yjhenn in den heißen Monaten DMs die durchglühten Häuser. 'uHedörrt, die Haare trocken wie

tzufgewacht Mein Bett stand sa ir| April und Mai flieht hier des Durch den Wind war der Körper Stroh. In der Vorratsecke ließ ich das LichN der Taschenlampe über Tassen und Flaschen zucken, um noch etwas Trinkbares zu entdecken. Mit lau­warmem Tee netzte ich erfolglos Gaumen« und Zunge. Was haben wir getrunken in diesen Wochen! Obwohl das Herz hinterher wie wild pumpen mußte, sechs, acht Liter am Tag., Dabei nützte es nicht einmal etwas, denn nach zwei Minuten hatte der Körper alles wieder aus­geschwitzt, die Haut perlte, und die Kehle war trocken wie zuvor. Das einzig wahre Mittel gegen Durst ist, sich in ein nasses Bettlaken zu wickeln und stillzuliegen.

Am andern Morgen war der Leutnant vor dem Rasthaus und holte uns zur Gäzellenjagd ab Von acht bis zwei Uhr hatte er jeden Tag 39 Grad Fieber: er sah erbärmlich aus.Ts macht nichts", sagte er mit einem halben Lächeln,man gewöhnt sich schließlich daran, und außerdem gehe ich in fünfundfünszig Tagen in Urlaub."

Die Gazellen sprangen in langen Fluchten über baumlose Flachen, die mit goldgelbem Gras bedeckt waren. Man muß hier sehr weit schießen, so wie in Südwestairika, aber nachher wurde doch noch eine erlegt.

Immer mußte ich wieder zu den Bergen Hinblicken, zu diesem höllen- heißen Mandara-Gebirge, von dem ich wußte, daß sich dort ein Stück Weltkrieg abgespielt hatte. Achtzehn Monate hat sich dort der deutsche Hauptmann von Raben der englischen und französischen Uebermacht in einem ständigen Kampf, der fast ohne Wasser, fast ohne Schatten, fast ohne alles, was eigentlich zum Kriegführen gehört, erwehrt. Er und zehn deutsche Mitkämpfer haben in jenen Bergen ein tausendköpfiges feindliches Heer anderthalb Jahre festgehalten und sich erst ergeben, als die Stadt Garua fiel, die im Norden der letzte Stützpunkt war. Die Engländer haben ihm bei der Gefangennahme den Degen gelassen.

Er hatte natürlich Verbündete in diesem Kampf, und das waren die Berg-Heiden. Als vor hundert Jahren die Fulbe aus der Sahara mit gepanzerter Kavallerie ins Land einbrachen, haben sich einige Stämme nicht unterworfen. Sie haben sich in die Gebirge zurückgezogen und sich in den Schutz ihrer steilen Felsentürme begeben, die wie Festungen aus Gottes Hand sind. Von dort bieten sie noch heute den Fulbe und ihren Sultanen Trotz und wollen sich nicht unterwerfen. Diesen Heiden bin ich

nachgegangen. , ,

Die Autostraße schraubt sich von Mora nach Mokolo hinauf, ein wemg befahrener Weg, und wer hier eine Panne hat, kann sein Testament machen. Gegen den Himmel hoben sich die Umrisse der seltsamen Sied­lungen der Heiden ab, runde Steinhütten mit spitzen Grasdüchern. Immer zwei oder drei stehen so dicht nebeneinander, daß man von einer Hütte durch die Wand in die andere gehen kann, richtige kleine Festungen, die wie Schwalbennester an die Berghänge geklebt sind. Aus den dunklen Türlöchern kamen die Heiden angelaufen, die Sirbis, wie die Fulbe sie nennen, das heißt die Schmutzigen. Es sind große, schöne Gestalten, nackt und gesund. Ich kroch in eine Hütte hinein und sah vor mir einen alten Mann fliehen, durch die Verbindungstür in die nächste und dann in die letzte Hütte. Dort drückte er sich wie ein gehetztes Tier mit dem Gesicht an die Wand. Es war sehr dunkel und nicht viel Hausrat zu sehen. Als ich mich umwandte, hatten zwei Kerle den einzigen Ausgang besetzt. War das Absicht? Ich war wie in einer Mausefalle, bekam einen Herzschlag lang Angst, schob dann mit entschiedener Handbewegung die Männer zur Seite und war im Freien.

Wollt ihr Zigaretten haben?" Eine schwarze Hand griff nach dem dargebotenen weißen Stäbchen.Ha, dem schmutzigen Volk nicht gut sein, Zigarette geben", sagte mein schwarzer Chauffeur im Ton tiefster Ent­rüstung und im Vollgefühl, lange europäische Männerhosen anzuhaben.

