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Oer >vno<>siii>d)fe.
Von Hans Iüng st.
pfingstlicher Mond.
Von Georg Britting.
Der Mond lockt vom Himmel, groß und rot
Alle Straße krümmen sich, zu ihm hinan zu springen, Alle Dächer funkeln und wollen zu ihly sich schwingen. Hoch hängt er'im Blau, hoch überm höchsten Schlot.
Alle Türme heben die Lanzen zu ihm.
Alle Fenster brennen, zu prahlen wie er. Alle Häuser tanzen auf Füßen schwer Und streben hinan zu ihm.
Der Mond lockt vom Himmel. Groh und schwer
Und rund kreist die Stadt, voll Begehr
Zu liegen an seinem feurigen Mund Keiner brennt so rot wie er.
Vorstellungen erhebt. Ganz verstört ist er schließlich. Aber da s'ngt die imlel wie ein Bote aus der Welt der Fruchtbarkeit. Und hinter Otto «eben irgendwo Sie und warten. Ich ober fühl«, wie ich immer schwerer mö tiefer werde, als ob ich mich in eine andere Erde verwandeln sollte. geben Sie, so ging es zu." .
Wir sitzen und schweigen. Die Amsel schreit und tost wie em Held der eien Feit. Sie tanzt aus ihrem Ast und fächert di« Schwanzfedern. Ihre i uaen werfen Blitze, und dem goldgelben Schnabel entströmen Kaskaden ter iützesien wildesten, rücksichtslosesten Liebeslieder aus das Leben.
,İ j° s° ist -s zugegangen!" sage schließlich auch ich. Was soll und l,nn ich sonst sagen. Wenn eine Frau über ihr Leben entschieden hat, lleibt dem Mann wenig mehr zu bemerken.
Jetzt liegt sie dort, eine bleiche, stumme Siegerin. Das Kind lebt, und L !» ein Junge. Ihr brechender Blick war ein mütterlicher Triumphblick •adi dem Empfang der Nachricht. So stark und überlegen kann ein Weib fln, daß sie uns erwachsene, ernsthaste Männer einstweilen geradezu ils 'ihre Waisen hinterlassen hat. , . , ,
Morgen sollen wir sie begraben. Es wird noch ein hartes Stuck Arbeit Heldinnen begräbt man nicht gern.
Der Pfingsttag zog Herauf, «in herrlicher Frühjahrsmorgen, strahlend im Sonnenschein schon um sünf Uhr.
Anna-Ilse lag um dies« Stunde noch im besten Morgenschlummer, als wiederholtes Rufen vom Obstgarten her sie schließlich weckte. Si« sprang aus dem Bett. Auf dem Rasen unter den Apfelbäumen stand Li-beth und winkte der Freundin, herunterzukommen. Wenig spater steckten die Mädchen im Garten die Köpfe zusammen und tuschelten.
Lisbeth, die lose, leichte Lisbeth, erfuhr manchmal auch über Nacht, wenn andre Leute schliefen, Neuigkeiten. Sie wußte haarklein, was zwischen den Burschen im „Krug" geredet worden ... Anna-Ilse wurde glührot vor Entrüstung und schüttelt« empört das krause Haar, es tanzte in der Morgensonne wie züngelnde Flämmchen. Was fiel dem Anton, diesem Protzen ein! Und vor allem Mannsvolk so zu tun als habe er ausgerechnet sie, die Anna-Ilse, schon fest! — „Warte, dir zahl, >ch s heim!" — Ein Gedanke geht ihr durch den Kops. — „Komm, Lisbeth. Und sie zieht die Freundin tiefer in den Garten. Sie flüstern an den Himbeerhecken und trennen sich unter Lachen. „Die Musikanten sind auch schon da", ruft Lisbeth über die Hecke zurück. „Ich hab sie gesehen, gestern abend!" Sie tanzt und kreiselt den Weg entlang, als hör« sie bereits Fiedel und Klarinette. — , .. „ ..
