„Was ist los, ihr Leute?
Grüß schön I" sprach Dago-
ßeute."
„Neue Verabredung?"
gestern im „Känguruh" ... „Ich muh wieder gehn, ihr
„Ja: mit Barby."
„Grüße die Barbinette! Grüß sie schön!
bert plötzlich ungewöhnlich belebt. . , .
Vergiß nicht deinen „Kneller, Kostümkunde l mahnte Diez besorgt. ,,O nein!" antwortete sie leise und lieb und entschwebte mit dem
Stncller.
Die beiden „älteren Herren" aber blieben in Gedanken zurück ..-.
VIII.
Am nächsten Abend stand Klüter mit dem ihm befreundeten Oberwachtmeister Pingel vom Revier vor der Haustür. Der Himmel sah schiefergrau aus. ri , „ ,
„Es kommt 'n Dreesch!" unterbrach Klüter ein ernstes, sorgenvolles Gespräch. .. .
„Kann sein!" meinte Pingel gleichmütig.
Er ist gegen Abend mit dem Wagen rüber nach Schildhorn ...
Pingel, stämmig, mit schwarzer Bartbürste und knarrenden Ledergamaschen, griente. „Also keine Bange, Klüter! Anruf auf der Wache gen^Nee^wirklich, ich sage Ihnen, Pingel: Wieder so junge Kerls da drüben, gut und patent angezogene Päepels, sahen schon ganz früh und dann wieder mittags drüben auf der Bank und glotzten ruber. Mal allein, mal zu zwein und drein: auch mit Machens. Diese verfluchte Bank da drüben is gradezu eine Aufforderung und Einladung dazu! Es war Klüters fixe Idee und Sorge, sein Lieblingsthema. „Die Zunft weih natürlich ganz genau, was bei uns zu fressen ist. Na ja: Is alles prima gesichert, mit Alarm und Feuerwerk. Weih ich ... Bloh tlppan — schnedderrdeng, bumbum! sag ich Ihnen, Pingel. Schlacytmusik mit Festillumination ... Ich hab', wahrhaftigen Gotts, Angst, dah der Klamauk mal von selber in der Nacht losgeht."
Na nlio!" Pingel sah wieder aus die Uhr im braunen Lederrmg unterm Aermel. „Kein fires Geschäft, Klüter, nach meiner Ansicht, so Kunstklamotten! Verpfeift sich zu leicht ... Na, ich muß in meinen Laden. Wiedersehn! Und nicht zuviel Bibber!" Pingel lachte und ging breit, m-t metallisch klirrenden Absätzen, davon.
„Bibber!" qiitete sich Klüter. Pingel tat immer wie der liebe Gott oder der VKizeipräsident. Drüben, in der dicken Schieferwand hinter der Heerrtrihe. wetterleuchtete es plötzlich. Klüter nickte befriedigt: „Es kommt 'n Dreesch! — Bibber ...?" Er ging ins kühle Treppenhaus zurück yinzel kam vorüber. Mir is verdammt so, als ob heute dicke Luft wär', Lina. Nich bloh das Welter. Drüben an der Promenade sollen
Dera».wörtlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Derlag: Brühl'sch« Univerfitäts.D uch-undSteindruckerei.R. Lanae,Gießen.
der an, „Blech und Blödsinn, für die ältere Jugend, Du wolltest ein ^a, Knellers „Kostümkunde der Frau". Ich brauche es zu einem witzigen Vergleich für eine Reklamezeichnung — sehr eilig! Wie gefiel Frau Gugernell der Film? fragte Till. . smxsj.«,.
Diez röchelte mit der Pfeife. Was sprach das junge Mädchen da
re0ßouis wandte sich erstaunt um, während sein hellgraues Jackett, ferne Weste, sein Haar, sein Gesicht, Hals, Kragen und Krawatte nah wur- den Er wollte furchtbar böse auf Glanzet werden Aber da sah er d's Helle Gestalt, ziemlich aufgeweicht, unter dem kreisenden Rieselregen stehn und sich lachend schütteln. „Gehn Sie doch aus den Weg hinaus, Katarina!" rief er und rettete sich selbst mit behenden Sprüngen aus dem Element.
„Das ist herrlich! Verzeihen Sie! Es war ungeschickt ... Ich weih nicht, wie es kam. Ein richtiger Pladderregen: er hat uns gefehlt. S,e bückte sich rasch und drehte erst verkehrt, dann richtig ab.