Der Heide stand fassungslos mit der Zigarette in der Hand da, die Autostraße ging zwar an seiner Tür vorbei, aber so etwas hatte er noch nie in feinem Leben gesehen! Ich rauchte ihm eine vor, er versuchte es nachzumachen, gab es dann aber auf an diesem denkwürdigen Tag hatte er bestimmt die erste Zigarette und die erste weiße Frau gesehen.

Die Sirbis finb ein schwieriges Sapitel für bie französische Kolonial­verwaltung, sie setzen allen Europäisierungsoersuchen einen zäh»" Wider- stanb entgegen. Wenn sie getrunken haben, sind sie rauflustig, kommen in die Ebenen hinunter und rauben den mohammedanischen Rassengenosfen das Vieh. Mit den Deutschen kamen sie gut aus, wie an dem Beispiel des Hauptmanns von Raben zu sehen ist, dem sie bis zuletzt treu blieben. Dabei sind sie urgesund und gar nicht unbegabt, ihre Leichen wickeln sie in schöne, selbstgewebte Streifen, und ihre Aecker haben sie tadellos in Ordnung, nach einem schwierigen Terrassensystem, durch das sie den kargen Bergen mühsam die Frucht abringen. Ein merkwürdiges Volk, das zu weben versteht und dabei nackt geht, die Ackerbauer sind und keine Kulturmenschen werden wollen. Dabei sind sie von unverwüstlich guter Laune.

Am Nachmittag war Volksfest in Matafal. Trommeln dröhnten, Schellen raffelten, und ein paar hundert Menschen vergnügten sich in rhythmischen Tanzbewegungen. Frauen scheinen bei den Heiden ein besseres Leben zu haben als bei den Mohammedanern, sie tummelten sich zwischen den Tänzern umher und schienen ein gleiches Anrecht auf Frei- beit, Sonne und Lachen zu haben. Noch ganz spät tarnen zwei Heiden­weibchen angelaufen, die sich wahrscheinlich bei der Toilette verspätet hatten: sie trugen Netze aus kleinen blauen Perlen um die Lenden und waren mit Stäbchen durch Ober- und Unterlippe einfach kokett heraus- geputzt.

Es sind Kinder, diese Heiden", sagte der französische Bezirksamtmann mit einem leichten Seufzer und dachte dabei wohl an die gänzliche Abneigung dieser schwarzen Leute, Steuern abzuführen.Man muß allmählich erwachsene Menschen aus ihnen machen", schloß er feine Ge­dankenkette ab.

Das war schön gesagt aber ob sie bann noch so guter Laune wären?

Oie $rou, da« Büro und der Film.

Von Christian Bock.

Man hat mancherlei Frauenbildnisse gesehen, Gemälde und alte L>tiche, Drucke und allerlei Zeichnungen, klassische und moderne, gute, teure unb schlechte auch ich suche da unter allem, was ich sah, ein bestimmtes Bild, ich krame in meinem Gedächtnis und will herauszaubern: gab es das, nicht irgendwo? ich suche, suche und finde nichts. Aber dann weiß ich es nun: Dieses Bild gibt es ja gar nicht. Ich meine das Bild, das die Frau im Büro darstellt. Es fehlt.

Ja, es gibt die niedrigen, zierlichen Sekretäre, an denen jene hübschen Briefe ncfcßtieben tvcrbcn, bie tnon breitttol lieft, tvenn inan jie biiontmt, bie man nach einem halben Jahr noch einmal liest, "Stiefe, bte man eigenb lief) nut in einem flackernden Saminfeuer nachdenklich verbrennen dürste an einem Abend, der wunderlich gut und einsam ist. Solche alten schmalen Sekretäre also gehören zu einer Frau, sie sind von ihrer Art aber Büro- schreibtische? Ja, wer sich einen Funken romantischer Lebensauffassung bewahrt hat glücklich bewahrt hat, muß dem nicht eine Frau am Büro, schreibtisch eine Unmöglichkeit scheinen, eine tief unnatürliche Sache, bte allenfalls für einen satirischen Stift ein reizvolles Thema ist.

Nun, der alte Meister Daumier hat so etwas einmal mit aller gehörigen Kunst gemacht. Ohne einen einzigen schmeichlerischen Strich. Die Emanzi. pation der Frau war eines seiner Haupt- unb Staatsthemen; er liebte es, beruflich gestikulierende Frauen mit boshaften Schnörkeln aufs Papi« zu krakeln. . , , , _

Aber das alles war damals sehr ,ung, sehr neu unb ungewohnt. Da sieht es heute schon wesentlich anders aus. Trotzdem von einem ernst- haften künstlerischen Versuch, die Frau im Büro darzustellen, weiß ich nichts. Es scheint, daß die Bürotätigkeit der Frau eher für eine zivilisatorische Störung des Natürlichen angesehen wird. Vielleicht ist der Kunst auch bte Welt der Schreibtische zu fremd, daß sie den problematischen Reiz diesci Beziehung zwischen Frau und Büroschreibtisch noch nicht entdeckte.

