb wohl jebem, ber weiß, was Jungens wegputzen können, klar fein. Wir bitten Euch beshalb um Eure tätige Mithilfe. In dieser Woche werden Hitlerjungen

aus ben einzelnen Gefolgschaften zu Ihnen kom­men unb um eine Spenbe bitten. Wir können ganz befonbers Dauerwaren gebrauchen, z. B. Speck, Erbsen, Bohnen, Nubeln, Salz, Zucker, Tee, Ka­kao, Kaffee "usw. Wir banken Euch jetzt schon unb versichern Euch, baß alles mitgutem Hunger" ver­zehrt werben soll.

Heil Hitler!

Der Führer bes Unterbanns 1/116.

M. d. F. b.: Clarius.

Aufruf sürdasHausivirtschasWeIahrsürMdcheu".

Deutsche Frauen unb Mütter!

Gewaltigen Bemühungen aller Deutschen ist es gelungen, bie Arbeitslosigkeit um mehr als bie Hälfte ihres höchsten Stanbes zurückzubrängen. Be- fonbere Schwierigkeiten liegen aber noch bei ben Knaben unb Mädchen vor, die Ostern 1934 die Schule verlassen haben. Diese Jahrgänge sind an­nähernd doppelt so stark, wie die Des Vorjahres. Für die Mädchen kommt die Umstellung in der Frauenberufsarbeit noch erschwerend hinzu.

Sollen die deutschen jungen Mädchen, Eure Töchter, als ersten Eindruck ihres Arbeitslebens ben ber Arbeitslosigkeit empfangen? Sollen sie ge- rabe in ben Jahren, ba sie. am biegsamsten unb am leichtesten zu beeinflussen finb, ohne regelmäßige, ihren Charakter aufbauenbe Arbeit bleiben?

Welche Tätigkeit könnte für bie beutfchen jungen Mädchen geeigneter sein, als die im Hause und an den Kindern?

Solche Arbeit ist genug vorhanden! Deutsche Hausfrauen! Ihr müßt nur Eure Häuser öffnen und die Mädchen hereinlassen! Deutsche Eltern, Ihr müßt nur Eure Mädchen lehren, in solcher Arbeit bie Grunblage jeher fraulichen Tätigkeit zu sehen!

Die Einrichtung einesHauswirtschaftlichen Jahres für Mädchen" soll dazu helfen. Tüchtige Hausfrauen nehmen Mädchen zum Anlernen ein Jahr zusätzlich in ihre Haushaltungen auf und lehren sie die Grundlagen der Hauswirt­schaft und Kinderpflege.

Jungrnäbchen, die keine Stelle finben ober im Hause ober Betriebe her Eltern nicht arbeiten kön­nen unb nicht arbeitslos sein wollen unb sollen, er­werben so lebensnotroenbige Kenntnisse, hie sie ent» roeber in einer späteren Berufsarbeit ober im eige­nen Heime verwerten können.

Die Aufnahme erfolgt schlicht um schlicht. Die Krankenkassenbeiträge trägt bie Hausfrau. Die Vorschriften über bie Genehmigung von Steuer­erleichterungen für Hausgehilfinnen finben Anwenbung. Am Jahresabschluß erhält bas Mäb- chen ein Zeugnis als Ausweis für bas erworbene Können, bas ihm als ©runbftein feiner weiteren Arbeit bienen kann.

Die Anmelbung ber Stellen erfolgt bei bem ört­lichen Arbeitsausschuß. Junge Mäbchen melben sich bei ber Abteilung Berufsberatung bes Arbeitsamtes. Auskunft erteilt gleichfalls bie Berufsberatungs­stelle bes Arbeitsamtes.

Hausfrauen, Eikern, Jungmädchen, wir rufen Euch zum Werk!

NS.-Frauenschaft unb Deutsches Frauenwerk: gez. Frau Gertrub S ch o l tz - K l i n k.

Reichsjugenbführung:

gez. Balbur von Schirach.

Reichsanstalt

für Arbeitsvermittlung unb Arbeitslosenversicherung: gez. Dr. Syrup.

praktische Arbeitsbeschaffung ber Stadt Gießen.

