Tasche und zieht die unschuldige Ursache dieses Aufenthaltes heraus. Was soll er jetzt damit ansangen? Nachschicken kann er sie nicht, denn die Dame hat keine Adresse hinterlassen, und sie hier abzugeben, hat ebensowenig Sinn. Also wird er sie mitnehmen als Erinnerung an dieses unvollendete Abenteuer.
Er wirft sie in seinen kleinen braunen Koffer, wo sie zwischen Aktenstücken, Rasierzeug und bunten Socken verschwinden und erst wieder in Berlin zum Vorschein kommen.
Als nämlich Irene sie beim Auspacken findet —!
Stephan spürt ein törichtes Herzklopfen und versucht eine einigermaßen glaubwürdige Erklärung für ihr Vorhandensein zu ^^^„Was hast du bloß wieder mit meinen Handschuhen angestellt?" fragt mitten in seine angestrengten Ueberlegungcn hinein die kleine Frau Irene. „Ich habe schon geglaubt, daß ich sie neulich auf der Bahn verloren hätte, und dabei reist du seelenvergnügt mit ihnen in der Welt herum..."
Oie Antike als Erzieher.
Das Hcldeuzeitalter der Grieche».
Von Dr. Wilhelm Gemperle.
Alfred Rosenberg hat kürzlich in seinem großen Vortrag Der Kampf um die Weltanschauung" darauf hingewiesen, „daß 'wir in unseren Herzen heute eine Wiedergeburt der Antike tn einem ganz anderen und viel tieferen Sinne als früher erleben und daß wir nach dem vielfachen Wandel des Bildes vom Griechentum in unserer Seele wieder die echten und uns verwandten müqc cifcnticn
Unsere deutschen Klassiker von W i n ck e l m a n n bis G o e t h e verehrten im Griechentum die Offenbarung der wahren Natur des Menschen in einer einmaligen, nie wiederkehrenden Geschichtsepoche,- sie sahen in den Hellenen die Schöpfer unvergänglicher Schönheitswerte, aus denen eine unvergleichliche Harmonie der Seele und des Körpers sprach. Daß die Griechen Menschen waren mit ihrem Widerspruch, Menschen, die kämpften, litten und irrten wie wir, das haben dann die Romantiker betont, vor allem Friedrich S ch l e g c l, und die tragische Zerrissenheck dieses Elitevolkes ist von Jakob Vurckhardt und Nietzsche wohl zu duster gemalt worden. Die moderne Altertumswissenschaft trat in ihrer Forschung der Antike möglichst unvoreingenommen gegenüber und förderte ein neues ungeheures Material für ihre^Beurteilung zutage, ohne es jedoch recht auszunutzen. Nun aber scheint die Zeck gekommen zu sein, um den Ewigkeitswert der Antike von neuem zu prüfen, um aufzuzeigen, was die Griechen f u r u n » bedeuten. Tiefe ebenso großartige wie schwierige Aufgabe unternimmt der Vertreter der klassischen Philologie an der Universität Berckn, Werner Jaeger, in einem hochbedeutsamen Werk „Paidem. Die Formung des griechischen Menschen", dessen erster dand vor kurzem erschienen ist. Das Buch stellt sich die bis heute noch nicht in Anariss genommene Aufgabe, die Selbstsormung des griechischen Menschen'zumGegenstand einer neuen Gesamtbetrachtung des Griechentums zu machen, und es deutet das griechische ^nschen- bild wie es sich in Gesellschaft und Staat, Literatur und Phllv- soph'ie von Stufe zu Stufe aufbaut, als den höchsten Ausdruck jenes einzigartigen erzieherischen Schöpfergeistes, von dem die unueraänaliche Wirkung der Griechen auf die Jahrtausende aus- strahlt. Diese gewaltige Kulturleistung wird aber nicht erst im 5. Jahrhundert vollbracht, das man bisher a^ das eigentlich kl s- siicbe ansah das aber schon die Keime des Verfalls IN sich tragt. Der Aufbau der griechischen Bildung vollzieht sich in den vorangehenden Jahrhunderten, in denen der heroische und politische ^^^aller^ErwBckrunq des geschichtlichen Horizontes die die SZ-WSS Ws» ÄÄ - ÄtiÄ Ä -»
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hafte Geistesvcrbundenheit zur Voraussetzung hat. Nur NSsSWU
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regt, muß nach tieferer historischer Nokwrnblgfelj zugleich mit dem Verlangen zu den Quellen des eigenen Volkstums der Trieb erwachen, zu den tiefen Schichten historischen Seins hinabzudringen, wo der artverwandte Geist des griechischen Volkes sich aus glühendem Leben die Form bildet, die diese Glut auf den heutigen Tag bewahrt und den schöpferischen Augenblick des Durchbruchs verewigt."
Die Griechen haben den Menschen „als Idee" entdeckt, als allgemeingültiges und verpflichtendes Bild der Gattung, und die Erziehung zu dieser wahren Form, dem eigentlichen Mcnschsein, wird in unermüdlichem Ringen erstrebt mit einer Leidenschaft und Innerlichkeit, die nirgendwo sonst erreicht worden ist. Und zwar ist es der mütterliche Boden der Volksgemeinschaft, der dem einzelnen diese allgemeingültige Prägung verleiht, der ihn zum echten, zum politischen Menschen macht. Durch Heldentum zum Staat — das ist der Weg, den d.ie griechische Erziehung schreitet. „Die größten Werke des Griechentums", sagt der Verfasser, „sind Monumente einer Staatsgesinnung von einzigartiger Großartigkeit, deren Ringen sich in einer lückenlosen Reihe durch alle Stufen der Entwicklung entfaltet vom Heroentum der Gedichte Homers bis zu Platos autoritärem Staat der Herrscherlichen Wissenden, in dem Individuum und soziale Gemeinschaft auf dem Boden der Philosophie ihren letzten Kampf aussechten."
