DIV.TRAIANO SENATVS POPVLVSQVE ROMANVS*

reden, unversehrt geschrieben wie von einen schlanken Schatten.

Betäubt trotteten wir wieder in fanden wir im Baedeker, Benevent antiken Triumphbögen".

die dunklen Gassen zurück. Dort besitzeten besterhaltenen aller

Gedenkst du noch?

Bon Theodor Storm.

Gedenkst du noch, wenn in der Frühlingsnacht Aus unserm Kammerfenster wir hernieder Zum Garten schauten, wo geheimnisvoll Im Dunkel dufteten Jasmin und Flieder? Der Sternenhimmel über uns so weit, Und du so jung; unmerklich geht die Zeit.

Wie still die Luft! Des Regenpfeifers Schrei Scholl klar herüber von dem Meeresstrande: Und über unsrer Bäume Wipfel sahn Wir schweigend in die dämmerigen Lande. Nun wird es wieder Frühling um uns her, Nur eine Heimat haben wir nicht mehr.

Nun horch ich oft, schlaflos in tiefer Nacht, Ob nicht der Wind zur Rückfahrt möge wehen. Wer in der Heimat erst sein Haus gebaut. Der sollte nicht mehr in die Fremde gehen! Nach drüben ist sein Auge stets gewandt: Doch eines blieb wir gehen Hand in Hand.

Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Brühl,che AniversitLtSdruckerei R. Lange, Gießen.

Da stand er, der Marmorbogen, ganz allein auf dem kahlen Fels­boden, unerträglich weiß in der blauen Luft. Kein Gras, kein Strauch, milderte das gewaltige Pathos dieses Steines und dieser Sonne, die auf ihn strahlte wie lange schon! Da stand es, die Steine fingen an zu ....... gestern, und jeder Buchstabe warf

Dichter und Jugend.

Bon Paul Alverdes.

Aus dem neuen BucheDank und Dienst", in dem der auch als Herausgeber der ZeitschriftDas Innere Reich" bekannte Dichter Paul Alverdes die besten seiner Reden und Aufsätze gesammelt hat, bringen wir mit Erlaubnis des Albert Üangen/Georg Müller Berlages in München den fol­genden Beitrag.

Ein jeder Kindervers, den uns die Mutter lehrte, jedes Volkslied, das tvir gesungen, und zuletzt jedes Gedicht, das wir gelesen und allmählich in uns aufgenommen: es bedeutet dem rückschauenden Blick zugleich eine Stuf« des Lebens, eine Vermehrung der fortan lebendig weiter- zeugenden Habe unseres Herzens; was man von keiner neuen Erfahrung ui der Schönschreibe- und der Rechenkunst oder in der Grammatik wird behaupten können. Wer wollte es also unternehmen, hier eine Grenze zu suchen? Vielleicht beginnt, aus dem Munde einer Magd gesummt, «in Dichterwort schon auf uns zu wirken und uns zu bestimmen, noch ehe wir selber zu sprechen gelernt haben.

Was aber das Kind nur unbewußt und träumend empfängt, und was noch der Knabe, nicht anders als in seinen Spielen, auch im Gedicht vorweglebt und vorwegnimmt, das stellt sich dem jungen Menschen an der Schwelle der Reife nun immer weniger als sm Traum oder eine Vorwegnahme dar. Immer näher rückt die scheinbar ersponnene Welt der Dichter seiner eigenen Lebenswirklichkeit, bis er einmal entdeckt, daß er ein Liebesgedicht aus fremdem Munde, «ine Strophe auf einen Freund, einen Gesang an das Vaterland oder gar ein Sternenlied ganz ebenso hätte schreiben wollen, wenn er schreiben könnte. Und nun beginnt jene Zeit, wir alle haben sie erlebt, in welcher der junge Mensch Hand in Hand mit seinen Dichtern noch einmal in die Welt eintritt, wie zum allerersten Male. Zwar es scheint oftmals nur eine Welt aus Worten zu («In, eine erfundene, müßig erspielte jenseits aller Wirk­lichkeit, fast immer vom Vergangenen handelnd und an Orten und unter Umständen, welche meistens seiner eigenen Erfahrung nicht bekannt sein

* Dem göttlichen Trajan Senat und Volk von Ronr.

