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Herbst-Elegie.

Von R u d o l f S ch m i t t S u l z t h al.

Tanz und Feste begehn rauschend den Ernteweg und der fröhliche Dank fchäumet in buntem Spiel über stillere Felder hoch am goldenen Garbendamm.

Reine Freuden aus Glanz! Sanft mit des Abends Pracht treibt der jubelnde Tag dunkelen Ufern zu und der Fülle Gebilde, Laub und Kränze, vergilbt der Tod.

O vollendetes Herz! Seligster Gluten Frucht!

Ist dem strahlenden Glück nicht auch der Flamme Los auferlegt: nach den höchsten Feuergischten verzehrt zu sein?

Wandelbar ist die Form, wechselnd das Farbkristall in dem Fluss« des Jahrs. Steigend und fallend trägt auch die Welle des Blutes süß des Liebenden wirre Brust.

Das Vollkommen« blinkt einmal im Wogenschlag heiliger Stunden empor. Reife und Lust verprunkt im Gesälle des Herbstes mit dem leuchtenden Blätterschaum.

hen Herzen

eine Geste, eiflenb ihre Kinde lang,

Der Mensch des Mittelalters hatte unter den Unbilden derschlechter,

ms durch tausend künstliche Mittel davor schützen. Es ist daher natürlich.

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Oer Herbst in der deutschen Dichtung.

Von Annemarie von Puttkamer.

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Wie der Wind so traurig fuhr durch den Strauch, als ob er weine, Sterbeseufzer der Natur ä hauchen durch die welken Haine.

Kelch ein Gegensatz dazu dasHerbstbild" von Hebbel, eines tiissten Naturgedichte, die wir besitzen:

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sahl Die Luft ist still, als atmete man kaum. Und dennoch fallen raschelnd fern und nah Die schönsten Früchte ab von ledern Baum. D stört sie nicht, die Feier der Nfttur! Dies ist die Lese, die sie selber halt;

Denn heute löst sich von den Zweigen nur. Was von dem milden Strahl der Sonne fallt

k sich auch in der Dichtung ausdrückt, während der Herbst «in ungern psehener Gast war, zu dessen Lobe sich lange keine Stimme erhebt, frst gegen Ende der Minnesängerzeit in der zweiten Hälfte des H. Jahrhunderts, ersteht dem Herbst «in Verteidiger in dem thurgauischen kimnesänger Steinmar, der den Werbest" ausdrücklich gegen den lenz ausspielt und ihn als reichlich austeilenden Gastgeber preist, der iim den Wein in Strömen in den Schlund gießen und ihm eine große Eans an den Spieß geben soll, die ihm nicht in der Kehle stecken i eiben wird; dazu Fische, mehr denn zehnerlei, und einen guten Schweinebraten. Wir sehen also, eine recht handfeste Art von Natur-

pnuß!

Auch anderen Sängern ist bald der Herbst diewahre Grundfeste" renschlicher Freuden, die Besseres zu bieten hat als Vogelfang und Slumenroonne des Frühlings.Wünschet, daß uns nach so lichtem Maien biche Herbsteswonne komme! Kann doch niemand auf die Dauer froh |iin ohne Speise, Psasse nicht noch Laie", dichtet der Herr v. Buben- iurg. In einem fälschlich Neithart zugeschiebenen Herbstlied mit dem i: zeichnenden TitelNeicharts Fresserei" werden Würste und Schinken w dieBlumen des Herbstes" gepriesen.

Hatte das ausgehende Mittelalter so gewissermaßen den Herbst als le Jahreszeit der derben Lebensfreude literaturfähig gewacht, fo wurde t um eben dieser derben Sinnesfreuden willen geradezu zur Lieblmgs- jchreszeit der Renaissance. F i s ch a r t besingt den fruchtbaren mit Wem- l-ib bekränzten Autumnus, der seinen Verehrern Obst und Trauben in fülle reicht. Im bacchantischen Jubelton läßt W e ckh«rlin seine feu- rgen Oden auf den Wein ausströmen, geziert stelzen die Verse von fassmannswaldau dahin. Auch die Anakreonttk verherrlicht im ferbft im allgemeinen nur den Spender von Trauben und Wem. Da- 8-gen besingt Johann Heinrich Voß schon dasKlipp und Klapp der Dreschflegel unddie schön gekerbten Knollen, weiß und rot und dick b schwollen", die Kartoffeln, die die Kinder mit Gesang emsammeln. ähnliche Töne findet Matthias Claudius. . .

