Hreitag, den 17. März

Nummer 22

ahrgang 1959

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mmt, kommt man doch auch rückwärts und bezahlt mit dem Besten, Ms man hat, mit Leben und Gesundheit. Denn was ist Leben ohne Schlaf?"

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Vornan öon Theodor F'ontane

6. Fortsetzung.

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Wohl, ich sehe schon", sagte Botho,kein Glück ist völlkomnien. Aber term kommt der Winter, und dann schlafen Sie wie sieben Dächse."

lerade Silvester oder Dreikönigstag oder Fastnacht ist.

3 der Kalender angibt. Da sollten Sie das Leben hier

Hülbert."

Botho lachte.Ja, die Berliner! Wobei mir übrigens einsällt, Ihre Goree hier herum muß ja auch die Gegend sein, wo die Ruderer und Segler zisammenkommen und ihre Regatten haben."

Gewiß", sagte der Wirt.'Aber das will nicht viel sagen. Wenn's viele Jiiib, dann sind es fünfzig oder vielleicht auch mal hundert. Und dann ruht ci wieder und ist auf Wochen und Monate hin mit dem ganzen Wassersport tnrbei. Rein, die Klubleute, das ist vergleichsweise bequem, das ist zürn Aushalten. Aber wenn dann im Juni die Dampfschiffe kommen, dann ist et schlimm. Und dann bleibt es so den ganzen Sommer über oder doch fine lange, lange Weile."

Glqub's", sagte Botho.

... Dann trifft jeden Abend ein Telegramin ein. ,Morgen früh neun Hit Ankunft auf Spreedampfer Alsen. Tagespartie. 240 Personen.' Und dmn folgen die Namen derer, die's arrangiert haben. Einmal geht das. über die Länge hat die Qual. Denn wie verläuft eine solche Partie? Bis "tunfeliöerben sind sie draußen in Wald und Wiese, dann aber kornmt kn Abendbrot, und dann tanzen sie bis um elf. Nun werden Sie sagen, ,1m5 ist nichts Großes', und wär auch nichts Großes, wenn der andre Tag m Ruhetag wär. Aber der zweite Tag ist wie der erste, und der dritte islwie der zweite. Jeden Abend um elf dampft ein Dampfer mit 240 Per­ioden ab, und jeden Morgen um neun ist ein Dampfer mit ebensoviel Pi Zonen wieder da. Und inzwischen muß doch aufgeräumt und alles wieder klar gemacht werden. Und so vergeht die Nacht mit Lüften, Putzen wo Scheuern, und wenn die letzte Klinke wieder blank ist, ist auch das nichste Schiss schon wieder heran. Natürlich hat alles auch sein Gutes,

Da seh ich freilich", sagte Botho,daß sich von Einsamkeit und Toten- nicht gut sprechen läßt. Ein Glück nur, daß ich von dem allen nicht Daußt habe, sonst hätt ich gar nicht den Mut gehabt und wäre fortgeblieben, «no das wäre mir doch leid gewesen, einen so hübschen Fleck Erde gar «i««t gesehen zu haben... Aber sie sagten vorhin, ,was ist Leben ohne Waf, und ich fühle, daß Sie recht haben. Ich bin müde trotz früher «lande; das macht, glaub ich, die Luft und das Wasser. Und dann muß Adoch auch sehn ... Ihre liebe Frau hat sich so bemüht... Gute Nacht, <er Wirt. Ich habe mich verplaudert."