Vor Antons Hof hielt der Leiterwagen, zu beiden Setten mit grünen Reisern besteckt. Es leuchtete von hellen Mädchengesichtern und bunten, nagelneuen Kleidern. Die Burschen standen und begutachteten den Pfingstochsen, den Anton ins Joch spannte. Em Wunderwerk, dieser Ochse, an Natur und Kunst. Besonders an Kunst! Nicht nur daß ihm grüne blaue, rote und gelbe Bänder an den Geschirrsetten rieselten und von Stirn und Hörnern herunterhingen, nein, die Horner selbst hatte dieser Wetterkerl Anton vergoldet und versilbert, das rechte Horn mit goldener das linke mit silberner Bronze überzogen. So einen Pfingst.
M» StoW. ..» '-mm. -°ch-. W. man Lisbeth sagen. „Ihr sollt schon zusahren. Beinah hatte ich das Der- $ ^Anton knallte dreimal mit der Peitsche. Der Ochse zog an. Di« Mad- chen schwankten, kreischten, nahmen ihre Kleider m acht Die Burschen hatten die Hände in den Hosentaschen und standen mttdurchgedruckten Knien und sahen di« Mädchen prüfend an. Anton schritt neben seinem Festochsen, einer war schöner als der andre ... .
Aus dem Marktplatz gruppierten sie sich um den Maibaum, wie sich s gehört ... Wo in aller Welt blieb Anna-Ilse? Sie wurden unruhig und drehten die Hälse. . , „ ot.
Der Kantor kam. Mit dem Kantor war nicht, zu spaßen. Als er vollends seine Brille auf die Nafe befördert hatte, wagte nlemandmehr einen Einspruch — mochte Anna-Ilse sehen, wie sic zurecht kam! Schnell ""^Die°älterenJahrgang« waren erledigt. Sie hockten, Mcklich gepaart, wieder oben auf dem Leiterwagen. Die Schar der Mädchen schnwlz zu» iammen Nun mußte Anna-Ilse an die Reihe kommen. Selbst Lisbeth, die eine der jüngsten, fast die letzte war wurde unruhig. Anton st,erte vor sich hin. Jürgen sah ihn von der Seite an und sand, Anton fei feinem Ochsen nicht ganz unähnlich. Jürgen klimperte mit seinen Talern in der Tasche — sie machten seine gesamte Ersparnis aus. Anton horte das Klimpern und schoß Jürgen von unten her nut einem schweren Blick an
Anna-Ilse!" schnarrte der Kantor.
Ein klingendes „Hier!" antwortete, sie fuhren alle zusammen. E- dränate jemand durch die Reihen, und Anna-Ilse stand vor ihnen.
Aber war das wirklich Anna-Ilse? Eine Vogelscheuche war das! Anna-Ilse hatte sich das Haar straff und steif ms Genick 9«ftregelt, es glänzte von Wasser. Und sie verschwand fast m einem uraltmodischen Kleid, das ihr trift bis auf die Fußspitzen hmg. Kem Reizchrer runden Glieder ihrer anmutigen Haltung drang durch diesen Wust von Falte
Niemand zum ersten, niemand zum zweiten. — „Zum dritten.
Schasskopft" jagte 'Anton halblaut neben ihm und versuchte em OöÄpm bas fidi säuberlich über fein Gesicht hinzog. „Die hattest du für S tZler haben können", meinte er. „So billig kaust man kein« Anna-Itte-" rief Jürgen. Der Kantor schlug ihm das Mädchen zu,
Antonsteigertesich die Lisbeth. Ganz billig war sie nicht zu haben.