Bei Homer findet sich die Hochgemutheit oder Grotzgesinntheit als eine besondere Tugend gepriesen, die eine Steigerung der Tüchtigkeit bedeutet. Hier ist die fundamentale Bedeutung der altgriechischen Ethik für die Formung des Menschen bereits klar zu erkennen. Aristoteles hat später die „Selbstliebe" in diesem Sinne als höchste Hingabe an das Ideal bezeichnet: „Denn kurze Zeit in höchster Freude zu leben, wird einer, der von solcher Selbstliebe erfüllt ist, einem langen Dasein in träger Ruhe vorziehen. Er wird lieber ein einziges Jahr für ein hohes Ziel leben als ein langes Leben führen für nichts. Er wird lieber eine einzige und große Tat vollbringen als viele geringfügige." In diesen Worten liegt „das ureigenste Lebensgefühl des Griechen ausgesprochen, in dem wir uns ihm art- und raffeverwandt fühlen, der Heroismus. Sie sind ein Schlüssel zum psychologischen Verständnis dieser kurzen und doch so unvergleichlich herrlichen Aristeia."
Die Spartaner wurden dann die eigentlichen Hüter dieser heldischen Tugenden. In ihnen ist die Eigenart der nordischen Einwanderer, die sich mit der alteingesessenen Mittelmeer-Bevölke- rung vermischten, am reinsten erhalten. Von dem dorischen Stamm hat wohl Pindar sein Ideal des blonden hochrassigen Menschentypus hergenommen, als den er sich die „blondhaarigen Danaer der Helden-Vorzeit des Hellenentums vorstellt. Der Sänger dieser spartanischen Weltanschauung ist Tyrtaios, der das homerische Ideal der heroischen Tugend zum Heroismus der Vaterlandsliebe umschmilzt und mit diesem Geist sein ganzes Volk durch- dringt. Der Ruhm der homerischen Helden tritt nun in den Schatten vor dem Ruhm des einfachen spartanischen Kriegers, der tief in der bürgerlichen Gemeinschaft verwurzelt ist: „Wer unter den Vorkämpfern fällt", singt er, „und sein liebes Leben verliert, nachdem er seine Stabt, seine Mitbürger und seinen Vater mit Ruhm bedeckt hat, wenn er von vielen Geschaffen vorn durch die Brust und durch den buckligen Schild und den Panzer getroffen daliegt, den beklagt allzumal jung und alt, und sein Grabhügel und seine Kinder sind unter den Menschen geehrt und seine Kindeskinder und sein späteres Geschlecht, und nimmer geht sein Rubm und sein Name zugrunde, sondern ob er gleich unter der Erde liegt, wird er unsterblich." Nur durch die Gemeinschaft erhält der einzelne seinen idealen Wert. Und nur die selbstaufopfernde Staats- qesinnung verleiht ihm die echte Tugend, zu der Tyrtaios seine Mitbürger erzieht. Die heroische Rnhmcsidee hat stets diesenpoli- tischen Klang in der griechischen Geschichte behalten, und der Staat, die Polis, trat in den Mittelpunkt seines ganzen Wesens und Denkens, wurde zum Kraftzcntrum der Kultur. Das Erziebungs- ideal der griechischen Adelsgesinnung ist von Theognis und Pm- dar noch großartiger ausgestaltet worden. Die Ionier und im Anschluß an sie die Athener brachten dann etn anderes Element hinzu, indem sie den neuen philosophischen Menschen erstehen ließen, der sich mit seinem Denken tief in die Ge^nmniffe der Erde und des Alls vergräbt. Durch sie erreicht die Entwicklung des politischen Tugendvegriffes ihren Höhepunkt: mit der Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit vereint sich die Weisheit, ein Zusammenklang von Eigenschaften, der noch für Plato das Ideal der Erziehung darstellt »nd seitdem durch die Jahrhunderte als Leitmotiv aller menschlichen Vervollkommnung weiterhallt.
Ein Mann namens Schmitz.
Novelle von Wilhelm Schäfer.
(Fortsetzung.) «Nachdruck verboten.)
Glauben Sie etwa, Herr Doktor Schmitz, es wäre eine Laune oder ein Uebermut gewesen, daß ich mir die Rusche aufsetzte? Ich bin, als die Verlegenheit der Profefforentochter bekannt wurde, in alle möglichen Hilfestellungen verschoben worden, wo ich am Ende doch nur lästig, eine Last war. Ich habe zusehen muffen, wie sich weiß Gott wer - ‘
— in Verlegenheiten Gelöbnis getan, mir
um mich brachte, und habe mir zuletzt ein nicht mehr helfen zu lassen, sondern mir
daß ich es kann. Ich habe das Brot in Deutschland um einen Esser erleichtert, indem ich hier in eine Stellung gegangen bin, wo ich wirklich gebraucht und dafür entlöhnt werde, wie es heißt. Sie mögen von sich aus meine Lage schrecklich finden, wie Sie gesagt haben: von mir aus war alles, was vorher ging,


