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Donnerstag, 3. Mi MH

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberheffen)

Nr. 102 Drittes Blatt

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Aus der Jahrtausende alten Geschichte der Gpargelzucht.

Wenn in diesen Tagen wieder die ersten Spar­

gel auf den Tisch kommen, werden sich vielleicht

gib. °s kein Geheimnis, gibt es kein.; Ueberralchun- S°^°°Le, denenwahljchm-ckt. gen, auch pottttsch ist nichts gescheh , bewußt sein, daß. der Spargel schon eine viele Jahr-

°7)i7 tschechischen ^egin^är!, «Ä'

öie auf den Schlachtfeldern ^Frankreichs gegen as Aeonvter kannten bereits die Kunst,

unsere Freiheit, unser nationales Eigentum und I unsere Kultur, aber auch unsere Würde und unser

ger er tont, oejro oeuniojer uciim - y Frischinqforst her kamen, verstummt; aber dafür Wohlklang, der m dlesen Stimmen lte^t. D^e pralle Mmgf-gt Flächen der Moospolster, über

Sonne wirft Strahlenbundel, so tz (~f. JQrt tz^n spärlichen Wuchs der Birken und Kruppelkiefern, nicht erspähen kannst. Aber an hren. Strmmen ya^r WP^q-n^ ^nten dünner Sang. Es ist du sie langst erkannt. Und als fie * ^em mäst das Brummen und Summen, wie es sommers

Len7°r°°r und L üL einer Heideland,chasi liegt, nicht das Knistern

Panegyrik und die überströmende Herzlichkeit für gemacht zu halten, die bei den üblichen Trinksprü­chen in allerdings ungewöhnlich gehäufter Form angewendet wurden. Franzosen wie Tschechen können, wenn sie wollen, äußerst gesetzt sein sie haben sich nur diesmal ein wenig gehen lassen, da niemand dabei war, der ihre Freundschaftsbezeu­gungen durch Stirnrunzeln hätte stören können. Ein hoher polnischer Diplomat hat im voraus ge­sagt: $)err Barthou wird sich in Prag gern von Warschau erholen. So ist es geschehen. Und was die Tschechen dazu beitragen konnten, haben sie getan. In dem Falle der Freundschaft zu Frank­reich gibt es im tschechischen Volke keine Meinungs­verschiedenheit. So sehr man sonst die demokratische Lust am Selbstzerfleischen pflegt, in diesem Punkte

ist man einig.

Das war nur der äußere Rahmen für das, was sich in den vertraulichen Konferenzen zwischen den beiden Außenministern zugetragen hat. Auch hier

Deutsche Reich kämpften, bei jeder Gelegenheit auf­gefrischt worden. Frankreich kann sich wirklich bis aufs Letztein guten und in bösen Tagen" auf die Tschechen verlassen. Benesch täuscht sich kaum, wenn er meint, daß das weder mit franzö­sischer Hegemonie, noch mit tschechischem Vasallen­tum zu tun habe. Die abgöttische Verehrung Frank­reichs ist den Tschechen geradezu angeboren. Da gibt es wirklich keine Mißverständnisse und keine Unklarheiten und kann es auch tatsächlich feine geben. Man geht mit, durch dick und dünn.

' Das Blatt des tschechischen Ministerpräsidenten, der agrarischeVenkov", hat es offen ausgesprochen:' Wir (die Tschechen) haben natürlich alles mitge­macht, was Frankreich wollte, auch die Jllusions- politik, die nach Locarno führte. Wir glauben, daß Frankreich diese Periode überwunden hat und zur reinen Realpolitik, nämlich der Politik der bloßen Macht, zurückkehrt. Da kommt es auf die Stärke, auf die Rüstung, auf die kriegerische Bereitschaft an. Run wohl, das ist uns um so lieber: wir sind bereit! Frankreich, so sagt das gut unterrichtete Blatt, hat manchmal die Sicherheit seiner Westgrenze für das Primäre gehalten. Run kehrt es zur Machtpolitik an der Ostgrenze Deutsch­lands und in Mitteleuropa zurück. Heil ihm! Es wird uns, wie immer, auch hier a l s seinen er­gebenen Genossen finden. Wir wollen den Frieden, das heißt: wenn es nötig war, es noch­mals zu vereinbaren, so haben Benesch und Barthou übereinstimmend festgestellt, daß es wie für Frank­reich so auch für die Tschechoslowakei kein Abgehen von den Friedensverträgen, keine Revision und keine Restauration gibt, keine Abänderung des Völkerbundpaktes und keine Aufrüstung Deutsch­

lands.