Bedeutsame Vorschläge des Leiters des Stadtbauamtes.

Die Bezirksleitung Gießen des K D A I. (Kampfbund Deutscher Architekten unb Ingenieure) veranstaltete am Mittwoch im Caf6 Ebel wieher einen Schulungsabenh, der diesmal neben einem weltanschaulichen Schulungsvortrag noch ein Thema von unmittelbar praktischer kom­munaler Bedeutung brachte.

Giadibaurat Gravert

sprach über das ThemaPraktische Arbeits­beschaffung in Gießen". Er schilderte zu­nächst an Hand des Gießener Stadt- und Gemar- kungsplanes die grunblegenben Gesichtspunkte für die Bebauung und ging anschließend zu den prak­tischen Vorschlägen für bie Gegenwart unb bie Zukunft über. Dabei behandelte er zuerst die ge­planten Kleinfiedlungsbauten auf dem städtischen Gelände zwischen ber Krofdorfer Straße und der Lahn in der Nähe des Um­spannwerks. Er legte dar, haß hieses Lanh als ftäb- Uscher Besitz für bie Kleinsiehlung die geeignetste Möglichkeit bietet, vor allem auch Hinsichtlich bes GefteHungspreises der Siedlung, da dieser infolge hes zur Zeit noch rein landwirtschaftlichen Nutzungs­wertes des Geländes niedrig gehalten werben kann. Auf biefem Gelände sollen zunächst 6 0 Siedler- ft e 11 e n errichtet werden, für später sind wei­tere 10 0 Stellen vorgesehen. Den Siedlern soll die Möglichkeit gegeben werden, durch ihre Sieb- lung einen Teil bes Lebensunterhalts ihrer Fami­lien aus eigener Arbeitsleistung zu beschaffen. Die für biefen Sieblungssektor vorgesehene Gelände- fläche ist so groß, daß runb 500 Kleinsied­lungen geschaffen werden können. Die Bebau­ung soll im Laufe her Zeit von ber äußeren Grenze bes Sieblungsfektors her in ber Richtung nach ber Stadt erfolgen. Bei der Errichtung her Kleinsied­lungen müssen bie Siebter durch ein gewisses Maß von Arbeitsleistung sich das Recht auf ben Sied- lungsbesitz oerhienen. Zahlreiche Volksgenossen kön­nen bei diesem Projekt Arbeit finben.

Ein anberes Projekt ber Arbeitsbeschaffung stellt bie Erweiterung bes Friebhofes am Robberg bar. Bis jetzt finb auf bem Neuen Friebhof in einem Zeitraum von 31 Jahren 14 168 Tote bestattet worben. Dafür war eine ©elänbe- fläche von 68 000 qm erforderlich. Runb 12 000 qm Friebhofsgelänbe finb zur Zeit noch frei. Da all­jährlich für bie Bestattung unserer Toten runb 1 Morgen Gelänbe gebraucht wirb, reicht ber jetzige Lanbvorrat noch für 4 bis 5 Jahre aus. Im vorigen Jahre hat bie Stabt bereits Gelänbe nörd­lich angrenzend an den Friedhof erworben. Das ganze nach Norden zu für bie Friebhofserweiterung in Betracht fommenbe Gelänbe soll nunmehr zu einem großen neuen Friebhofskom- plex zusammengefaßt unb nach Art eines Walb - friebhofes hergerichtet werben. Zur Zeit finb Dort schon Arbeitslose mit Anpflanzungen beschäf­tigt. Dieses Gelänbe wirb für eine Reihe von Jahren für bie Friebhofszwecke ausreichen. Der f ü b l i ch e Abhang bes Rohberges soll für Frieb­hofszwecke nicht verwanbt werben, fonbern ber Bebauung Vorbehalten bleiben.

