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Kr. 107 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwochs. Mai M4

Die südflawifch-bulgarische Annäherung.

Möglichkeiten einer Befriedung des Balkans.

Der südslawische M'nisterbesuch in Sofia.

Sofia, 8. Mai. (DNB.) Der südslawische Außen­minister Jeftitsch ist mit seiner Begleitung nach Belgrad abgereift König Boris verlieh dem Mi­nister das Großkreuz des Alexanderordens. Mittags gab das bulgarische Herrscherpaar im Königspalais ein Essen, an dem u. a. mehrere Mitglieder des königlichen Hauses, Ministerpräsident Muschanoff, Kammerpräsident Marlinoff und die Begleitung Ieftitschs teilnahmen. Am Dormittaa hatten Mu­schanoff und Jestifch die politischen Unterredungen fortgesetzt, über die ein amtlicher Bericht ausgege- ben wurde, in dem es u. a. heißt: Hinsichtlich der Fragen, die ihre Länder im besonderen interessie­ren, konnten die beiden Minister mit besonderer Genugtuung entdecken, daß die Maßnahmen, die bei ihrer Zusammenkunft in Belgrad grundsätzlich festgelegt worden waren, in ihrer Durchführung eine erfolgversprechende Entwicklung genommen haben, lieber die Eisenbahntarife konnten Vereinbarungen erzielt werden. Augenblick­lich verhandeln bulgarische und südslawische Vertre­ter mit Aussicht auf baldigen Abschluß eines Handelsvertrages und eines Veterinär- abkommens. Eine Untersuchung der praktischen Möglichkeiten für eine Vereinfachung der Paß Vorschriften und eine Erleichterung der Beziehungen zwischen den beiden Völkern zeigte Wege zu einer befriedigenden Lösung. Die beiden Minister sind ferner übereingekommen, alle Fragen, die noch schweben oder die in Zukunft zwischen Bulgarien und Südslawien entstehen könnten, in einem Geiste zu behandeln, der dazu angetan ist, d i e ehrliche Fr e u n d s ch a f t zwischen den beiden Völkern zu befestigen und eine dauerhafte und nutzbringende Zusammenarbeit sicherzustellen.

Bei den Empfängen des südslawischen Außen­ministers I e f t i t s ch in der bulgarischen Haupt­stadt sind außerordentlich herzliche Trinksprüche ge­wechselt worden. Der bulgarische Ministerpräsident M u s ch a n o f f feierte in einer Ansprache an feine Gäste die Südslawen alsBrudervolk". Zugleich wurde von beiden Seiten mit starker Betonung die Hoffnung ausgesprochen, daß ein v o l l st ä n d i g e s Einvernehmen zwischen Bulgarien und Süd­slawien hergestellt werden könne. Es sind in der Tat nicht allein wirtschaftliche ober diplomatische Gründe, die den harmonischen Klang dieser Wechsel­reden und auch des gemeinsamen Kommuniques bestimmten. In den Adern beider Völker fließt sla­wisches Blut, beide Völker gebrauchen eine Sprache, die sich so sehr ähnlich sieht, daß sie eine mühelose Verständigung auch des einfachen Mannes auf der Straße ohne weiteres ermöglicht, und beide Völker lernten sich im Weltkriege, der sie auf verschiedenen Fronten sah, als tapfere Soldaten und ehrliche Geg­ner kennen.

Der große Krieg war es aber auch, der jene Be­dingungen für eine Entfremdung schuf, um deren Beseitigung sich die Staatsmänner in Sofia und Belgrad in letzter Zeit so lebhaft bemüht haben. Bulgarien, das mit dem Friedensvertrag ein Drit­tel feiner Bevölkerung an die feindlichen Nachbar­staaten verlor, hatte auch dem neuentstandenen Nachfolgestaat der Serben und Kroaten seinen Tribut in Form von Volk und Land bezahlen müssen. Und es mußte gerade auf jenen Volksstamm verzichten, der durch seine Tatkraft, seine Klugheit und sein starkes Nationalgefühl von jeher eine hervorragende Rolle auf dem Balkan gespielt hat d i e Mazedonier. Sie sind heute auf drei verschiedene Staaten verteilt, und ihre nationale Sehnsucht bildet ein dauerndes Mo­

ment der Unruhe und der Störung der politischen Beziehungen zwischen Griechenland, Südslawien und Bulgarien.