Mitteleuropa, das sind getreu dem französischen Plan nur die kleinen Staaten eine erweiterte Kleine Entente. Großmächte haben darin nichts zu suchen Frankreich ist ja durch die Kleine Entente doch dabei! Wirtschaftliche Vereinbarungen dieser Staaten, ja, bitte: soviel und so gut wie möglich! Aber politische Bindungen versteht sich immer: im Sinne einer Aendersing des Status quo gibt es dabei nicht. Wer etwas anderes will, der möge kommen und es sich holen". So sagte Dr. Benesch: Wir werden gemeinsam bis zum letzten Atemzug

mungen von Machthabern der augenblicklichen Ge­walt ewig. Es kommt einem so vor, als wollten die beiden Staaten das Unmögliche diesmal mög­lich machen. Es ist eine Frage der Propaganda, ob es gelingt, auf die Dauer die anderen vor der Welt als die Friedensstörer hinzustellen. Bisher war es jedenfalls so, daß in Europa Frankreich die treibende Kraft war, bestehende Zustände als un­moralisch, daher unhaltbar und friedensgefährdend hinzustellen, war es Frankreich, das einen Krieg um den anderen herbeigeführt hat, um seinem

Die alten Aegypter kannten bereits die Kunst, diese wildwachsende Pflanze in den Gärten zu ver­edeln und die jungen saftigen Sprossen, die auch Pfeifen" genannt werden, möglichst lang und flei­schig zu züchten. Unter den Opfergaben, die in einem der ältesten Bauwerke des Nillandes, in der Stu­fenpyramide von Sakkara abgebildet find, werden in einem Stilleben auf einem Tisch neben Feigen, Kürbissen und Melonen auch schön zusammengebun­dene dicke Spargel dargestellt, um dem Verstorbe­nen, der gewiß im Leben ein großer Spargelfreund gewesen war, dieses Lieblingsgericht auch nach dem

Das ist die Zeit, da das Moor auf der Höhe des Lebens steht, da es tätig ist in allen feinen Grün­den. Es gilt, das. kurze Sonnendasein zu nutzen. Und hast du Blick und Sinn für diese stille Emsig­keit, dann jauchzt dein Herz vor Wonne. Hier bist du allein auf Meilen im Umkreis. Nur der Schell­adler ist über dir und der Kranich, der seine Jun­gen die Kunst des Ueberlandfluges lehrt, des Flu­ges im großen Verbände. . ri . ,

Je weiter es hineingeht in die Oede, desto deut­licher wird die Endlosigkeit und Ruhe, desto reiner tönen die Stimmen, die über dir sind und um dich. Spärlicher wird das Grün der Birken, geringer die Zahl der Erlen, dürftiger der Wuchs der Kruppel­kiefern. Der Ernst des Hochmoors umgibt dich, die­ser Ernst, den es auch in seiner schönsten Zeit nicht ^Mülen im Moore. Es ist um die Mittagsstunde. Die heiße Sonne brennt auf die Moospolstet. Nir­gend fällt ein Schatten. Selbst die Stimmen der Sonnenfrohesten schlafen ein. lieber einer Gruppe von Krüppelkiefern flimmert die heiße Luft. Aber keiner dieser grauen Zwerge rührt ein Zweiglein. Ein Friedhof ist es, ein Kiefernfriedhof. Sumpf­brombeere und Sonnentau bilden die Grabzier. Du suchst etwas fürs Auge, einen grünen Strauch, ein Stückchen Himmelsblau. Umsonst: die Birke, die dir einst Rast bot, hat ihr Grab gefunden im Maare, und das Himmelsblau hat sich gewandelt in grauen Dunst. In solcher Stunde kann es wohl geschehen, daß sich selbst der naturfrohe Mensch durch diese Oede bedrückt fühlt, daß er in den abgestorbenen Krüppelkiefern Fratzen sieht, die ihm harnisch ent­gegengrinsen, daß er seine Augen wendet von der schattenlosen Weite sehnsuchtsvoll zu den in der Ferne verdämmernden Waldzügen.

