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Als wir eine kurze Strecke längs des beschatteten Weges gegangen waren, rannten wir beinahe zwischen ein Elefantenrudel. Ich dachte noch so viel über mein Pech nach, daß ich nicht ordentlich achtgab. Es gelang uns indes, unbemerkt zu bleiben, denn die in ihre Mahlzeit vertieften Elefanten waren auch nicht besonders wachsam. Da wir uns dem nächsten Tier schon auf fünfundzwanzig Schritt genähert hatten, zogen wir un- äußerst vorsichtig unter eine Baumgruppe zurück, um die Lage zu über' blicken. Das Ergebnis befriedigte mich wenig, denn die Tiere schienen ziemlich gleichmäßig über eine lange Strecke der breiten Straße verteilt z» sein. Wir vermochten nur ein halbes Dutzend zu erkennen. Aber rund umher hörte und sah man überall das Niederbrechen der Aeste. Da zudem not;
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Drühlsche UniversitätSbruckerei R. Lange, Gießen.
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Bäumen. So still und schnell wie möglich stolperten wir durchs Unterholz, in dem sich die zurückgelegte Strecke nur schwer abschätzen ließ.
Nach einer Weile glaubten wir wieder in den Weg einlenken Zi° dürfen. Aber die Berechnung erwies sich als fehlerhaft, denn nah wenigen Schritten sah ich die Beine eines Elefanten 10 Meter links vom mir. Infolge der Laubwand, die den Rumpf verhüllte, konnte ich nicht erkennen, wie groß er war. Indes genügte feine Größe auf jeden Fall., um eine nähere Berührung ungemütlich zu gestalten. Ich winkte 6em Trägern, die mir im Gänsemarsch folgten, nach rechts auszuweichen,, während ich beiseite trat und mich hinten anschloß. Kaum war dies«
Was ist das? Getrapp von Schritten, Tuscheln von Stimmen und da, — jetzt, — leises, unterdrücktes Weinen einer Frau — Christianens Weinen — die Vulpius weint! .......
Sie haben sein Rufen gehört, aber keiner kommt. Christiane nicht und Meyer nicht — man flieht vor ihm Man hat Angst vor ihm.
Da wendet er sich zurück zum Zimmer, schließt leise und vorsichtig die Tür, tastet sich langsam am Ofen vorbei und am Tisch entlang zu der bleichen Helle des Fensters zurück. Er öffnet die Flügel weit, schlägt den Kragen des Schlafrockes hoch und atmet tief die schwere, berauschende Luft der Gärten. Seine Hand umklammerte mit eisernem Griff das Holz des Fensterrahmens, sein Blick starrte hinaus in das ragende Gewirr der Aeste, über dem fahl ein sternbesäter Himmel sich spannt. Ein paar Tränen fließen langsam über die Wangen herab, und seine Lippen zittern, ohne daß ein Laut sich von ihnen zu lösen vermag.
Schwenkung beendet, als wir uns einer Kuh mit Kalb gegenübersahen- Nur unserm Glück hatten wir es zu verdanken, daß wir nicht zwischen gjhitter und Kind geraten waren, die ziemlich weit auseinanderstanden- Es wurde immer brenzlicher, denn als ich das Zeichen zum RiickM gab, sahen wir den Elefanten kommen, dessen Beine ich kurz zuvor erblickt hatte. Er bummelte, Aeste abraufend, auf uns zu. Es war keim Augenblick zu verlieren, obgleich Schlingreben und dürre Aeste das geräuschlose Verschwinden im höchsten Grade erschwerten. Wir entschlüpftem um Haaresbreite. Daß uns die Tiere nicht witterten, läßt sich nur i* erklären, daß sie zu sehr mit dem Fressen beschäftigt waren.
Aufatmend drangen wir weiter im Unterholz vor. Als wir. endlich glaubten, beruhigt auf den Pfad zurückkehren zu dürfen, bot sich uns- ein ebenso prachtvoller wie peinlicher Anblick. Bei einem Feigenbaum! auf der andern Seite der Schneise stand ein ungeheurer Elefantenbulle- Ein Lichtbalken überstrahlte ihn mit rotgelbem Schimmer. Die langen, dünnen Stoßzähne gleißten wie blankes Gold. Ich habe selten so etwas Schönes gesehen. Aber ich durfte nicht lange verweilen, denn die Sonn« neigte sich dem Ende ihrer Bahn, und die Dämmerung nahte. Bald« mußte der Wald in die geheimnisvolle Finsternis mit allen ihren Reizen- und allen ihren Schrecken versinken. So wunderbar die Tropennacht auch ist, im Heime des gefährlichen Großwildes vermag man sie nicht g«" ruhfarn zu genießen. War es hier doch schon bei Tage unheimlich genug- Es muß ein sehr mutiger oder auch ein dummdreister Mensch sein, der Urwaldpfaden im Dunkeln folgt. Hinter dem von der Sonne beleuchteten- Riesen erkannten wir die verschwommenen Umrisse seiner Begleiter, di«' unter den Bäumen einherglitten. Schnell machten wir uns unbeobachtet aus dem Staube.