Dies alles wäre nicht so schlimm, wenn sich nicht gewisse europäische Großmächte die Lage zu­nutze machen würden, um aus fremdem Streit Kapital zu schlagen. Die Geschichte Südosteuropas nach dem Weltkriege ist eine einzige Kette von Verbuchen des einen oder anderen Großstaates, die rivalisierende Macht mit Hilfe von Pakten und Blocks aus dem Felde zu schlagen. Das letzte Glied in dieser Kette war der am 9. Februar dieses Jahres abgeschlossenePakt der B a l k a n e n t e n t e", der diesen Namen um so weniger verdiente, als der einzige Staat, der ganz und gar ein Balkanstaat ist, von diesem Abkommen ausgeschlossen blieb: Bulgarien. Die Rumänen und Südslawen aber haben es stets entrüstet abgelehnt, sich als reine Balkanvölker zu bezeichnen, während die beiden anderen Unterzeichnerstaaten, Griechenland und die Türkei, das Schwergewicht ihrer Politik auf die Küsten des Mittelmeeres gelegt haben. Noch sinn­widriger aber war es, wenn die interessierte Presse die Unterzeichnung dieses Paktes in Athen mit dem Jubelruf begleitete:Der Balkan den Bal - k a n v ö l k e r n I" Denn dieser Vertrag, der über­dies mit verschiedenen Geheimprotokollen ausge­rüstet war, und der jede Revifionsmöglichkeit und damit eine wahre Befriedigung der balkanischen

Deutschlands Trauer.

Wieder einmal hat sich das Wort furchtbar be­wahrheitet, daß mit des Geschickes Mächten kein ewiger Bund zu flechten ist. Wir leben in einer Zeit, in der die Technik ungeheure Fortschritte ge­macht hat. Wir leben in einer Zeit, in der in immer verstärktem Maße wiederum mit den Hilfs­mitteln der Technik alles getan wird, um Unglücks­fälle größeren Ausmaßes zu verhindern. Aber die Gewalt der Natur ist oft stärker als die größten technischen Errungenschaften, als die Kräfte der Menschen und deren bester Wille, Unglück zu ver­hüten. Sv stehen wir auch hier wieder vor einer Katastrophe, die in ihren Ausmaßen geradezu furchtbar ist, vor einer Katastrophe, die in fast hundert Familien größten Kummer gebracht hat. Da« menschliche Gefühl sträubt sich dagegen, sich auszudenken, was diese 86 braven und treuen Ar­beiter im Kalibergwerk empfunden haben mögen, als der Verbrennungstod immer näher kam und eine Rettung sich als unmöglich erwies. Mit tief­ster Erschütterung lesen wir, wie ein Arbeiter auf dem Wege zur Schicht von einem Auto angefahren wurde, wie ihm sein Fahrrad zertrümmert wurde, während er selbst unverletzt blieb, wie er dem Be­sitzer des Autos gegenüber die Sorge äußerte, nicht mehr rechtzeitig zur Einfahrt in den Schacht zu kom­men, und wie ihn der Besitzer des Autos darauf­hin zum Bergwerk mitnahm; so fuhr er, der eben noch unverletzt blieb, mit den Arbeitskollegen hin­ab, um nie mehr wiederzukehren. Das ganze deut­sche Volk nimmt wärmsten Anteil an dem Geschick der Verunglückten. Was an menschlicher Hilfe für die Hinterbliebenen getan werden kann, wird getan werden. Deutschland trauert, die Fahnen wehen auf Halbmast und unsere Anteilnahme gilt den Frauen und Kindern, den Vätern und Müttern der 86 treuen Bergknappen

Reichspräsident von Hindenburg hat an den Reichsstatthalter in Baden folgendes Tele­gramm gerichtet:Tief erschüttert durch die Nach-

Verhältnisse auslösen sollte, setzte sich nicht für etwas ein, sondern er wandte sich gegen etwas. Seine Grundzüge entstanden unter der Oberaufsicht der französischen Diplomatie, und als Südslawien sich als letzter Staat endlich zum Beitritt bereitfand, geschah es unter dem Druck Frankreichs, das bei dieser Aktion die italienisch-südslawische Spannung billig in sein Spiel einsetzen konnte.