Ein brittes bedeutsames Arbeitsbeschaffungs­projekt ist die Herrichtung eines Ersatzes für ben Trieb. In nicht allzu ferner Zeit wirb ber Trieb als Gelänbe für Kunbgebungen unb Sportzwecke nicht mehr zur Verfügung stehen, ba er anberen Zwecken bienftbar gemacht wirb. Als zweckbienliches Gelänbe für bie Veranstaltung von Kunbgebungen und für Sportplätze brachte Stabt- baurat Gravert ben stäbtifchen Grunbbesitz an ber Walbbühne bei her Licher Straße in Vor­schlag, ber sich infolge feiner ganzen Gestaltung für eine berartige zentrale Anlage sehr gut eignen würbe. Mit Hilfe von Arbeitslosen unb unter Auf- roanb von verhältnismäßig geringen Mitteln könnte hort eine Anlage geschaffen werben, auf ber bis z u 20 000 Menschen untergebracht werben könnten. Der Platz bietet nach ben Dar­legungen bes Rebners ben weiteren Vorteil, baß

er ebenfalls nicht zu weit von ber Stabt entfernt ist, zwei Anmarschstraßen hat unb her Baumbestand in gewissem Umfang zwecks Schattenfpenbung be­stehen bleiben kann. Dort würbe es auch möglich fein, alle großen öffentlichen Veranstaltungen zweck­mäßig zufammenzufasfen.

Um ber Gießener Bevölkerung eine gute E r - holungsstätte an ber Lahn zu schaffen, brachte ber Redner ein Projekt in Vorschlag, bas die Errichtung einer Schwimmbeckenanlage mit Planschbecken und Sportwiesen oberhalb des Wehrs-auf bem an bie Lahn angren­zenden städtischen Besitztum, den sog. Schwal- bach'schen Acker, vorsieht. Das Wasser ber Lahn soll burch eine Schleusenanlage diesem Schwimm­becken zugeführt werden unb nach dem Durchfluten des Beckens durch eine Ablaufvorrichtung wieder in bas Flußbett zurückgelangen. Da man bei ber Herstellung dieser Erholungsanlage mit ber Gewin­nung von Sand unb Kies aus dem Baugrunb rech­nen könnte, pürben die Kosten bes Projekts ver­hältnismäßig gering sein, außerdem könnte Sand und Kies von dieser Stelle bei ben in der Nähe vorgesehenen Kleinsieblungsbauten Derwenbung finden und diese im Preis senken. Auch habet würde es möglich sein, Arbeitslosen Beschäftigungs­möglichkeit zu bieten.

Weiter brachte ber Redner ein Projekt zur Sprache, das die Schaffung eines repräsentativen Mittelpunktes unserer Stabt burch bie Errich­tung eines Rat Hausbau es vorsieht. Als geeigneten Platz hierfür bezeichnete ber Redner das Gelände ber jetzigen Alten Bürgermeisterei. In Verbindung bamit erwähnte er ben Gebauten ber Nutzbarmachung bes jetzigen Gaswerkgrunb- ft ü d e s für bie Errichtung von ©ebäuben für neue Verwaltungsbehörben. Durch zweckmäßige Gestaltung aller dieser Gebäude würbe es möglich sein, einen großen Jnnenhof zu schaffen, ferner sprach der Redner von einem Rathausturm, ber eine gute Aussicht über die Stabt bieten würbe. Die Errichtung eines Zentralgebäudes für bie stäbti- sche Verwaltung auf dem Gelände des Alten Rat­hauses sei früher fchon mehrfach vorgeschlagen worden, nunmehr sei es aber vielleicht an der Zeit, den ganzen Grundgedanken noch einmal genau durchzuprüfen mit bem Ziele einer Verwirklichung des Projektes in möglichst naher Zeit.

Am Schlüsse seiner Darlegungen sprach ber Vor­tragende noch über die Beschäftigung von arbeits» losen Volksgenossen nach einem Mobus, bei bem für die Stabt keine weiteren Zahlungsverpflichtun­gen entstehen, sondern die Mittel der Arbeitslosen- fürsorge nutzbar gemacht werden können.

Die Aussprache.

