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Derantwortllch: vr. Hans Thhriot. — Druck und Berlag: Brühls che Universitätsdruckerei R. Lange, Vieh en.
Aber sie waren alle ganz gewiß, daß es keinen Ausweg vor ferner Tyrannei gab. Es war eine Erleichterung, sich arisgesprochen zu haben, aber kein Heilmittel. Man konnte sich gegen Onkel Ruben nicht auflehnen.
Man sollte es nicht glauben, aber als diese Kinder groß wurden und eigene Kinder bekamen, begannen sie -sich sogleich Onkel Ruben zu Nutze zu machen, so wie ihre Väter es vor ihnen getan hatten.
Unb ihre Kinder wieder, nämlich die Jugend, die heute heranwächst, haben die Lektion so gut gelernt, daß es eines Sommers draußen au dem Lande geschah, daß ein fünfjähriges Kmrpschen zur alten Großmutter 3erta kam, die sich auf einen Absatz der Treppe gesetzt hatte, wahrend sie ms den Wagen wartete, und sagte:
„Großmutter, du hattest noch einmal einen Bruder, der Ruben hieß."
„Darin hast du recht, mein kleiner Junge", sagte die Großmutter und stand sogleich auf.
Spanische Küche.
Von Anni Diedrich.
Wird es deutsche Hausfrauen nicht interessieren etwas über spanische Küchengeheimnisse zu hören? In jenem Land, bas gesegnet tft mit reichen Feldern, großen Weiden und endlosen Herden, das eine Fülle aon Früchten bietet und Del im Ueberfluh hat durch die hunder.iausend Olivenbäume — dort ist die Kochkunst einfach. Dort durften bis vor curzem die Regeln der Kochbücher unserer Großmutter gelten: „Man
Zucker genossener Kaffee, ober eine Tasse Manzanillatee bilden den Ab- ^'tbifere Kaffeemahlzeit fällt aus, höchstens wird in einem der viele» Kaffeehäuser die Merienda eingenommen, bestehend aus einem „Glas Kaffee Expreß". Kinder essen häufig um 5 Uhr ein Stück trockenes Weißbrot und ein Stück Schokolade. Abgerechnet von der Taffe Schokolade am Morgen nimmt der Spanier eigentlich nur zwei' Mahlzeiten, das Mittag- und das Abendeffen. Er benötigt nicht mehr. Die Stunde des Abendessens liegt erst zwischen 9 bis 10 Uhr. Das Abendessen unterscheidet sich wenig vom Mittagessen. Es wird immer warm gegeben. Brot mit Ausschnitt kennt man nicht. Abgesehen von der Paprikawurst, die hauptsächlich in Estremadura hergestellt wirb, unb einem zwar sehr guten Schinken, kann man im Schlachterlaben keine Wurstsorten kaufen. Schinkenscheiben mit Olivenfrüchte unb scharfen Sardellen werben bei guten Mittag- unb Abendeffen als „inlsrmezo"-Zwischengericht gereicht. Mit kleinen Holzstäbchen, ähnlich unseren Zahnstochern, werben bie Schinkenitückchen von ber Platte genommen und bannt zu Munde geführt. Zum Abendessen werden vor allem viel Eiergerichte gereicht. Eine übliche Frage vor Tisch lautet: „Wie wollen Sie bie Eier zu- bereitet haben?" Jeber Speisenbe bekommt sie in ber von ihm beliebten Art gereicht. Wünscht man die Eier gekocht, so werden sie nicht in der Schale und mit Eierbecher, sondern im Glas zum Essen fertig serviert und sehr kurz, durchschnittlich eine Minute gekocht. Großer Beliebtheit erfreuen sich bie Eieromelette nach französischer ober speziell spanischer Zu- bercituno , Tortilla con patatas", Omelette mit S^Qrtoffel: sJtot)e, fettige- schnittene' Kartoffelscheiden werben in Del gebraten, bann unter bas geflogene Ei gemengt und dieses kurz angebaden. An Stelle der Kartoffelscheibchen werden zur Abwechslung auch wohl Salmstuckchen, Schin- kenwürsel oder Pilze genommen. Das Braten von Fleisch, das Backen von Eiern wird ausschließlich in Del gemacht. Butter, Schmalz oder Margarine gibt es in der spanischen Küchenbereitung nicht. Eine sehr gute vor allem im südlichen Spanien häufig wiederkehrende Platte, ist das Reisgericht. Den Reis verstehen sie meisterlich und schmackhafter als bei uns zu bereiten. Der Reis wird nicht in Milch gekocht, sondern stets in Fleischbrühe, dann kommen verschiedene Gemüsesorten hinein, Schinkenwürfel, Hühnerfleisch, und der rote schmackhafte Pimenton. Das alles wird wie eine Art Auflauf im Ofen abgebacken.