Um so mehr ist es zu begrüßen, wenn man nun in den beiden am meisten beteiligten und für den friedlichen Ausgleich auf dem Balkan ausschlag­gebendsten Hauptstädten den Versuch macht, a u f dem Wege direkten Meinungsaustau- sches und unter Ausschaltung fremder Einflüsse zu einer gegenseitigen Verständigung zu gelangen. Wenn auch nicht anzunehmen ist, daß bei dem Besuch Jeftitschs in Sofia schon greifbare Ergebnisse herausspringen werden, so ist doch die kulturelle und wirtschaftliche Annäherung beider Völker, die sich schon jetzt bemerkbar macht, ein wichtiges Zeichen der Entspannung und des Fort­schritts. Für ein politisches Entgegenkommen stehen zwei Mittel zur Verfügung: erstens der von Bulgarien vorgeschlagene Nichtangriffspakt und zweitens der von Südslawien gewünschte Bei­tritt Bulgariens zum Valkanpakt. Ob es auf einen dieser beiden Wege zur Einigung kommt, das ist eine Frage, deren Beantwortung wir der Zukunft überlassen müssen.

richt von der Grubenkatastrophe im Kalibergwerk Buggingen bitte ich Sie, den Hinterbliebenen der in treuer Pflichterfüllung in so bedauerlicher Weise ums Leben gekommenen Bergleute die Versicherung meiner tiefempfundenen Anteilnahme zu übermitteln.

Reichskanzler Adolf Hitler hat an die Verwaltung des Kaliwerkes Buggingen folgendes Telegramm gerichtet:Die Nachricht von dem schwe­ren Unglück, das durch den Brand im Kaliwerk Buggingen verursacht ist und so vielen braven Berg­

leuten das Leben gekostet hat, hat mich tief er­griffen. Ich bitte, allen von dem Unglück be­troffenen Familien meine herzliche Anteilnahme auszusprechen."

Weitere Telegramme aus dem ganzen Reich be­zeugen die große Anteilnahme, die ganz Deutschland an dem schweren Unglück nimmt. Hilfsmaß­nahmen für hie Angehörigen der Verun­glückten wurden sofort durch den Landesleiter der NS. - Volkswohlfahrt in Angriff genommen. Die Stiftung für Opfer der Arbeit hat den Hinterbliebenen der Verunglückten als erste Hilfe den Betrag von 50 000 RM. zur Verfügung gestellt. Oberregierungsrat Dr. Ziegler hat sich per­sönlich nach Buggingen begeben, um an Ort und Stelle den Witwen und Waisen eine vorläufige Unterstützung zuteil werden zu lassen und die Frage der weiteren Unterstützung durch die Stiftung zu prüfen. Die zuständigen Sozialoersiche­rungsträger haben zur Linderung der ersten Not an jede Hinterbliebene der verunglückten Berg­leute bereits als Vorschuß auf das Sterbegeld den durchschnittlichen Betrag von 120 RM. ausbezahlt. Ebenso wird spätestens am 9. Mai ein angemessener Vorschuß auf die Hinterbliebenenrente geleistet wer­den. Die beschleunigte Feststellung der Renten aus der Unfallknappschaftsversicherung ist eingeleitet. Die verunglückten 86 Bergleute haben 65 Witwen und 107 Kinder unter 15 Jahren hinterlassen. Die S A. Gruppe Südwest spendete 20 000 RM. Die Basler Nachrichten" veröffentlichen einen Aufruf zur Sammlung zur Unterstützung der Hin­terbliebenen. In dem Aufruf wird auf die enge Volksverbundenheit der Schweiz mit dem benachbarten alemanischen Baden hingewiesen.