Und damit stand er auf und ging auf das still gewordene Haus zu,

Ren, wenn sie, von zehn Dörfern her, zu Schlitten oder Schlittschuh, i» im großen Saal, den ich angebaut habe, zusammenkommen. Dann sieht >m kein großstädtisch Gesicht mehr, und die Berliner lasten einen in Ruh, fet der Großkuecht und die Jungemagd, die haben oann ihren Tag.

sieht man Otterfellmützen und Manchesterjacken mit silbernen Buckel- misten, und allerlei Soldaten, die grad auf Urlaub sind, sind mit dabei: kluvedter Dragoner und Fürstenwalder Ulanen, oder wohl gar Pots- irnner Husaren. Und alles ist eifersüchtig und streitlustig, und man weiß jigt, was ihnen lieber ist, das Tanzen oder das Krakeelen, und bei dem kcmsten Anlaß stehen die Dörfer gegeneinander und liefern sich ihre Ba- Mlen. Und so toben und lärmen sie die ganze Nacht durch, und ganze ü'-innkuchenberge verschwinden, und erst bei Morgengrauen geht es über « Stromeis oder den Schnee hin wieder nach Hause."

setzte sie hinzu.

Sie mochte sich nicht trennen von dem Bilde. Zuletzt aber erhob sie sich, schob einen Stuhl vor den Spiegel und begann ihr schönes Haar zu lösen und wieder einzuflechten. Als fie noch damit beschäftigt war, kam Botho.

Lene, noch auf! Ich dachte, daß ich dich mit einem Kusse wecken müßte." Dazu kommst du zu früh, so spät du kommst."

Und sie stand auf und ging ihm entgegen.Mein einziger Botho. Wie lange du bleibst..." \

Und das Fieber? Und der Anfall?"

Ist vorüber, und ich bin wieder munter, seit einer halben Stunde schon. Und ebensolange hab ich dich erwartet." Und sie zog ihn mit sich fort an das offenstehende Fenster:Sieh nur! Ein armes Menschenherz, soll ihm keine Sehnsucht kommen bei solchem Anblick?"

Und sie schmiegte sich an ihn und blickte, während sie die Augen schloß, mit einem Ausdruck höchsten Glückes zn ihm auf.

Dreizehntes Kapitel.

Beide waren früh auf, und die Sonne kämpfte noch mit dem Morgeu- nebel, als sie schon die Stiege herabkamen, um unten ihr Frühstück zu nehmen. Ein leiser Wind ging, eine Frühbrise, die die Schisser nicht gern ungenutzt lassen, und so glitt denn auch, als unser junges Paar eben ins Freie trat, eine ganze-Flottille von Spreekähnen an ihnen vorüber.

r i!'Unglaublich früh. Okuli, da kommen sie. Sehen Sie, Herr Baron, l1** st,>nn ich, der ich doch ausgewettert bin, immer noch drin in der Stube

feibe, weil der Ostwind pustet und die Märzensonne sticht, setzt sich der i-rlinet schon ins Freie, legt seinen Sommerüberzieher über den Stuhl u b bestellt eine Weiße. Denn sowie nur die Sonne scheint, spricht der i-tltner von schönem Wetter. Ob in jedem Windzug eine Lungenentzün- bng oder Diphiheritis sitzt, ist ihm egal. Er spielt dann am liebsten mit ststsen; einige sind auch für Boecia, und wenn sie dann abfahren, ganz g'dunsen von der Prallsvnne, dann tut mir mitunter das Her^ tveh, denn liinet ist darunter, dem nicht wenigstens am andern Tag die Haut ab-

zu halten war.

Dicht neben der Eingangstür, über einem Rokokotisch, auf dem rote Gläser und eins Wasserkaraffe standen, hing noch eine buntfarbige, mit einer dreisvrachigen Unterschrift versehene Lithographie:Si jeunesse savait", ein Bild, das sie sich entsann in der Dörrschen Wohnung gesehen zu haben. Dörr liebte dergleichen. Als sie's hier wieder sah, fuhr sie ver­stimmt zusammen. Ihre feine Sinnlichkeit fühlte fich von dem Lüsternen In dem Bilde wie von einer Verzerrung ihres eignen Gefühls beleidigt, und fo ging sie denn, den Eindruck wieder loszuwerden, bis an das Giebel­fenster und öffnete beide Flügel, um die Nachtluft einzulaffen. Ach, wie sie das erquickte! Dabei setzte sie sich auf das Fensterbrett, das nut zwei Hand­breit über der Diele wär, schlang ihren linken Arm um das Kreuzholz und horchte nach der nicht allzu entfernten Veranda hinüber. Aber sie vernahm nichts. Eine tiefe Stille herrschte; nur in der alten Ulme ging ein Wehen und Rauschen, und alles, was eben noch von Verstimmung in ihrer Seele geruht haben mochte, das schwand jetzt hin, als sie den Blick immer ein­dringlicher und immer entzückter auf das vor ihr ausgebreitete Bild richtete. Das Wasser flutete leise, der Wald und die Wiese lagen im abendlichen Dämmer, und der Mond, der eben wieder seinen ersten Sichelstreifen zeigte, warf einen Lichtschein über den Strom und ließ das Zittern seiner kleinen Wellen erkennen.