Der Professor schüttelte sich, wie ein mächtiger Neufundländer. Das Wasser lies ihm kalt und unverschämt in den Nacken. Nun mußte auch er lachen. Seine Dusche und Abkühlung hatte er weg!
Frau Gugernell bewerkstelligte eine hohe Flucht, die breite Steintreppe zur Terrasse und zum Gartenzimmer empor-, pitschnaß.
„Was mache ich mit Ihnen, gnädige Frau?"
„Bitte um eine Decke! Ich fahre heim."
„So lass' ich Sie nicht weg! Sie werden sich jetzt umziehen. Frau Klüter wird aushelfen. Ich habe oben in einem Schrank indische Schals und altchinesische und persische Kleider."
Sie lachte wieder und preßte bte Hande auf das nasse Haar, das flach und kindmädelhaft anlag: ein andres, überraschend junges Gesicht, bas man gern mal hätte streicheln mögen.
Frau Lina kam ihr vom Seitentrakt her schon nachgeeut.
„Schreckliches Malheur gehabt, liebe Frau Klüter!
Es gab köstliche Sachen in dem großen Jnnozenz-Schrank hinter dem Papstzimmer: Schals und Gewänder aus Spinnweb und bestickter Seide. Louis hatte das mal für Adele erstanden, ein Gelegenheitskauf auf einer Auktion; Adele hatte es sich interessiert angesehen, hatte es dann ein- aemottet und weggehängt. _ , , ,, .
9 Louis hatte den großen Schlüssel aus feinem Safe geholt; dann trollte er sich eilig. Toller Auszug! War so etwas möglich und erlaubt? Er sah wie ein Strolch aus. Er überließ es den Damen, wo und wie die Verwandlung vor sich gehen sollte. * _ ,
Im Ankleidezimmer waren Geräusche, Stimmen und Lachen. Dort föhnte und trocknete Frau Klüter, schlang zuletzt, geschickt einen Turban und trocknete auch die Hellen Lederschuhe. Dann wurde es still.
Katarina wickelte sich selbst zu einer königlichen Mumie eng in zarte weiße Schals, die sie mit Spangen und Nadeln aus einer roten Lederschatulle befestigte, zog einen schimmernden Kimono darüber an. Der Schal und seine Fransen hingen modisch um die schlanken Knöchel in Lina Klüters feinsten seidenen Sonntagsausgehstrümpfen. Katarina schnupperte an ihrem Komplet herunter; es roch nach einigen Jahrtausenden und leicht nach Moschus.
„He? Ja?"
„Hier Katarina Guggernell!" Sie bat um eine Spritzflasche gegen das diskrete Jahrtausendparsüm der Dynastie Ming oder Al Raschid und gegen den Moschusduft.
Er erwartete sie in schneeweißem Anzug mit feurigrotem Schlips, herrlich gelaunt in diesem Trockenzustand.
Ein wenig zu stark in Weiß — aber stattlich und appetitlich! erfaßte Katarinas sanfter, kaum sich erhebender Blick unter den seidigen Wimpern Die Dame Gugernell sah noch schlanker und größer aus: halb indische Radschafrau, halb chinesische Dynastin, unerhört echt und reizvoll mit ihren hochgeschwungenen Brauen, Königin, Kaiserin, vollkommene Exotin; schien bloß Altindifch-Chinesisch-Persisch zu verstehn.
Doll doll' dachte er auf gut berlinisch und meinte die neue Situation, die fremde hohe Frau und sich selbst aus der hohen Gelehrtenkaste. t
Sie hielt den Kopf stolz und gerade. „Danke!
Er stellte die Flasche weg und stand einen Augenblick hilflos, mit stürmisch-rundem Blick, da. So ähnlich war es immer: Als verschlösse sie sich plötzlich, in einer Sorge vor sich selbst ober vor ihm...
Der Garten lag in tiefer Dämmerung und duftete nach Holunder und Faulbaum. Jetzt tropfte es rasch und schwer auf das Markisendach des Balkons und auf die großen Blätter unten, und bann rauschte der Regen und schloß die Welt ab: der erwartete „Dreesch" des Propheten Klüter. ’ ,
Die exotische Dame sprach gedämpft, mit steifem Kopf und fremdartigem Mienenfpiel, als spiele sie mit Lust eine Rolle.