Der deutsche Kalibergbau.

Das schwere Grubenunglück bei Buggingen in Oberbaden ist die größte Katastrophe, die den deutschen Kalibergbau bisher betroffen hat. Das Werk Buggingen ist eine verhältnismäßig neue Schachtanlage, da der Kalibergbau erst nach dem Verluste der oberelsässischen Betriebe, hervorgerufen durch das Versailler Diktat, auf dem rechten Ufer des Oberrheintals eingesetzt hat. Einen anderen Bergbau, als die neuen und daher modernen Kali­bergwerke, besitzt Baden in nennenswertem Um­fange nicht. Die ersten Kalilager in Deutschland wie überhaupt in der Welt wurden 1856 in Staßfurt gefunden. Die Erkenntnis von ihrer wirtschaftlichen und insbesondere landwirtschaftlichen Bedeutung fußt auf den Arbeiten Justus von Liebigs. Von Staßfurt aus hat die Kaliindustrie

Das Kalibergwerk Buggingen.

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Die Grubenkatastrophe von Buggingen.

Richard Euringer an £>r. Goebbels O er Dank des Stesan-George-preisträgers

Richard Euringer, der für sein WerkDeutsche Passion 1933" bei der Festsitzung der Reichs­kulturkammer am 1. Mai d. I. mit dem Stefan- George-Preis ausgezeichnet wurde, hat an Reichsminifter Dr. Goebbels folgenden Brief geschrieben. Dieser Brief ist so typisch für die Den­kungsart eines modernen nationalsozialistischen deut­schen Dichters, daß wir ihn der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollen. Die Veröffentlichung geschieht mit Genehmigung des Absenders und Empfängers.

Richard Euringer.

Effen-Ruhr, den 3. Mai 1934.

Hochverehrter Herr Reichsminister!

Während der Schriftsteller R. E. mit Zehntausen­den Volksgenossen auf das Essener Maifeld zog, hielt die Reichskulturkammer ihre Ehrensitzuna ab. So war es ihm versagt, ihr auch nur am Laut­sprecher anzuwohnen; er hätte sich aus Reih und Glied stehlen müssen, eine Ausnahme zu machen. Er mußte sich schon damit trösten, Dr. Goebbels' große Rede in der Presse nachzulesen. Der Abmarsch hatte sich so verzögert, daß, ehe unsere Kolonne auf dem Mülheimer Flugplatz eintraf, der historische Akt vorbei war. Dafür überfiel mich nun im An­gesicht der Tausende plötzlich ein wildgewordener Kamerad mit Veitstanzgesten:Euringer, Mensch, wissen Sie denn gar nicht, was passiert ist? Wir suchen Sie schon durch den Ausrufer!" Da erfuhr ich denn, was passiert war.

Lassen Sie mich, Herr Reichsminister, das, was passiert war, in die Worte fassen, mit denen Hans Heydt seine Freude ausdrückt:Inmitten mancher Bitterkeiten trifft mich heute die Nachricht vom Buchpreis IhrerPassion" wie eine große helle Beglückung: ein breiter Strahl Zuversicht steht wie- der am Himmel! Wirklich, ich empfinde dies Urteil wie eine Erlösung aus vielerlei Dunkel; es erfüllt mich mit tiefer Genugtuung ujio mbem ja) Ihnen allerherzlichst die Hand drucke, beglück­wünsche ich uns zu diesem Durchbruch!!Wir sind es, die in IhrerPassion" zu Wort und letzt zu Weitklang gekommen sind, und wenn ich heute in besonderem Sinne auf S i e stolz bin, bann bin ich es auf uns."

So schreiben mir all die Karneraben, die ich die Mannschaft ber Kämpfer um ein neues Schrifttum nenne. . * ...