Aber wenn diese Mittagsstunde, diese Stunde ohne Vogelruf und Jnsektenflug, vorüber ist, wenn der blaue Sommerhimmel wieder lacht, wenn von den Rändern des Moores ein Leuchten kommt, und von den Blänken her frische Lebenslust weht, dann ist dir diese Moorwildnis wieder vertraut. Du siehst die lebensvolle Elchfährte im Morast und hörst des Goldregenpfeifers melodischen Pfiff. In der Hohe der Blänken aber zeigen sich wieder die Luftge­schwader der Kraniche.

Das Moor lebt seinen Sommer unbekümmert um den lauten Gang der Welt.

Prinzip des menschlichen Fortschrittes" zu dienen. Daß dieser zufällig immer mit dem französischen Interesse, meist mit seinem Erweiterungsdrange in oder außerhalb Europas zusammenfiel, waren ebenglückliche Zufälle", die anderen freilich nie­mals zugebilligt werden können. Wenn Frankreich Krieg führte, geschah es immerim Interesse des wahren Friedens". Wenn nun andere einen ge­rechten Frieden wollen, so treiben sie zum Kriege. Das ist die französische Logik, es ist vor allem die Logik Barthous.

Vaterland verteidigen." Warum diese besondere Betonung? Niemand hat daran gezweifelt. Nie­mand auch bedroht die tschechische oder die französische Freiheit, das, wasihr nationales Eigentum" ist oder ihre Kultur und ihr

unter Hinweis auf den alten Cato der Leibarzt Tabernaemontanus des Pfalzgrafen bei Rhein Jo h ann C a f im i r und in den pfälzischen Landen hat vor allem Schwetzingen sich bis heute noch wegen seiner Gpargelfultujen einen besonderen

und Flirren jagender und rüttelnder Libellen, das eine Rohrdickung belebt: es ist ein unsagbar feines Getön, nur dem geübten Ohre vernehmbar. Würde nicht der Kranich rufen aus der Ferne, würde sich das Ohr nicht mühen, den Standort des heimlichen Vogels zu ergründen, du würdest wohl an dieser Sonnenweise der Kleinen achtlos vorübergehen.

Paris und Prag.

Von unserem A.-Äerichterstatier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Prag, Ende April 1934.

Die Verbindung Böhmens und Frankreichs ist natürlich. Es ist eine Verbindung, die ihre Wurzel in der Geschichte und in der Seele beider Volker hat." Dieser Denkspruch, entnommen dem für die tschechisch-französische Gesinnungsgemeinschaft grund­legenden Werke des französischen Historikers Ernst DenisBöhmen nach der Schlacht am Weißen Berge" ziert das Denkmal Denis' auf dem Klein- feitner Platz in Prag. Symbolisch ist auch die Tat- iache, daß die Tschechen ihrem Freunde dieses Stand- ober vielmehr Sitzbild auf demselben Fleck errichteten, wo früher der alte Feldmarschall R a - detzky, in Stein gehauen, die alte österreichische Tradition verkörperte. Sie ist mit Hilfe der Fran­zosen erledigt und für immer dahin. Diese Tat­sache muß festgehalten werden.

Man nennt die. Tschechen auch manchmal die M vldau-Franzose n". Wird diese Bezeich­nung ironisch gemeint, so trifft man nicht das richtige. Es ist nicht nur das leichtlebige Tempera­ment und der für Fremde merkwürdige Hang der Tschechen zur Politik, die sie in gewisser Beziehung den Franzosen ähnlich macht. Tatsächlich war Frank­reich die Hoffnung der revolutionären Tschechen im alten Oe st erreich 1742 hatten französische Truppen die Wahl und Krönung des Wittelsbachers Karl VII. in Prag als Gegen­könig der späteren Kaiserin Maria Theresia von Habsburg ermöglicht von Napoleon I. über Na­poleon III. bis Poincare. Sie fühlten nicht nur in­stinktiv, sondern hatten eine wissenschaftliche Lehre daraus gemacht, daß nur der Sieg Frankreichs über das Deutsche Reich den selbständigen Tschechen st aat schaffen könne. Sie haben dann auch redlich das ihre zum Gelingen derRevanche" beigetragen; Versailles und St. Germain waren Marksteine. Frankreich hob die neue Tschechoslowa­kei aus der Taufe und gab ihr als Angebinde die politische Aufgabe mit, die Interessen Frankreichs in Mitteleuropa wahrzu­nehmen. Das ist tatsächlich dieRaison detre des neuen Staatsgebildes. Frankreichs Sieg ist fein Sieg, Frankreichs Niederlage würde feine Nie­derlage die Tschechen meinen: ihr Ende sein. Nur auf diesem historischen Hintergründe ist die Politik des Herrn Benesch, ist das zu ver­stehen, was sich nun anläßlich des Besuches Barthous in Prag abgespielt hat und was als das selbstverständliche Ergebnis dieser Drplo-