Das ist die Küche des guten spanischen Hauses. Doch wir wissen ja, daß es in Spanien eine große Anzahl Menschen gibt, den eigentlichen Hauptbestandteil des Volkes, der im weit bescheideneren Lebensniveau lebt. Im Haushalt des spanischen Arbeiters begnügt man sich mit drei ober vier im ganzen Jahr monoton "wiebekkehrenden Gerichten. Am Morgen sind es bie „migas" mit ein paar gebackenen Sardinen. Es find Weißbrotkrumen, die in Del geschmälzt sind, und zwar möglichst in bem Del, in bem bie Sarbinen gebacken würben. Dazu trinkt man ein Glas von bem billigen Lanbrotweiu. Jawohl, schon am Morgen liebt der Spanier als erstes Getränk seinen „Vino". Das Mittagessen bringt das stets wiederkehrende „cöcido". Ein Gericht von Ziegen-, Lämmer- ober Schweinefleisch, bas mit ben „gervancos", ben spanischen Erbsen und ein paar Kartoffelstöcken zusammengekocht wirb. Dazu bas übliche große Stück Weißbrot. Die „gervancos" unb bas Brot gelten als Sättigung. Wenn hinterher ein gebackenes Ei ober ein Stück Ziegenkäse genossen wird, so ist das schon eine reichliche Zugabe. Im Sommer gibt es täglich, besonders in Andalusien und Estremadura, ein „gaspacho“. Eine Suppenschüssel erscheint auf bem Tisch. Die Brühe darin erinnert an unsere Salatsohe. Zwiebel, Knoblauch, Tomate und Gurke werden fein zermalmt. (Für die Herstellung dieses Gerichtes gibt es in jedem Haushalt eigens einen typischen Holz- oder Kupferkübel mit Stampfern.) lieber, die zerquetschte Masse wird ein Ei geschlagen und tropfenmeife das Del zugegeben und lange verrührt, Salz und Essig geben den schärferen Geschmack, und endlich wird eiskaltes Wasser aufgefüllt. In dieser Brühe werden große Weihbrotstücke aufgeschwämmt. Oft legt man noch ein Stück Eis hinein. Es ist für jeden Fall für die heißen Sommermonate ein sehr erfrischender Nachtisch, der besonders in Andalusien durch verschiedene Kräuter recht schmackhaft gemacht wird. Das Abendessen bringt wieder ein solches Gaspacho, und wieder ein Cocido, abwechselnd von „gervancos" unb „habichuelos": Erbsen unb Bohnen — Bohnen unb Erbsen! Vielleicht noch ein Paar Apfelsinen (300 Stück 1 Mark!). Daraus besteht bas Essen, Sonntag wie Alltag!
Die spanische Küche bildet nicht ben Mittelpunkt bes Hauses, bie Mahlzeiten finb nicht bie Sorgen ber Hausfrau. Die reiche Spanierin kocht nie selbst, sie lernt es nie. In jebem nut* etwas besseren Haushalt gibt es 1 eine Köchin. Es war Sitte, daß bie Köchinnen täglich Ausgang von
3 bis 7 Uhr hatten. In ben Häusern ber einfachen Leute sinb bie primitiven Gerichte schnell auf bem Feuer gar. «Das „gute Essen" nimmt bei bem Spanier keine zentrale Stellung ein. Die Reichen essen ihre Leckerbissen, ohne viel baraus zu achten — es ist eben so üblich! Das Tischgespräch wird nie Vorzüge ober Nachteile einzelner Gerichte berühren. Und bie Menge bes arbeitenden Volkes ist vollauf mit diesen traditionellen Gerichten ber Vorväter zufrieben. Der Spanier faßt bas Leben bramatif auf. Leben zu dürfen in feiner Heimat, mit seinen Sitten unb Gebräuchen, bei feinen Frauen, unter ben blauen Himmel, unter seiner gotbenen Heimatsonne — bas ist ihm Lebensinhalt. Diese Romantik, vereint mit einem ihm angeborenen Stoizismus hat ihn gelehrt, leichten Herzens auch kümmerlich zu leben ober gar zu hungern! Nie wirb er klagen. Die Ehre geht über alles. Wem es schlecht geht, der spricht nicht davon. Die rühmlich bekannte, spanische Gastfreundschaft wird immer dem Gast etwas anbieten, wenn er selbst auch dafür darben müßte.
Sollten wir nicht gerade heute an die Eigenart dieses Volkes,, mit wenigem froh und leicht sich zu begüngen, an diesen stolzen Stoizismus des Spaniers unsere berechtigte Hoffnung knüpfen: ein solches Volk wird sich in kurzer Zeit erholen, seine Not überwinden und aus glückhafter * Veranlagung und innerer Kraft wieder zur alten Größe aufsteigen.
