sündiges Diner an einer Tafel, der weder die Zierde reichen Silberge- k irrs noch sonst etwas fehlte was zur vollständigen Besetzung gehört, ii id unter Gesprächen, für welche die Erlebnisse des Tages reiflichen Ltoff lieferten, sahen wir meist so lange beisammen, bis einem nach dem anderen die Augen zufielen. Wenige werden nach einer acht- bis neun- fi mbigen Jagd auf dem Rücken eines Elefanten sich über Schlaflosigkeit

b klagen.

Lord Gough, der siegreiche Feldherr Englands in den großen Schlach­te am Sutledge, war damals schon tief in den Sechzigern, mit schnee- ueißem Haar, aber von großer Rüstigkeit und von einem Löwenmut, du er auch bei einzelnen Episoden unserer Jagd an den Tag legte; Kon sein Aeußeres flößte Achtung und Zutrauen ein, und dabei war ei herzensgut und der liebenswürdigste Wirt. Der Zufall wollte es, daß Mir den Jahrestag der Schlacht von Sobraon, den 10. Februar auf dieser Jagd erlebten, und es war mir eine Herzensfreude, wie dieser G-innerungstag ihm Anlaß gab, der ritterlichen Tapferkeit eines deutschen Annzen und deutscher Edelleute mit aller Wärme zu gedenken. Prinz Waldemar von Preußen und seine Begleiter, denen ich nur ein Jahr 5ater auf ihrer Reise nachfolgte, haben überall das ehrenvollste An- nken hinterlassen und dem deutschen Namen einen guten Klang in iner europäischen Gesellschaft gesichert, deren Beifall wohl wert ist, er-

ihn darauf aufmerksam macht.

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Nach einigen Tagen des Umherziehens passierten wir den Ganges. Str 15. Februar war mein Geburtstag; ich vermaß mich, den Jagd- gmoffen auf diesen Tag einen Tiger zu prophezeien, und bald darauf langten die Späher, welche wir regelmäßig auszusenden pflegten, mit nichtigen Nachrichten an. Entlang dem Flusse von unserem Lager ab- nirts erstreckt sich ein weiter Sumpf, ein rechtes Versteck für Tiger. Utfere 40 Elefanten durchzogen das Gestrüpp in bester Ordnung, wir

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Doch nun zur Jagd. In dem tiefen sumpfigen Dickicht, welches das biste Terrain zur Tigerjagd bildet, ist es ein nutzloses Unternehmen,

