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'verantwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und "Verlag: Drühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.
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so trat der Direktor etwas nach hinten, was man deutlich sah, und die Peitsche, deren Riemen irgendwo im Sande lag, zuckte
„Changez!“ sprach dann immer der Direktor! Das war nicht ""^Fertig,^Dauphin! Feingemacht!" Abgeseilt, ein Stück Zucker in den Mund und hinaus aus der Schule, in den Stall zurück! Das war der erste Tag!
Lang ward dem Pferdchen die Zett bis zum nächsten Morgen, und was brachte dieser Morgen? Nichts Neues, nichts Neues! Noch einmal und noch zum Ueberdrusse oft das alte Spiel mit „Changez!“
Am dritten Tag sprach der Direktor:
„Ist die Kleine fertig? So bringt sie!"
Wer kam da zu Dauphin? Die kleine Miezi, die neulich so verpeitscht worden war. Sie wurde vor Dauphin gestellt, mußte ihm also gleichsam den Weg weisen, denn Dauphin war schon nicht mehr angeseilt! Sie trippelte gar possierlich vor dem doch größeren Dauphin her und sah nicht nach rechts, nicht nach links ... sie hat sicher schon oft solch Lcithammelspicl getrieben ... und Dauphin brauchte nur hinter ihr drein zu marschieren.
Machte der Direktor nur eine leise Bewegung, so wußte sie gleich, daß er nun „Changez“ sagen würde, und sie changierte "" Das°hätte Dauphin unstreitig so glatt nicht fertig gebracht ohne sie.
Aber sie trippelte ihm zu langsam! Er konnte das nicht leiden: wiederholt setzt er den Huf seitab nach vorn, um vielleicht selber an die Spitze zu kommen oder wenigstens zu zeigen, daß er hin wolle ... Aber immer zuckte die Peitsche auf, und Dauphin blieb gehorsam! _ ,. _ . „ .
Als die Uebung zu Ende war. lief Dauphin vor Freude allein nochmals die Runde, aber der Direktor beachtete es nicht. Und als er's endlich doch beachtete, zuckte die Peitsche, und Dauphin schmiß den langen Schweif hoch nnd schleuderte vor Wollust die Hinterbeine, konnte aber nicht schnell genug draußen fein: Gehorsam ist das Beste
Am vierten Tage geschah dasselbe wieder, am fünften machte Dauphin sein Lektiönchen ganz allein und bekam zwei Stückchen Zucker. Aber dennoch durfte er am Abend nicht zu den Borstellungen! Zwar riß er an seiner Kette, als er sah, wie seine Kameraden aufgeputzt wurden nnd hinausgehen durften in den grellen Lichterschein, allein niemand achtete seiner Sehnsucht.
Bald kamen zu den allmorgendlichen Uebungen noch andere Pferde, große, ganz große, und auch der Freund Fuchs trabte eines Tages mit Dauphin in die Manege und machte sein „Changez“ ohne jeden Tadel. Er hieß Wallenstein! Welch eine Wonne war es für Dauphin, so in der Schar der Großen und Kleinen, als Jüngster sein Kunststück zeigen zu können, nicht auf- zusallen, nicht überzutreten, sich vor allem nicht vorzudrängen! sein „Changez“ rechtzeitig, nicht zu früh wie hinten die kleine Miezi und nicht zu spät rote fast alle zu erkennen! Und.durch nichts zu verraten, daß man doch der Jüngste roar!
„Wallenstein und Dofäng!" schrie dann der Direktor, und die zroei Freunde mußten hinaus, indes die anderen weiter üben durften! ,, , _
Aber ach, rote bald rourden die Uebungen schwerer! Dauphin sollte erst den linken, dann den rechten Vorbersuß auf die Barriere heben nnd stehen bleiben und zu den Leuten gucken, die da saßen: Madame, Turnerinnen in nachlässigen Lumpen, Burschen, Sklaven, Männer mit scharfen Scheiteln und gradlinig zugeschnittenen Koteletts! Alle mit Zigaretten zwischen den Lippen und mit lächelnden Publikumsgesichtern!