Dem wendigeren Film entgeht so etwas nicht leicht; er hat wenigstens die simpelsten Probleme entdeckt und (mit einigem Ungeschick) verfilmt, Weiß man das Schema? Im ersten Drittel ist da eine Frau, die ganz in ihrem Büroberuf aufgeht/ darin lebt unb herrlich znfrieben ist aber aus heiterem Filmhimmel taucht bann plötzlich ein Herr auf unb mit ihm das Problem: bie Frau entbeckt unversehens ihre weibliche Eigenart, bie sic ganz vergessen hatte. Im zweiten Drittel bes Films kämpft sie wacker mit sich, um enblich im letzten Drittel bes Films zum happy end bet Firma zu kündigen und jenem Herrn, der im ersten Drittel (Übrigens von allen Zuschauern erwartet) erschien, als Fran zu folgen.

Nun, im Leben pflegen Probleme nicht so diktatorisch und drohend zu sein wie im Film, und sie lösen sich selten so eindeutig und konsequent - es ist ja alles ganz anders. Mit den Frauen, die tags am Büroschreibtisch regieren, fitzen wir abends richtig nett und gut zusammen, mit Gesprächen unb etwas Gutem zu trinken, unb es finb keine Büroamazonen, feine Suffragetten sie verstehen es, sich zum Sonnenuntergang unversehens zu Damen zu verwanbeln, bie jeher mittelalterliche Dichter bebeufenloi besungen hätte es wäre ihm vielleicht kaum etwas aufgesallen, baß sie etwas anbers sinb als bie Damen bes zeitgenössischen Mittelalters.

Immerhin, etwas anders find sie, aber die ewigen Merkmale ihres Geschlechts sind immer geblieben. Sie kleiden sie in immer neue Formen, aber noch in der modernsten Verkleidung bleibt der gleiche Inhalt (sonsl müßte uns ja alle klassische Literatur unverständlich sein, weil wir die In- halte nicht mehr verstehen würden aber die weiblichen Züge der biblischen Frauengestalten sind noch die gleichen wie die der modernen Frau, bie acht Stunden im Büro sitzt I)

Und das ist es wohl, was die Frau besser versteht als der Mann: int Büro zu bleiben, was sie ist. Sie nimmt nicht so leicht das gleichmäßige Roboteranssehen an, das die Maschinerie des Büros gern jedem verleiht, bett sie einmal aufnimmt. Die Frau hat erwiesen, daß alles Menschliche und Persönliche im Büro nicht notwendig hinausgeschafft werden muß, um Akten Platz zu machen.

Daß das alles gut und nützlich und brauchbar war, ist beispielhaft an ittem neuen Beruf nachzuweisen, den die Frau im Büro erst geschaffen gut1 den der Privatsekretärin.

Und nun müssen wir uns noch einmal mit dem Film etwas zu Tische setzen. Das ist alles keine kleinliche humorlose Quengelei aber was habt ihr da nur angerichtet! Drei, vier, fünf Dutzend Filme gibt's, die ade miteinander dieselbe naive Mär erzählen, und in einem Büro die Szenerie für eine technisch verwickelte Liebesgeschichte ausrichten, als wäre derlei in Büros grauer Alltag. Wenn spätere Generationen einmal in unseren Ruinen graben unb biese Filmstreifen einmal finben, müssen sie glauben, in unseren Büros sei ernstlich kaum je gearbeitet worben, unb Privat- Sekretärinnen hätten kebiglich bie Aufgabe gehabt, ihre Vorgesetzten in menschliche Verwirrung zu bringen. Der Film sängt an, eine Welt zu konstruieren, bie es nur int Film unb mrgenbs sonst gibt.

Es war schon gesagt: Die Frau hat ben Beruf ber Privatsekretärin erst geschaffen, unb sie hat sich als Privatsekretärin, wie mans nennt, unentbehrlich" gemacht. Sie hat sich da an eine Stelle gesetzt, wo der Mann sie als Ausgleich gegen die eigene Unerträglichkeit braucht: wenn er vok Berusseifer nach zwei Telephonen zugleich greift, wenn er von feinem Schreibtisch aus allen Ernstes gleich drei Erdteile zu regieren glaubt: die Frau nimmt ihm so obenhin linker Hand das halbe Regieren ob, glättet, beruhigt, sorgt für ein Glas Wasser zur rechten Zeit, und wenn es dann in weniger aufgeregten Stunden bte grauen Alltags- unb Geschäftswolken gibt, bie trüge über betn Tag hängen, als wollte sie kein Winb je weiten treiben, bann versteht sie es, das Graue etwas aufzuheitern, mit einem Wort, einer Geste, mit ihrem bloßen Dasein, und das alles ist weit wichtiger, weit notwendiger, als man denken möchte.

Die Frau hat zweifellos dem Büro ein freundlicheres Gesicht gegeben, und wenn sie nichts als das geleistet hatte, wäre es schon viel.

Derantwvrtlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Derlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen.