n KiG

ei Wochk

Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger

Jahrgang 1959 Montag, den 24. April Nummer 52

erbleich,

nüßk «i

er dM

eckte sei« t und sei, anns'P

agte mch

«4)0X0 uii i Nacht k

n jün#i

nicht g»i nrnrf? R er toi#

rklich * an einer

»er Lehn'

tane

wehr «* nen. D«" r Kack««'

igt.

err Lehn' tieft di'!" t im M rr Lehn'' im" :oorft*

rorbenW chr *

1 d-ck" en 6*f fff

:s

Md s* cheN."" ti ist - chS

DER HEILIGE

Novelle von Conrad Kerdinand itteyer

Erstes Kapitel.

Langsam fallend deckte der Schnee das blache Feld und die Dächer Weinkelter Häse rechts und litrks von der Heerstraße, die aus den »armen Heilbädern an der Limmat nach der Reichsstadt Zürich führt, dichter und dichter schwebten die Flocken, als wollten sie das bleiche iüorgenlicht auslöschen und die Welt stille machen. Weg und Steg ver- tullend und das wenige, was sich darauf bewegte.

Jetzt erscholl auf dem Holzdoden der bedachten Brücke, welche sich mfern der Stadt über den Sihlstrom legt, der dumpfe Hufschlag eines stserdes, und unter dem Sparrenwerk der finstern, den Stadtmauern zu- xwendeten Oefsnung erschien ein einsamer Reiter, Seine feste Gestalt oar jo warm in einen grobwollenen Mantel gewickelt, und er hatte sch dessen Kapuze derart über den Kopf gezogen, daß von seiner Person Iium mehr als ein breiter, grauer Bart zum Borschein kam. Hart hinter dem starken Gaul von heimischer Rasse trabte mit beschneitem bücken und melancholisch gesenkter Schweiffahne ein großer Pudel, Der plternde Widerhall des Hufes in der Holzwölbung weckte die drei b-njegefährten aus dem Halbschlummer, den Frost und Schnee über sie pbradjt hatten, und stellte ihnen Tor und Herberge in nahe Aussicht, irsteres wurde in raschem Trotte erreicht. Unter dem niedrigen Tor- bgen warf der Reiter seine Kapuze zurück, schüttelte die Flocken vom Santel, rückte sich die Pelzmütze aus der energischen Stirn und ritt in luter, trotz der Last seiner Jahre kriegerischer Haltung durch den Renn- t eg, die erste am Fuße der kaiserlichen Pfalz sich hinziehende Straße,

Es war der drittletzte Tag des Jahres der Gnade 1191, denn der seifende hatte die Gewohnheit, Zürich zwischen Weihnachten und hahresende Heimzusuchen,

Rechts, wo der Bäcker seine frischen Laibe ausgab, links, wo unter irm rußigen Bordach der Rollenschmiede der Amboß erdröhnte und tue hinten sprühten, ward der Reiter auch heute, wie jederzeit bei seinem iinzug in Zürich, mit schallendem Zuruf als Hans der Armbruster, fans der Engelländer dewillkommt. Die alemannischen Laute aber, in »eichen er Gruß und Rede zurückgab, schlugen so rund und frank aus fünem Munde, daß sein zweiter Zuname kaum auf eine ferne Heimat Miicksührte, sondern auf befriedigte Reiselust und kecke Wanderfahrt,

Auch gab der Reisende dem Herbergsvater ,Lum Löwen", der bei «tönendem Hufschlag neugierig unter die Tür getreten war und, den Lorüberreitenben erkennend, sich von demselben, mit gezogener Kappe, ruskunst über das Verhalten des heurigen Schaffhausers im Keller er« ht. fo sachkundige und den Beteiligten verratende Antwort, daß un- lOtoer zu erkennen war, wo Hans dem Engelländer heute (ein Weizen i ühe und fein Wein reife.