Das war nicht so leicht, rote es sich ansah! Jedoch: keine Schläge gab's dabet!
Aber dann sollten auch die Hinterbeine auf die schmale Barriere! Dann mußte gegangen werden, gelaufen werden! Links eine Peitsche! rechts eine Peitsche! Wenn die Stunde vorüber roar, roußte Dauphin nie mehr, ob diese Peitschen ihn geschlagen hatten! Wenn diese Stunden vorüber ivaren, so klopfte jeroeils Dauphins Herz, der Schroeiß stand ihm in den Haaren, und der Schaum fiel von seinem Mnnde.
Nicht einmal vierzehn Tage dauerte es, da konnte Dannhin auf der Barriere schreiten und laufen, rote die Peitsche es roünlchte!
Das roar aber durchaus fein großes Stück: das konnte selbst Miezi fast im Schlaf. Immerhin mußte es für Dauphin als eine bedeutende Leistung gelten: denn an einem der nächsten Abende durfte er hinterm braunen Sarntvorbang steben und durch den Spalt hineinfehen in die Menge der fröhlichen Menschen. Ja, als er seinen Kops einmal recht weit vorstreckte, als der Bursche, der ihn hielt, ihn sogar einen Schritt vortreten ließ, da fingen etliche Kinder, die da in der Nähe saßen, an zu jauchzen und zu toben: , „
„Da Mama, sieh dies fchroarze Kerlchen, eben kommt s.
Aber nein, es kam nicht!
Doch am andern Tage geschah es, daß dem kleinen Dauphin, bevor der Unterricht begann, ein roter Sattel anfaefchnallt wurde, der von roten Bändern an feinem Rauch festgehalten roitröe. In diesem Staat durste es alle feine Fertigkeiten zeigen: Nundlauf im „Changez“. Beine auf Barriere und — sich nicht vor dem Publikum fürchten, Nundlauf auf Barriere!
(Fortsetzung folgt.)
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kommt näher zu Miezi, hebt die Peitsche auf, bückt sich, faßt Miezi am Unterschenkel und läßt sich auf ein Knie nieder.
„Rudolf herbei!" kreischte er und starrt Miez, in die Augen.
Aus der Reihe von Burschen, Manern und Mädchen, die da umherstehen und gucken, springt einer in die Manege und wirft die Zigarette von sich. Er trägt eine kurze Peitsche mit sich und stell? sich mit gespreizten Beinen neben seinen Direktor und neben Miezu^ toieit dieser wieder, und Miezi hebt gehorsam und gefällig den Huf in die hingehaltene Hand, gibt bereitwillig dem Druck und dem Zug dieser Hand nach und senkt Kops und Hals zur Erde herab. Jedoch, da das Knie den Sand berührt, zuckt der Kops aus, und das ganze Körperchen zuckt nut. Rudolf, der Bursche, reißt einen Schlag über den Kopf Miezis, daß selbst Riesele zusammenzuckt und au seiner Leine zerrt. Umsonst, der Kopf Miezis turnt weiter, aber baö Knie ruht fest tm Sand, fest in der Hand. Einen Augenblick ruht auch der Kopf, und: „Brav, brav!" ruft der Direktor, „so ist's brav, Miezi!"
Ueber des Tierchens Kopf aber steht nun etn kleiner, drei- spitziger Stahl aus der Hand Rudolfs herab. Berührt fast die Haut zwischen den Ohren! ,r .
Festgeklemmt zwischen Hände, Peitschen, Stahl und Menschen- rotllen, steht Miezi und rührt sich nicht mehr.
Die Hand des Direktors will sich unten vom Schenkel lösen. „Miezerl, Miezerl, liab Dingele, Znckerle gibt's, Znckerle!
So isch's brav, liab's, so isch es liab!" t .
