„Herr Boettcher", spricht eine Stimmt, „Sie müssen sich zu Pferd setzen! Die Gendarmen fahnden auf dem Reitweg auf Sie!" Stein wendet sich. „Gehen Sie zu Ihrer Kutsche, Hardenberg", gebietet Stein. „Sie können in fünf Minuten über der Grenze sein. Ich kann hier nicht bleiben! Der da draußen ist ein Kämpfer von Aspern, der verrät Sie nicht." Herrisch, in wilder Leidenschaft faßt Stein Hardenbergs Handgelenk, er schüttelt es zornig hin und her. „Handeln Sie! Von dem Tag an, da ich im russischen,Hauptquartier bin, hat der Entscheidungskampf für Deutschland mit aller, mit der letzten, mit der äußersten mir zur Verfügung stehenden Kraft begonnen! Deutschland wird frei! Ich scheue vor nichts mehr zurück!" Stein reißt den Kienspan aus der Wand, er wirft ihn zu Boden und tritt die Funken aus. „Der Kampf gegen Englands Despotismus kaun nur von gläubigen Völkern geführt wer- öcn", spricht Stein. „Napoleon konnte ihn nicht führen, er verfiel in die Fehler Englands, er muß weg! Kommen Sie!" Stein tritt in die Nacht hinaus, betroffen folgt Hardenberg. In der Ruhe des hohen Nachthimmels, im silbernen Sterngefunkel über ihnen leuchtet rätselhaft der Komet.
Ein Nachtwächter singt am Ende eines fernen Dorfes: „Was Gott, der Herr, erschaffen hat, das will er auch erhalten, darüber wird er früh und spat mit seiner Gnade walten!"
Eine Sternschnuppe kreist lautlos fallend durchs Himmelszelt. Unerschütterlich grell leuchtet der Komet.
Das Kirchenbuch, die wichtigste Quelle der Familieuforschung.
Von Privatdozent Dn W. K. Prinz von Isenburg.
Die Familienforschung hat im nationalsozialistischen Staat eine ungeahnte Bedeutung erlangt und wird in Zukunft auch in der Schule gepflegt werden. Unsere Leser wird daher die „Einführung in die Familienkunde" von Prinz von Isenburg, der wir den nachstehenden Abschnitt entnehmen, lebhaft interessieren. (Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig. Preis 1,80 Mk.)
Die Kirchenbücher enthalten die Hauptdaten der Standes- bokumente, also Taufe, Vermählung nebst vorhergegangener Verkündigung und Tod bzw. Begräbnis. Ferner bringen sie die Listen der Firmlinge, Konfirmanden und Abendmahlsgäste. Der Quellenwert der Kirchenbücher besitzt fast urkundlichen Charakter. Nur selten weisen sie Abweichungen von der Wahrheit oder Verschleierungen auf. Manche, besonders ältere Kirchenbücher kleinerer Gemeinden enthalten oft ganze Chroniken, auch ganze Genealogien ortsansässiger Geschlechter, so daß man ein lebendiges Bild vergangener Menschen und Ereignisse erhalt.