Von nun an aber wird die Schönheit dss Herbstes mit Ange u Seele erlebt. Man denke nur an Goethes Gedicht e r b IfS e t u 0 < it dem die quellende Reife, derMutter Sonne brütender Scheideblick d sholden Himmels fruchtende ^ülle klastischen AuÄiru^ f . Ukörike sieht in seinem wundervollen GedichtSeptembermorg »verbstkräftig die gedämpfte Welt in warmem Golde fließen^ Die Ao "antik sieht wie überall in der Natur das eigene Seelenbild- auch m b'r Herbststimmung gespiegelt, doch sind es mehr die Molltone der -»hreszeit, die sie anschlägt, Wehmut- und Todesgefuhleherrschenvor. S'enau, der Sänger des Weltschmerzes, hat in seinem> Zyklus fi-r diese düstere Herbststimmung in Natur und Seele die ihm gemäßen 2öne gesunden:

enen Blick Der Mensch des Mittelalters hatte unter den Unbilden derschlechten ines jungen Jahreszeit" viel schwerer und unmittelbarer zu leiden als wir, die wir siten seines ro durch tausend künstliche Mittel davor schützen. Es ist daher natürlich, mb Rasier- d»ß er das Kommen des Frühlings mit elementarer Freude begrüßte, mbaeiehen b« sich auch in der Dichtung ausdruckt, während der Herbst ein ungern

3n Hebbel lebt schon etwas vorn modernen Raturgefsthl. Während das Mittelalter den Herbst fast ausschließlich mit Gaumen und Zunge genossen hatte, fand der Mensch der Klassik und Romantik die ästhetische und stimmungsmäßige Beziehung zu der Jahreszeit. In den letzten Jahr- zehnten des 19. Jahrhunderts aber sehen wir das Naturgefühl sich immer mehr vergeistigen. Der Mensch blickt schärfer und kritischer, er betrachtet den Vorgang der Natur im einzelnen und gewinnt ihm einen dichterischen Gehalt ab oder er erschließt durch ihn einen wesenhaften geistigen Vor­gang, der sich in den Erscheinungen ausdrllckt. Einer, der die Natur so mit dem Auge des Geistes angeblickt hat und dessen dichterischer Schau wir tiefe Verse verdanken, ist Rilke. Von seinen Herbstgedichten sei hier nur eine Strophe aus denFrühen Gedichten" genannt.

Fürchte dich nicht, sind die Astern auch alt, streut der Sturm auch den welkenden Wald in den Gleichmut des Sees,

die Schönheit wächst aus der engen Gestalt; sie wurde reif und mit milder Gewalt zerbricht sie das enge Gefäß."

Etwas von der verborgenen Unruhe des mildesten und glanzvollsten Herbsttages webt durch Nietzsches berühmtes Herbstgedicht mit seinem jähen Wechsel von Rhythmus und Bild, in dem der refrainartig wieder­kehrende Warnungsschrei:Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz! Fliege fort! fliege fort!" abgelöst von dem Bild, in dem die satte Müdigkeit des Herbstes eindringlich zur Anschauung kommt:

Die Sonne schleicht zum Berg Und steigt und steigt und ruht bei jedem Schritt."