matenreise festzustellen ist.

Herr Benesch muß seine diplomatischen Gegen­spieler für sehr naiv halten, wenn er in seinem Trinkspruch meinte, die Innigkeit, rnjt der das tschechische Volk Herrn Barthou als Repräsentanten Frankreichs in Prag begrüßte, würde die Welt überraschen. Es kann keinen wirklichen Politiker geben, der das nicht vorausgesehen hat! Es regnete in Strömen, das Herumlaufen in den Straßen Prags ist in solchen Zeiten kein Vergnü­gen. Das hinderte die Prager nicht, sich tn Massen überall dort einzufinden, wo sie Barthou ihre Liebe bezeugen konnten. Es hätte gar nicht anders fein können, und dabei war diesmal noch ein gewis­ser Unterton zu spüren. Es hat die Tschechen manch­mal gewurmt, daß Frankreich offenbar f ü r P o - len mehr übrig hatte. Nun sagen siei hat Frankreich den wahren polnischensacro egoismo kennengelernt, dann müssen wir halt erst recht zeigen, daß wir in Prag noch ganz andere Töne anschlagen können. Die Franzosen in Bar­thous Begleitung sagten es denn auch jedermann, der es hören wollte, daß sie den Unterschied zwi­schen dem Empfang in Warschau und den in Prag lebhaft empfanden. Es hat sich also in Prag nichts ereignet, was nicht von vornherein erwartet werden mußte.

Man wird sich daher auch hüten müssen, die förm­lichen Dithyramben von Lobsprüchen, die Sturz­bäche von Liebenswürdigkeiten, die gegenseitige

Tode darzubieten.

Der Name Spargel, der aus dem griechischen Asparagos" stammt, bedeutet eigentlich so vjel wie der nicht Gesäte", weil man diesen Leckerbissen schon bei den Hellenen durch Stecklinge fortpflanzte. Der Spargel, der im alten Griechenland sowohl als Speise Platon wußte Spargelgemüse zu schätzen und auch Aristophanes lobt seinen Wohlgeschmack als auch als Heil- und Zauber- mittel benutzt wurde, kam mit den griechischen An­siedlern nach Unteritalien und von dort zu den Rö­mern. Der ältere Cato behandelt in seiner Schrift über den Landbau, die etwa 180 v. Chr. erschien, die Zucht des Spargels noch als etwas Neues, während ein Jahrhundert später Plinius und C o 1 u m e 11 a das Sammeln des wildwachsenden Spargels empfehlen, da er als Arznei wirksamer als der gezüchtete sei. Plinius spricht auch davon, daß der Spargel jetzt künstlichgemästet" werde, und zwar sei der in Ravenna gezogene so dick, daß drei Stück zusammen ein Pfund wiegen. Daß die Römer der Kaiserzeit den wohlschmeckenden Spargel auf ihrer Tafel nicht fehlen ließen,, zeigen u. a. die Wandgemälde von Pompeji, auf denen die prächtig­sten Spargelstangen höchst naturgetreu abgebilöet sind. Die Veredelung des Spargels diente auch als Symbol für die Verfeinerung der Sitten der Völker durch Ehe und Familie, denn Neuvermählte wurden im Altertum vielfach mit Kränzen aus Spargel­kraut geschmückt.