Miezi aber wird, da die Finger sich lösen, unruhig, der Kopf stößt empor, stößt in die drei Stahlspihen, und das ganze Körperchen wirft sich auf. Der Direktor fällt um, Rudolf schlagt mit Fäusten drein, Miezi stürzt über den Direktor, wird hinwegge- rissen, rast, den Dreizack in der Stirn, nach dem Ausgang, wo die Knechte stehen, und wird dort aufgefangen und auf Armen zu- rückgekragen zu seinen Quälern. t ri .
Rudolf reißt den Stahl aus der Haut und steckt ihn ein, der Direktor hebt die beiden Fäuste über sich, als schleppe er einen Felsen, geht so auf Miezi los, und in seinem Antlitz schwirren die Lederriemen verhängnisvoll umher.
Ein Strömletn roten Blutes sickert Miezi über die weiße Nase herab. _,
Der Direktor achtet nicht darauf, er streckt die Hande aus, Rudolf reicht ihm die Peitsche, er flüstert für sich:
„Immer feste druff! Immer feste druff!" Er sagt, süß lächelnd, laut zu den Umstehenden:
„Jibi man ihm seinen Hafer umsonst?"
Die Sklaven lächeln im Chor:
„Pas du tont!“ und:
„Nur die Ruhe kann es machen!" sagt der Direktor und nähert sich wieder Miezi. Er spreizt die Beine, stößt sich die Fäuste in die Hüften, beugt den Oberkörper gegen Miezi und spuckt ihr ins Gesicht. Hebt den Zeigefinger weit übern Kopf, wirft ihn nach dem Ausgang zu und gibt Miezi einen Tritt, gegen die Hinterbacken, daß sie etliche Schritte machen muß, und die Sklaven holen bas Tier und führen es ab in den Stall.
Der Direktor zieht wieder sein rotes Schnupftuch, wischt sich über die Stirn, geht ans Riesele zu und sagt:
„Die kleine Dame, die du eben kennen gelernt hast, meint, sie habe ihren Willen durchjesetzt: aber sie wird erst morgen erfahren, wie sie sich tauscht! Ich sehe es dir an, du bist von anderem Schrot und Korn Und du. Großer", sagte er zu Wallenstein: „na, wir werden uns ooch noch zu sprechen haben!"
Er wandte sich ab:
„Wo stecken die Oofuste?"
Sie ivrangen vor, die Auguste, drei Stück!
Der Direktor schnalzte mit der Zunge, sie warfen ihre leichten Körver zum Salto mortale zurück und standen auch schon wieder in Reih und Glied.
„Aus die Hände!" schrie der Direktor. Sie schwangen sich ans die Hände und liefen im Kreise, die lange Peitsche schleifte hinter ihnen drein.
„Changez!“ Sie wechselten die Richtung.
Der Direktor wandte sich an Riesele und schrie: „Dofäna! Hast du das gesehen? — Kein Schlag!" Er wandte sich zurück.
„Tierschutzverein?" rief er dann, „wer fragt?"
Der dickste von den dreien fragte den Direktor:
„Sind Sie im Tierschutzverein?"
„Sind — Sie — im — Tier—schütz—oer—ein?" äffte der Direktor nach, „wer wird so dämlich fragen?"
Alle drei schrien sie nun, jeder in feiner Art und mit fröhlichen Bewegungen der Hände, der Augen, der Beine, auf ihn ein:
„Sind Sie int Tierschutzverein, Meister?"
10.
Gleich am anderen Tage begannen auch für Riesele, das nunmehr Dauphin genannt wurde, die Dressuren im Sande der Maneae. Dauphin freute sich darauf, reckte die Obren hochauf, stampfte mit den Husen, konnte gar nicht abwarten, bis die lange Peitsche mit ifiretn harmlosen Geknall den Befehl, zu marschieren, gab! Eine Kleinigkeit, eine Leichtigkeit, ein Kinderspiel, so im Kreise langsam und sicher zu schreiten, den Kovf ungezwungen hochzuhalfen immer innen an den abgerundeten Bretterkasten der Barriere entlang!
Wenn Dauphin entgegengesetzt dieser Richtung laufen sollte,
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