Ich hab, ich habe Herzen,

So

Und Wir

Und

Das

Preis der Freundschaft.

Von Simon Dach.

Der Mensch hat nichts so eigen, .So wohl steht ihm nichts an. Als daß er Treu erzeigen Und Freundschaft halten kann. Wann er mit seinesgleichen Soll treten in ein Band, Verspricht sich, nicht zu weichen. Mit Herzen, Mund und Hand.

Nie wissentlich berührt!

Ich bin auch ihnen wieder

Von Grund der Seele hold, Ich lieb euch mehr, ihr Brüder, Als aller Erden Gold!

uns nur sollen leben, ern von Leuten sein.

__treue, wie gebührt. Die Heuchelei und Scherzen

Die Red ist uns gegeben, Damit wir nicht allein Für

Was kann die Freude machen. Die Einsamkeit verhehlt? Das gibt ein doppelt Lachen, Was Freunden wird erzählt. Der kann sein Leid vergessen. Der es von Herzen sagt, Der muß sich selbst auffressen, Der in geheim sich nagt.

Gott stehet mir vor allen. Die meine Seele liebt: Dann soll mir auch gefallen. Der mir sich herzlich gibt. Mit diesen Bundsgesellen Verlach ich Pein und Not, Geh auf den Grund der Höllen Und breche durch den Tod.

ollen uns befragen ehn auf guten Rat, Leid einander klagen, So uns betreten hat.

Zwischen Tür und Angel.

Don Gertrud Papendick.

Wir hatten seinerzeit ein Dienstmädchen, Marie mit Namen. Die Geschichte dieser Marie ist ein verhallender Klang aus ferner Zeit und setzt sich zusammen aus eigenen Kindheiterinnerungen und aus Berichten derer, die in dieser Angelegenheit die Hauptbeteiligten waren.

Ich kann mich nicht darauf besinnen, daß an Marie irgend etwas Besonderes war. Sie war nicht groß, jedoch kräftig, von belangloser Vlondheit, mit einer kleinen, runden Nase und einer lauten Stimme begabt. Doch weiß ich jetzt, daß sie eins von jener Sorte von Mädchen war, die es heute nicht mehr gibt.

Begründen läßt sich das nicht. Aber es ift so, eine Tatsache, an der es nichts zu deuteln und zu beschönigen gibt. Im Wesen dieser Marie lag jenes Unbedingte, dem man nicht entrinnen kann. Sie war nicht viel über zwanzig, als sie zu uns kam. Und doch bemächtigte sie sich unseres komplizierten Hauswesens mit einer Sicherheit und Gewaltsamkeit, die sie in Kürze unentbehrlich machten.

Gewiß, sie war nicht frei von Untugenden. Sie hatte Launen und war zuweilen ein wenig laut. Mein Vater pflegte zu sagen, daß an ihr ein Kleinkaiiberdragoner verloren gegangen sei. Wenn ihr etwas wider den Strich ging, dann knallten dis Türen, und in der Küche flogen die Topfe, daß man es im entferntesten Winket der Wohnung horte.

Aber was bedeutete das gegen diesen Kern von Gold? Sicherlich hatte die Natur sie dazu bestimmt, in unserem Hause alt und grau zu werden, sich das goldene Kreuz für treue Dienste zu erwerben und sämt­liche Familienmitglieder zu beherrschen. , in1

Doch das Schicksal wollte es anders. Marie wurde uns bereits im dritten Jahre ihres Aufenthaltes wieder entrissen. Das kam so.

Marie hatte keinen Schatz, bewahre! Ich weiß das zufällig genau weil Papa jedes neue Mädchen bereits am ächzten Tage zu tragen pflegte:Haben Sie einen Bräutigam? Es wird nur hier nicht des Abends vor der Haustür herumgestanden!" , . , h

Nein, Marie hatte keinen. Aber sie hatte eineTante, so wie ,edes ordentliche Mädchen alten Schlages irgendwo in der Stadt eine ä,ame sitzen hatte, die am Ziehtag mit an den Schließkorb faßte und die Zu- K sür den Sonntag war. Die Tan^ wohnte auf de r'

i wir Kinder im Winter zum Schlittschuhlaufen nach d 6 8 wiesen gingen, kamen wir an einem kleinen, garuen Hau sch -

dessen schmale Giebelfront sich bedenklich »ornuberneigte. Dort befand sich neben der einen Haustür - es gab deren zwei nebene.na ider und sie nahmen fast die ganze Breite des Hauses ein Porzellan

Ichild: Frau Minna Jeduschke, Hebamme. Das war Manes ll^nte.

, Ganz gewiß haben wir vom Berus einer Hebamme damals nur eme lehr undeutliche Vorstellung gehabt. Ich glaube, wir dachten nicht we.te

darüber nach. Auf {eben Fall erschien uns Frau Jeduschke, deren Nam« so vertrauenerweckend und klangvoll war, als eine ansehnliche und ehr» furchtgebietende Persönlichkeit, wenn sie zuweilen hinter einem Topf Kaffee bei Marie in der Küche saß.

Marie ging jeden zweiten Sonntag zu Frau Jeduschke und kam immer hochbesriedigt von dort zurück. Denn diese Hebamme war ver­möge ihres wichtigen Berufes eine Frau, die in der Welt lebte und Beziehungen hatte. Ich erinnere mich deutlich an Vorstellungen, die sich für mich mit dem Namen Albert verbanden. Anscheinend war das ein Kusin. Doch war er, wenn man die Weiterentwicklung der Dinge be­trachtete, nicht von wesentlicher Bedeutung. Dann gab es eine Familie Dubbert, die öfter erwähnt wurde, Lieschen, Heinrich und Frau Kar- fchulla. Doch wechselten auch noch andere Namen, die mir entfallen sind, über die Szene der Vorderlomse.