Da die Kirchenbücher von den jeweiligen Geistlichen geführt wurden, und diese sich auf die ihnen gemachten mündlichen Angaben verlassen mußten, besitzen sie nicht den gleichen Wert wie die heutigen Standesregister, die sich in ihren Angaben auf die Vorlage amtlicher Dokumente stützen. m , r
Die Eintragungen erfolgten in chronologischer Reihenfolge, jedoch getrennt nach den drei Amtshandlungen der Taufe, der Vermählung und des Begräbnisses. Entweder wurden drei verschiedene Bücher angelegt, oder man vereinigte sie tn einem Bande. Nicht selten wurden die Eintragungen teilwene vorne und teilweise rückwärts in einem einzigen Bande verzeichnet. Das Suchen nach bestimmten Namen wird durch ein Register wesentlich erleichtert, das aber sehr oft nicht vorhanden ist. Sehr zu beachten sind die Namen der Paten der Getauften, woraus wichtige Schlüsse auf die verwandtschaftlichen Beziehungen der Eltern gezogen werden können. Einträge über Angehörige solcher Religionsgemeinschaften, die am Ort kein eigenes Pfarramt hatten, stehen in den Matrikeln der nächstliegenden Kirche ihres Bekenntnisses. Es kommt aber auch vor, daß diese kirchlichen Amtshandlungen in den Matrikeln der anderen Konfession verzeichnet sind. Für Soldaten wurden besondere Militärkirchenbücher "" Für^die Praris der Kirchcnbuchforschnng seien einige Winke gegeben. Die Eheschließung fand in der Regel am Wobnort der Frau statt. Ein neugeborenes Kind erhielt oft den Vornamen des vor ihm verstorbenen Bruders oder der Schwester. Dies ist zu beachten, wenn etwa zwei Kinder eines Ehepaares den gleichen Vornamen führen sollten. Totgeborene und solche Kinder, die in den ersten Lebenstagen verstorben sind, stehen oft nur in einem Kirchenbuch, also im Tauf- oder Begräbnisbuch, vielfach nur im letzteren. Die Eintragungen über uneheliche Kinder stehen gelegentlich auf dem Kopf. Allgemein ist vor allem der Unterschied zwischen Geburt und Taufe, Tod und Begräbnis zu beachten. Oft ist nur die kirchliche Handlung eingetragen. Die Nichterwähnung einer kirchlichen Handlung ist kein zwingender Beweis dafür, baß sie überhaupt nicht stattgefunden habe. Kriegszciten, Tod des Pfarrers oder sonstige Umstände können eine Eintragung unmöglich gemacht haben, sie wurde auf geordnete Zeitläufte verschoben, dann aber vergessen. Oft konnten auch die Gebühren für eine Eintragung nicht bezahlt werden, und so unterblieb sie. Bei der Benennung der einzelnen Monate ist auf die abgekürzte Form 8 bris = oetobris; Oktober zu achten. Sie bedeutet in diesem Fall den 10. und nicht den 8. Monat. Entsprechend verhält es sich bei September, November und Dezember.
Einen nicht wieder gut zu machenden Schaden richtete der Dreißigjährige Krieg in Deutschland an. Er vernichtete zahllose
Kirchenbücher, so daß es heute in vielen Fällen unmdgNch fit über diese Zeit hinaus ältere Abstammungen nachzuweisen.
In der Regel werden die Kirchenbücher in den zuständigen Pfarrämtern aufbewahrt. Aeltere Register finden sich auch auf den Bürgermeistereien, Gerichten und Standesämtern. Viele Kirchenbücher sind den zuständigen Staatsarchiven abgeliefert worden. Es besteht keinerlei Zentralisierung, so daß ein Forscher niemals von vornherein weiß, welche Stelle die zu seiner Untersuchung notwendigen Bücher verwahrt. Viele sind schon durch unsachgemäße Behandlung und Aufbewahrung zugrunde gegangen.
Manchen Schwierigkeiten begegnet der Forscher bei der Entzifferung der alten Einträge. Nicht selten ist die Gefahr der Lesefehler, besonders bei Namen. Die Schreibweise der Familiennamen unterlag ebenfalls verschiedenen Einflüssen, so daß verschiedene Formen für ein und denselben Namen häufig sind. Jn- solge der Unleserlichkeit mancher Handschriften ist eine gewisse Kritik geboten. Es sind Bestrebungen von amtlicher Seite im Gang, diese Dokumente der Vergangenheit zu schützen und der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Man will alle Einträge durch Photokopien festhalten und damit ihren Quellenwert sicherstellen. Die so entstehenden Riesenkarteien können der Zusammenstellung von Stammtafeln eines ganzen Volkes dienen und die Ausarbeitung von Ahnentafeln wesentlich erleichtern.
Knabenlust.
Bon Johann Georg Fischer.