Sie haben einen biefer Männer als typisch für alle beim Namen genannt unb fo metbe ich mich

zum Dank. Ich tue bies spät, ba ich bie Bestätigung der Presse abgewartet und nicht recht wußte, wie mich benehmen. Ich tue es mit wenig Worten, da ich die riesige Arbeitslast kenne, die auf Ihre Kräfte einstürmt. So wiederhole ich nur das Wort, das ich Ihnen heute gedrahtet habe:

Den Dank Ihnen, dem Schöpfer und Spender, die Ehre dem geliebten Führer, die Verpflichtung uns, der Mannschaft!

Ich werde weiter mein Leben verschleißen, Ihres Aufrufs wert zu werden. Heute abend aber werde ich mit meiner lieben Frau und den getreusten Kameraden in der Ufa-Tonwoche den Augenblick doch noch erleben, da Sie einen der unbekannten Soldaten des Schrifttums beordern in die geistige SA.

So werden wir unter Ihren Augen den heißen Dank zufammenfaffen in den Heilruf auf den Führer, der Sie in feiner Mannschaft ehrt.

Hochverehrter Herr Dr. Goebbels erlauben Sie mir zum Schluß das Volkswort! ich danke Ihnen mit Heil Hitler! Gott erhalte uns den Führer und die Treusten seiner Treuen!

Gez.: Richard Euringer und Frau Trude zugleich für Kind und Kindeskind.

Sternennacht.

Von Josef Magnus Wehner

Das Meer ruht schwarz in seiner Tiefe. Kaum sichtbar wölben sich die Massen der Kraterberge um mein Landhaus auf der Spitze von Salvatore. Im­mer schwächer wird die leise Brandung des Unten aangslichtes im Westen. Unendliche Stille auf dieser Insel. Nur aus der Pyramide des Stromboli blutet eine rote Feuersonne, Herzblut der Erde, das zum Lichte will.

Ich gehe in den Garten zu meinem Mandelbaum. Er schläft in tausend Blüten und schimmert nach im Traume. Dann gehe ich auf die Pergola, die mit Weinreben überspannt ist ... sehe den Saft des Weinstocks, der gestern beschnitten wurde, zur Erde tropfen ...

Da auf einmal: lieber dem Monte Guardia, dem uralten Wachberg, glänzt magisch ein Stern. Weiße Strahlen schießen von ihm aus und erhellen den Westen. Er steht gerade über der Kappe des Berges, die die Form einer sarazenischen Kuppel hat. Ruhig brennt der Stern im Magnesiumlicht, Ju­piter, mein Geburtsstern, und ich denke an all die Toten, die unter dem schwarzen Boden dieser Insel schlummern, an die Griechen, die verborgenen

Sarkophage der Etrusker, an die Mauren und Rö­mer, die um ihre Insel kämpften und starben.

Und nun wird im ganzen Himmel dunkelblauer Samt. Allüberall dieses tiefe, lustvolle Blau, das den Raum, den unendlichen, körperhaft fühlen läßt. Es wogt und ruht wie Meer über mir. Und in die­sem Grunde erlebe ich das Wunder der südlichen Sternennacht: die vertrauten Sternenbilder treten goldbraun und stark aus dem Himmel, einzelne fühlbar und nahe, als hingen sie unmittelbar über meinem Haupte. Sie haben nicht die Gradlinigkeit nordischer Bilder, sondern schwingen in süßer Un­regelmäßigkeit der Kontur zueinander und bilden nicht Flächen, sondern körperhafte Gestalten, als seien sie eben von bebender Künstlerhand geschaffen.

Und das zweite Ungeheure dieses Himmels: Es gibt keine Milchstraße mehr. Wo sich im Norden jener fabelhafte Nebelstreifen hinzieht, brennen Mil­liarden goldbrauner Blüten; in Schwärmen, fun­kelnd und glühend, rollen sie, einzeln erkennbar in ihrem Raum und machen das Auge trunken mit ihrem bräunlichen Golde.