Es scheint mir heute naturnotwendig und folgerichtig, daß eine Frau wie Minna Jeduschke, die ein so hochbedeutendes Amt ausfüllte, vom Schicksal dazu ausersehen war, in Maries und damit auch in unser Leben entscheidend einzugreifen.

Die Dinge, die sich da zugetragen haben, waren etwa folgende:

Frau Jeduschke hatte in ihrer weitverzweigten Kundschaft wieder einem kleinen Erdenbürger zum Eintritt ins Leben verhalfen. Cs war das dritte Kind einer ehrsamen Tischlersamilie, ein Junge. Alles war gutgegangen. Die Mutter stand am dritten Tage auf. Am Sonntag da­nach trug Minna Jeduschke den Täufling vor dem stolzen Elternpaar zur Kirche.

Und dann geschah es, daß die junge Mutter fünf Wochen später an einer Lungenentzündung starb. Es war ein großes Unglück um die drei kleinen Kinder und den armen, verlassenen Mann. Er nahm eine junge Verwandte ins Haus, aber das war ein sechzehnjähriges, nichtsnutziges Ding, das am liebsten auf der Straße lag.

Vierzehn Tage nach dem Todesfall kam der Tischler Strumann zu Frau Jeduschke. Er wußte sich keinen Rat mehr.

Sie müssen heiraten, Herr Strumann", sagte Frau Jeduschke.

Der Mann sah da, den Kopf in die Hand gestützt, mit hilflosem Gesicht und sagte nichts.

Was denken Sie denn?" sagte Frau Jeduschke,wollen Sie Ihre Kinder zugrundegehen lassen? Denken Sie doch an den kleinen Jungen! Sie müssen gleich wieder eine Frau haben."

Wo nimmt mich denn eine", sagte der Tischler Strumann,mit drei Kindern!"

Na, das wäre doch", sagte Frau Jeduschke entrüstet,ein Mann wie Sie, der sein gutes Einkommen hat und so eine schöne Wohnung, alles komplett und propper. Und Sie, ein junger Mann, stattlich und noch dazu solide. Ein Glück wäre das für jedes Mädchen. Sie müssen sich umhin. Haben Sie denn nicht wen in Ihrer Bekanntschaft?"

,Za, Frau Jeduschke", sagte der Mann,deswegen komme ich ja doch zu Ihnen. Wissen Sie denn nicht eine?"

Maries Tante war einen Augenblick still. Ein großer und starker Gedanke zog durch ihr Gehirn. Sie sah sich den Mann noch einmal an. Gewiß, es war ein Glück für jedes Mädchen ...

,^Ja", sagte sie kurz. ,Jch weih eine."

Und im Augenblick hatte sie ihren Plan fertig.Kommen Sie nächsten Sonntag, Herr Strumann. Ich hab eine Nichte. Marie. Sie ist ein ordent­liches Mädchen, fleißig und gesund. Dretundzwanzig Jahre. Sie ist in Stellung und hat Sonntag Ausgang. Dann kommt sie zu mir. Kommen Sie am Sonntag ..."

Der Tischler Strumann fand sich zur verabredeten Zeit ein, aber Marie war nicht da.

Ich besinne mich noch ganz genau auf diesen Sonntag. Unsere Ver­wandten aus Riga waren auf der Durchreise zwei Tage bei uns.

Und deshalb schrieb Marie am Samstag auf der Ecke des Küchen­tisches eine Karte an Frau Jeduschke. Sie malte mühsam mit großen Buchstaben:Liebe Tante, ich kann morgen nich kommen, wir haben Besuch. Liebe Tante, ich komm den andern Sonntag. Aufs Wiedersehn. Deine Nichte Marie".

Der Tischler Strumann war bestürzt. Er hatte sich fest darauf ein­gerichtet, und nun war es nichts.Kommen Sie nächsten Sonntag wieder", sagte Frau Jeduschke. Aber der Witwer ließ sich nicht ver­trösten.Es dauert mir zu lange", sagte er.Denken Sie doch an das kleine Kind. Wollen Sie ihr nicht schreiben?"

Nein", sagte Frau Jeduschke resolut,das hat keinen Zweck. Bis nächsten Sonntag hat's Zeit" Und dann redete sie van etwas anderem.

Als dann der Tischler Strumann fortging, fragte er fo nebenbei, bei wem denn die Marie diente, und wo das wäre. Nur fo beiläufig, weil er wissen wollte, ob er die Herrschaften vielleicht kenne. Er hatte viel für gute Hauser gearbeitet.

Und dann ist er wohl auf der Vorderlomse stehen geblieben und hat die Adresse, unsere und Maries, in sein Tischlernotizbuch geschrieben, wo er die Maße von bestellten Arbeiten stehen hatte und Holzpreise und anderes mehr.

Und so geschah, es, daß es eines Tages, nachdem der Rigaer Besuch abgefahren war es muß also am Dienstag gewesen sein-, zwischen zwei und drei Uhr nachmittags bei uns klingelte. Zuerst einmal ganz leise und zaghaft, und das hatte Marie wohl nicht gehört, die in der Küche beim Abwaschen war und mit den Tellern klapperte. Und dann klingelte es noch einmal. Marie wischte sich die Hände an der Küchen- schürze ab und ging hinaus, die Tür aufzumachen.

Da stand ein fremder Mann, er war groß und blond und noch ziem­lich jung, er hatte ein gutes, ruhiges Gesicht und drehte die Mütze in den Händen herum.Guten Tag, Fräulein", sagte er.

Tag", sagte Marie kurz.Was wollen Sie?"

Enftchuldigen Sie", sagte der Tischler Strumann,sind 6u o« Marie?"