Fuß oder zu Pferd vorzudringen; so wird also ber Elefant gewählt, utb zum Zweck dieser Jagd im Dickicht hat man Howdahs von schttch- ti n Holz mit spanischem Rohr geslochten, in denen ein bequemer >vitz, eire förmliche Schiehkanzel für den Jäger, dahinter ein kleiner für den J ener befindlich ist, der die Gewehre, deren man zwei bis drei führt, liot; das ganze ruht auf einem Kissen so dick und schwer wie eine tichtige Matratze, und ist mit Ketten und Stricken gut befestigt. Unser Äug bestand aus 40 Elefanten, davon acht für ebenfoviele Jäger, die Zeigen zum Treiben, jeder dieser letzteren mit einem jener großen Allster gesattelt und von zwei bis drei Eingeborenen besetzt; auf dem httse sitzt der Mahout, ber sich mit seinem Tiere völlig versteht und es n t Zeichen, Worten, Liebkosungen und Drohungen lenkt. Unsere zehn- tigige Jagd umfaßte einen langen Strich Landes unterhalb dem Seva- -Gebirge, von Seharunpore bis zum Ganges, ja über denselben hin- ai s; die herrlichen Himalajas in ihren drei Reihen bis zu den äußersten je neebeberften Gipfeln immer vor uns, durchstreiften wir die Unhe­il uten Strecken, welche diesem Landstrich eigen sind, einzelne Wald- p rtien, meist aber ausgedehnte Steppen und Sümpfe mit Schilf und @ras bedeckt, oft 15 bis 20 Fuß hoch, so daß die Elefanten in den Schils- llättern fast verschwanden, während die langen Blütenstengel bis zu jener Höhe über unsere Köpfe wegragten. Wir drangen immer in einer langen Schlachtordnung von 40 Elefanten Breite vor. Es ist einer ber g.ößten Reize dieser Jagd, bah jebes Rascheln im Gras vielleicht nur ein iiininchen, vielleicht einen Tiger verkündigt. Gleich am ersten Tage erspähte Nr. Harvey, unser bester Schütze, der schon dem Tob von 100 Tigern bei- giwohnt, einen Tiger ruhend im Schilf und verwundete ihn durch einen Schuß; seiner Art nach wandte das Raubtier sich sosort gegen den Angreifer, und während dieser seinem Nachbar Lord Gough zurief, sich zu nähern, hatte ber Tiger schon, durch das Dickicht gedeckt, mit einem raschen unbemerkten Sprung den Elefanten erreicht, und hing nr seinem Rüssel, ehe ber Schütze es gewahr würbe. Das unver­gleichliche Tier stand unbeweglich, und machte es dem Jäger möglich, ii-er das Geländer ber Howdah sich lehnend, dem Tiger aus aller Nähe einen sicheren Schuß beizubringen, worauf dieser sofort losließ und zu Woden fiel; ein Schuß des alten Herrn brachte ihn wieder auf, und et war im Begriff, sich auf diesen neuen Feind zu stürzen, als einer ber Toh-Elefanten aus der Reihe wich, und ber Tiger, den Vorteil er- tofjenb und schwer verwundet, durch diese Lücke zu entkommen suchte. Wir alle ihm nach, und in wenigen Augenblicken lag bas Tier am Fuße eines Baumes tot. Alles stieg ab unter großem Jubel, und es fand sich, dlh das Tier ein schöner ausgewachsener Königstieger war, von 9 Fuß S Zoll Länge und ohne den Schwanz 6 Fuß 3 Zoll. Nicht wenig Mühe fotete es, unsere stolze Beute auf einen ber Pack-Elefanten zu binben, dtnn die Elefanten waren ebenso aufgeregt wie die ganze Jagdgesell- jdiaft, und sträubten sich sehr, einen Feind aufzunehmen, der ihnen mch immer furchtbar schien.

Es wimmelte in diesen Steppen von Wild: Leoparden, Hyänen, Sauen, Hirsche und Rehe, Assen, Pfauen, Parroquits, bis zu Hafen, Schnepfen, Rebhühnern und wilden Hühnern herab; aber es bestand des strengste Verbot gegen unzeitiges Schießen auf dieses Wild.

An diesen wie an den folgenden Tagen gewährte es eine angenehme Unterbrechung, an irgendeinem romantischen Orte der Wildnis sich eine liirze Ruhe zu gönnen und etwas kalte Küche zu verzehren. Bei einer suchen Gelegenheit war es, daß ein Baum uns an einem sonst sehr sibschen Plätzchen im Wege stand; ein Elefant wurde geholt und durch Tchmeichelworle aufgefordert, den Baum umzureißen. Dieser war wohl 1 Fuß dick, sehr zähes Holz, nachdem er einige unbequeme Nebenäste «tu der Dicke eines Schenkels mit dem Rüssel abgebrochen hatte, lehnte ti sich mit der Stirn gegen den Stamm, mit aller Macht und Schwere wrmärts pressend, und drückte den Baum um, wofür das brave Tier gute Worte und etwas Zwieback erhielt. Auch beim Reiten durch den W-ald ist diese Geschicklichkeit und Willigkeit von großem, Nutzen, indem tr Aeste und Bäume, die im Wege sind, sorgfältig wegbricht, sobald sein N-ohout