.. Bis hieher geschah alles, wie Hans der Armbruster die Stadt der riirftin-Aebtissin seit Jahrzehnten kannte. Eines aber befremdete ihn i diesem Tage, der kein Festtag war, und allgemach begann er sich »trüber zu wundern. Von Frauen verkehrten sonst in dieser strengen «hreszeit und frühen Stunde nur wenige, vor dem Hause; heute aber l3et1d)titten sie eilfertig und geschmückt alle Schwellen; und als Meister «ans durch steil abfallende Gäßlein der Mitte der Stadt und den rasch mhinschießenden Wassern der Limmat sich zuwandte, als er über die fitere Brücke und am Rathause vorüber ritt, sah er es wie Ameisen- 3"9e an beiden Flußufern aufwärts laufen. Häuflein folgte dem Häuflein, rrnuuen jeglichen Standes, hochmütige Edelweiber mit kostbaren Meh- ruchern in der Hand, ehrbare Töchter des Handwerks, züchtige Klofter- hanen, hübsche Dirnen von leichtem Wandel eilten neben runzligen, Wenden Großmüttern, die das Oberkleid im Schneegestöber über die S m6n, grauen Häupter gezogen hatten. Alles strömte seewärts, wo am «msfluß der Limmat wie zwei Behelmte die Münster stehen.

Doch was bedeutet das? nur eines derselben, das Münster »nserer lieben Frau, ließ mit fliegenden Glocken seine dringende Gin« ung erschallen: das gegenüberliegende große Münster aber verharrte 11 ?lncm mißbilligenden Schweigen.

j -nachdenklich ritt der Armbruster, dem allgemeinen Zuge folgend, ' ,*er den Schwibbögen längs der Limmat hinauf der berühmten Herberge s ®en Raben St. Meinrads entgegen, wo er alljährlich abjufteigen I aber, unten am Hügel, wo weiland St. Felix und Regula

r "mtet haben, hielt er seinen Braunen an. Er hatte einen Blick in die ksf ue Kirchgasse geworfen, die hier, vom Großmünster herabführend, aus« i aunoet. Es bewegte sich darin, ihm entgegenschreitend und sorgsam die i. 7''en Stellen im schmelzenden Schnee aussuchend, die feine, ehrwürdige, I -"iarderpelz gehüllte Gestalt eines Chorherrn. Das unter dem schwar- |»"i -Barett blaß erscheinende Antlitz heftete sich mit schmerzlichem Aus­

druck auf die genäßten Schuhe. So wurde er des Armbrusters nicht gleich gewahr, der sich rüstig vom Pferde geschwungen hatte, um den alten Herrn in bescheidener Stellung und trotz des noch immer dauernden Gestöbers mit entblößtem Haupte zu erwarten.

Gottes und feiner Mutter Gnade zum Gruß, ehrwürdiger Herr", sagte Hans der Engettänder, als der Greis neben ihm stand.

Leicht überrascht heftete dieser das kluge Auge auf den Grüßenden, und ein plötzlicher Gedanke leuchtete über seine durchsichtigen Züge, etil Gedanke offenbar erfreulicher Art, den er aber listig für sich behielt.

So sprach ihn denn der Armbruster zuerst und folgendermaßen an: Gestattet, daß ich mich bei Euch erkundige, ob ich den ebeln Herrn Kuno, Euern würdigen Bruder, im Stifte finden werde. Er schuldet mir eine Kleinigkeit für hergestellte Armbruste, ferner den Kaufpreis eines nach englischer Manier gebauten Stückes, das vor drei Jahren bestellt und geliefert wurde, was alles, nach meiner Hebung, ich vor Neujahr einzu­ziehen trachte. Den vorletzten und letzten Christmond traf ich den ebeln Herrn bei erschöpfter Kasse, da er mit dauerndem Unglück im Würfelspiel zu kämpfen hatte. Wie mag es wohl heuer um ihn stehen?"