Im Anschluß an ben mit starkem Interesse und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag fand eine rege Aussprache statt. Vor allem nahmen Bürgermeister Dr. Hamm und ber Bezirksleiter bes KDAJ., Pg. Dberingenieur Kurz, Stellung zu den Vorschlägen des Redners, darüber hinaus 30gen sie noch eine Reihe weiterer kommunaler Projekte in den Kreis der Betrachtungen. Ange­regt hierdurch beschäftigten sich auch noch andere Redner mit dem ganzen weitschichtigen Fragen­komplex in bem Bestreben, durch den möglichst um­fangreichen Gebankenaustausch im Kreise her Archi­tekten unb Ingenieure die Frage der Arbeits­beschaffung auf bem Wege ber Belebung der Bau­wirtschaft in unserer Stadt zu fördern. U. a. wurde dabei auch das Projekt der Verlegung ber Dber­be f s is ch e n Bahn erörtert, ferner der Bau einer Straßenbahnlinie nach Klein-Linben besprochen, bie Schiffbarmachung ber Lahn bis nach Lollar und deren Auswirkung auf Gießener Pro­jekte an der Lahn, die unhaltbaren Zustände auf ber B i e b e r t a l b a h n und in Verbindung damit bie Schaffung einer besseren Verbindung nach bem Biebertal unb ähnliche Gedanken behandelt. In ber Gesamtheit brachte ber Abend eine Fülle von be­merkenswerten Gesichtspunkten und Vorschlägen, deren Weitergabe an die zuständigen Stellen ins Auge gefaßt wurde.

Vor diesem Vortrag sprach Architekt Völker über das ThemaDer Architekt im nationalsoziali­stischen Staat", lieber* diesen Vortrag werden wir noch besonders berichten.

Schöffengericht Gießen.

Wegen Betrugs unb Urkunbenfälschung würbe ber schon wegen Heiratsschwinbel vorbestrafte I o - s e f Lutz aus Frornrnersheirn zu insgesamt 15 Monaten Gefängnis verurteilt, unter An­rechnung von 9 Wochen Untersuchungshaft. Der An­geklagte brachte es fertig, feinem angeblichen Schwiegervater 2000 RM. zu entlocken unb bamit nach Gießen zu fahren. Hier legte er sich einen fal­schen Namen bei, ohne polizeilich gemeldet zu sein, unb gab burch bie Zeitung Angebote ab, beren Inhalt nicht ben Tatsachen entsprach. Der Anklage­vertreter beantragte insgesamt 13 Monate Ge­fängnis.

Das Gericht befaßte sich fobann mit zwei Kauf­leuten von Gießen, benen bie Anklage Pfanbbruch, einem Angeklagten außerbern eine Beleibigung zum Vorwurf machte. Die Angeklagten übereigneten ein Motorrab zur Sicherung. Nachbem biefes gepfän- bet mürbe, brachten sie es zur Veräußerung. Da­neben schrieb ein Angeklagter zwei hiesigen Rechts- anroälten einen Brief, in bem er ihrer ungerecht­fertigte Bereicherung, einem ehemaligen Richter Rechtsbeugung zum Vorwurf machte. Währenb ber eine Angeklagte freigefprodjen würbe, er­kannte bas Gericht gegen ben anberen Angeklagten wegen Pfanbbruchs auf eine ©elbftrafe von 4 0 R M., wegen Beleibigung auf vier Wochen Gefängnis.

Das Gericht hatte sich bann mit einem schon elf- mal, zweimal wegen Rückfallbetruges, vorbestraften Mann zu beschäftigen, bem auch jetzt wieher ein Betrug zur Last gelegt würbe. Der Angeklagte, bei bem es sich um einen haltlosen Morphinisten han­delt, ging in Bab-Nauheim zu einem Arzt, gab sich als Mitglieb her borkigen Krankenkasse aus und versprach den Krankenschein nachzubringen. Nach­dem ihn ber Arzt behanbelt hatte unb er sich feine Mebikamente in ber Apotheke abgeholt hatte, ver- schwanb ber Angeklagte. Die Adresse, die er bem Arzt angab, war falsch, was letzterer bei ber Ab­sicht, seinen Patienten nochmals aufzusuchen, fest­stellen mußte. Nachbem ber Anklagevertreter acht Monate Gefängnis beantragt hatte, erkannte bas Gericht auf vier Monate Gefängnis. Auf allseitigen Antrag wurde das Verbringen des Ange- klagten in eine Entziehungsanstalt ungeordnet.

Continental

Fahrt ad-Reifen immer und überall bewährt!