Jäger in ber Reihe und jeder das Gewehr in der Hand mit höchster Spannung auf eine Bewegung im Grase lauernd. Bald stießen wir auf ein sicheres Zeichen, daß ein Tiger nahe sei. Ein frisch getötetes Rind, halb verzehrt und daneben ein Lager eine» großen Tieres in dem niedergetretenen Grase Das Terrain war höchst günstig, da wir rechts und links zwei tiefe Wasser hatten, und unteres Reche umfaßte die ganze Ausdehnung des dazwischenliegenden Dickichtes. Dreimal jedoch zogen wir hindurch ohne Erfolg und wollten schon ablassen, als ber erfahrene Mr. Harvey noch auf einen weiteren Durchgang bestand; er fei gewiß, sagte er, baß der Tiger die halbverzehrte Beute nicht verlassen hätte, sondern in irgendeinem ruhigen Eckchen des Sumpfes feinen Mittags- fchlaf halte, nach welchem er auf Vollendung seines Mahles rechne. Einige Schützen wurden an die Flanken beordert, wir übrigen fünf hielten uns in ber Mitte, und bald verkündete der Tumult in der Linie, daß dep Tiger gesunden sei. Das Geschrei der Leute, die Befehle der Schützen, das Trompeten der Elefanten, deren einige' durch diesen Ton ihre Furcht zu erkennen gaben, und bas Rückwärtsgehen der Packtiere, die uns Platz machen mußten, bilden bei solchem Anlaß eine augenblick­liche Verwirrung, die zu der ungeheuren Aufregung aller Beteiligten wohl paßt. Wir Schützen rückten vor, und unsere Seite, Mr. Davidson, Major Bates und ich hatten den ersten Angriff, während Lord Gough und Mr. Harvey, durch eine tiefsumpfige Stelle von uns getrennt, vor der Hand Zuschauer blieben. Davidson schoß zuerst, und ber verwundete Tiger stürzte sofort JbrüUenb auf ihn zu, aber er traf eine solch üble Begegnung, bah er es nicht wagte, an bem Elefanten hinaufzuspringen, sondern seine Wut in nutzlosem Vor- und Zurückweichen vor den Schüssen erschöpste; ein neuer Schuß von Major Bates, der dicht neben mir hielt, brachte den Angriff auf uns. Ich hatte den vollen Anblick des königlichen Tieres, wie es in ein paar mächtigen Sätzen erst auf meinen Nachbarn, bann, als dieser sich verschossen hatte und zurück- weichen mußte, auf mich losstürmte, brüllend und Kops und Vorder­tatzen hoch emporgeworsen. Da traf ihn mein Schuß mitten im Sprunge, als er nur etwa 12 bis -15 Schritt von mir war. Mein braver Elefant stand wunderbar wie eine Mauer und gestattete ein sicheres Zielen Ich brauchte nicht zu zweifeln, ihn schwer verwundet zu haben, denn sobald sich der Pulverdampf verzogen hatte, sah ich ihn ins Schilf zurückweichen, und für etwa eine halbe Minute war alles ruhig. Der Angriff auf uns war das Werk weniger Augenblicke gewesen; nun hatten ihn alsbald die zwei Schützen aus der rechten Seite erspäht, ein Schuß von Harvey reizte ihn zu letzter verzweifelter Gegenwehr, aber dem wohl unter­haltenen Feuer der beiden Herren, welche jeder mehrere doppelläufige Gewehre hatten, erlag er bald, und als wir den Sumpf mit Vorsicht passierend, zur Stelle kamen, lag bas Untier röchelnd und wehrlos am Boden. Da war Freude und Jubilieren an allen Enden, alles drängte sich um die Szene des Falls, und ßorb Gough wie ber Jüngste war alsbald neben bem Tiger auf ber Erde, um mit ebensoviel Mut als Un­vorsichtigkeit die Beute zu mustern; wir waren sehr erschrocken denn mehr als ein voreiliger Jäger hat durch die letzten Zuckungen in den mächtigen Tatzen des erlegten Tieres eine tödliche Verletzung erhalten, und Harvey jagte ihm deshalb schnell noch eine wohlgezielte Kugel durch den Kopf. Nun wurde er vollends abgetan und mit Mühe auf einen der Packelefanten geladen. Es war ein junges aber ausgewachsenes Tier, drei Zoll kürzer als unsere erste Beute, und alle kamen überein, daß er sich tapfer gewehrt hatte. Die Aufregung, in welche die ganze Gesellschaft geraten war, ist unbeschreiblich: ein froheres Frühstück war wohl nie auf einer Jagdpartie vorgekommen als das unfrige in der Mitte des wüsten Sumpfes, und unsere Stimmung den ganzen Tag über war abenteuerlich erhöht. Ich sagte mir, daß nun den schönen Er­lebnissen meiner Mise die Krone aufgesetzt sei. Konnte ich mich auch nicht rühmen, allein einen Tiger erlegt zu haben, so war ich doch in die volle Hitze des Kampfes geraten und verdankte es mir selbst und meinem glücklichen Schüsse, daß der auf mich gerichtete Angriff des Tigers erfolglos blieb. Ich gestehe, daß ich in jenem Moment von der ganzen Wett nichts sah als das Korn meines Gewehres und die Brust des Tigers; aber eben in dieser äußersten Spannung hatte ich das Ge­fühl, daß es unmöglich war, fehlzufchießen.