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So will ich heute etwas erzählen von der täglichen Lebensweise der Spalier und einige Rezepte verraten. So verschwenderisch und üppig die weichte der Feinschmecker sind, von einer ebenso erstaunlichen Einfachheit lebt Wieben bas große Volk. Die gute spanische Küche hat em doppeltes Merkmal: sie ist unkompliziert, einfach zu bereiten, benötigt aber eine Fülle bester Zutaten. Bei ben spanischen Leckerbissen habe ich auch ernannt daß tatsächlich nicht z. B. bie Anzahl ber Eier, bie m den Kuchen leftagen werden, dessen Geschmack ausmachen, sondern eben bie Verarbeitung gewährt bie Güte. An Stelle unserer guten Sonntags tuchen: lopftudjen, Streußelkuchen, Käsekuchen unb Dbfttorten, kennt man dort eigentlich nur eine Art, ben sogenannten „Bollo", es tft ein Bistuit= tuchen, von genau 2 dozena = 24 Eier (!), dazu 1 Pfd. Mehl unb 1 Pfd. Zucker. Ein anderer Auffchnittkuchen ist vielleicht noch der „Rosca de lideo", zu dem auch nicht weniger als 20 Eier und em Liter Del im Teig verarbeitet werden! Ein anderer Ueberrafchungs- tuchen der um die Dftergeit, in zwar verschiedener Güte, doch in jedem Hause' gebacken wird, ist folgendes Gebäck. Aeußerlich erscheint der Kuchen wie ein rundes Weißbrot. Ahnungslos schnitt ich es auf, welche Ueberraschungen kamen da zutage! Da waren in dem Teig emgebacCen: ganze Eier (mit ber Schale werden sie roh in den "Teig gelegt, und durch das Backen gargekocht), Bruststücke von verschiedenem Geflügel, die nie fehlende pfeffrige Paprikawurft, und ein Stück vom feinen Manchega- täfe, eine Sorte vollfetten Schafskäses! Das alles war wie in verschiedenen Fächern im Teig eingeschlagen, unb bann noch einmal eine Teighülle brumherum. Unser „Apfel im Schlafrock" erinnert «in wenig an diesen Ueberraschungskuchen. Da die Teigmasse viel Delgefjalt hat, bleibt sie samt feinem eingebackenem Inhalt mehrer Tage gut frisch unb wird gern als „Merienda"=23efper auf bie Landausflüge, bie „jidas", mitge
nommen.
Plaudern wir nun ein wenig über den Lauf ber täglichen Mahlzeiten. Das Frühstück bes Spaniers besteht nicht wie bei uns aus ben Speifen des gut gedeckten Kaffeetifchs mit Butter, Marmelade ober gar Aufschnitt. Am Morgen trinkt man in Spanien meist nur eine Tasse Kaffee ober eine Tasse dickflüssige Schokolabe mit einer Scheibe trockenem „Toast" (in Del gebackene Brotscheibe), ober man ißt ein paar „churros" ober „bunelos" dazu, auch ein Delgebäd, bas bie Delfieber allmorgendlich an jeber Straßenecke in Stabt unb Dors backen. Diese großen Chorros- tringel werden über dünne Zweigstäbchen gesteckt und so verkauft. Das heiße und frische Gebäck ist recht schmackhaft, unb wird von blütenweißem Mehl bereitet. Um 2 Uhr wirb bas Mittagsmahl genommen. Ein Frühstück zwischendurch kennt man nicht. Die Gerichte werden einzeln gegeben. Nie werben Fleisch, Gemüse, Kartoffeln zusammen serviert, und von einem Teller genossen! Es gibt fast täglich einen Fischgang. Das Meer, bas ganz Spanien umgibt, fpenbet eine solche Anzahl von Muscheln, Krebsen, von Schollen, Hummer, Thunfisch unb Salm (nur Heringe kennt man nicht!), baß es im gWzen Land täglich frischen und verhältnismäßig sehr billigen Fisch gibt. Tägliche Nahrung ber arbeiten« ben unb wenig verbienenben Klasse sind die frischen gebackenen Sardinen. Die „Sardineras" -- Sarbinenverkäuferinnen, bie allabendlich nach Heimkehr der Fischerboote mit ihren weiten Körben auf den Kops durch die Straßen ziehen und ihr melodisches „Sardinas, frescas sardinas" rufen, gehören zum bunten spanischen Straßenbild.
Der Fisch wird mehr gebacken, seltener gekocht und mit Mayonnaise gereicht Die Kartoffeln als Beigabe kennt man nicht. Zu jeder Speise ißt man das schneeweiße Weizenbrot, bas in Stücken, nicht in Scheiben auf ben Tisch kommt, unb dann in kleine Bissen abgebrochen wirb. Der Fleischgang besteht in den reichen Häusern aus bem unvermeidlichen großen Beefsteak ober bem sehr häufigen Jagbfleisch unb Geflügel: Rebhühner, Fasanen unb roilbe Kaninchen. Der Hase gilt als Bastardfleisch unb wird dem Kaninchen nachgefetzt. Auch bas Gemüse wirb als Einzel- gang gereicht. Da erscheinen vor allem Mangold, Spinat, Alcaschoten, Spargel (mit Mayonnaise gegessen), Erbsen unb Salate auf bem Speisezettel. Doch bas Gemüse wird nicht, wie bei uns, in Fett geschmolzen, es wirb lediglich in Salzwafser abgekocht, und jeder gießt sich bann selbst bei Tisch nach Geschmack Del unb Essig daran. Als Nachtisch gibt es Dbft, Weintrauben, Apfelsinen, frische Feigen, Pfirsiche und die saftigen Melonen. Ein guter, äußerst staxker, meist schwarz, aber mit sehr viel