Aber so viel wie Anna-Ilse brachte sie auch diesmal nicht. -
Jürgen brauchte sich seiner Tänzerin nicht zu schämen. Sie kam mtt übermütigem Lockenkopf ins Tanzzelt, ihr Kraushaar mar fäneU[gegen
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^Dtt°guecksilbrige Lisbeth war kaum wiederzuerkennen, so steif, so anädia lieft sie sich von Anton herumdrehen. Er geriet oröentlirf) m Kcbwntz über seinen Bemühungen und merkte nicht, daß Lisbeths sMiinon nm so lebhafter gingen und geheim« Verbindung knüpften. Pro
1 monoyeuer u . n^nsten aneinander vorüber m den nacht- 1 iAe-n“sdnitten der Bäume. Von fernher tönte gedämpft Tanzmusik -- : stand daheim im Stalle neben seinem Pfingstochsen m»
' takelte ihn ab Er hatte viele Mühe, dem Tier die Horner zu säubern
ba5 goldene recht« und das filbeme linke Horn
Anton hatte den schwersten Ochsen im Stalle stehen, und dieser . 6*e Ochse durste morgens zum Pfingstfest den langen Leiterwagen toller Mädel und Burschen durchs Dors ziehen, hm zum Danzzelt, das lei den Weiden an der Pferdekoppel aufgeschlagen war. Einstimmig war die Wahl, von Sachverständigen ausgeubt, auf Antons Ochsen ge- flUen und Anton tat sich nicht wenig darauf zugute, zumal er Ser ’ igfte Hofbesitzer war und noch nicht einmal verheiratet.
Am Abend des Pfmgstsamstags saß die gesamt« junge Mannschaft m Krug" und besprach beim Bier das bevorstehende Ereignis des Gfinaittehens. Morgen war es wieder so wett: aus dem Marktplatz unter dem Maibaum nahmen rechts die Mädchen Aufstellung hnts die «urschen, und der Kantor wird wieder feine Stahlbrille aussetzen, die List« aus der Tasche ziehen und di« Namen der Madel aufrufen. D e «urschen werden bieten, jeder auf ferne heimliche oder auf in« Me er gerne hätte. Und wenn einer so mel bietet, ^as,keiner >hn über teigem mag, gibt er dem Kontor das Gew, der wirft s m dieBuchfe, inb der Bursche hat sich seine Tänzenn für den Pfingsttag erkauft ... So war es hierzulande Sitte, seit Menschen denken können.
Da saßen sie im Tabaksdunst an den blankgescheuerten Tischen, rieten drauflos, welche Paare wohl zusammenkommen wurden, ereiferten sich über ihren Vermutungen, wetteten. Mädchennamen schwirrten durch die Lust, billige und teure. Einige wurden mit Gelachter g er i n,g s chaß t gab- getan, anderen folgte hitziger Wortstreit, oder ehrfurchtsvolles Räuspern, ^Shejtigilten gingn es" um Lisbeth her, di« zierliche Lisbeih mit den braunen Augen. Mancher hätte sie gern gehabt, aber sie galt höchst unsicherer Besitz, ihre Launen hatte mehr als emer erfahren. Sie, war imstande und kümmerte sich den Teufel um den Ausfchl g M 91 ichens. Da gibst du dein gutes Geld, und hernach fliegt Lisbeth von einem Arm in den andern! tfinnen?
Alles blickte plötzlich auf Anton! Der wird sie doch MMten tonnen? Der stramme Anton und Besitzer ,des Pfingstochsen! — „Was meinst du, Anton? Nimm dir die Lisbeth!" ..... ( reer
Anion zog die Mundwinkel schief. Trank gemach«ich sein Glas leer. Biand mit einem Ruck auf, das heine Hufeisen an s«,
Kirrt«. - „Die Lisbeth? Ich glaub«, ihr seid verrückt all«! Er schm« tert« die Faust auf den Tisch. „Die Anna-Ilse hol ich mir daß 'Yr- Sng W« $8oS?^!?xÄtnÄ%unttum. Da stand sein
won Schönheit, ihre blauen Augen blendeten jeden, ber f Lrinafte -war das untadeligste Mädel obendrein keiner konnteich: das J r^ngs Aachsagen. Da..g°lt es schon tief in die Tasche greifen für dem, der Anim -Ilse zum Pfingstlehen haben wollte. Dönges Jahr bekam I g
mußte sich das Geld geliehen haben .. . . »achtern
Jürgen stand an der Theke, der einzig«, der noch ! 9 schmunzelnd war. Er pfiff hinter Anton her, zahlte sein Glas zündetet Jdjmunäeiri eine Zigarre an, bot freundlich Gutenacht und ging « f ' orateln, l'chen Jungmannschaft war für diesmal di« Freud, weiter zu »rarem, verleidet. Bald Ina verlassen und dunkel.