Nach Deutschland kam der Spargel als Gemüse erst verhältnismäßig spät. Zwar 'berichtet Plinius darüber, daß im oberen Germanien der Spargel wild" wachse. Eine Wormser Chronik besagt, daß die ersten Kreuzfahrer im Jahre 1271 Samen von Spargcln mitgebracht hätten, aber wir finden keine Nachricht darüber, daß er damals schon heimisch geworden ist. Dagegen berichtet der Geistlich Hiero­nymus Bock, genannt Hieronymus Tragus, der älteste der deutschen Pflanzenväter, in seinem 1593 erschienenenNew Kräutterbuch", daß nunmehr auch, wie andere Leckerbissen der Walen und Hispa- ner, ins Teutschland gekommen sei ein lieblich Speis für Leckermäuler".

Da der Anbau des Spargels aber sorgsamer Pflege bedarf und drei oder vier Jahre auf Ertrag warten läßt, so wurde diese anspruchsvolle Zucht zunächst nur wenig in Angriff genommen. Die ersten Anweisungen zur Kultur des Spargels gab

Vaterland.

Es ist kein Zweifel, daß sowohl die französische als auch, in ihrem Gefolge, die tschechische Politik heute in Europa jene Kräfte darstellen, die man einmal zur Zeit derheiligen Allianz" d i e reaktionären" genannt hat. Noch nie auf der Welt war ein Friedensvertrag, waren Bestim-

Buntes Allerlei.

EineMordfatte".

In Neuyork hat sich die Unterwelt einen neuen Trick ausgedacht, mit dem sie auch schon in mehre­ren Fällen Erfolg hatte. In einem Lokal, in dem zahlungsfähiges Publikum verkehrt, zetteln vier bis fünf Personen einen Streit an, in den auch meh­rere Gäste verwickelt werden. Plötzlich fällt ein Schuß und einer der Beteiligten finkt getroffen zu Boden. Er wird von zweien seiner Begleiter in aller Eile fortgeschafst. Die anderen wenden sich an die Gäste, die'mit in den Streit verwickelt waren, und verlangenSchweigegeld". In der Angst, in eineMordaffäre" verwickelt zu werden, wird der

Sonnenglut über ausgedörrter Erde. Blütenreife Gräser lassen die Köpfe hängen; goldene Frucht ver­läßt die Felder. Spalten im Lehm des Erdbodens, anfänglich nicht breiter als der Rücken einer Messer­klinge, klaffen auseinander. Selbst in der Schatten­kühle der Fichten am Rande des Hochmoors beginnt die Sonne zu wirken: das Harz tropft und sickert die Stämme herunter; die Suhlen im schwarzen Lehm des einsamen Waldweges, der zum Moore führt, trocknen allmählich zusammen.

Das find die Tage, da das Moor schwelgt m Sonnenseligkeit, da es sprüht vor Lebensfreude. Wohl find die lauten Stimmen des Frühlings ver­hallt, und die munteren Weifen, die vom nahen Frischingforft her kamen, verstummt; aber dafür

Der glückliche Rundfunkhörer.