Er beobachtete sie mißtrauisch und entzückt. Er wurde wieder nicht klug aus ihr, obwohl er sie für einen schlichten, warmen grundehrlichen Menschen hielt, der sich ernsthaft nach sich selbst sehnte; sie hatte davon gesprochen. Klüter verschwand, wie ein dienender Dschinn im Frack.
lFortsctzung folgt.)
auch am Nachmittag wieder zwei geglotzt haben, sagt das neue Küchen-
Zieh' die Jalousien hoch!" befahl Mussolina. —
Gegen halb acht kam der Wagen, noch trocken, zurück Man hatte am Waller gesessen- Frau Gugernells Haut hatte einen blassen Schimmer, und ihre^Augen zeigten einen graudunklen Glanz. L°uls Hchselbrmk hatte heute micht gern allein sein mögen. Er spurte bas deutlich, als er mit ihr ins Haus trat, an einem Anfall von Glück.
Sie gingen hutlos durch den Garten. Er fchnitt ein paar blühende Zweige ab. Er wurde ernst dabei und Katarina ungeduldig. Sie schritt cbwebend, mit schwingenden Armen, von ihm weg, eme Helle, hohe Gestalt, über den Rasen zu dem blanken Hydranten in der Nahe, drehte aus Versehen ober mutwillig — sie wußte es selbst nicht — an dem Schlüssel. Unb plötzlich standen sie beide in einem erfrischenden Sruh
Sie suchte eifrig an dem dekorativen Bücherbrett. Dagobert strahlte vor Heiterkeit und Zorn. „Sag mal, Diez! Kolossal frech ... Du wirst dir einen Mörserschuh zuziehen!"
Eine weihe Wolke hüllte den Stocker em. „Was ist los, ihr Leute? Wollt ihr etwas wissen? Nimm doch Plad, kleines Mädchen! Er selbst versenkte sich in Dagoberts kissenreiche Couchecke. Wie hübsch groß und eigentümlich matt Till heute in dem abendlichen Zwielicht aussah! Leidend, innerlich bebend, ein beseelter Reisbesen ... Sie tat »hm e n bißchen leid „Also sie — ich meine Katarina — kennt, rote sie mir auf Anfrage erzählte auch die Zita Dita, die in „Mensch und Aefftn rnelo- diich beschäftigt ist; wollte sie gern hören. Ist L°uis ihr Sklavenhalter? Lächerlich! Du kennst ihre unbesorgte Art, Dag. Und ich--
„Und du?" fragte Till freundlich.
Sie interessiert mich außerordentlich, interessiert mich rasend. Ich mache kein Hehl daraus. Ich brauche so eine Figur, gerade diese Figur, fo einen höchst menschlichen Typ mit Zauberhaften Lichtern, die ver- chwiegen oder hintergründig schillern .---WlUre, wie gesagt, Stoff, der das Ventil mit Heftigkeit öffnet; ich wünsche, dem irdischen Wesen Gugernell bis unter die Haut zu sehen. Sela. Das ist es, was mich lockt und wappnet!" sprach Dr. Diez Hasseibrink. „Cchansche Andeuttmgen an deine Adresse, mein lieber Dagobert, gehn mich nichts an. Ich fchlendre meine Straße und grüß die schönste Frau, ihr Idioten!
"Io* fp'frcht^nw'n^nicht mit einem älteren Herrn!" rügte Diez und legte sich das größte Kissen auf den Bauch, um in stille Beschaulichkeit $U °Sag ^mal: Was tatest du gestern abend auf dem Kursürstendamm, Till?" fragte Dag, friedlich ablenkend.
Tills lange, blanke Brauen wurden noch länger. „Du warst auch in der Gegend, Dagobertchen?"
Dagobertchen nickte.
Wer —*>“ fragte Diez aus feiner Kissenschwellung.
'Baron Glod", sagte Till lässig in die Luft
Ah: Rikodem, der Glod? Ein etwas unheimlicher blasser Knabe, zarterer Nachkomme Dschingis-Khans. Näher befreundet?
Sie sah roeibbaft verschlagen aus und hatte blühende Lippen. „Ich führe kein Tagebuch, Diez. Er ruft mich öfters im Geschäft an unb betucht mich mal in meinem Zeichenbüro, wie er nach Lust unb Laune auch Rabindranath Tagore, Chaplin unb Vernarb Shaw aufsuchen würbe. Er hat famose Einfälle für mein Fach unb hat sehr viele Geschmack, geloben mit Geist unb Witz, Erlebnis und Welt. Er kam auch nach dem Tulpenweg in meine Himmelsbude, besuchte dabei natürlich auch Onko, der gerade aus Tegel anrollte. Wir waren „„„um
Allerhand!" Sie sah auf ihre Armbanduhr.