Das dritte Ungeheure offenbart sich nun den wie­der erwachenden Sinnen: der dunkle Raumsamt ist nicht ein Tuch, an dem Sternenflammen haften geheimnisvoll flutet es auch noch hinter den Ster­nen, pulst heran und läßt unerschöpflichen Raum ahnen hinter dem goldenen Leuchten. Kein Riß klafft mehr zwischen hier und dort, keine Wand steht mehr zwischen dem Unendlichen und mir: meine Brust hebt sich warm in dieses Blau und Gold, und könnte ich jetzt hinuntertauchen in die hohe Tiefe, dann würde ich Götter sehen in goldener Vielgestal­tigkeit, die Kuppeln tragen, in Kugeln ruhen und kreisen in Bildern um den ungeheuersten Lichtgrund, den ich erst jetzt, aus dem Antlitz dieser Nacht, seh­nend ahne.

Wer gebraucht die meisten Worte?

Wir alle bedienen uns nur eines kleinen Teils des gewaltigen Wortschatzes, den uns unsere Sprache zur Verfügung stellt, lieber die größte Aus­wahl an Worten verfugt der Dichter, dessen Sprach­kunst Bezeichnungen für die feinsten Schattierungen ans Licht bringt. Oft hat man die ungeheure Menge von Ausdrücken hervorgehoben, die Dichter wie Goethe ober Shakespeare angewendet haben. Aber wie ist es beim täglichen Gebrauch? Darüber stellt eine englische Wochenschrift interessante Betrachtun­gen an.Die englische Sprache", so heißt es da, besitzt über 400 000 Worte. Kein Mensch kennt na­türlich alle. Man hat früher behauptet, daß der durchschnittliche englische Landmann mit etwa 400

Worten auskommt. Das mag vielleicht vor sechzig Jahren der Fall gewesen sein. Aber heute erhält der Bauer eine ebenso gute Erziehung wie der Städter, lieft Zeitungen, hört Rundfunk und hat daher einen Wortschatz, der mindestens drei- bis viermal so um­fangreich ist, wie der feines Großvaters. Hand­werker und alle Arbeiter, die auf einem Spezial­gebiet tätig sind, kennen etwa 5000 Worte, die sie verwenden; Geistliche, Juristen und Aerzte etwa 10 000 Worte. Die Fachschule, die z. B. der Arzt beherrschen muß, umfaßt eine Menge von Aus­drücken, die sonst nicht gebräuchlich sind. Aber der­jenige Beruf, der die häufige Benutzung des größten Wortschatzes erfordert, ist der des Journalisten. Seine Arbeit bringt ihn mit allen Zweigen ber Wirtschaft unb Technik, ber Wissenschaft unb Kunst, mit allen Klassen ber Bevölkerung in Berührung, unb er muß in ber Lage sein, Fachausbrücke und Sonderbezeichnungen jeder Art zu beherrschen. Aber auch der wortgewandteste Journalist wird kaum mehr als 20 000 Worte kennen und in seinem Beruf an­wenden."

Sochschulnachrichten.

Professor Dr. Gerhard Husserl, Ordinarius für römisches und deutsches bürgerliches Recht an der Universität Kiel, ist in die Rechts- und Staats­wissenschaftliche Fakultät der Universität Frank­furt versetzt worden.

Der Münchener Extraordinarius Professor Dr. R. Perwitzschky wurde als Nachfolger des ver­storbenen Professors Viktor H i n s b e r g auf den Lehrstuhl für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der Universität Breslau berufen.

Der emeritierte Würzburger Unioerfitätspro» feffor Geheimrat Dr. Friedrich Oetker feierte am 6. Mai feinen 8 0. Geburtstag. Aus diesem Anlaß sind dem hochverdienten Rechtsgelehrten u. a. ein Anerkennungs- und Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg, Tele­gramme des Reichsjustizministers Dr. Gürtner, des Reichsjustizkommissars Staatsminister Dr. Hans Frank und der Akademie für Deutsches Recht zu­gegangen. Von seinen Arbeiten seien genannt: Rechtsgüterschutz und Strafe",Strafe und Lohn", Abhandlungen über Militärstrafrecht, konkursrecht­liche (Erörterungen, zahlreiche Abhandlungen über alle Gebiete des Strafrechts. In Anerkennung feiner großen Verdienste um das deutsche Rechtsleben wurde er vom Reichskommissar Dr. Frank zum Mitglied der Akademie für Deutsches Recht ernannt.