Der deutsche Rundfunkhörer kann wirklich glück­lich sein; denn jedem Wunsch hat unsre Industrie Rechnung getragen. In einem gründlichen Ueber- blick über ihre jüngsten Leistungen auf dem Gebiet des Rundfunks schreibt Gustav Büscher, ein aus­gezeichneter Sachkenner, im Maiheft von Dei­tz o g e n LKlasings Monatsheften:Ehe­mals mußte mühselig mit Hilfe von Tabellen und persönlichen Aufzeichnungen der gewünschte Sender gesucht werden. Heute: Groß und deutlich ist auf der Skala des Radioapparates selbst jeder gut hör­bare Sender verzeichnet. Der Zeiger wird mit einer Knopfdrehung auf die gewünschte Station einge­stellt, und er istim Lautsprecher". Skalenbeleuch­tung, einfachste Umschattbarkett auf verschiedene Wellenbereiche, mechanische Präzision sind die Vor­züge der neuen Modelle. Früher konnte nur ein ausgewachsener Techniker Fernempfang treiben, heute stellt die Frau und das Kind Barcelona oder Florenz ein. Die Radioindustrie bekam ihre An­regungen aus dem Hörerkreise, und die Ingenieure haben auch die schwierigsten Ausgaben zu lösen ge­wußt. Der Laie sagt:Man müßte doch jeden Sen­der so hören können, daß er nicht immer wieder verschwindet, um nach einiger Zeit erst langsam wiederzukommen. Das müssen die Techniker doch machen können". Damit meinte er die berüchtigten Fadings" oderSchwunderscheinungen". Die Auf­gabe war nicht leicht für die Herren Techniker, aber sie haben es geschafft: alle größeren (Empfänger sind heute mit einer sog.Fadingregulierung" aus­gerüstet, die automatisch arbeitet und das "Schwin­den" der Sender automatisch verhindert. Das Publi­kum, der Schwierigkeiten nicht bewußt, wollte bessere Klangwirkung; auch hier schaffte es die Industrie: der moderne dynamische Lautsprecher befriedigt mit seiner Wiedergabe auch das musikalisch verwöhnteste Ohr. Kein Mensch aber macht sich einen Begriff da­von welch unerhörte Kleinarbeit hinter dem voll- endeten Werk steht, wie viele wissenschaftliche Ex­perimente und kostspielige Untersuchungen. Laut­sprecher und eigentlicher Empfänger sind auch ein erfüllter Wunsch aus Verbraucherkreisen zu einer Einheit verschmolzen worden. Noch vor einigen Iotzren meinten die Techniker:Das wird nicht möglich sein, denn Lautsprecher und "XEmofänger müssen gesondert, getrennt voneinander aufgestellt werden, 'besonders bei großen Lautstärken, sonst gibt e5 akustischen Salat". Heute: ein längst überroun- dener Standpunkt."

In das Meckern der Bekassinen das Lärmen der Kiebitze, das Klingeln der Enten, das Jauchzen der Bussarde fällt jach ein anderer Laut, Serrig klingt er, als wolle er Schweigen gebieten. Aber ,e häufi­ger er tönt, desto deutlicher vernimmt das Ohr den

Ostpreußisches Hochmoor.

Wanderungen im Zehlaubruch.

Von Edmund Scharein.

Frühling. Wiesen und Weiden ziert er mit erstem Flor. Den Wald hat er geweckt in seinen ver­stecktesten Gründen. Aber das Moor liegt da, grau, und öde, so, wie der Winter es verlassen hock. Kein Schimmer geht aus von seinen weiten Flachen, kein Schimmer, der des Frühlings Farbenfreudig­keit bekunden könnte.

Der Blick geht zurück waldwärts, wo Ane­monen lachen, wo der Hasel stäubt unter der ge­ringen Last des winzigen Zaunkönigs, wo erstes Grün leuchtet von Birken und Erlen. Frühlings­farben dort, Farblosigkeit hier, wo über fahlen Blüten Kiebitze schaukeln unter lautem Rufen, wo Enten klingeln fernen Blänken entgegen und der stehenden Wildgänse Stimmen tönen irgendwo in dem weiten Luftraum zwilchen dem Grau des Himmels und dem der Moose. Und du stehst und lauschst diesen Stimmen...

Bis ein neuer Laut sich Geltung verschafft, ein meckernder Laut, der anschwillt und abebbt, der immer wiederkehrt und zunimmt, je weiter du dich wendest. Und als die Sonne voll über den dunklen Wipfeln des Hochwaldes steht und den ^ort chrckt in einzelnen Waldeslücken Zeigt den Fortschritt von gestern bis heute, als sie selbst auf der fast baumlosen Weite des Moores Farben zeigt die noch nicht dem Frühling entstammen, und die Sich^ wettergeht mit jedem Augenblick da erfreut sich ^as Auge an dem Ungestüm der Bekassinen, an ihrem Steilflug, dann den iahen Schwenkungen und dem wilden Dahinschießen dieser Kinder des Moores Wohl dreißig, vierzig Freier tummeln sich da im Umkreis. Und du lauschst diesem Meckern während dein Fuß weitertastet dahin, wo leuchtende Flecken und Streifen die Farblosigkeit unterbrechen. Die Flecken sind grüne Moospolster und die Streifen Grabenränder, auf denen sich ^stes Pftanz^leben zeigt erstes Pflanzenleben nach langer Winter-

Namen gemacht.

Um diese Zeit wurden auch die ersten Spargel- beete 1565 im Stuttgarter Lustgarten angelegt, und Ulm wurde der Mittelpunkt der Spargelkultur in Süddeutschland. Bald wird berichtet, Spargel werde imRheingau bei Weynhagen auf den feuchten Wiesen so überflüssig gezogen, daß man ihn zur Speis genugsam bekommen konnte."

Im 17. Jahrhundert drang der Spargel dann auch in Norddeutschland mehr und mehr in die feine Küche ein. Besonders war Leipzig ein wichti­ger Ort der Spargelzucht, und die Kaufleute, die zur Sommermesse nach Leipzig kamen, nannten sie nach dem größten Genuß, der hier ihrer harrte, die S p a r g e l m e s s e". Aber auch derRuhm von Braunschweig", eine weiße Spargelsorte, wurde bald weithin bekannt. Zur Zeit Friedrich des Großen gab es auch schon in Berlin in den Gärten an der Stelle der heutigen Leipziger Straße Spargelkul- turen, und diewohlschmeckenden Espares" ober guten Spargis-Pflanzen" wurden für 16 Groschen das Schock verkauft.

Die Feinschmecker verpönten die Zubereitung als Salat und verlangten den Spargel so zubereitet, wie ihn John Gray im 17. Jahrhundert empfohlen hatte:Die Sprossen des Spargels leicht gekocht und mit Butter angerichtet, empfehlen sich dem Gaumen durch den köstlichen Geschmack." Die Köpfe find bekannt­lich das Beste, und zwar bevorzugt man in Frank­reich, Italien und auch in Süddeutschland die Köpfe die von der Sonne geküßt sind", d. h. die schon von der Sonne grün oder violett gefärbt wurden und die durch die größere Menge von Asparagin, die sich in ihnen angesammelt hat, einen etwas herben Geschmack besitzen. Bis zu welchen merkwürdigen poetischen Vorstellungen aber der Genuß der Spar­gel den Feinschmecker verlocken kann, hat ein ge­lehrter Spargelfreund bewiesen, der den Spargel der bekanntlich zu den ßiliaceen, den Liliengewäch­sen, gehört mit der mystischen Asphodelos-Blume des klassischen Altertums verglichen hat:Gibt es eine schönere Vorstellung als die, daß die Asphode- los-Felder in den Gefolgen der Seligen, in denen die wunschlosen Schatten des Elysium wandern, Spargelbeete gewesen sein müssen!" C. K.

Auge hängt an dem Flugbilde dieser stolzen Vögel. Lauter, klingender erschallen die Stimmen. Kraniche grüßen ihre Moorheimat...

Es ist die Zeit der Hellen Nächte. Der Sprosser geizt mit seinem Schlag, seltener wird der Ruf des Kuckucks, das Geläut der Unten verstummt. Auf den Halden blüht der Weißklee; weit trägt der Wind den Duft des Heues. Im Frischingforft haben die zarten Farben des Frühlings den satten des Sommers Platz gemacht.

Der Wind, der in diesen Tagen dem Walde seine Ruhe nimmt, trifft das Moor nicht. Farben über Farben zeigt es jetzt. Gewiß, einige herrschen vor, aber wer näher hinsieht, dem können die zarten Töne, die feinen llebergänge, nicht entgehen. Drau­ßen in Feld und Wald zieht der Sommer ein; hier drinnen im Moore herrscht noch Frühling.

Zett der hellen Nächte ... Kein Stück Boden nimmt an ihnen einen solchen Anteil wie das Hoch­moor. Ob es bis in versteckteste Winkel hinein er­glänzt im silbernen Scheine des Vollmonds oder blinkt in der magischen Helle, wie sie dieser Zett eigen ist das Leben kommt hier nicht einen Augenblick zum Stillstand. Vom ersten Eulenruf hält es an, bis der Schrei des Kiebitz durch den frühen Morgen hallt. Oft, wenn die Nachtschwalbe ihr geisterhaftes Spiel trieb, wenn verlorene timmen kamen von fernen Blänken, wenn selbst die Krüppelkiefern unter lindem Nachtwind den Bann des Schweigens brachen, wollte es mir scheinen, als wüchse das Moor, als entfalte es höchste Lebens­kraft in diesem Dämmer geheimnisvoller Früh­sommernacht.