Horch, Märzenwind und Lerchenschlag, Und keine Schule den Nachmittag! Die Füße ohne Strumpf und Schuh, Auf trocknem Weg den Wiesen zu! Zum Nesterbauen und Veilchenblühn, Zu Palmenweiden und Ostergrün! — Und spielende Mägdlein an dem Rain, Die möchten wohl unsre Gesellen sein. — Die Felsen empor! wo der Wildbach braust, Daß den Mägdlein vor Schrecken und Freude graustl
Die Schusterkugel.
Roman von Hans Franck.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Uber wenn aus Mann und Frau, die ihr da ins Haus schneiten, beharrte Fiek Micheelsen bei ihrer Ablehnung, nach und nach auch zwölf würden, wie es dann mit dem Platz sei? Mit dem Platz für dreizehn?
Rikelchen erhob sich von ihrem Stuhl neben der Tür. Sie bedeutete Gust mit erzwungenem Lächeln: Was er und seine Mutter sich zu sagen hätten, sprächen sie wohl am besten unter vier Augen ans. Wenn es ihm recht sei, dann sehe sie sich derweil das liebe alte Häuschen und dessen Umgebung an. Er könne sie ja rufen, sobald sie mit ihren Ahmachungen fertig wären.
Gust nickte.
Und Rikelchen ging.
Als seine Frau draußen war, fiel es dem in der Stube Zurückgebliebenen hart auf das Herz, wie schwer der Gang durch die auf Schritt und Tritt glotzäugig starrende Fremdheit für Richelchen sein müsse. Er lief hinter ihr her, erreichte sie an der Küchentür, gab ihr mit festem Druck die Hand und streichelte begütigend, was er am allermeisten an ihr liebte: das dichte blauschwarze Haar.
Rikelchen lächelte, bedankte sich mit einem Kuß und s?tzte gestärkt ihren Weg fort. Sie besah sich immer wieder befriedigt nickend das hutzlige, heimelige Häuschen. Schüttelte im blumen- lvsen, verunkrauteten Garten mißbilligend den Kopf. Ueberschritt angstvoll, besorgt nicht um sich, sondern um jemand, der denselben Weg zurücklegte wie sie, die morsche Brücke des modrigen Wallgrabens. Stieg mühsam die Böschung zu den jahrhundertealten ' Linden des Stadtwalls hinan. Ließ sich erschöpft neben einem flachsblonden Mädcl^en, das mit ihrer Puppe vor der Fremden davonlief, ans einer Bank des Verschönerungsvereins nieder. Und sah umflorten Auges über die Fläche der kahlen Kuhweibe in saftgrüne Wiesenweiten.
Als Gust von der Diele in die Stube zurückkehrte, stemmte Fiek Micheelsen ihre beiden Fäuste in die Hüften. So hatte sie wunderte an Kämpfen mit den übrigen nenn, vom ersten bis zum sechsten, vom achten bis zum zehnten, bestanden. Mochte er loslegen, ihr in der Fremde überqeschnappter Siebter! Er hatte zwar immer seinen Kopf für sich gehabt, aber es mußte noch erst ausgemacht werden, wessen Schädel sich bei dieser Sache als härter erwies, seiner oder ihrer. Nun, wo endlich Platz und Ruhe vor den Kindern im Haus geworden war. sich ants neue anjiie Wand drängen lassen und bei den Kindeskindern das alte,» eingeengte, quarrige Leben wieder von vorn anfanaen? Nee!
Nicht mal bis zur Geburt ihres Ersten, mit der Rikelchen und er allerdings in sieben Monaten rechnen müßten, begann Gust das unterbrochene Gespräch an der alten Stelle, würden sie bei ihr unterzukriechen brauchen.
Er wollte doch ein Schustergeschäft in ihrem Hans anfangen, wehrte die Mutter ab. Ob er damit rechne, daß er schon in einem halben Jahr bankrott wär?
In den Baracken? Gust lachte, daß seine Widersacherin einige Augenblicke lang von der Furcht bedrängt wurde, ihr Häuschen


