Nummer 41

Zreitag, den 2. Juni

rgang 1939

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i weniger als früher für den Vater der Christenheit übrig blieb.

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Bleibt mir vam Leib mit nichtigen Zahlen!" grollte der Armbruster. Ein anderes ist es", fügte er, seines unwirschen Wortes sich sogleich bemüht, mildernd hinzu,ob einer noch im Tagewerk und in der Zeit steht, ober ob der Tod fein Lebensbuch geschlossen hat. Ist einmal das letzte Sandkorn verrollt, so tritt der Mensch aus der Reihe der Tage und Stunden hinaus und steht als ein fertiges und deutliches Wesen vor dem Gerichte Gattes und der Menschen. Beide haben recht und unrecht, Eure Chronik und mein Gedächtnis, jene mit ihren auf Pergament ge­zeichneten Buchstaben, ich mit den Zeichen, die in mein Herz ge­graben sind.

Aber haltet mich nicht aus! Mich verlangt zu enden, lieber Herr. Denn ich erblicke ein blutiges, totes Haupt vor mir und den gegeißelten Rucken meines Königs.

Sl fte s Kapitel.

Am Abend des Tages, da mein Herr und König durch fein blindes Wüten sich selbst geschändet und vor seinen Knechten erniedrigt hatte, saß ich niedergeschlagen und einsam, voll Scham und Trauer um meinen Herrn, auf einem Mäuerchen bei den Stallungen. Da erhielt Ich un­versehens einen Schlag auf die Schulter, und Herr Richard, der nach seinen Hengsten geschaut, schwang sich, leutselig, wie er mit den Knechten war, rittlings neben mich auf die Mauer.

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ein, daß Prinz Heinrich neben seinem Vater gefrönt werde, und es krönte und salbte den Jüngling der normännische Bischof von Jork. Darauf folgte ein der Gelegenheit würdiges Festmahl, und dabei begab es sich, wie ich hier vor einem Jahre Euern Brüdern, den Herren im Stift, vorgemacht und nach Wahrheit beteuert habe, daß mein Herr dem Jungkönige Heinz bei Tische diente und ihm eigenhändig die Speise

' hin idi einer schweren Bürde ledig geworden!' rief er

DER HEILIGE

Novelle von Conrad Ferdinand Mester

(an, hier habt Ihr den Schlüssel dazu, pergleichliche Edelstein der bischöflichen rönung der englischen Könige. Dadurch, log, wurde die Primaswürde vernichtet kt. So rechnete mein König und ergriff feine Seite auf den Thron zu hebens r werde sich damit begnügen, das schim- upte im Spiegel zu betrachten und es ten zu lassen.

staatsklug wie weiland die Ratschläge 2* t abgestorbenen Kanzlers?

vie Herr Heinrich kein schlimmeres hätte

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Wenige Wochen später jetgte es sich. Zwei Unheilskunden langten an dem gleichen Tage in Windsor an.

Die eine erzählte, Jungkönig Heinrich fei, den wetterwendischen Herrn Gottfried mit sich ziehend, nach Paris geritten unter dem Vorwande eines Turniers, in Wahrheit aber, um die jenseits der Meeresenge ge­legenen Länder des Normannenreiches unnötiger- und schmählicherweise von dem Kapetinger zu Lehen zu nehmen.

Die andere lautete, der verborgene Herr Thomas sei in einer fran­zösischen Stadt zu Pfingsten an den Tag getreten und habe unter dröhnendem Glockenschlage die brennenden Kerzen auf dem Hauptaltare des Doms mit dem Hauche seines Mundes gelöscht, den Bischof von Port, der in die Rechte des Stuhles von Canterbury gegriffen, mit dem Banne schlagend.

Wie der alte König, denn diesen unlieben Namen mußte mein Herr feit der Krönung feines Sohnes tragen, diese zwei Botschaften erhielt, gebärdete er sich wie ein wahnsinniger Mann. Er tobte, entgürtete sich vor seinen Knechten, warf sich stöhnend auf fein Lager, zerfetzte die seidenen Decken, riß mit den Zähnen die Wolle aus den Polstern und zerschlug sich die Brust mit verzweifelten Fäusten.

.Löset mir den verruchten Vampir vom Herzen!' heulte er, den Schaum vor dem Munde, und meinte Herrn Thomas, ,er zernagt mir

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Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger

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Der heute gutgelaunte Herr hob den Buben auf, liebkoste *r tnb drückte ihm ein Silberstück in das Händchen. .Halte fest, mein wie!' sagte er. Da sprang die Mutter, die sich in einer ersten An- 6|i3ung von Ehrfurcht und Zittern hinter einen Baumstamm geduckt Wf mit brennenden Augen hervor, entriß dem Kinde die Münze und Ml sie entsetzt ins Dickicht, als wäre es einer der dreißig verfluchten , 1 rlinge. Ich eilte herbei, um die Freche, welche mit dem Kinde auf ilu ^rme davonrannte, zu ergreifen. Herr Heinrich aber sprach: .Hans, ? e laufen!' und wandelte fürbaß mit verdorbener Laune, seufzend '»»nachdenklich. ,

. i«g und Nacht ging alles Träumen und Sinnen meines Königs «uM Wn, wie er Herrn Thomas seiner Primaswürde, an der, wie er In inrebete, die Verehrung der Sachsen hing, rechtsgültig und für S:r entkleide. Darüber habe ich ihn oft, die Faust auf die stirne wirft, grübeln und brüten sehen. Eines Morgens trat er mit triunv wnnbem Angesichts aus feiner Kammer er glaubte das Rätsel iM

ilJ i- roar am Tage der Himmelfahrt unseres Herrn, daß Herr Heinrich JE-, Versammlung seiner Barone trat und ihnen vorstellte, sein weit .IrL'etes Reich bedürfe eines zweiten Hauptes, und er würde sich, die 1 tüt feinem Erstgeborenen teilend, die Last und Sorge erleich

!-nnoch zögerte der Heilige Vater, für Herrn Thomas ohne Rückhalt tgtreten. Er konnte kein rechtes Vertrauen zu ihm fassen und in rW j «et Geiste den verfolgten Bischof von dem ehemaligen Kanzler nicht I inden. Diesen hatte er wiederholt als einen durchtriebenen Staats- .on erfahren, und es erschien ihm verdächtig, daß er jetzt von seiner litun keinen Gebrauch mache, sondern sich verfolgen lasse wie ein großer Up« el der ersten Kirche oder ein schwärmerischer Ketzer der jüng- Iwn Zeit.

(!> wurde mir von glaubwürdigen Zeugen versichert, und, wie ich tierr.; Thomas kannte, hielt ich es für Wahrheit, er habe feine Sache frt; gehalten und seine Hände rein von jedem Verrat an seinem Herrn i ck tönige, den Papst nicht weiter in Anspruch genommen und vom I Ntinger nichts verlangt als eine Klosterzelle, wohin er fein Haupt M>

. Bergeftalt ging er denn, vom Heiligen Vater aufgeopfert, die Hof- i:> des Kapetingers vermeidend, am Wanderstabe des Elends von ®ter zu Kloster, und oft verloren sich feine Spuren. Während so feine Oenchkeit in Frankreich abnahm und schwand, wuchs seine Macht und lÄije Gegenwart in Engelland und stand über den trauernden «en wie der Vollmond in der Nacht. Oder, wenn Ihr lieber wollt.

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