Die leiseste Ueberraschung erlebte ich aber in diesem Herbst an einem Nachmittage mit stiller goldener Luft. Ich schlug mich durch das Ufer­gebüsch eines wilden Flüßchens uns machte Jagd auf Haselnüsse. In meinem Elfer war ich seinen blitzenden Stromwirbeln bis In unbekannt« Gegenden nachgelaufen. Nun machte der Flußlauf ein Knie, und auf dem Rasen dieser Halbinsel sah ich jetzt zwei große, volläftige Bäume stehen, ganz nahe nebeneinander. Weiß Gott, wie sie in diese Einsamkeit hingeraten waren, denn es waren Apfelbäume. Sie hatten gleichen Wuchs und trugen-das gleiche Laub. Doch der eine stand voll von blut­roten Aepfeln, der andere aber voll von fchneeweißen. Der Fluß schwatzte um sie herum, die Sonne glänzte auf ihrem Laubs, ab und zu klopfte ein Apfel zu Boden sie aber starrten sich unbeweglich aus tausend weißen und roten Augen an, als ob hier gleich ein hundertjähriger Krieg der weißen und der roten Aepfel ausbrechen sollte. Es war, als ob die Natur einmal habe zeigen wollen, was sie alles konnte. Es war «in stiller goldener Nachmittag. Es war eine Ueberraschung.

können und vielleicht auch niemals bekannt fein werden. Und denn«- ' ist ihm wunderbarerweife das alles nicht nur nicht fremd, sondern e: vermeint sogar, es» wiederzuerkennen, wie aus einem oder vielen sch«, l vor diesem gelebten Leben. Nun stimmt ihn das Gedicht auf die @e fallenen zu brüderlicher Trauer, als habe er selber solche lieben Toter i zu beklagen, nun küßt auch der noch ungeküßte Mund alle Küss« de: Liebenden im Gedichte mit, und nicht anders, als kehre er nur dorthin zurück, gesellt er sich den Helden um Achill und Roland und den Ritze langen im brennenden Saal, oder sitzt nieder zum Harfner, und roeitii t mit ihm auf das Brot, der Rächung aller Schuld auf Erden gewärtig.

Zugleich begann es wohl, daß wir mit tieferer Teilnahme nach jener I kleingeschriebenen Namen forschten, daß wir sie zu unterscheiden be­gannen und endlich von dem Leben ihrer Träger auf Erden mehr unti L alles zu wissen begehrten. Was uns aber drängte, aus dem überliefert«« ! Bildnis, aus Brief und Handschrift eine innigere Bekanntschaft 51 | schließen, das ist wohl in keinem Falle ein verfrüht forschendes, (am- j; melndes, ein wissenschaftliches Interesse gewesen. Es war vielmehr bas gewisse Gefühl beginnender Freundschaft, eine oftmals schwärmende, atz« doch immer begründete Zuversicht, als liehe sich mit einem solchen Men | schen recht eigentlich reden, von Herz zu Herzen, wie mit keinem andern auf der Welt, keinem noch so geliebten oder verehrten Vater und Lehrer Denn was immer die Jugend vor allen andern Lebensaltern bewegt verborgen und geheim bisweilen, aber oft so mächtig zugleich, daß es ihr das ganze übrige Leben verstellen, ja gefährden kann, hier in den Werken der Dichter ward es kund, war es gesprochen wie aus dm eigenen Herzen und eigenem Munde. Nein, wir konnten uns diese Mm schen niemals als durch Alter, durch den Unterschied von Jahren, Jahc- zehnten, oft nicht einmal von Jahrhunderten wesentlich von uns ge­trennt und verschieden vorstellen, sondern immer nur als zu uns ge­hörig, als unseresgleichen.