Die Tigerjagd ist in den Augen des indischen Jägers kein gesahr- volles Unternehmen. Der Tiger greift äußerst selten den Elefanten an, ehe er verwundet ist und läßt, wie wir gerade an dem Tage sahen, den Jagdzug ungestört vorüberziehen. Der erste Schuß ist die Sache, auf die es ankommt. Ist der Tiger getroffen, so ist sein Schicksal meist entschieden, denn er dreht dann fast immer um und greift die Jäger an. Meist sind Schützen und Gewehre genug vorhanden, ihn zurückzutreiben, und der Elefant selbst weiß seinen schwachen Punkt, den Rüssel, wohl zu schützen indem er ihn zusammenrollt ober hoch emporhält. Gelingt indes dem Tiger der Sprung, so ist die Lage des Jägers kritisch genug; nur selten steht ein Elefant so fest wie Harveys unvergleichliches Tier unter bem furchtbaren Angriff. Oft wird er durch die Schwere des Tigers und den Schmerz niedergezogen, oft und fast immer sucht er mit Schütteln, Niederknien oder Wälzen den Feind loszuwerden, und damit ist ein sicherer Schuß außer aller Frage, selbst wenn der Schütze im­stande sein sollte, sich in der Howdah zu halten; stürzt er heraus, so laßt der Tiger aller Wahrscheinlichkeit nach den Elefanten fahren und wirft sich auf den Jäger. In solchen Fällen ist es Brauch und Pflicht, auf den Tiger zu feuern, selbst auf die Gefahr hin, den Menschen zu treffen. Stetiger und passiver Mut ist die Haupteigenschaft des Jagdelefanten, und darum zieht man die weiblichen Tiere vor. Die tapferen (Elefanten- bullen gehen auf den Feind los, suchen auf ihm zu knien ober ihn mit den Stoßzähnen aufzuspießen und werfen durch dieses Verhalten den Schützen dem Tiger leicht in den Rachen. Noch schlimmer ist es, wenn der Elefant Reißaus nimmt, und auf der wilden Flucht die Howdah zwifchen Aeften und Gebisich zerschlagen wird; dann ist oft die einzige Rettung, in Absalows Weise sich an einen Ast festzuklammern und aus gut Glück den Elefanten unter sich wegrennen zu lassen. Von größter Wichtigkeit ist es überhaupt, daß der Mahout, der so viel über das ihm anvertraute Tier vermag, die Geistesgegenwart behält. Der erstaunliche,