dieser Reise.
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Warum läßt der Herrgott dasflerj nur so Marne Sprünge machen? Vielleicht war alles ein Spuk: der Tanz der Gefühle vorn Himmelsblick zum Höllenschmerz. Er wünschte inbrünstig, daß alles vorbei wäre. Hier war es leicht, zu überwinden. Hier waren Manner, Pferde und die Pflicht.
Das Ortsgefängnis bildete die Front eines Deitenhofes der Mairie. Es lag in einem Torbogen, der so schmal war, daß die Wagen nicht
9 Sellinq nahm die Landkarte und prüfte den Standort, dann sagte er zu Krütke: „Vor uns ist Meaux." In Meaux war das Hauptquartier.
Krätke fragte, ob der Herr Premierleutnant nicht ein paar Mann vorausschicken wolle, um zu erkunden, wo sich das Quartier des Regimentsstabes befinde. In dem sehr besetzten Meaux gäbe es sonst sicher
Selling meinte aber, er wolle feine Leute zusammenhalten, man würde in Meaur schon durch Befragen alles herausholen.
Das Glück war ihm hold, der Stab lag in einem Gutshof an der Landstraße, dicht bei Meaux. „ .
Der Regimentskommandeur kam im Augenblick des Eintreffens der Ulanen die Freitreppe des Herrenhauses herunter. Es sah aus wie em Willkomm, war aber nur ein Zufall. . .
Man hatte das Gefühl, daß der Oberst Freiherr von Tot eben seine zur Fortbewegung auf der Erde nur mit einem gewissen Widerwillen benutzte und daß er den hierzu seitens der Natur nun einmal festgesetzten natürlichen Zwang bedauerte. Er hatte einen bei aller betonten Haltung ungemein lässigen Gang, ja dieser Gang war seine Haltung, einmalig und nicht nachzunahmen, sowohl es die jüngeren Df fixiere mitunter versuchten. .
Tottleben behauptete, und dies selten und unprahlerisch, daß er die Stunden seines Lebens, die er nicht aus dem Pferderücken verbracht habe zählen könne. Er war überdies ein bekannter Herrenreiter gewesen uni> hielt (einen eigenen Rennstall. Es gab in bet Tat feinen Ulanen, rInanem Glattrasierten, etwas rötlichen, sehr schmalen Gesicht nistete vorübergehend ein wohlwollendes Lächeln: „Ah, da sind Sie ja^Kellmgi
Der Premierleutnant meldete sein Eintreffen und beschrankte sich darauf, zu berichten, daß Hauptmann Baernburg ihm vier Gefangene übergeben habe, die gewisser Beziehungen zur feindlichen Spionage verdächtig seien. . „„
„Dann wird wohl der Infanterist feinen Rapport dazu machen? bemerkte Tottleben ohne Anteilnahme.
Selling erwiderte, dies (ei wohl anzunehmen. Der Hauptmann habe auch eine solche Andeutung gemacht. .
„Natürlich! Läßt er sich nicht entgehen, Selling! Sriegt doch em Lob, wenn er recht hat! Sie sind also sozusagen nur der Gesälligkeitstrans- porteur gewesen?" .
Selling spürte, daß der Oberst ein verhaltenes Mißfallen an dem Transport batte. Wahrscheinlich wünschte er, daß die Ulanen entweder ihren Fang selber machen oder es der Infanterie überlassen sollten, die Gefangenen ins Sittchen zu geleiten. .
„Wenn ich nicht irre, ist das Ortsgefängnis als Arrestlokal eingerichtet Sitzen schon ein paar Franktireurs drin. Bringen Sie die Bagage dorthin Da können sie nicht austneifen. Und wir sind sie los. Ist gut. Selling. Freut mich, daß Sie wieder da sind! Wir rücken bald ab aus
i0UISeUing mußte stillschweigend zugeben, daß diese Antwort sich de».
Tatsachen besser anschmiegte als sein gefuhlsrascher.Ginn^n®:
„Macht zwei Zellen frei", befahl der Leutnant ferner Wachmannscyo „in eine die Weiber, in die andere die Serie!"
(Sortierung folgt?
d'^Des^haw°unterließ der Premierleutnant eine weitschweifige Erklärung. Er warf nur hin: „Spionageverdacht" und blieb zugeknöpft.
Der Leutnant schob die Grifelle und Ann vorwärts. Ann zögerte^ da stopfte der Offizier sie unfänft in den schwarzen Turgang. „Nun vorwärts!" schalt er.
Ann stolperte, der Griss war ziemlich ^derb gewesen.
„Herr Leutnant, Sie haben es trotzdem mit einer Dame zu tun.
t,m©ord,üe6e9nni)ie Ulanen die Wagen mit den Gefangenen im Haupthof stehen der, eine ungewöhnliche Erscheinung m dieser Gegend, gepflastert war freilich mit jener Art von Steinen, die man Satzenkopse nennt.
Aum Absteigen ermuntert, verhielten sich die vier Hastlinge angesichts des düsteren Zieles ihren Temperamenten entsprechend
Herr Labatut sammelte die Reste seiner Wurde und flickte sie zu einem Protest zusammen. Er wünschte vernommen zu werden. Der Be- “ysÄüSfw
Seite zur anderen geschlagen. Augenblicklich schwang es auf der weh- ■"SStfXS SoU M. M- 1-
und küßte Germaine. Dies sei wohl für lange Zeit die letzte Umarmung, -L SZkRSS 38TJWS* "»“• «• ► -- «ÄN w-» na %*»?**;
des Galgenhumors. Vielleicht stand jenes entsetzliche Bauwerk ar seinem Hals ziemlich nahe, wenn es ihm nicht gelang, feine Uu ..,alb nachzuweifen/Denn ein Soldat in Zivilkleidern hinter der Front der Deutschen war verdächtig, da half kein Märchen und keme Wahrheit.
I <r5 begann zu regnen, fein und rieselnd. Die schwarze sternlose Nacht, gegen diesem paar Laternen mühsam ankämpften die Gitterfenster in der verfallenen einstöckigen Front des Gefangenenhauses eine schmale eisenbeschlagene Tür mit einem einzigen vergitterten quadrattfchen Guck loch: es mar eine Darstellung unendlicher Trostlosigkeit, über die jetzt noch der Regen seine dünnen Fäden zog. ™ „
Ich muh mich", tagte Ann Moreland zu Sratke, „mit den Meinen in England in Verbindung setzen. Auch mit dem Minister bes JUu > märtigen in London. Ich mag es nicht leiden, daß man mir langer mißtraut. Ich dulde, denke ich, schon genug!'
In dieser Stunde und in solcher Umgebung wirkten aber die Worte wie der Wunsch einer Irren. Und es war doch ein berechtigtes Verlangen und der Lage der Ann Moreland durchaus angemessen
Sie hatte sich mit voller Ueberlegung an Kratke gewandt und nicht an den Premierleutnant, denn sie machte den Versuch, Selling in ihrem Herzen auszutilgen. Der Versuch war noch nicht zu Ende. Es war em ^^ath'gab^abeT’üas Anliegen an Setting weiter. Der meinte es sei wohl Sache des Gerichtsoffiziers, Wünsche entgegenzunehmen. Doch war Selling entschlossen, auch wenn sein Dienst hier zu Ende war, Ann nicht aus seiner Aufmerksamkeit zu lassen. . .....
Der Offizier, welcher die Aufsicht über das Gefängnis führte muh e geholt werden. Er war ein Infanterieleutnant und über tue fpate Störung nicht erfreut. Er ließ es merken.
Dafür hafchte er eine Bemerkung Settings, daß es gewiß men ger anstrengend und darum angenehmer sei. Gefangene bewachen zu lassen, 0,5 Der Ußeutnan? nahn? die gereizte Bemerkung mit Schweigen zur Senntnis, darnach war die gute Stimmung wiederhergestettt. Er er kündigte sich: „Was ist das für ein Quartett? Was hat es ousgefreff_en.
Darüber hatte Setting zwar während des Marsches nachgedacht, d er immer noch nicht entschlossen war in die eiligen Rapfen Säern burgs zu treten. Aber sein Grübeln sah nur Nebel, nichts als Nebel tn
Es war ein anstrengender Ritt. Die ungefederten Wagen schüttelten J^de^Rast^in^der die Pferde getränkt und gefüttert wurden, mar Setting eine Last. Er haßte diesen Transport und wollte ihn los fern.
Ann hatte wenig Ortssinn. Sie hätte sonst bemerkt, daß es nicht nach Norden, dem Ziel ihrer einstigen Wünsche ging Es war chraberauch ganz gleich, ob ihr die Sonne in den Rucken schien aber in das Gesicht brannte, sie war auch nicht geübt, dem Stand dieses Gestirns die Tageszeit und die Himmelsrichtung wie ein Fährtensucher abzulesen.
Der Himmel erreichte das Schieferblau der Dämmerung, die Sterne zogen still und unversehens herauf, bann aber tarnen Wolken und mi'iditen bas Licht der Sterne weg.
Dörfer, Weiler, Gehöfte am Weg, jede Ortschaft war ein immer gewisseres Zeichen, daß das ganze Gebiet im Besitz der Deutschen war: überall lag eine starke Besatzung. . . .
Sie wirkte beinahe unkriegerisch und wie langst emgearbnet m den Tageslauf. Hier war, so schien es freilich nur, nie eine andere Ordnung
Wiehern der Ausdruck des Mißvergnügens oder des Wohlbehagens war. Aber Louifon brachte den Premierleutnant Selling auf einen Gedanken.
„Die Moreland soll vom ßeiterroagen herunter. Setzen Sie sie auf den Trainwagen, den wir in Möreville gesunden haben. f°8te Kelling und fügte hinzu, als müße er den Befehl rechtfertigen: „Wer weiß, roa die Gefangenen sonst alles miteinander reden!
-f3n dem Wagen begegnete sie uns zum erstenmal auf der Landstraße", erinnerte Srätke. „, .
Ja, sittsam", bemerkte der Prem>erleutnank und kehrte sich ab
Poiporenee aber, der erst jetzt Lomfon bemerkte, war "oller ©ef,- mut Aber da er Louison nicht nahe sein konnte, versöhnte er sich mit der Grifelle und legte feinen Sopf an ihre mächtige Brust. Dort schlieff er ein. Denn er konnte in jeder Lage fchlasen. Es ist dies den meisten Soldaten aller Nattonen qemeinfam. .
Ann Moreland aber faß wieder auf dem Bock und es war, von des Stationsvorstehers Fehlen abgefefjen, genau wie damals Eustons Hin (erteil schwankte im gemütlichen Trab hin und her, thr Schwanz schlug ab und zu nach Fliegen, die Hufe klapperten einschläfernd, es war alles sanft, ruhevoll-bewegt, sriedlich-beglückend. .
Daß der Weg nicht in Freiheit ging, war der einzige Fehler an
4 „Ich habe nur meine Pflicht getan", erwiderte Selling verwirrt.
„Oh, das weiß ich", sagte Ann und ließ sich von der Wache 'N . Innere des Hauses führen. Erft einige Sekunden spater fiel ihr ein, oa? nun der Versuch, Selling nicht mehr zu beachten, mißlungen war
Der Infanterieleutnant bemerkte, daß bas Weib Haltung Zeige, gefalle ihm. Aber dann kam er auf Settings Einwurf zuruck und Jag ; „Herr Premierleutnant, Damen fahren verzeihen Sie, Nicht unter bectung auf Leiterwagen. Und wer diese Schwelle »berschrntet der J weder Herr noch Dame, sondern fchlichtweg Insasse der Zelle Rum
„Ich freue mich von ganzem Herzen, Herr Oberst!" sagte Selling so leidenschaftlich, daß der Borgesetzte stutzte. .
„Verstehe! So ein Herumgeschicke in Etappenkommandos ist ein Dreck für einen ordentlichen Reiter. Trösten Sie sich! Wir haben es auch nicht besser gehabt!"
Der Oberst grüßte und ging hinüber tn die Stalle.
(Eine heiße Welle überlief das Herz Settings. Ihm war, als fei er nach langer Wanderung erst jetzt zu Haufe, dort, wo er hmgehorte, beim Regiment
Der Infanterist bekam das längste Gesicht feines Hebens, vssenba, wollte der Samerab von ber Sanallerie bie Umgangsformen des Ball faals auf den Verkehr mit weiblichen Galgenvögeln übertragen?
Ann hatte aber gemerkt, daß Selling bie wahrfche.nl, ch unabsichtlich- Härte bes andern rügte. Sie stand noch in dem dusteren Türrahmen u'w fugte: „Ich danke Ihnen, Herr Premierleutnant, für Ihre Freundlichst Auch für die, die Sie mir auf dem Transport erwie en haMn. machte dabei eine Geste gegen die Grifelle, die bereits im Haus