Wie »ft aber sahen wir andere Menschen schon durch wenige Jahn I für immer von uns geschieden, und sahen «s zuweilen mit geheimem Bangen vor unserer eigenen Zukunft! Es war, als gäben ihnen bie | Jahre nicht hinzu, wie wir es doch für uns erhofften, sondern nähmen -wieder fort, und als würden ihre Herzen nicht weiter, sondern als schrumpften sie wieder ein. Wie selten war einmal unsere Glut auch die ihre! Sie konnten gleichgültig bleiben, wenn uns der Name des Vater- I landes erb rennen machte vor Begierde, uns seiner wert zu erweis« sie spotteten, wenn uns die Liebe mit süßen Qualen schlug, sie weis­sagten Enttäuschung, wenn wir einen Bund der Freundschaft gleich fii.t j das ganze Leben stiften wollten. All unserer Unbedingtheit setzten ihre Erfahrung entgegen, die uns -doch nur Ermattung scheinen mußte. Manchmal fragten wir uns, ob sie denn wohl blind geworden seien für den Glanz der Sterne zu ihren Häupten, ob die Steine nicht mehr redeten zu ihnen und kein Schatten großer Vergangenheit sie mafjiH und auf riefe wie uns, ob denn die Welt ihnen wirklich nicht meh-i größer sei. als der Raum ihrer Stube und der Tisch ihrer täglichen Arbeit. Der Mund aber, der einst gesungen hatteDem Schnee, dm l Regen, dem Wind entgegen", oderEs schienen so golden die Sterne" oder auchWohlauf, Kameraden ...", der blieb uns alterslos fiir immer, der sprach mit unserer Zunge, auch wenn wir selber nur stumm I zu erwidern vermochten.

Dies nämlich hat alle echte Jugend mit allen echten Dichtern ge­mein: daß sie in einer furchtlos entzückten Vorwegnahme aller Er i-abrungen dieses Gebens, auch der tödlichen, sich immer in der Mitte des Daseins fühlt und nicht an seinem Rande. Mag ihn diese Fülle de: Welt, in deren Mitte er, aus den noch dämmernden Träumen der Kind­heit heraus oftmals wie mit einem Schlage gerissen wird, mag sie den jungen Menschen begeistern und mit dem Feuer großer Vorsätze uni Taten erfüllen, oder mit den ehrfürchtigen Schaudern frommer Demuie niemals wird er sich herablassen, dieses Dasein nach bloßen Zwecken und nach bloßer Nützlichkeit zu messen und zu begreifen. Hierin such! -er nach Vorbildern, nach Gleichgestimmten und Gleichgesinnten, unü wo anders sollte er sie verehren, -als in der Erscheinung des Heldem in seiner tätigen und auch in seiner standhaft ertragenden Gestalt? Diese aber, und ich nehme hier den Begriff des Helden in seinem weitesten Sinne in Anspruch, gibt ihm der Dichter. Er gibt sie ihm in den Gestalten feiner Werke, und zuweilen, nach fernem Tode auch in seiner eigenen Gestalt.

. Denn auch er, ich sagte es schon, lebt wie das Herz der Jugend immerdar in der Mitte des Daseins, zwischen Erde und Himmel, dem Unvergänglichen zugewandt in aller seiner Vergänglichkeit, und es hieß« für ihn, sich seines Amtes, auch für ihn sich feinerJugend" zu be­geben, wollte er sich von Nützlichkeiten und Meinungen und Zwecken des Tages jemals ausschließlich bestimmen und damit an -den Rand des Daseins verweisen lassen.

Hier aber ist noch ein Wort der Erklärung nötig. Auch die Kun-st, auch die Dichtkunst kann zu einem Zweck entarten, zu dem Zweck ihren seiber nämlich. Wir haben kein deutsches, aber das französische War« Ernt pour lart dafür. So alt wie die echte Dichtung, so alt ist auch die Freundschaft zwischen den Dichtern und der Jugend gewesen. Sie folgt gleichsam aus der Sache selbst. Aber noch niemals hat sich eine dauernde Freundschaft zwischen echter Jugend und solchen Zweck- ober Kunstkünsi- l-crn gründen können.

iJaft versteht es sich danach von selber, daß dem wahren Dichter das Erlebnis, der Glauben und der Kampf einer Jugend zu allen Settern mehr gewesen sind als bloß Anlaß und Gegenstand für Gedichte. Sie sind, wenn anders jene uralt heilige Freundschaft zu Recht besteht, tmmer auch sein eigener Glaube und Kamps gewesen. Wenn heute die Jugend die Dichter wieder in ihre Lager ruft, so begehrt sie zwar will Recht, daß er nicht nur als ihr Kamerad, sondern auch ein Dichter zu ihtt spreche. Aber je mehr einer Dichter ist, um so unüberhörbarer und un­mißverständlicher wird er auch dann, wenn er nur von sich selber zu sprechen scheint, von ihnen allen und zu allen zu sprechen wissen.