Das frage du ihn selber, nachdem du Imbiß bei mir gehalten hast!" erwiderte der Alte.Er kehrt bei Zunachten ins Stift. Alle Brüder, Propst und Kapitel, sind auf die Jagd oerritten, mich Alten, wie du siehst, aus­genommen. Ich dachte meinen Ausgang dem neuen Heiligen zu widmen, dessen Marter und Wunder dort drüben" er mies nach dem schlank aufsteigenden Chor des Frauenmünsterszu dieser Stunde von einem geistreichen Luzerner Pfaffen dem gläubigen Volke bargelegt werden, und dessen Glorie meine darüber unbilligerweise empfindlichen Brüder für heute aus der Stadt vertrieb. Da jedoch mehr Neugier als Andacht meine Schritte lenkte und der Schnee des Himmels sie hemmt, so mag ich ohne Schaden meiner Seele umkehren.

Laß deinen Braunen in die Herberge zu den Raben führen! Dort steht der Stallknecht St. Meinrads wie eingepflanzt am Wasser und starrt nach der Frauen Münster hinüber! Dein Tapp, der hier trübselig im Schnee sitzt, mag sich an meinem Küchenfeuer wärmen. Aber bei St. Felix' blutigem Haupte, ich kann nicht länger im Nassen stehen! In diesen Schneepfützen sitzr die tückische Hexe mit ihrer Zange, ich meine die böse Gicht, die mich diesemtzWinter gezwickt und erst vor, kurzem losgelaffen hat. Folge nur bald, Engelländer!"

Nach diesen geflügelten Worten schmiegte Herr Burkhard sich fröstelnd in seinen Pelz und begann, vorsichtig, wie er gekommen war, die feuchte Gasse wieder hinanzusteigen.

Hans aber rief den lungernden Knecht herbei und übergab ihm mit den Zügeln seines Gauls allerhand Aufträge und Weisungen an den Wirt und die Stammgäste des Hauses zu den Raden; denn dort sprach der Adel ein, und unter ihm hatte der Armbruster viele Kunden und Schuldner.

Dann schnallte er sein Felleisen von dem Rücken des Tieres, nahm das Gepäck unter den Arm und schritt mit Tapp, der sich nie von dem Eigen­tum seines Herrn trennte, die zum Stifte führende steile Gasse hinauf.

Die Ginlabung des Chorherrn tarn ihm gelegen, denn Hans der Arm­bruster war ein sparsamer Mann.

Zweites Kapitel.

Der Wintertag blieb so dunkel, daß der schmale Wohnraum des Chor-. Herrn, wo er feinen Gast bewirtete, mehr von der golden flackernden Flamme des Herdes als durch das einzige hochgelegene Bogenfensterchen erhellt wurde.

Während der Armbruster fein Mahl beendigte, hatte sich Herr Burk­hard, der von feiner Körperlichkeit und mäßiger Lebensweise war, schon eine Welle in feinen "mit weichen Vliesen überlegten Armstuhl versenkt und die pelzumhüllten Füße dem Feuer zu gestreckt. Gin ebenfalls er* greifter Schaffner räumte das Tischgeräte weg und stellte eine Kanne kräftigen Landweins mit zwei silbernen Bechern auf das Steinfims des Kammes.

Der Chorherr war offenbar in vergnügter Stimmung. Es ergötzte ihn, an diesem trüben Wintertage einen weit- und menschenkundigen, auch weitgewanderten Mann schnellen Geistes in sein Gelaß gelockt zu haben zur Befriedigung einer längst gehegten Neugierde. Das feingeformte Haupt mit feinen wenigen schneeweißen Locken lag auf dem roten Kissen der Lehne, mit geschlossenen Augen, aber dem wachen Ausdrucke des Triumphes über einen gelungenen Anschlag.

Jetzt öffnete er plötzlich einen leuchtenden Blick und sagte:Gesegnete Mahlzeit, Hans! Wende deinen Stuhl und rücke zu mir. Du fragtest mich, wer der neue, von der Frau am Münster erhöhte, von uns Chorherren aber geschmähte Heilige sei. Ueber Tisch halte ich es nicht für heilsam, von kirchlichen oder gar himmlischen Dingen zu reden; aber nun bin ich da, um Auskunft zu geben. Der neue, von dem Heiligen Vater der Chri­stenheit bescherte Fürsprecher im Himmel hat im selben Jahre mit mir