Wie schön", sagte Seite hochaufatmend.Und ich bin doch glücklich",

Lene, die Füße schräg auf dem herangerückten Stuhl, hatte fich aufs Bett gelegt und eine Tasse von dem Tee getrunken, den ihr die Wirtin gebracht hatte. Die Ruhe, die Wärme taten ihr wolst, der Anfall ging vorüber, und sie hätte auch schon nach kurzer Zeit wieder in die Veranda hinuntergehen und an dem Gespräche, das Botho mit dem Wirt führte, teilnehmen können. Aber ihr war nicht gesprächig zu Sinn, und so stand sie nur auf, um sich in dem Zimmer umznsehen, für das sie bis dahin kein Auge gehabt hatte.

Und wohl verlohnte sich's. Die Balkenlagen und Lehmwände hatte man ans alter Zeit her fortbestehen lasten, und die geweißte Decke hing fo tief herab, daß man fie mit dem Finger berühren konnte; was aber zn bestem gewesen war, das war auch wirklich gebessert worden. An Stelle der kleinen Scheiben, die man im Erdgeschoß noch sah, war hier oben ein großes, bis fast auf die Diele reichendes Fenster eingesetzt worden, das ganz so, wie der Wirt es geschildert, einen prächtigen Blick auf die gesamte Wald- und Wasterszenerie gestattete. Das große Spiegelfenster war aber nicht alles, was Neuzeit und Komsort hier getan hatten. Auch ein paar gute Bilder, mutmaßlich auf einer Auktion erstanden, hingen an den alten, überall Buckel und Blafen bildenden Lehmwänden umher, und just da, wo der vorgebaute Fenstergiebel nach hinten oder, was dasselbe sagen will, nach dem eigentlichen Zimmer zu die Dachschrägunh traf, standen sich ein paar elegante Toilettentische gegenüber. Alles zeigte, daß man die Fischer- und Schifferherberge mit Geflissentlichkeit beibehalten, aber fie doch zugleich auch in ein gefälliges Gasthaus für die reichen Sportsleute vorn Segler- und Ruderklub umgewqndelt hatte.

Seite fand fich angeheirnelt von allem, was sie sah, und begann zunächst die rechts und links in breiter Umrahmung über den Bettständen hängenden Bilder zu betrachten. Es waren Stiche, die sie, dem Gegenstände nach, lebhaft intereffierten, und so wollte sie gerne wissen, was es mit den Unter­schriften auf sich habe.Washington Crossing the Delaware" stand unter dem einen,The last hour at Trafalgar unter dem andern. Aber sie kam über ein bloßes Silbenentziffern nicht hinaus, und das gab ihr, so klein die Sache war, einen Stich ins Herz, weil sie sich der Kluft dabei bewußt toitrbe, die fie von Botho trennte. Der spöttelte freilich übet Wissen und Bildung, aber sie war klug genug, um zu fühlen, was von diesem Spotte

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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. lltiö wenn man um Mitternacht Kaste zählt, so weiß man, wofür man fich htts> fliiuält hat. ,Von nichts kommt nichts', sagt das Sprichwort und hat auch i jenr Anz recht, und wenn ich all die Maibotvlen auffüllen sollte, die hier schon gM geturnten sind, so müßt ich mir ein Heidelberger Faß anschaffen. Es bringt UM 1,1 ein, gewiß, und ist alles schön und gut. Aber dafür, daß