Ein wunderbares Beisviel für die dichterisch« Intensität des modernen Naturgefühls, das wahrhaft die Erscheinungen der Natur zum Bilde verdichtet", ist auch das GedichtAlter Baum im Sonnenaufgang" von Hans C a r o | f a, das mit der Zeile beginntFrühnebel steigt aus ein­sam alten Baum", und bann schildert, wie der Baum in der Frostnacht nochdie purpurbraunen rostbespritzten Blätter" festhält, wie dann aber bei Sonnenaufgang unter der Einwirkung des Lichtes die Blätter erst einzeln leis knisternd fallen, dann alle niederstürzenund Himmel, Himmel füllt das nackte Holz".

Wie ein Strauß aus den tiefsten Farben des Herbstes berührt das Gedicht Stefan Georges:

Komm in den totgesagten Park und schau: der Schimmer ferner lächelnder Gestade, der reinen Wolken unverhofftes Blau erhellt die Weiher und die bunten Pfade.

Dort nimm das tiefe Gelb, das weiche Grau von Birken und von Buchs. Der Wind ist lau. Die späten Rosen welkten noch nicht ganz.

Erlese, küss« sie und flicht den Kranz. Vergiß auch dies« letzten Astern nicht, den Purpur um die Ranken wilder Reben, und auch was übrig blieb vom grünen Leben verwinde leicht im herbstlichen Gesicht."

Da wurde der Hanswurst verbrannt!

vor zweihundert Jahren: Oktober 1737.

Von Hans Sturm.

Vor zweihundert Jahren herrschte in der Messestadt Leipzig be­trächtliche Aufregung, einer rief es dem anderen zu: Der Hanswurst wird verbrannt! Von wem? Von der Neuberschen Gesellschaft. Und wo? Vor dem Grimmaischen Tor. Und wer steckt dahinter? Natürlich der Professor für Philosophie und Dichtkunst, Johannes Gottsched und die von ihm geschätzte N e u b e r i n , die vor zehn Jahren eine eigene Schauspieltruppe gegründet hatte und zur Ostermesse damals nach Leipzig gekommen war.

Viel mehr wußte man damals nicht von der Komödiantin, die 1697 in Reichenbach im Vogtlande geboren wurde als Tochter des Advokaten Weißenborn, mit acht Jahren Verse klassischer Stücke deklamierte, neun» zehnjährig mit dem Gymnasiasten Neuber durchbrannte, in Wander­schmieren ihrerSchauspielersehnsucht fröhnte" und nach Jahren voller Not und Elend eine eigene Schauspieiergesellschaft auf die Beine brachte. Noch etwas wußte man: daß Karoline Friederike Neuber keine rohen, schmutzigen Schwänke, keine abgeschmackten Haupt- und Staatsaktionen pielte und nichts mehr verachtete als die herkömmlichen blöden Possen.

Derweil sitzt die Neuberin in dem großen Salon Gottscheds. Der riesenhafte breitfdyultrige Mann beendet eben seine wohlgesetzte Red«:

Ja, ich sehe, ich kann Ihnen, Madame, mit Fug und Recht mein müftergiltiges TrauerspielDer sterbende Cato", welches ich vor sechs Jahren vollendete, zur ersten Repräsentation anvertrauen. Sie sind die größte Schauspielerin unserer Zeit und werden die teutsche Schaubühne zur Perfektion führen!" Die Neuberin wehrt mit einem kleinen weißen Schnupftuch, bas sie immer, auch auf der Bühne, in der Hand hält, ein paar freudigen Tränen, während Gottsched sortfährt:Und Ihr Plan mit dem Autodafä ist superb! Brav, Madame. Wenn wir nur erst diesen blöden Pickelhering, diesen verkümmerten Hanswurst, für immer von der Rampe verbannt haben werden!" Dann erhebt er sich, reicht ihr die Hand zum Abschied, und mit einem artigen Theaterknicks ist die Komödiantin ^"sttn" Abend pilgern mehr Leute zum Grimmaischen Tor hinaus als sonst, und vor der Neuberschen Theaterbude bei Boses Garten drangen sie sich erwartungsvoll: der Hanswurst wird verbrannt! Schon sind Die Dellampen an der Bühnenrampe angezündet, der Vorhang bewegt sich hin und wieder. In den vorderen Reihen nehmen die Frauenzimmer