Um ’/jIO Uhr stiegen die Nebel endlich aus und gaben den Ausblit frei. Wie erwartet, säumten hohe Klippen das gegenüberliegende Ufer. Die rötlichen Felsen erhoben sich 300 Meter über einen Waldgürtel Auf ihnen lebten und lärmten die Hunüsaffen, wie es so ihre Art ist Die Sonne hüllte sich noch in die feuchten Nebeltücher, die ein ach frischender Wind vom Wasserspiegel hinwegzuräumen begann. Der Sei und seine Umgebung tagen somit noch im Schattenland. Ungeduldig erwartete ich den verklärenden Sonnenschein.
Man konnte sich kaum vorstellen, daß einst Feuergluten in diesem Kessel brodelten. Während ich noch über die wechselnden Bilder der Erdgeschichte nachdachte, hörte ich einige hundert Schritt vor mir ein Geräusch im Walde. Elefanten oder Büffel? Wie glücklich wäre ich tni! beiden. Kurz daraus trat ein mächtiger Büffel aus dem Uferwald. Ei blickte um sich, ob die Lust rein fei, und schritt voran, das trotzige Gehörn schüttelnd. Ihm folgten andere, die lärmend durch die Büsch« krachten. Sie mußten sich demnach sehr sicher fühlen. Sie kamen $e Dutzenden und dann schockweise, bis Hunderte von ihnen auf den flachen Grasauen versammelt waren. Zum erstenmal sah ich mehr als zwanzig ober dreißig dieser kräftigen Rinder beisammen. Ich genoß einen wunder vollen und aufregenden Anblick. Leider war die Herde zu weit entfernt denn auch die stärkste Linse ergab kein sehr deutliches Bild. Schade, daß der Schirm nicht dort stand. Trotz der Entfernung und des schwache« Lichtes drehte ich ein paar Meter Film, um wenigstens einen Eindruä von der Menge zu vermitteln, die wie eine schwarze Viehherde ans User drängte. Sobald die Sonne schien, wollte ich versuchen, mich anzupirschen.
Kaum war ich fertig, als sich die Büffel umwandten und in die Richtung des Pfades blickten, in dessen Nähe ich versteckt war. Dann machten (w kehrt und verschwanden im Walde. Was mochte der Grund fein? Mich konnten sie doch nicht bemerkt haben, denn ich lag mindestens sechshundert Schritt von ihnen gut versteckt. Ein dröhnendes Rumpeln hich mich den Kopf wenden. Wer beschreibt meine Wut, als ich die Vorhm einer Viehherde herankommen sah, die von den Borans zur Tränt-«
getrieben wurde. Das war eine hoffnungslose Sache, denn nach dem Trinken widmeten sich die Rinder der saftigen Weide am Seeuser.
Ich wartete dis zum Spätnachmittag. Als die Hirten immer noch keine Anstalten zum Abmarsch machten, gab ich entmutigt auf, rief bi* Träger und stapfte ärgerlich heim.
Irrgarten mit Elefanten.
Von R. A. Dugmore.
Es ist schwieriger, mit der Kamera zu jagen als mit der Feuerwaffe. Ein modernes Selbstladegewehr mit Stahlmantelgeschoß legt noch auf mehrere hundert Meter auch das stärkste Wild um. Der Reiseschriftsteller R. A. Dugmore aber geht trotz der Gefahr, zertrampelt oder zerrissen zu werden, bis auf zwei oder drei Meter (kein Druckfehler!) an wildlebende Elefanten und anderes Großgetier heran, um seiner Leidenschaft zu frönen, gute Freiaufnahmen zu bekommen. Sein Buch „Im Grobwildparadies" schildert fesselnd Freud und Leid seines schönen Berufes. Wir drucken aus dem mit vielen Photos versehenen Werk mit Genehmigung des Verlages F. A. Brockhaus einige Seiten ab.
Wir waren etwa zwei Kilometer gegangen, ohne etwas Gefährlicheres als zwei Buschböcke aufgeschreckt zu haben, als plötzlich vierzig Schritt vor uns der Kopf eines Riesenelefanten aus dem Gebüsch tauchte. Wir blieben wie versteigert stehen und warteten, wohin er sich wenden würde. Vorläufig nahm er Richtung auf uns. Im Dämmerlicht des Waldes erspähte ich bald andere wandelnde Gestalten. Sobald sie still standen, vermochte man ihre Säulenbeine kaum von Baumstämmen zu unterscheiden. Die Rümpfe verschmolzen mit dem Laub des Jungholzes. Eigentlich ahnte man nur Urwaldschatten. Die langen weißen Stoßzähne konnte man leicht für tote und entrindete Aeste halten. Es wurde mir mit einem Male klar, wie sich auch der größte Elefant in einen angreifbaren Schemen verwandelt. Trotzdem ich mehrmals brechende Aeste sah, dauerte es eine geraume Zeit, ehe ich den Riesenleib von seiner Umgebung unterschied. Dabei wußte ich doch genau, wo er stand. Alles dies erhöhte meine Ehrfurcht vor dem König der Tiere, dem allein dieser Name gebührt. Wer sein Reich betritt, muß sich achtungsvoll und vorsichtig bewegen.
Wir wußten nicht recht, was wir tun sollten. Einerseits wollte ich den See erreichen, bevor sich die Morgennebel zerstreuten: anderseits hatte ich keine Lust, dem Rudel den Weg streitig zu machen. Vielleicht trieb es die Nässe des Waldes ins Freie, wo es dann unberechenbar lange auf der Schneise umherstehen würde. Ebensogut aber konnten die Tiere beabsichtigen, den Pfad zu benutzen. Wohin würden sie sich dann wenden? Ihre Gehrichtung bestimmte unser Verhalten, so daß wir vorläufig abwarten mußten, anstatt unfern Weg fortzusetzen.
. Als bald darauf zwei Elefanten aus der Deckung traten, hielt ich einen langen und leisen Umweg für geraten. Wir drückten uns seitwärts in die Büsche und beschrieben einen großen Halbkreis auf den Pfad zurück. Nach zwei Kilometer knackte es schon wieder in den Aesten. Da die Zeit drängte, wollten wir uns diesmal nicht aufhalten lassen. Behutsam voranschleichend kamen wir ungeschoren durch und standen bald darauf an den Ufern des Sees, der noch in dichte Nebel gehüllt war, so daß man nichts von der andern Seite sah. Infolge dieser Unsichtigkeit beschloß ich, nicht zuviel umherzuwandeln, denn der Strand war eine von Büffeln und Elefanten durchknetete teigige Masse. Auch der afrikanische Büffel gehört zu den Tieren, denen ich gern hundert Schritt vom Leibe bleibe. Wir suchten eine günstige Stelle aus und errichteten einen rohen Schirm, zu dem wir aber nur Laub und Gras verwenden durften, weil der Klang des Beiles über den ganzen See gehallt wäre. Natürlich bot diese Brustwehr nicht den geringsten Schutz gegen die Angriffe von Büffeln oder Elefanten.
Die Träger zogen sich in den Wald zurück, wo sie sich dem beliebtesten Zeitvertreib der Neger Hingaben, dem Schlaf. Ich saß still in meiner Laube und versenkte mich hingerissen in die Schönheit der Seelandschaft, von der sich allmählich die Scheier hoben, Zuerst schwankten die Nebel noch unentschieden hin und her, nur den Vordergrund freilassend. Unsichtbare Enten verzehrten ihre Morgenmahlzeit und freuten sich schnatternd über den Vorhang, hinter dem sie sich vor den Blicken . 'des Habichts sicher wußten. Manchmal klang der seltsame Schrei des Hammerkopfes oder das heisere Krächzen des Schneereihers zu mir herüber. Aus dem Widerhall schloß ich auf einen steil ansteigenden Berg am jenseitigen Ufer. Etwas später war ich dessen ganz sicher, weil das Bellen und Kreischen unzähliger Hundsaffen vom Himmel zu fallen schien. Die Stimmen aus dem Nichts machten einen gespenstischen Eindruck.
Die Stunden flössen dahin, und ich sehnte mich nach Sonne, denn die Nebel waren kalt. Ich fror in unmittelbarer Nähe des Gleichere, obgleich ich einen dicken Wollschlüpfer anhatte. Ich konnte die Finger > kaum noch bewegen.
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eine Kuh inmitten des Pfades stand, kamen wir zur Einsicht, daß bi* Gegend nicht geheuer fei.
"Als wir noch wie gebannt auf dieses Bild starrten, wurden wir ge= j roaltfam aus unfern Träumen geschreckt. Nur wenige Schritte hinter mii llftntn tauchte plötzlich und geräuschlos ein riesiger Bulle auf. Da hieß es eilig |nalten verduften, denn zwei Sekunden später hätten wir dem Besucher bie Pöjjtr Pfoten schütteln müssen. Die Träger bedurften keiner Ermahnung. I .m; Schleunig glitten wir durch die Schatten des Waldes. Da wir den Pftv |*h g nicht benutzen konnten, hielten wir uns gleichlaufend mit ihm unter den { “"-«iti i


